Dreileben - Komm mir nicht nach (TV)

Komm mir nicht nach

Regie Dominik Graf  Drehbuch Markus Busch, Dominik Graf  Produzenten Andreas Bareiß, Sven Burgemeister, Gloria Burkert 
Genre Drama  FSK 12  Filmlänge 89 min
Land Deutschland, 2011  DVD-Start 30.08.2011  Blu-ray-Start 30.08.2011  Verleih ARD

Story

Als im Thüringer Wald, in dem kleinen Ort Dreileben, ein Sexualstraftäter entfliehen kann, wird die Polizeipsychologin Johanna nach Thüringen abkommandiert. Zufällig wohnt auch eine alte Freundin, Vera, zusammen mit ihrem Mann Bruno in dem abgelegenen Ort. Für die Dauer ihres Aufenthalts kommt Johanna bei den beiden unter. Während sie tagsüber bei der Suche des Straftäters hilft, kommen beim allabendlichen Beisammensein mit Vera und Bruno alte Geschichten und alte Gefühle hoch. Als den beiden Freundinnen klar wird, dass sie vor vielen Jahren, während ihrer Zeit in München, in den gleichen Mann verliebt waren, wird nicht nur die Freundschaft der beiden, sondern auch Veras und Brunos Beziehung auf die Probe gestellt.

Schauspieler

Dreileben - Komm mir nicht nach (TV) Jeanette Hain, Susanne Wolff, Misel Maticevic, Rüdiger Vogler, Timo Jacobs, Lisa Kreuzer, Frank Kessler, Jacob Matschenz, Luna Mijovic, Stefan Kurt

Filmkritik von Kathrin Lang

Kathrin vergibt 4 von 5 Ms Dreileben - Komm mir nicht nach (TV) Bereits im vergangenen Jahr präsentierte Regisseur Dominik Graf auf der Berlinale ein Fernsehprojekt: Mit seiner Miniserie „Im Angesicht des Verbrechens“ gelang es ihm, deutsche Fernsehproduktionen als akzeptierten Festivalbeitrag auf der Berlinale zu etablieren. Obwohl von dem Fachpublikum auf der Berlinale noch als „Meilenstein der deutschen TV-Geschichte“ gefeiert, wurde die Ausstrahlung der zehnteiligen Polizeiserie letztlich jedoch ein Flop. Kaum jemand, in ansonsten üblichen TV-Einschaltquoten gedacht, schenkte „Im Angesichts des Verbrechens“ auf Arte um 22 Uhr Beachtung. Ohne all zu düster in die Zukunft blicken zu wollen, könnte dies auch das traurige Schicksal der „Dreileben“-Trilogie werden. Trotz spannendem Konzept und stilistisch nicht nur interessanter, sondern in Teilen auch fabelhafter Inszenierung, sieht massentaugliche Fernsehkost in Deutschland eben anders aus.

Dabei ist Dominik Grafs „Komm mir nicht nach“ sicherlich der am leichtesten zu verdauende Trilogiebeitrag. Graf sucht und findet innerhalb der „Richtlinien“ der Berliner Schule schon seit geraumer Zeit immer wieder den Mittelweg. Verankern seine Kollegen häufig die grundsätzliche Unmöglichkeit von Kommunikation, eine gewisse Art von Sprachlosigkeit, in ihren Filmen, stehen bei Graf immer wieder die Dialoge im Vordergrund. Auch er bemängelt zwar die stereotypen Dialoge deutscher Filme (zuletzt eindrucksvoll in einem Interview mit Marco Abel in der 57. Ausgabe des online Journals "Senses of Cinema" diskutiert), bildet mit seinen Filmen jedoch ein Rezept für den Umgang mit Sprache/Kommunikation heraus, durch das es ihm gelingt, den Dialog in seinen Filmen als maßgebliches Element künstlerisch zu platzieren. So bildet der gestellte Dialog in Grafs Filmen das Zentrum – und dieser Dialog besitzt Leichtigkeit ebenso wie Unterhaltungswert und ist im Fall von „Komm mir nicht nach“ sogar überaus lustig. Seine drei Protagonisten liefern sich schlagfertige Wortgefecht, diskutieren hitzig über die Liebe, das Leben, große und kleine Probleme. Dadurch gewinnt sein Film an Tempo; die langen Szenen erscheinen nicht lang, sondern unterhalten kurzweilig.
Als Mitteilteil der Trilogie ist „Komm mir nicht nach“ daher hervorragend platziert. Auch wenn Grafs Beitrag durch seine gespielte Leichtigkeit nicht ganz so prägnant ist wie Petzolds "Etwas Besseres als den Tod", bildet er doch einen angenehm frischen Kontrast im Gesamtgefüge der Trilogie. Weiterlesen...

Wissenswertes

Dreileben - Komm mir nicht nach (TV) Erstausstrahlung: Montag, den 29. August 2011 ab 20:15 Uhr im Ersten

"Dreileben" ist das ambitionierte Fernsehprojekt von drei renommierten deutschen Regisseuren, das am 16.02.2011 auf der Berlinale in der Sektion "Forum" seine Premiere feierte. Verbunden sind die drei Filme durch ihren Handlungsort und einen Kriminalfall.

Den Trilogieauftakt macht Christian Petzolds "Etwas Besseres als den Tod", gefolgt von Dominik Grafs "Komm mir nicht nach" und Christoph Hochhäuslers Trilogieende "Eine Minute Dunkel".


Unter der Bezeichnung „Berliner Schule“ versteht man eine Stilrichtung des deutschen Films, die sich in den 1990er Jahren herausgebildet hat und die sich als eine Gegenbewegung zu dem gängigen Erzählkino (wie wir es beispielsweise von Hollywood kennen) versteht. Entstanden ist die Bewegung an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin. Dort studierte unter anderem Christian Petzold, der seither als Mitbegründer der „Berliner Schule“ gilt. Heute ordnet man auch Filme von, unter anderem, Christoph Hochhäusler dieser Stilrichtung zu; obwohl dieser Absolvent der Münchener Hochschule für Fernsehen und Film ist. Durch ihre Vergleichbarkeit mit Filmen der französischen „Nouvelle Vague“, wird die „Berliner Schule“ häufig auch als „Nouvelle Vague Allemande“ bezeichnet.



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