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An die Grenze (TV)
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Regie
Urs Egger
Drehbuch
Stefan Kolditz
Produzent
Christian Granderath
Genre Drama FSK 12 Filmlänge 105 min Land Deutschland, 2007 DVD-Start 01.01.2010 Verleih ZDF |
Story
Der 19jährige Alexander Karow tritt 1974 seinen Dienst bei der Nationalen Volksarmee der DDR an. Er tut das vor allem deshalb, um sich der übertriebenen Fürsorge seines Vaters, der bei den Behörden um eine Rückstellung seines Sohnes gebeten hat, zu entziehen. Alexanders Vater ist ein renommierter Chemieprofessor und erwartet ganz selbstverständlich, dass auch sein Sohn Chemie studieren wird. Alexander möchte aber viel lieber Fotograf werden und für den Preis seiner Zustimmung zum Einsatz bei den Grenztruppen wird ihm eine Ausbildung als Fotograf in Aussicht gestellt.
Doch schnell wird Alexander klar, was die Realität an der deutsch-deutschen Grenze tatsächlich bedeutet: Selbstschussanlagen, Minen und die ständige Angst im Nacken, vielleicht selbst einmal auf einen Menschen schießen zu müssen. Hinzu kommt, dass er bei einigen seiner Kameraden aufgrund seines Rufs als „Bonzensohn“ nicht sonderlich beliebt ist. Schikanen gehören zur Tagesordnung, und die Wache am Todesstreifen zermürbt Alexander zusehends. Dann verliebt sich Alexander in Christine, die als Traktoristin im Grenzgebiet arbeitet. Christines Bruder ist ein erbitterter Feind des Regimes, was Alexander unaufhaltsam zwischen die Fronten treibt…
Schauspieler
Jacob Matschenz, Bernadette Heerwagen, Max Riemelt, Florian Panzner, Jürgen Heinrich, Corinna Harfouch, Burghart Klaußner, Dirk Borchardt, Jutta Hoffmann, Frederick Lau, Philipp Hagmann, Adrian Topol, Aaron Hildebrand, Michael Wiesner, Thomas Drechsel
Filmkritik von Stefanie Rufle
Was an dieser Geschichte von Anfang an fasziniert ist die Tatsache, dass hier keine strahlenden Helden im Mittelpunkt stehen, die mutig dem Regime trotzen, sondern ganz normale junge Männer, die sich durch alle möglichen Versprechungen zum Dienst an der Grenze locken ließen. Hier sollten sie die DDR vor dem Imperialismus schützen – was wirklich dahinter steckte, wissen wir alle heute zur Genüge. Im Mittelpunkt steht hier der junge Alexander Karow, der sich endlich von seinem übermächtigen Vater abnabeln möchte, den Schritt in sein eigenes Leben wagen will. Durch diese Figur wird es dem Zuschauer möglich, Einblick in die Nöte und Realität eines NVA-Soldaten zu gewinnen, der im WM-Sommer 1974 seinen Wehrdienst an der innerdeutschen Grenze ableistete. „An die Grenze“ ist somit vielmehr ein Coming-of-Age-Drama, als ein politischer Film.
Dennoch wird der gängige Westblick durch diesen Film durch die Sicht eines einfachen jungen Mannes aus der DDR ergänzt. Dadurch gewinnt die DDR ein Stück ihrer Realität zurück, die sie für ihre Bürger eben damals darstellte. Durch Alexander und seine Kameraden gewinnt dieses System wieder Individualität, vor allem auch weil Drehbuchautor Stefan Kolditz, der selbst einst Grenzsoldat war, gängige Klischees und Vorurteile vermeidet. Vor allem Jacob Matschenz als Alex unterstreicht diese ganz individuelle Darstellung eines Stücks deutsch-deutscher Geschichte durch sein zurückgenommenes und einfühlsames Spiel. Im Gegensatz dazu ist Bernadette Heerwagen als Christine lebenslustig, bunt und so ganz anders als der triste Kasernenalltag. Auch die anderen Darsteller fügen sich perfekt in das Gesamtbild dieses Films ein und tragen, auch durch die überzeugende Inszenierung von Urs Egger, ihr Quäntchen zum Gelingen desselben bei.
„An die Grenze“ versucht nicht, dem Zuschauer die DDR zu erklären und ist auch keinesfalls politisches Lehrstück, sondern es werden lediglich anrührende und bewegende Geschichten vom Alltag an der deutsch-deutschen Grenze erzählt.
Wissenswertes
„An die Grenze“ zeigt Originalausschnitte von Spielen der Fußball-Weltmeisterschaft 1974.
Der im Film behandelte Zwischenfall mit zwei getöteten Grenzsoldaten beruht auf Tatsachen, ereignete sich aber im Dezember 1975 in der Nähe von Hildburghausen.
„An die Grenze“ wurde 2008 fünfmal mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet: Stefan Kolditz (Buch), Urs Egger (Regie), Christian Granderath (Produktion), Jacob Matschenz und Bernadette Heerwagen (Darstellung).
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