Team - Profilseite

Achim Lay

Name: Achim Lay
Jahrgang: 1967
Position: Redakteur
Bereich: DVD
Bevorzugte Genres: Klassiker, Arthaus, Novelle Vague, Thriller, Drama, Stummfilm
Kontakt-Email: 'achim.lay (at) moviesection.de'


Moviesection.de-Interview mit 'Achim'

Du als großer Fan der französischen “Nouvelle Vague”: In Deutschland haben wir die Berliner Schule, die gerne auch als „Nouvelle Vague Allemand“ bezeichnet wird. Findest du, dass diese Filmbewegung ihren Titel verdient tragen darf?
Wer weiß, das ich absolut kein Freund des deutschen Films bin, bringt mich mit dieser Frage natürlich in leichte Schwierigkeiten.
Wenn ich mir beispielsweise “Die innere Sicherheit” von Christian Petzold betrachte, der als einer der wichtigsten Regisseure dieser “Berliner Schule” gefeiert wird, dann muß ich die Frage leider mit “nein” beantworten. Dieser Streifen wurde als bester deutscher Film des Jahres 2001 ausgezeichnet, kann aber meines Erachtens keinesfalls in einem Atemzug mit den französischen Regisseuren der Nouvelle Vague genannt werden. Bei allem Respekt für die nüchterne, näher an der Realität angelehnten Inszenierung, hat der Film einfach nicht die Klasse, um seinem Ruf gerecht zu werden. Zu viele inhaltliche Mängel, unlogische Szenen, die einem die Freude an den durchaus vorhandenen Ansätzen nimmt, machen den Gesamteindruck zunichte. Es fehlt den Deutschen die Lockerheit, die Eleganz, der Charme der Franzosen und das merkt man auch ihren Filmen an. Alles wirkt “zu gewollt”


und kann mich nie so faszinieren, wie es ein Francois Truffaut vermochte.

Worin liegt für dich der Reiz der „Nouvelle Vague“?
Der Reiz liegt für mich darin, dass hier eine Alternative angeboten wurde. Näher an der Realität angesiedelt, waren dies vor allem Autorenfilme, die mit einer unverwechselbaren Handschrift versehen wurden und den gängigen Regularien, wie ein Film auszusehen habe, den Garaus machten.
Die künstlerische Freiheit, die sich Godard, Truffaut, Resnais und ihre Freunde herausnahmen, öffneten Tür und Tor für nachfolgende Generationen von Regisseuren, die sich nicht an ein großes Filmstudio “verkaufen” wollten. Somit haben wir alle Independent-Produktionen der vergangenen vierzig Jahre im Grunde genommen dieser Gruppe französischer Regisseure zu verdanken.

Was macht für Dich einen guten Film aus?
Wie soll man das pauschal beantworten? Vor allem ist ein guter Film zeitlos, quasi für die Ewigkeit gedreht. Zu allen Zeiten gab es Filme, deren Handlung die Zuschauer fesselte, die mit großartigen Darstellern aufwarteten und von überaus talentierten Regisseuren gedreht wurden. Wenn dann noch ein Soundtrack dazukommt, den man nicht mehr aus dem Kopf bekommt und einige unvergessene, vor allem aber unverwechselbare Szenen darin enthalten sind, haben wir den “perfekten” Film. “Casablanca”, “Der Pate” oder Hitchcocks “Vertigo” lassen erkennen, dass es darauf ankommt, große Gefühle zu erzeugen, die das Publikum mit großen Augen und offenem Mund auf die Leinwand starren lassen. Wer würde sich diesen Filmen entziehen können?

Was hat Dich an der Verfilmung zu „Der Herr der Ringe“ gestört?
Ich würde nicht sagen, das mich direkt etwas gestört hat. Aber wenn man einer von drei Menschen ist, die nicht die Bücher von Tolkien gelesen haben und einem das Genre “Fantasy” nicht sonderlich nahe steht, ist die Erwartung vielleicht schon eine andere als bei Millionen Fans, die eine Verfilmung herbeisehnten.
Ich mache mir vielleicht nicht viele Freunde, aber Peter Jackson ist in meinen Augen kein begnadeter Regisseur, was auch sein enttäuschender “King Kong” untermauert hat. Er hat es aus meiner Sicht nicht verstanden, die von brillanten Special Effects und wunderschönen Landschaftsaufnahmen eingerahmte Story auf der Gefühlsebene zu perfektionieren. Die Darsteller geraten mit der Zeit in Vergessenheit. Es sind nur die Effekte, die im Gedächtnis bleiben. Während Indiana Jones, oder Han Solo und Luke Skywalker Figuren für die Ewigkeit sind, ist es Jackson nicht gelungen, seinen Figuren genug Individualität zu verleihen. Die Zeit wird zeigen, ob meine Prognose zutrifft, dass die “Herr der Ringe-Trilogie” in den Augen der Kritiker an Bedeutung verlieren wird.
Erste Anzeichen gibt es bereits, wenn man sich die Top 250 der Imdb. anschaut, wo die Trilogie ständig weiter an Boden verliert.

Gibt es ein Genre mit dem Du überhaupt nichts anfangen kannst? Warum?
Nicht direkt ein Genre. Es sind vor allem deutsche Filme, die immer nur von der DDR, dem zweiten Weltkrieg oder persönlichen Schicksalen handeln. Irgendwann kann man diese Dramatisierung einfach nicht mehr ertragen. Schließlich möchte man im Kinosaal der Realität für zwei Stunden entfliehen und nicht von ihr eingeholt werden.
Auch die stupiden Hollywood-Blockbuster, deren nicht vorhandene Story von gigantischen Effektorgien ersetzt werden, versuche ich zu meiden. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur aus dem Alter für “Transformers” heraus...

Dein erklärter Lieblingsfilm ist ja “Mulholland Drive”. Könntest Du Dir vorstellen, dass sich das Szenario dieses Filmes in der Realität abspielen könnte?
Wieso vorstellen? Sowas passiert mir ständig...
Spaß beiseite. Ich denke wir geraten immer wieder in Situationen, die wir uns nicht erklären können und die uns verwirrt zurücklassen. So weit wie bei Lynch geht es dann aber nur in den nächtlichen Alpträumen, die uns alle irgendwann einmal heimsuchen. Ich möchte auch niemandem wünschen, ein solches Szenario in der Realität durchleben zu müssen. Schließlich möchte man doch wissen, ob die Menschen, mit denen man tagtäglichen Umgang hat, überhaupt existieren oder nur Projektionen des Unterbewußten sind, oder?

Mit welcher der großen Filmdiven hättest Du gerne mal ein Rendezvous und warum?
Mit Jane Russel. Auch wenn sie von der Filmografie her nicht zu den großen Filmdiven gehört, war ich schon im zarten Alter von etwa zehn Jahren von ihr begeistert. Tolles Gesicht, perfekte Figur und eine Ausstrahlung, der man sich nur schwer entziehen konnte. Da sie noch unter den lebenden weilt, könnte es mit dem Rendezvous ja noch klappen. Allerdings ist sie schon 85! Es wird also langsam Zeit...

Was muss ein Film von heute haben, damit er dich fesselt?
Wenn ich mir die Titel betrachte, die ich weiter unten zu meinen “modernen Favoriten” gezählt habe, dann scheint mir vor allem wichtig, dass sie zeitlos sind. Während ich der festen Überzeugung bin, dass selbst Kassenschlager wie “Matrix” oder “Der Herr der Ringe” mit den Jahren durch andere, mit noch moderneren und besseren Effekten ausgestatteten Blockbuster in den Hitlisten der Kritiker und des Publikums nach hinten durchgereicht werden, sind es die Filme mit zeitlos schönen, wichtigen und packenden Themen, die mich auch in zwanzig Jahren noch fesseln werden. Darüber hinaus gehören innovative Ideen und natürlich herausragende Darbietungen der Schauspieler nach wie vor zu den wichtigsten Kriterien.

Du bist begeisterter David Lynch-Fan. Was magst Du an seinen Filmen?
Da ich schon immer ein Freund spannender Thriller mit möglichst verwickeltem Plot war, hat David Lynch (extra für mich) das Genre perfektioniert. Es ist keinem anderen Regisseur gelungen, Filme zu drehen, die derart verstörend sind und noch lange nach Ansicht der Filme auf intensive Art in meinem Kopf nachwirken. Was kann es besseres geben, als sich mit einem Thriller immer und immer wieder beschäftigen zu können und auch nach der x-ten Ansicht die Ereignisse nicht mit absoluter Sicherheit aufklären zu können. Seine Filme machen Angst und das ist doch der Sinn bei einem psychologischen Thriller!
Darüber hinaus habe ich ein Faible für die skurrilen Figuren und Szenarien in seinen Filmen und finde, bei Lynchs Hauskomponist Angelo Badalamentis Soundtracks wird mit dem Gefühl die Angst gleich mitgeliefert.

Der Film Noir ist Dein bevorzugtes Genre. Warum?
Die Klassiker des Film Noir liefen in meiner Kindheit häufig im Fernsehen. Es war atemberaubend, Stars wie Humphrey Bogart oder Robert Mitchum in den düsteren, überaus spannenden Szenarien zu sehen. Die Streifen ragten mit ihrer schwarzen Seele aus dem Filmrepertoire der vierziger und fünfziger Jahre heraus. Sie bildeten einen Gegenpol zu den “Heile-Welt-Filmen” mit James Stewart oder den netten Kommödien mit Doris Day und Rock Hudson, wenngleich ich auch diese sehr gerne gesehen habe. Die “Femme Fatale” bescherte uns damals manch schlaflose Nacht und die Musik ging richtig unter die Haut. Ausserdem beeinflussten diese Filme spätere Meisterwerke wie “Chinatown, “L.A. Confidential” oder “Memento”.
Bei einer erneuten Ansicht dieser Filme kommen die positiven Kindheitserinnerungen immer wieder an die Oberfläche...

Welcher Film aus der jüngeren Vergangenheit gehört zu Deinen persönlichen Highlights?
Da gibt es viele! Weil ich so Klassiker-besessen bin, glauben die Leute ich hätte ein Problem mit neuen Produktionen. Dem ist aber nicht so. Vielmehr picke ich mir einige wenige Produkionen aus jedem Jahrzehnt heraus, die im Laufe der Zeit zu Klassikern werden!
In den neunziger Jahren waren dies “Goodfellas”, “Miller’s Crossing”, “American Beauty”, “Die fabelhafte Welt der Amelie”, “L.A. Confidential” und vor allem der Geniestreich der Coens, “Fargo”.
Im neuen Jahrtausend könnten “Far from Heaven”, “Lost in Translation”, “Inland Empire”, “L.A. Crash” sowie vor allem David Lynchs “Mulholland Dr.” und das stilistisch brillante Meisterwerk “In the mood for love” von Wong Kar Wai in die Fußstapfen der großen Klassiker treten!



Folgend werden alle Filmtipps (alle Filme, die von diesem Redakteur mit 6/5 Punkten bewertet wurden) und alle Filmflops (alle Filme, die von diesem Redakteur mit 1/5 Punkten bewertet wurden) aufgelistet.
Auf der zweiten Detailseite befinden sich alle verfassten Filmkritken / Kritiken zu TV-Serien, sowie alle Schauspieler -und Regisseurbiographien dieses Redakteurs.



Hier geht es zu allen verfassten Filmkritiken / Kritiken zu TV-Serien, sowie zu allen Schauspieler -und Regisseurbiographien dieses Redakteurs.