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Moviesection.de unterstützt PETA
Special
27. Biberacher Filmfestspiele
Das Familienfest deutscher Filmemacher!
Moviesection bei den 27. Biberacher Filmfestspielen.
Vom 3. bis 6. November 2005 besuchte Moviesection.de die 27. Biberacher Filmfestspiele. Seit Anfang an steht dieses Großereignis im schwäbischen Biberach an der Riß unter der Leitung von Adrian Kutter, der uns freundlich und zuvorkommend im neu erbauten Sternenpalast empfing. Das neue "Wohlfühlkino" mit 8 Kinosälen ist ein echter Hingucker geworden - und sein Besitzer ist stolz drauf, mit Recht. Wir waren die ganzen Tage über von mittags 14 Uhr bis spät nachts in diesem Kinokomplex und haben uns keine Minute einsam gefühlt. Große Klasse!
Unsere Ankunft in Biberach
Da das Festival erst am Donnerstag startete, nutzen wir unseren ersten Tag im
"Schwabenland" um uns die tolle Stadt einmal genauer anzusehen. In
Mitten des Marktplatzes steht eine wunderbare Kirche, die eine alte, ganz tolle
Altstadt um sich hat. Am Mittwoch war gleichzeitig Markt und so konnten wir
ausgiebig durch die Massen schlendern.
Das Kino, nachfolgend nur noch "Sternenpalast" genannt, war natürlich
schnell Anlaufpunkt für uns. Schließlich waren wir nur wegen einem
hier. Filme, Filme, Filme - und die bekamen wir auch.
Der neue, gigantisch schöne Sternenpalast steht in Mitten der Stadt Biberach.
Motto dieses Kinokompexes: Das All. Jeder Saal hat einen anderen Namen. Gut,
das ist nichts neues, das jeder Saal aber auch nach dessen Name gestaltet wurde,
hingegen schon.

Im Universum beispielsweise meint man in selbigen zu sitzen.
Große Bullaugen geben den Blick ins All frei, beleuchtet von Schwarzlichtröhren.
Im Mars ist alles rot, im Saturn alles granitgrau. Der Sternenpalast, und das
lässt sich ohne Übertreibung sagen, wurde mit Liebe zum Detail gebaut.
Herr Kutter verriet uns im Gespräch, das er ein Wohlfühlkino erschaffen
wollte. Geschafft hat er's, da stimmen alle Festivalbesucher zu. Die Atmosphäre
im neu erbauten Kinokomplex ist einfach atemberaubend. Hier lässt's sich
wirklich aushalten. Das merkte man im Übrigen auch dem Team an. Alle hoch
motiviert, freundlich, hilfsbereit und für keinen Job zu schade. Der Sternenpalast
hat auf uns einen herausragend guten Eindruck gemacht.
Links auf dem Bild seht ihr den Saal "Universum". Die einzelnen, weiteren
Säle - auch in Großformat - könnt ihr Euch auf der Homepage
des Sternenpalastes ansehen. Die Bilder sind einen Blick wert! (www.sternenpalast.de)

Tag 1: Donnerstag, 3. November 2005
Der Start der Biberacher Filmfestspiele
"Augen auf und rein!" Viele werden die Kampagne "Kino ist das
Grösste!" noch kennen. Genauso erging es uns am ersten Festival Tag.
Wir hatten zwar keinen Film zu schauen (unsere sollten erst am Freitag starten),
dennoch gab es viel zu sehen und zu erleben. Ein Highlight unseres ersten Tages
gab es gleich zu Beginn.

"Schauspieler sind Huren!"
Moviesection im Gespräch mit Harry Baer.
Der Preisträger des Ehrenpreises der Biberacher Filmfestspiele hieß
2005 Harry Baer. Der in Biberach an der Riß geborene Schauspieler wurde
für besondere Verdienste um den deutschen Film ausgezeichnet.
Im Gespräch mit Moviesection.de sprach der sympathische Schauspieler über
seine Wahlheimat Berlin. Hier sei es immer noch am günstigsten, was große
deutsche Städte angeht. In München und Augsburg sei alles unverschämt
teuer, so Baer. In Berlin fühlt er sich wohl. Hier lebt und arbeitet er
schon seit geraumer Zeit.
Der Chefredakteur von Regie.de (www.regie.de)
nennt Matthias Schweighöfer auf die Frage, in wem er denn von den jungen
Schauspielern Hoffnungen für den deutschen Film sieht. Viele junge Talente
hätten keine so lange Halbwertzeit mehr. Viele seien schnell wieder abgemeldet.
Diese Entwicklung scheint Baer sehr traurig zu machen. Auch ist es ja in Deutschland
nicht so wie in den USA. Hier muss ein Schauspieler immer in beiden „Abteilungen“
arbeiten können: Im Kino UND im Fernsehen. „Es ist schwer genug, von der
Schauspielerei zu leben!“, so Baer.
„Schauspieler sind Huren!“ so witzelte der sympathische Filmemacher und Schauspieler
und grinst uns schelmisch an. Übel nehmen wird's ihm keiner, dazu weiß
Harry Baer auch nur zu gut, wie der Hase läuft.
Im Gegensatz zu großen Festivals, wie beispielsweise in seiner Wahlheimat
Berlin, sei Biberach sehr entspannend, ja fast schon familiär. Er scheint
die Nähe zum Publikum zu suchen und auch zu genießen. Ein Star zum
Anfassen. Harry Baer wirkte in unserem Gespräch erstaunlich menschlich,
was für einen Mann seiner Erfahrung im Schauspielfach sicher nicht alltäglich
ist. Schließlich hat er schon mit Rainer Werner Fassbinder gedreht und
war auch privat mit dem Filmemacher befreundet.
Im Moment arbeitet Baer an einem Dokumentarfilm. Schauspielrollen schließt
er erstmal aus. „Ich glaub' dazu muss ich richtig weiß werden, damit ich
wieder gute Rolle bekomme!“

Tag 2: Freitag, 4. November 2005
Der Tag der "starken" Männer
An diesem Freitag standen folgende Festivalfilme auf dem Programm:
17:45 Uhr: Ein
ganz gewöhnlicher Jude - In Anwesenheit von Hauptdarsteller Ben
Becker
19:15 Uhr: Überraschungsfilm - Merry
Christmas (leider ohne Gäste)
20:20 Uhr: Polly
Blue Eyes - In Anwesenheit von Hauptdarsteller Matthias
Schweighöfer
22:35 Uhr: Sommer
vorm Balkon - In Anwesenheit von Produzent Peter Rommel

Melli machte mit "Ein ganz gewöhnlicher Jude" um 17:45 Uhr den
Anfang. Die Kritik zu diesem Streifen, der bei uns am 19. Januar 2006 startet,
ist mehr als positiv ausgefallen. Ganz im Gegensatz zu der Vorführung,
die Hauptdarsteller Ben Becker den Anwesenden im Foyer bot. Pöbelnd cool
strafte er seine Mitmenschen mit dem Fernbleiben von Benimmregeln. Keine Frage:
Zu uns und einigen Fans war Ben Becker korrekt und ruhig, ein Journalist jedoch
bekam die volle Bandbreite des "Könnens" des Schauspielers ab.
Auch die anschließende Diskussion nach dem Film im Kino blieb aus, da
Herr Becker anscheinend der Meinung war, dass das Publikum ihre Fragen zu langsam
stellte. So verließ er nach knapp 2 Minuten wieder den Saal. Nach der
zweiten Vorstellung um 20:15 Uhr blieb Ben Becker allerdings länger im
Saal. Ob das an Herrn Kutter lag, der dieses Mal mit im Saal war?
Um 19:15 Uhr sah sich Tom den Überraschungsfilm an. Zu diesem Zeitpunkt
war natürlich nicht klar, dass es sich hierbei um "Merry Christmas"
handelte. Leider schafften es die Hauptdarsteller Benno Fürmann, Daniel
Brühl und / oder Diane Kruger nicht aufs Festival, da sie am Vortag die
Premiere in Frankreich zu feiern hatten (Es sei ihnen gegönnt!) und am
Samstag bereits in Mannheim zu "Wetten dass...?!" sein mussten. Schade,
gelohnt hat sich's trotzdem. Um mit den Worten von Herrn Kutter zu sprechen:
"Ein wunderbarer Film!"

Zur Vorstellung von "Polly Blue Eyes" war Hauptdarsteller Matthias
Schweighöfer angereist. Im Anschluss an den Film hatte das Publikum die
Gelegenheit, dem sympathischen Jungmimen einige Fragen zu stellen.
Matthias Schweighöfer wurde unter tosendem Applaus im Kino „Mars“ empfangen.
Nach anfänglicher Nervosität, sowohl auf Seiten des Publikums, als
auch auf der von Schweighöfer, schaffte es der Jungschauspieler durch seine
lockere und auch witzige Art die Sympathie des Publikums zu gewinnen.
Auf die Frage, ob Schweighöfer seinen Filmcharakter mit „ins Bett nimmt“
oder wie ein Kleidungsstück nach Drehschluss in der Gardarobe lässt
antwortete er, dass dies sehr unterschiedlich sei. Beim Dreh in seiner Heimatstadt
Berlin sei es einfacher am Abend wieder Matthias Schweighöfer zu sein.
Rechnungen wollen schließlich bezahlt, Freund getroffen werden. Beim Dreh
in einer anderen Stadt sieht es hingegen wieder ganz anders aus. Da sei das
Abschalten nicht ganz so einfach, so Schweighöfer.
Ursprünglich sollte der Jungstar gar nicht die Rolle des Ronny spielen,
sondern die des Polizisten Stefan. Mal nicht der liebe, nette Charakter sein,
sondern mal das oberflächliche Schwein, einmal eine ganz andere Rolle verkörpern.
Zum ersten Mal musste Matthias Schweighöfer um eine Rolle kämpfen
- und er bekam sie. Anschließend ging die Arbeit an sich selbst los. Schließlich
musste ein Proll auch aussehen wie ein Proll. Nach Wochen in der "Mucki-Bude",
wie Schweighöfer selbst sagt, schien der Charakter auch nach außen
hin endlich Formen anzunehmen.
Schlussendlich war er in seiner "Mission" erfolgreich. Um eine Rolle
gekämpft, und gewonnen. "Das war total geil", so Schweighöfer.

Moviesection hatte im Anschluss an den Film die Gelegenheit, Matthias Schweighöfer für ein persönliches Gespräch zu treffen.
Sichtlich entspannt stand Matthias mit uns an der Kinobar. Die Erleichterung,
dass das Publikum positiv auf "seinen" Film reagiert hat, stand ihm
ins Gesicht geschrieben.
Auf die Frage, ob er über sich selbst lachen kann, wenn er sich auf der
Leinwand sieht, meinte Schweighöfer, das er den Film nicht so sieht, wie
das Publikum. Er achtet auf so Dinge, wie den Schnitt, die Musik oder „was da
wo herausgekürzt wurde.“
2002 war er neben Stephen Dorff ("Blade") in "FearDotCom"
zu sehen. Er beschreibt den Hollywoodstar als „coolen, sympathischen Typen“,
der während des Drehs extrem nett zu ihm war.
In Kürze beginnen die Dreharbeiten zu Matthias Schweighöfers nächsten
Projekten. Unter anderem werden wir den höchst sympathischen Jungschauspieler
in "Fatahmorgana" zu sehen bekommen. Hierzu stehen 3 Monate Wüstendreh
an.

Zu später Stunde präsentierte Produzent Peter Rommel seinen Film
„Sommer vorm Balkon“. Bereits während der Vorführung war klar, dass
der Streifen sehr gut beim Publikum ankam. Mit Lachen und Zwischenapplaus kommentierten
die Zuschauer so manche Szene. Nach dem Abspann stellte sich Rommel dann, etwas
nervös aber sichtlich berührt über das positive Feedback, den
Fragen der Festivalbesucher. Er berichtete, dass für die Entwicklung des
Drehbuches und der Dreharbeiten nur wenige Monate zur Verfügung standen,
alle Beteiligten jedoch von dem Stoff so angetan waren, dass sie das Projekt
einfach verwirklichen mussten. Alle hatten das Gefühl, dass dieser Film
zu ihnen gekommen war und nun der richtige Zeitpunkt für die Umsetzung
sei, so Rommel.
Bei einem Team von nur 16 Leuten (Schauspieler inklusive) war von jedem Mithilfe
gefragt und gefordert. Peter Rommel berichtete, dass auch Hauptdarstellerin
Nadja Uhl (Nike) sich nicht zu schade dafür war, die Beleuchtung zu schleppen.
Alle harmonierten sehr gut miteinander. Auch die Laiendarsteller fügten
sich positiv in die Truppe ein.
Auf die Frage, wie es möglich war eine so authentische Stimmung im Film
zu erzeugen, führte Rommel aus, dass einige Szenen frei improvisiert seien.
Die Schauspieler hatten freie Hand bei der Gestaltung. Dies und die Tatsache,
dass zum Beispiel im echten Klinikbetrieb gedreht werden konnte, macht die Geschichte
aus seiner Sicht so "echt".
Peter Rommel berichtete weiter, das Biberach nach Hof das zweite Festival sei,
auf dem "Sommer vorm Balkon" vor dem offiziellen Kinostart laufe und
ihn die vielen positiven Publikumsreaktionen sehr hoffnungsvoll stimmen.

Tag 3: amstag, 5. November 2005
Der Tag der "starken" Frauen
Unsere Festival-Filme am Samstag:
17:15 Uhr: War`n
Sie schon mal in mich verliebt? - in Anwesenheit von Regisseur Douglas
Wolfsperger
19:30 Uhr: Charlotte
und ihre Männer - in Anwesenheit von Hauptdarstellerin Marianne
Sägebrecht
19:45 Uhr: Durch
diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern - in Anwesenheit von Hauptdarstellerin
Corinna Harfouch
22:00 Uhr: Die Boxerin
- in Anwesenheit von Hauptdarstellerin Katharina
Wackernagel
22:40 Uhr: Hab mich
lieb! - leider ohne Gäste

Am Samstagnachmittag hatten wir die Gelegenheit uns die Dokumentation "War´n
sie schon mal in mich verliebt?" von Regisseur Douglas Wolfsperger anzusehen.
Bereits vor Filmbeginn eröffnete Adrian Kutter die Vorstellung mit den
Worten: "Die Menschen vertrauen Douglas Wolfsperger blind und das ist es,
was diesen Film so toll macht".
Nach Ende des Streifens wurde Herr Wolfsperger mit Applaus im Kinosaal "Mars"
empfangen und durfte dem Publikum nun selbst Rede und Antwort stehen.
Auf die Frage wie man eigentlich auf die Idee komme einen Film über Max
Hansen zu drehen, reagiert Wolfsperger erste einmal mit einem breiten Grinsen
und erzählte dann, dass er vor einiger Zeit angesprochen wurde, ob er nicht
Lust hätte die Regie für diese Dokumentation zu übernehmen. Die
Idee kam also nicht von ihm selbst, sondern sei ihm nur mehr oder weniger zufällig
zugetragen worden. Danach beschäftigte sich Douglas Wolfsperger einige
Zeit intensiv mit Max Hansen und fand immer größeres Interesse an
dem Kabarettisten der Weimarer Republik. Es sei für ihn auch reizvoll gewesen
eine Geschichte über einen Menschen zu erzählen, der bereits seit
über 40 Jahren tot ist, so Wolfsperger.
Natürlich war es für das Publikum auch interessant zu wissen, wie
es zu schaffen war die vielen Zeitzeugen ausfindig zu machen. Dafür habe
er eine Zeitungsanzeige aufgegeben, woraufhin sich viele, viele Menschen gemeldet
haben die ihre Geschichte erzählen wollten, erzählte der sympathische
Regisseur freudig.
Im Laufe des Gespräches kam man natürlich auch auf Brigitte Mira zu
sprechen. Douglas Wolfsperger sprach nun mit etwas getrübter Miene über
den Dreh mit der berühmten Schauspielerin. Brigitte Mira sei schon damals
tot krank gewesen, doch wenn die Kamera anging war sie voll und ganz in ihrem
Element und berichtete lebhaft und voller Freude über ihren alten Freund
Max Hansen. Wolfsperger bedauerte sehr, dass Mira die Premiere von "War´n
sie schon mal in mich verliebt?" leider nicht mehr miterlebt hat. "Es
hätte sie bestimmt sehr gefreut das noch mitzuerleben", so der Regisseur.

Der dritte Festivaltag stand jedoch, mal abgesehen von Douglas Wolfsperger,
im Zeichen der deutschen Schauspielerinnen. Fast zeitgleich mit Corinna Harfouch
("Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern") wurde um 19:30
Uhr im Universum der Film "Charlotte und ihre Männer" mit Marianne
Sägebrecht in der Hauptrolle gezeigt. Die Geschichte um eine allein erziehende
Mutter, ihre drei fast erwachsenen Kinder und ihre Männer ist eine Produktion
für die ARD.
Der Name Sägebrecht lockte viele Festivalbesucher in die Vorstellung und
so war der Saal so gut wie ausverkauft. Als die Hauptdarstellerin im Anschluss
an die Vorführung mit Regisseur Dirk Kummer und den beiden Produzentinnen
Nikola Bock und Heike Wiehle-Timm vor das Publikum trat, wurde sie mit minutenlangem
Dauerapplaus gefeiert. Manche Zuschauer hielt es sogar nicht mehr auf den Sitzen.
Mit ihrer Herzlichkeit und Wärme hatte sie die Festivalbesucher im Nu für
sich eingenommen. Bereitwillig gab Frau Sägebrecht Auskunft über die
Dreharbeiten, besonders die Liebesszene zwischen ihr und Co-Star Peter Franke
war Anlass vieler Fragen. Frau Sägebrecht äußerte sich sehr
lobend zu der einfühlsamen Umsetzung der Szene durch Regisseur Dirk Kummer
und betonte die insgesamt gute Zusammenarbeit mit ihm und dem restlichen Team.
Auf die Frage, wie schnell sie sich von einer Rolle lösen können und
wieder ganz Marianne Sägebrecht sei, antwortete die Schauspielerin, dass
sie immer ganz in ihren Filmcharakteren aufgehe. Sie sei für die Dauer
der Dreharbeiten die Rolle. Daher sei es ihr auch nicht möglich mehr als
ein Filmprojekt pro Jahr zu übernehmen. Nach Abschuss der Arbeit nutze
sie die entspannende Wirkung ihres Hofes am Starnberg See, Frau Sägebrecht
lebt hier mit ihrer Mutter und allerhand Tieren, um wieder ganz sie selbst zu
werden. Auf die Frage eines Zuschauer, ob sie kurz erklären können
wie sie den überhaupt zum Film gekommen sei, antwortete Frau Sägebrecht
mit der Gegenfrage wie viel Zeit er den heute noch hätte und erntete damit
wieder viele Lacher im Publikum. Bereitwillig gab sie dann aber doch einen kleinen
Schank ihrer Anfänge zum Besten.

Auch außerhalb des Kinosaales hatte Frau Sägebrecht keine Berührungsängste
mit ihren Fans und Bewunderern. Noch lange stand sie im Foyer des Sternepalastes
Rede und Antwort und gab Autogramme. Eben immer wieder ein gern gesehener Gast
bei den Biberacher Filmfestspielen, wie Herr Kutter, der künstlerische
Leiter des Festivals, bereits vor Beginn des Films betont hatte. Persönlich
verbindet ihn mit Marianne Sägebrecht eine jahrelange Freundschaft.
Um 19:45 Uhr fanden sich die Zuschauer in dem Kinosaal "Mars" ein, um sich
"Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern", der neuen Streifen
mit Schauspielerin Corinna Harfouch, anzusehen. Natürlich war Moviesection.de
auch anwesend und lauschte gespannt den Worten von Corinna Harfouch und Regisseurin
Dagmar Knöpfel, die sich im Anschluss an den Film die Zeit nahmen ihrem
Publikum wichtige und interessante Fragen zu beantworten.

Als das Publikum die Frage stellte, ob Corinna Harfouch sich selbst auf der Leinwand sehen kann, merkte man der Schauspielerin an, dass sie sich dessen selbst nicht ganz bewusst ist. Letztendlich gibt sie jedoch zu, dass es schwierig sei sich selbst anzusehen - An dem Dreh hatte sie jedoch trotzdem jede Menge Spaß, fuhr die Schauspielerin schnell fort.
Im Laufe ihrer Erzählungen kommt Corinna Harfouch auch auf die verschiedene Mentalität der Deutschen und der Tschechen zu sprechen. Sie erzählt von vielen Diskussionen um einzelne Szenen. "Die Tschechen hatten oftmals ganz andere Vorstellungen von einer Szene als wir", so Harfouch. Dies habe den Dreh zwar ein Stück weit anstrengender gemacht, aber letztendlich sei es dadurch auch witziger und etwas lockere am Set geworden.

Den Abschluss für Melli machte an diesem voll gepackten Kinotag der Streifen "Die Boxerin" mit Katharina Wackernagel in der Hauptrolle. Die Abschlussarbeit der Regisseurin Catharina Deus lockte trotz des doch schon sehr weit fortgeschrittenen Abends noch einige Zuschauer in den Kinosaal Universum. Die Geschichte um die burschikose Hauptfigur Johanna, ihren Wunsch Boxerin zu werden und damit ihrem trostlosen Leben im trostlosen Umland von Eberswalde einen Sinn zu geben, kam sehr gut beim Festivalpublikum an. Die anwesende Regisseurin sowie die angereisten Schauspieler Katharina Wackernagel (sie kam extra direkt von Dreharbeiten aus Köln) und Devid Strisow freuten sich über lang andauernden Applaus.
Auf die Frage, ob sie sich von Clint Eastwoods Film "Million Dollar Baby"
zu der Arbeit habe inspirieren lassen, antwortete Regisseurin Catherina Deus,
dass Drehbuchautorin Martina Klein die Geschichte bereits 1999, also vor dem
Eastwood-Film, entwickelt hatte, als das Frauenboxen erstmals populär wurde.
Sie freue sich aber darüber, dass durch den oscargekrönten Streifen
die Thematik noch mehr in den Focus der Öffentlichkeit gerückt sei
und hoffe daher auch für "Die Boxerin", der im Februar 2006 in
den deutschen Kino anläuft, auf größere Aufmerksamkeit. Eine
allzu große Ähnlichkeit der Hauptcharaktere wies sie jedoch von sich.
"Johanna" sei ein ganz eigene Persönlichkeit und mit der "Maggie"
aus "Million Dollar Baby" nicht wirklich zu vergleichen, so Deus.
Eine Aussage der auch Hauptdarstellerin Katharina Wackernagel, die sich sehr
sympathisch und locker präsentierte, zustimmte. Sie wurde im Verlauf der
Diskussion besonders mit Fragen über das Boxen "gelöchert".
Ob denn alle Boxszenen echt seinen und ob sie auch mal ein blaues Auge davon
getragen hätte, wollte ein Zuschauer wissen. Die Schauspielerin erzählte
daraufhin, dass sie im Vorfeld der Dreharbeiten Boxtraining bekommen hatte und
so ganz gut in Form war. Selbstverständlich habe das Team aber ein besonderes
Augenmerk auf ihre Unversehrtheit gehabt. Da die großen Boxszenen bereits
als erstes gedreht wurden, hätte eine Verletzung ganz schön ins Auge
gehen können. Frau Wackernagel betonte außerdem, dass der körperliche
Aspekt der Rolle zwar interessant war, dies aber nicht den Ausschlag für
ihre Zusage zu dem Projekt gegeben hatte. Sie habe besonders die Vielschichtigkeit
des Charakters gereizt und die Umsetzung der scheinbaren Ausweglosigkeit in
der sich die Figur befindet. Auf die Frage, wie viel von Katharina Wackernagel
in "Johanna" steckt, antwortete die Schauspielerin, dass sie ihre
Rollen eigentlich immer losgelöst von ihrer eigenen Persönlichkeit
anhand des Drehbuches mit dem Regisseur entwickelt.

Im Foyer, während alle Filme liefen, trafen wir die deutsche
Schauspielhoffnung Ken Duken, der auf den Biberacher Filmfestspielen seinen
Film "Eine andere Liga" vorstellte. In Gespräch mit uns gab er
an, das es viele deutsche Filme gäbe, die nur in Deutschland floppen, in
anderen, europäischen Ländern aber großartig liefen.
Seine sehr sympathische Frau Marisa freute sich über die tolle Atmosphäre
in Biberach, schwärmte aber gleichzeitig von der Berlinale. Als sie einmal
Cate Blanchett traf, war sie vollkommen hin und weg.
Ken war kurz bevor er sich dem Publikum stellte nicht nervös. "Nach
38 Filmen ist man das nicht mehr wirklich!" Obwohl es der Jungstar gar
nicht mag, als Privatperson im Mittelpunkt zu stehen.
Als die Diskussion mit dem Publikum zu Ende war, war Ken noch Stunden mit seinen
Fans und dem Publikum im Gespräch. Sehr sympathisch.

Tag 4: Sonntag, 6. November 2005
Der Tag der Abreise
Die Gewinner des Festivals wurden am Abend bei der großen Gala bekanntgegeben:
Der goldene Biber, der "Große Preis der Stadt
Biberach" ging an "Ein
ganz gewöhnlicher Jude" von Regisseur Oliver Hirschbiegel. Lobend
erwähnt wurde "Eine andere Liga" mit Ken Duken in der Hauptrolle.
Der Publikumspreis ging dieses Jahr an "Charlotte
und ihre Männer" mit Marianne Sägebrecht. Der Dokumentar-Filmpreis
erhielt "War`n
Sie schon mal in mich verliebt?" von Douglas Wolfsperger. Und abschließend:
Der "Avid Nachwuchsförderpreis" für den besten Nachwuchsfilm
des Festivals ging an "Die Boxerin"
mit Katharina Wackernagel in der Hauptrolle.

Zum Schluss ist nur eins zu sagen: Es war toll. Das Team war großartig,
das Kino war genial, die "Stars", bis auf wenige Ausnahmen, sensationell
und die Atmosphäre nicht zu toppen. Vielen, vielen Dank noch mal nach Biberach.
Wir waren ganz bestimmt nicht das letzte Mal bei Euch und freuen uns schon auf
das nächste Treffen!
Wir hoffen, Euch hat unser Bericht über die 27. Biberacher Filmfestspiele
gefallen und hoffen, die Atmosphäre, die wir hatten, ist ein bisschen auf
Euch über gesprungen!
Euer Moviesection.de-Team

PS: Unser Jörg
Jörg ist Adrian Kutters rechte Hand im Sternenpalast.
Er hat uns während der Filmfestspiele super unterstützt, uns zur Seite
gestanden, wenn wir Hilfe brauchten und uns Infos besorgt, wenn wir dringend
welche brauchten! Für Kathrin ist Jörg "der Mann des Jahres -
und der des nächsten, und der des übernächsten und der des über-übernächsten
Jahres ..." (Die Liste lässt sich hier beliebig fortsetzen.) Die schmachtenden
Blicke konnten wir leider nicht als Bild veröffentlichen – Sorry.
Wie auch immer: Vielen Dank Jörg! Es hat wirklich Spaß gemacht! Bis
zum nächsten Mal!
Das Copyright des Text -und Bildmaterials liegt ausschliesslich bei Moviesection.de