Special

28. Biberacher Filmfestspiele

Das Familienfest deutscher Filmemacher!

Moviesection bei den 28. Biberacher Filmfestspielen.

In den kommenden Tagen berichtet Moviesection.de live von den 28. Biberacher Filmfestspielen. Vom 1. bis zum 5. November steht in der schwäbischen Hochburg Biberach wieder alles auf "Film". Melli und Kathrin sind dieses Jahr für Euch vor Ort und kommentieren in täglichen Berichten, was dort alles los ist, mit welchen Schauspielern, Regisseuren und / oder Produzenten sie sprechen konnten.

Viel Spaß bei den Biberacher Filmfestspielen - mit Moviesection.de



1. November 2006: Die Pressekonferenz & erste Filme
Der Startschuss ist gefallen: Am Mittwoch, den 01. November 2006 startete das 28. Familienfest der deutschen Filmschaffenden: Die Biberacher Filmfestspiele.
Um 17:00 Uhr lud Pressesprecher Johannes Riedel die Medienvertreter zu einer ersten Pressekonferenz in die Jugendkunstschule ein, die ihre Räumlichkeiten dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hat. Anwesend waren nicht nur der Vertreter des Kulturamtes der Stadt Biberach, Herr Klaus Buchmann, sondern auch der Vorsitzende des Fördervereins „Biberacher Filmfestspiele e. V." Herr Last. Die Herren hatte sehr Erfreuliches zu berichten. Bereits im Vorverkauf gingen mehr als 4.500 Tickets über die Theken des Sternepalastes in Biberach. Die zahlreichen Onlinereservierungen noch gar nicht mit gerechnet. Alle rechnen mit einem neuen Besucherrekord für das Festival. Und das, obwohl der künstlerische Leiter, Herr Adrian Kutter im Vorfeld durchblicken ließ, dass den Zuschauer keineswegs leichte Kost erwarten wird. Bereits der Eröffnungsfilm von Regisseur Joseph Vilsmaier "Der letzte Zug" beschäftigt sich mit der Judendeportation und damit nicht eben mit einem Komödienthema. 

Neu in diesem Jahr bei den Biberacher Filmfestspielen ist der Modus für die Stimmabgabe für den Publikums-Biber. Damit kleine Filme die gleichen Chancen haben, wie die Publikumsmagneten und auch die Mehrfachstimmabgabe erschwert wird, soll ein Punktesystem für mehr Ausgewogenheit sorgen. Insgesamt werden die Festivalfilme in 4 Wettbewerben ins Rennen gehen.

Johannes Riedel konnte auf der Pressekonferenz noch von einem Überraschungsgast beichten. Das österreichische Schauspielurgestein Herbert Fuchs hatte sich kurzerhand „selbst eingeladen“ und bereichert nun neben zahlreichen anderen Kollegen die Biberacher Filmtage. Angekündigt sind unter anderem die Schauspieler Jessica Schwarz, Gedeon Burkhard und Fabian Busch.

Und noch eine weitere Überraschung konnten die Organisatoren der Filmfestspiele für die Presse aus dem Hut zaubern. Filmemacher Jean Christophe Blavier, dessen Film „M. für Marcia“ im Festivalprogramm läuft, kam um 17:00 Uhr ebenfalls in die Jugendkunstschule und schilderte seine ersten Eindrücke. Er sei ganz überwältigt von der enormen Publikumsresonanz und dem Interesse der Zuschauer. „Ich war überrascht, wie voll der Saal war“ so Blavier. Er habe für seinen Tanzfilm mit weit weniger Zuschauern gerechnet.

Der Abend
Am Abend des 01.11.  stand für das Moviesection- Team der erste Film auf dem Programm: „Sunny“. Die pikante Dreiecksgeschichte, die sich nach 10 Jahren erneut zuspitzt, kam beim Publikum gut an. Regisseur Thorsten Wettcke und sein Team konnten sich nach dem Ende des Abspanns eine ordentliche Portion Applaus abholen. Zurecht! Nicht nur die Geschichte und die sehr guten Darsteller sprechen für „Sunny“, bedenkt man, dass dieser Film mit nur sehr geringen finanziellen Mitteln gedreht wurde, ist auch die Optik umso beachtenswerter. Hauptdrehort Rastatt einmal aus ganz anderen Blickwinkeln. Zusammen mit Regisseur und Produzenten waren auch die beiden Hauptdarsteller Fabian Busch und Sandrine Griaud nach Biberach angereist.  Nach dem Film stellten sie sich den Fragen des Publikums. Thorsten Wettcke erzählte, dass die Story durchaus einen wahren Kern hat. Teile der Grundhandlung sind Schauspielerin Sandrine Guiraud persönlich tatsächlich so in dieser  Art passiert. Die Biberacher Zuschauer kamen übrigens in den absolut exklusiven Genuss, den Film in der endgültigen Fassung als erste zu sehen. Noch bis Montag den 30.10. wurde an „Sunny“ gefeilt.

"Ich hatte einfach das wahnsinnige Glück in jungen Jahren mit Regisseuren zusammen zu arbeiten, die tolle Filme gemacht haben."
Kathrin traf sich im Anschluß an die Diskussion mit Fabian Busch zum Interview.

Moviesection: Bei den 28. Biberacher Filmfestspielen sind vier Filme mit dir im Programm. Drehst du immer so viel oder ist das eine Ausnahme?
Fabian Busch: Nein, das ist wirklich Zufall. Das sind zwei Langfilme, die habe ich in den letzten zwei Jahren gemacht und die beiden Kurzfilme auch. Das macht vielleicht den Eindruck, dass ich viel drehe, aber es ist nur Zufall, dass ich mit vier Filmen hier bin.

Moviesection: Wie viel Zeit nimmt es in Anspruch einen Film zu drehen?
Fabian Busch:
Wir drehen immer - mit Proben und allem drum und dran - so acht bis zehn Wochen für einen Langfilm und für einen Kurzfilm ungefähr eine Woche.

Moviesection: Du bist nun zum ersten Mal bei den Biberachern Filmfestspielen. Wie ist dein Eindruck?
Fabian Busch: Toll! Ich mag das Festival schon jetzt total gerne, obwohl ich erst den zweiten Tag hier bin. Man merkt, dass der Geist des Festivalleiters Kutter hier durchschwebt. Nicht nur durch das Kino, sondern auch durch die Leute. Das ist hier alles sehr herzlich und familiär, toll!

Moviesection: Du magst also den engen Kontakt zum Publikum?
Fabian Busch: Ja, das ist toll. Sonst hat man immer Filme, bei denen man nächsten Tag gesagt bekommt: „3,5 Millionen Zuschauer im Fernsehen“ und da kannst du halt Nichts damit anfangen. Haben die den Film gemocht oder fanden sie ihn total scheiße? Das weiß man dann ja nicht und hier hat man die Chance auch mal mit Leuten darüber zu reden, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie sie den Film wirklich fanden.

Moviesection: Du hast schon einige Filme fürs Kino und  Fernsehen gedreht. Hast du dich auch schon mal am Theater betätigt?
Fabian Busch: Nein, das ich hab ich bisher noch gar nicht gemacht. Ich hab auch gar keine Ausbildung als klassischer Schauspieler, deshalb würde ich auf der Theaterbühne wahrscheinlich auch gar nicht so bestehen können – Auf den großen Theaterbühnen, auf denen man mit dem Handwerk bestehen muss. Auf der kleinen Bühne vielleicht, wo man mit filmischen Mitteln spielen könnte, aber auf der großen Bühne -  keine Ahnung. Ich würde es auf der kleinen Bühne jedoch sehr gerne ausprobieren.

Moviesection: Eben hast du erwähnt, dass du keine Schauspielschule besucht hast. Wie hast du den Einstieg in diese Branche dann geschafft?
Fabian Busch: Über eine Zeitungsannonce. Ich war vierzehn und meine Eltern sind am Theater. Sie sind Tänzer gewesen und ich hab mich immer dafür interessiert. Außerdem ist mein Cousin Schauspieler. Dann hab ich irgendwann gesagt, dass ich das auch mal machen will. Mit vierzehn war ich jedoch zu jung für eine Schauspielschule und hab mich dann auf Zeitungsannoncen beworben, wo junge Leute für Filme gesucht wurden und dann hat das geklappt. Zunächst bei einer kleinen Rolle und auf Grund der kleinen Rolle hat mich dann eine Agentur genommen. So ging das dann seinen Weg.

Moviesection: Wie schwer ist es eine Rolle zu bekommen oder wie kommt man überhaupt an eine Rolle?
Fabian Busch: Hauptsächlich über eine Agentur, die einen betreut und einem Rollen besorgt. Letztendlich aber auch durch die Leute mit denen man gearbeitet hat. Es spricht sich dann herum und die Leute schauen sich die Filme an und wenn sie denken, dass der Schauspieler zu ihrem Film passen würde, fragen sie bei der Agentur an und ja, dann hat man die Rolle. Oder eben auch durch ein Casting.

Moviesection: Also sind Kontakte wichtig?
Fabian Busch: Ja, Kontakte sind wichtig, aber ich bin jetzt nicht so ein Fan davon auf Partys rumzuhängen und Leute anzuquatschen. Ich glaube die Kontakte müssen einfach so entstehen. Man kann nicht zu Leuten hingehen und sagen, dass man gerne eine Rolle bei ihnen haben möchte. Das finde ich immer ein bisschen peinlich. Wenn man aber so wie hier in Biberach, Regisseure wie den Thorsten C. Fischer, der den „Liebeswunsch“ gemacht hat, trifft, dann hab ich immer das Bedürfnis danach hin zu gehen und zu sagen, wie toll ich den Film fand.  Klar lernt man sich dadurch natürlich auch kennen, aber in keinster Weise mit dem Hintergedanken, dass man gerne mal zusammen drehen möchte. Natürlich möchte man das, aber das war nicht der Grund für mich da hin zugehen, sondern einfach um ihm - auch unter Kollegen - zu sagen, dass er einfach einen wahnsinnig tollen Film gemacht hat.

Moviesection: Würdest du zurückblickend sagen, dass der Weg des Schauspielers ein einfacher ist?
Fabian Busch: Es hängt viel mit Glück zusammen. Ich hatte einfach das wahnsinnige Glück in jungen Jahren mit Regisseuren zusammen zu arbeiten, die tolle Filme gemacht haben. Klar, jeder Dreh für dich ist harte Arbeit, aber das Ganze, der Weg des Schauspielers, ist eine ziemliche Glückssache – Die richtigen Leute zu treffen und die richtigen Filme zu machen. Sicherlich wäre das Angebot da gewesen mit fünfzehn, sechzehn in eine Serie einzusteigen und viel Geld zu verdienen. Das habe ich halt nicht gemacht und vielleicht ist das der größte Verdienst. Obwohl das nicht viel Arbeit ist, aber es ist halt eine Entscheidung die man trifft.



2. November 2006: Bewegende Filme

Am zweiten Festivaltag startet ein wahrer Publikumsliebling im Programm: „Ein Freund von mir“. Der 270 Plätze umfassende Kinosaal Universum war für die erste Vorstellung bis auf den letzten Platz ausverkauft.

Vor Filmbeginn bedauerte Adrian Kutter, dass die beiden Hauptdarsteller Daniel Brühl und Jürgen Vogel leider nicht anwesend sein konnten. Diese seien mit ihrer Rekordtour, die insgesamt sechs Filmpremieren an einem Tag umfasste, vorerst genügend ausgelastet. Den Weg nach Biberach fand jedoch Drehbuchautor und Regisseur Sebastian Schipper, der sich im Anschluss an seinen Film, den zahlreichen Fragen des Publikums stellte. Sofort merkte man Schipper an, dass er jede Menge gute Laune mit in die schwäbische Stadt gebracht hatte. Immer wieder war er zu Scherzen aufgelegt, wodurch ihm die Sympathie seiner Zuhörer gleich zu Beginn sicher war.
Eine der brennensten Fragen war die, nach Hauptdarsteller Jürgen Vogel, der eine sehr humorige und lebendige Rolle innehatte. Sebastian Schipper erzählte, dass Vogel seinem Filmcharakter Hans in vielen Dingen durchaus ähnlich sei. Der Schauspieler selbst sah dies jedoch meistens ganz anders, wie Schipper ergänzend hinzufügte. Als er das Drehbuch zu „Ein Freund von mir“ verfasste, habe er schon sehr früh an diese Besetzung gedacht.
Ganz begeistert erzählte Sebastian Schipper auch von den Dreharbeiten, die ihm und der kompletten Crew sehr viele Spaß gemacht habe. „Drehen ist wie Urlaub; aber ein stressiger Urlaub“, berichtete er mit einem Grinsen im Gesicht. Die Darsteller und er seien zwar meistens derselben Meinung gewesen, doch gab es dabei auch hin und wieder Ausnahmen.
Auf die Frage von Moviesection.de, was ihm denn mehr Spaß machen würde – die Schauspielerei oder seine Tätigkeit als Regisseur – antwortete Schipper sofort, dass das auf jeden Fall Letzteres sei. „Was von mir als Schauspieler übrig geblieben ist, ist die Bewunderung, die ich guten Schauspielern entgegen bringe.“ Er habe, trotz schauspielerischer Ausbildung, einfach nie den richtigen Draht zur Schauspielerei gefunden und fühle sich als Regisseur einfach wohler. „Das ist wie ein Spiel, in dem ich der Bestimmer bin“, erzähle er freudig seinem Publikum.
Nach der Publikumsdiskussion begab sich Schipper, wie alle anderen Filmschaffenden der Biberach Filmfestspiele, in das Menschengetümmel, um dort noch weitere Fragen beantworten zu können.  

Und weiter ging es im Programm. Wie in Biberach üblich geht es mit den Filmen hier Schlag auf Schlag.

Den Abschluss an diesem ereignisreichen zweiten Festivaltag im Kinosaal Saturn bildete der TV-Spielfilm des NDR „Einfache Leute“ mit Barbara Auer, Klaus J. Behrendt, Oliver Bäßler und Tom Schilling in den Hauptrollen. Der Streifen, der erst 2007 im Fernsehen zu sehen sein wird, lief im Rahmen des Festivalprogramms das erste und wohl auch das letzte Mal auf der großen Leinwand. Sehr zum Bedauern, des künstlerischen Festivalleiters Adrian Kutter, der das Publikum vor dem Film auf die emotionale Achterbanfahrt einstimmte. Nach dem Ende des Abspanns wurden die Produzentin Heike Wiehle-Timm, die Redakteurin des NDR Barbara Beauvais, Drehbuchautor Johannes Reben sowie Hauptdarsteller Oliver Bäßler mit eine kräftigen Applaus begrüßt. An der regen Diskussion, die sich mit dem Filmteam entwickelte war zu merken, dass das Thema „nicht offen gelebte Homosexualität“ die Gemüter sehr bewegte. Auf die Frage von Moviesection, ob sich eine solch emotional fordernde Rolle nach Drehschluss einfach so wieder abstreifen ließe antwortete Schauspieler Oliver Bäßler mit einem einfachen „Ja“. Denn Film jedoch heute, gut ein Jahr nach dem Dreh, fertig auf der Leinwand zu sehen, sei da jedoch schon aufwühlender, so Bäßler.

In guter alter Tradition versammelten sich Filmbegeisterte und Filmschaffende nach dem Ende des letzten Filmes erneut im Foyer des Sternenpalastes zu Gesprächen und einem guten Gläschen Wein. Mitten im Gewühl auch dabei, Schauspielerin Jessica Schwarz, die für einen Tag angereist war, um ihren Film „Der Liebeswunsch“ zu präsentieren. Ein Streifen der es in sich hat. Nach Filmende war das Biberacher Publikum erstmal absolut sprachlos und zu keiner Diskussion fähig. Adrian Kutter, Jessica Schwarz und Regisseur Torsten C. Fischer bestritten somit alleine das Gespräch nach dem Film.  Erst nach dem sich der emotional starke Tobak gesetzt hatte, suchten die Zuschauer die Unterhaltung mit dem Filmemacher.



3. November 2006: Die Pressekonferenz mit dem Tiger

Am Freitag den 03.11.2006 war der Tiger los in Biberach. Boxer Dariusz Michalczewski war zusammen mit Regisseur Pawel M. Starost und Produzentin Ilona Ziok extra von Danzig nach Oberschwaben angereist, um die Dokumentation „Tiger“ vorzustellen. Starost, Absolvent der Ludwigsburger Filmakademie, hatte Michalczewski im Vorfeld zu seinem letzten Kampf gegen den französischen Weltmeister  Fabrice Tiozzo 2005 mit der Kamera begleitet. Nach einem Spaziergang durch die Stadt stellten sich die drei den interessierten Fragen der Presse.

Zu Beginn erzählte Regisseur Pawel M. Starost, dass er sich bereits während seines Studiums für den Dokumentarfilm interessierte. Auf der Suche nach einem geeigneten Thema sei er auf die Information über den letzten Kampf von Dariusz „gestolpert“ und da er seinen Landsmann seit längerem sehr bewunderte, startete er den Versuch, den „Tiger“ für sein Projekt zu gewinnen.  Starost schwebte ein Countdown bis zum Kampf Tiozzo – Michalczewski vor. Dieser gab freimütig zu, dass der Dokumentarfilmer ihn zu dem Projekt überredet hatte, anfangs glaubte Dariusz nicht wirklich, dass aus der ganzen Geschichte tatsächlich ein Film für die Kinos werden würde. „Du darfst mich nicht stören und ich darf deine Anwesenheit nicht merken“ waren seine einzigen Bedingungen. Michalczewski erzählte, dass Starost tatsächlich für ihn „verschwunden“ sei. Über weite Strecken habe er die Kamera gar nicht mehr gesehen. Ein echter Glücksfall, wie Starost bestätigte, da so ein unglaublich nahes und authentisches Portrait des Boxers möglich war. Ungeschönt und echt sieht der Zuschauer nun, wie der Boxer tatsächlich ist. Dariusz Michalczewski erklärte, dass er sehr großes Vertrauen zu Pawel M. Starost hatte, er gab ihm bei der Auswahl der Aufnahmen, immerhin mussten 70 Stunden Rohmaterial auf 60 Minuten gekürzt werden, freie Hand. „Ich bin wie ich bin“ so der Tiger, „Ich fluche, ich flippe aus. Vor einem Kampf muss man halt auch mal in den 5. Gang schalten“ so Michalczewski. „Ich habe nichts zu verbergen.“ Produzentin Ilona Ziok ergänzte, dass es genau diese ungefilterte Echtheit sein, die Dariusz so sympathisch mache. „Harte Schale, weicher Kern.“ so Ziok, die mütterlicherseits mit der Boxlegende Max Schmeling verwandt ist.

Auf die Frage, ob Michalczewski wie etwa Axel Schulz oder Henry Maske auch an ein Comeback denke, antwortet dieser, dass 25 Jahre Profiboxsport für ihn wirklich genug waren. Er vermisse zwar das Training, aber nicht die Kämpfe. „Ich komme dann 2015 wieder“ witzelte er. Schon vor seinem Kampf mit Tiozzo, den er verlor, hatte sich Dariusz eine Existenz neben dem Sport aufgebaut. Zu dieser gehört auch sein ehrenamtliches Engagement und seine Stiftung „Gleiche Chancen“. „Junge Leute müssen beschäftigt werden, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen. Beim Boxen können sich die Kids kontrolliert austoben“ so Michalczewski, der mit seinem Einsatz nicht gerne hausieren geht. Er habe die Möglichkeit zu helfen und daher mache er dass, so der Boxer bescheiden. Auch ihn habe in seiner Jugend die Liebe zum Boxsport davor bewahrt auf die schiefe Bahn zu geraten. Produzentin Ilona Ziok erzählte, dass mit dem Film auch besonders die jungen Leute  erreicht werden sollen. Eine erste Probeaufführung vor einer Schulklasse in Braunschweig sei sehr positiv gelaufen und mit der Cinemaxx-Kinokette konnte ein Partner gefunden werden, der Stiftung und Film weiter unterstützt. Ab Januar 2007 ist eine Tour von Michalczewski durch ganz Deutschland geplant. Ein Teil der Erlöse aus den Kinokarten kommt „Gleiche Chancen“ zu gute. Nach einer guten Stunde Gespräch, machten sich Pressevertreter und Filmteam auf zurück in Richtung Sternenpalast.

Der Tiger im Kino
Kurz nach der Pressekonferenz war die Dokumentation „Tiger“ dann auch im Sternenpalast zu sehen. Natürlich lies sich Moviesection.de diese Gelegenheit nicht entgehen und versammelte sich zusammen mit zahlreichen anderen Kinogängern vor der Leinwand. Die Resonanz des Publikums fiel durchweg positiv aus. Alle waren begeistert von der Echtheit dieser Dokumentation und bombardierten Michalczewksi und sein Team mit zahlreichen Fragen. Viele der Zuschauer konnten gar nicht fassen, dass es dem Regisseur und Kameramann Pawel M. Starost tatsächlich gelungen war, für den ehemaligen Boxweltmeister „unsichtbar“ zu werden. Doch man war sich einig – Diese Dokumentation ist nicht gestellt, was man  mit reichlich Applaus belohnte.

Moviesection.de hatte kurz die Gelegenheit mit Pawel M. Starost  und Dariusz Michalczewski zu sprechen. Der Regisseur zeigte sich sichtlich erfreut über das Interesse an seinem Film und erzählte, dass „Tiger“ sogar auf dem „Chicago international Filmfestival“ zu sehen sein wird. „Das ist natürlich eine große Chance für mich“, berichtet Starost ganz stolz. Außerdem erwähnte er im Gespräch, wie sehr ihm der Dreh mit Dariusz Spaß gemacht habe. Da sich Dariusz Michalczewski den Film im Sternenpalast ebenfalls mit ansah, wollte Moviesection von dem ehemaligen Profiboxer wissen, zum wievielten Mal er den Film denn nun sehen würde. „Zum vierten, fünften Mal“, berichtet Dariusz und ergänzte schnell: „Doch die Spannung steigt!“ Auf die Frage, ob es ihm nicht unangenehm sei, sich der Öffentlichkeit so intim zu präsentieren, antwortete er ein Mal mehr, dass er nichts zu verstecken habe. „So bin ich!“, sagte er ganz selbstsicher.

Der Abend
Am Abend des dritten Festivaltages hatte Moviesection.de die Möglichkeit sich den Eröffnungsfilm „Der letzte Zug“ anzusehen. Der Streifen, mit dem am Mittwoch die 28. Biberacher Filmfestspiele eröffnet wurden, sorgte für große Betroffenheit bei Publikum. Nachdem zur Eröffnung die Regisseure Joseph Vilsmeier und Dana Vávrová den Zuschauern Rede und Antwort standen, kamen die Zuschauer am Freitag in den Genuss den Hauptdarsteller Gedeon Burkhard live nach dem Film zu erleben. Mit eine der ersten Fragen nach dem Film in beiden Vorstellungen war die, nach den Drehbedienungen für die Kinder. Am Mittwoch berichtete Frau Vávrová, dass sehr großer Wert auf eine gute Umgebung für die Kinder gelegt wurde. Erschreckend für sie sei jedoch gewesen, wie schnell sich besonders die Babys auf die Bedingungen im Wagon eingestellt hatten. Bereits am zweiten Drehtag hatten diese die Scheu vor der ungewohnten Umgebung verloren und krabbelten wie selbstverständlich umher. Auch Gedeon Burkhard bestätigte, dass die Kinder sehr gut auf ihre Rollen und das Drehumfeld vorbereitet wurde. Er berichtete aus eigener Erfahrung, das Kinder sehr wohl in der Lage sind sich auch mit solch schwierigem Stoff auseinander zusetzten. Er selbst habe seinen zweiten Film, im Alter von 10 Jahren ebenfalls zum Thema Drittes Reich gemacht und diese Erfahrung wolle er nicht missen. Sie hat in ihm den Wunsch geweckt sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Bevor jedoch nur ein Zuschauer eine Frage stellte, herrschte absolute Stille im Saal. Keiner ging, das Publikum war wie gelähmt ob der erschreckenden Bilder. Gedeon Burkhard überbrückte die Stille geschickt, in dem er erzählte, dass seine Reaktion nach dem Lesen des Drehbuchs eine ähnliche war. Zusammen mit seiner Mutter hatte er den Stoff gelesen und beide waren für gut 2 Stunden auch nicht in der Lage über das Gelesene zu diskutieren. Burkard berichtete weiter, dass er sehr froh sei, den Film überhaupt im Kino zu sehen. Lange Zeit war nicht klar, ob die Dreharbeiten beginnen würden, wer der Regisseur werden bzw. ob der Film je zu Ende bearbeitet werden würde.  Überhaupt stand der Dreh unter keinem so günstigen Stern. Zu Beginn verletzte sich Regisseur Joseph Vilsmaier schwer, als er mit einem Kamerakran umkippte. Doch er drehte weiter, wenn er auch sehr zu seinem Leidwesen die Kamera nicht mehr selbst bedienen konnte (Anm. d .R.: Regisseur Joseph Vilsmaier war lange Jahre ausschließlich als Kameramann tätig.). Im Laufe der Diskussion erhielt Gedeon Burkard sehr viel Lob für seine Darstellung. Viele Zuschauer äußerten, dass sie sich den Schauspieler in einer solchen Rolle nicht hatten vorstellen können und mehr als positiv vom Ergebnis überrascht waren. Burkard machte das Lob sichtlich verlegen. Er sei immer noch dankbar, dass man ihm die Rolle angeboten habe, so der Schauspieler. Ein Zuschauer brachte die Stimmung auf den Punkt, als er sich bei Herrn Burkard für das anregende Gespräch nach dem Film bedankte. Dies habe sehr geholfen, die Eindrücke fürs erste zu verarbeiten. Für den Rest des Abends mischte sich Gedeon Burkhard im Anschluss unter Publikum und Filmschaffende, die im Foyer des Sternenpalastes bei angeregten Gesprächen zusammen saßen.

Zu später Stunde versammelten sich am 02.11.2006 die Fans des anspruchvollen Films zu „Rabenbrüder“ im Kinosaal Jupiter (es handelt sich hier übrigens nicht um die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ingrid Noll). Die Geschichte dreier Freunde, deren Leben durch einen Unfall komplett aus den Fugen gerät, kam beim Publikum sehr gut an. Die anwesenden Produzenten Michael Jungfleisch und Alexander Funk konnten sich nach der Vorführung viel Lob und Applaus abholen. Nicht nur die Art und Weise der Filminszenierung hatte gefallen, auch die sehr guten Leistungen der vier jungen Hauptdarsteller fanden den Zuspruch des Publikums.



4. November 2006: Zwerge im Sternenpalast

Am vierten Festivaltag war „Großkampftag“ im Sternenpalast angesagt. Nicht nur, dass das Filmfestival weiter auf vollen Touren lief, zusätzlich hatte sich Otto Waalkes mit seiner 7-Zwerge-Tour zu seinem Kinostreich "7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug" in Biberach angesagt. Besonders für das kleine Kinopublikum ein absolutes Highlight. Bereits eine halbe Stunde vor Busankunft der beiden Zwerge Otto alias Bubi und Norbert Heisterkamp alias Ralfie  herrschte im Kinofoyer dichtes Gedränge: Jeder wollte ein Autogramm oder Foto ergattern. Die Hoffnungen der Fans wurden nicht enttäuscht. Nachdem Otto und Norbert Heisterkamp pünktlich um 13:30 Uhr unter großem Jubel vor dem Kino eingefahren waren, gaben sie bereitwillig ihre Unterschrift auf alles, was ihnen entgegengehalten wurde. Auch Fotos waren kein Problem. Ohne die tatkräftige Unterstützung des Sternepalastteams wäre für die beiden aber wohl kein Durchkommen gewesen, so enorm war der Andrang.

Wenig später hatte dann auch die Presse Gelegenheit mit den beiden Zwergen einige Worte zu wechseln. In sehr entspannter und angenehmer Atmosphäre stellten sich Otto Waalkes und Norbert Heisterkamp, mit seinen 1,97 Metern Körpergröße (übrigens der größte Zwerg) den Fragen von Moviesection.de.

Heisterkamp erzählte, dass es jedes Mal ein tolles Gefühl sein, aus dem Bus in die begeisterte Fanmenge abzutauchen. Für ihn sei der persönliche Kontakt zu den Fans sehr wichtig und er freue sich jedes Mal enorm über die positive Resonanz, die ihm und seinen Kollegen auf der 7-Zwerge-Tour bis jetzt entgegen gebracht wurde. „Es gibt für mich nichts Schöneres als in glänzende Kinderaugen zu schauen.“ so der Schauspieler. Dies lasse einen den Stress vergessen, den die 3-wöchige-Tour eben auch so mit sich bringt. 5 Kinos am Tag sind schließlich kein Pappenstiel. Jedoch sei es auch schon zu extremen Situationen im Bezug auf die Fanfreude gekommen. In Marburg war ein Verlassen des Busses aufgrund des Gedränges zum Beispiel gar nicht möglich, so Heisterkamp. Auf die Frage von Moviesection.de, ob er denn mit diesem Erfolg gerechnet habe, sagte Heisterkamp, dass er vom sehr guten Einspielergebnis des ersten Teils mehr als nur positiv überrascht war. Der gute Start von „7 Zwerge – der Wald ist nicht genug“ lässt ihn auf ein ähnlich gutes Abschneiden hoffen. Auch einem dritten Teil wäre der Märchenfan nicht abgeneigt, wie er verriet. Konkrete Pläne seinen jedoch noch nicht angedacht. Die Arbeit an den beiden ersten Teilen, habe ihm jedoch sehr viel Spaß gemacht, erzählte Heisterkamp weiter. Es herrschte eine sehr gute Stimmung am Set, alle waren gelöst und hatten ihren Spaß.

"Ich bin ganz überrascht!"
Zeitgleich zum Gespräch von Melli mit Norbert Heisterkamp führte Kathrin ein Interview mit Otto Waalkes.

Moviesection: Sie sind hier auf den 28. Biberacher Filmfestspiele. Ist das ihre erste Station auf der „7 Zwerge“ Tour?
Otto: Das ist die erste Station auf irgendwelchen Filmfestspielen. Da bin ich ja noch nie gewesen. Ich kenn nur die „Emder Filmfestspiele“, die haben wir in Ostfriesland. Aber mit den Biberachern kommen wir nicht mit. Da bin ich eben auch ganz stolz, dass mein Name hier erwähnt wird. Das ist ja schon ein kleiner Beitrag in die richtige Richtung – mit den ganzen anspruchsvollen Filmen.

Moviesection: Geht es von Biberach gleich weiter zum nächsten Termin?
Otto: Ja, wir machen jetzt eine Tour durch alle Städte in denen der Zwergen-Film anläuft, um mit den Leuten zu kommunizieren, Verbesserungsvorschläge einzuholen und sich kritisch mit diesem Motiv auseinander zu setzten. Das scheint schon eine sehr gute Sache zu sein, immerhin finden wir bisher ganz guten Zuspruch – Ich bin ganz überrascht! Trotz der skeptischen Auseinandersetzung mit der Kritik, findet die Tour doch einigermaßen Zuspruch. Darüber bin ich sehr froh und wir sind alle sehr glücklich.  

Moviesection: Also erwarten sie, dass die Fans zahlreich erscheinen und sich über ihr Kommen freuen?
Otto: Ja, das war ja gerade so, das war ja gerade der Wahnsinn. Ich meine, ich bin ja ganz überrascht. Biberach ist ja auch ziemlich weit weg von zu Hause.

Moviesection: Bestreiten sie und Norbert Heisterkamp die Tour alleine oder kommen noch mehr der Darsteller mit dazu?
Otto: Nein, heute Nachmittag kommen noch mehr dazu. Da kommt noch der Maddin Schneider, der Herr Schmitz - und Rumpelstilzchen kommt auch noch. Die haben halt auch ständig alle zu tun. Die sind auf Filmfestspielen, bei ihren Fernsehshows. Der eine ist bei der „Schillerstraße“, der nächste bei Stefan Raab. Die haben ja viel zu tun und ich bin froh, wenn ich überhaupt ein bis zwei zusammen bekomm. Ja, die Besetzung wechselt bei jeder Station.

Moviesection: Sind die „7 Zwerge“ eine Art Wettbewerb zwischen den deutschen Comedians?
Otto: Eigentlich nicht, denn das sind ja alles unterschiedliche Talente. Das sind Bewegungskünstler, Wortakrobaten und musikalische Virtuosen, die sich alle gegenseitig inspirieren. Das ist ganz verrückt. Also gibt es da keinen Konkurrenzkampf.

Moviesection:  Dürfen wir uns schon auf „7 Zwerge“ Teil 3 freuen?
Otto: Das war jetzt ja gerade erst das zweite Werk. Das ist ja auch keine Fortsetzung, das ist ein eigenständiges Werk. Es geht hier um ein Märchen und die Zwerge sind ja quasi nur die „Supporting-Akts“. Vielleicht kann es zu einer Trilogie kommen, wer weiß. Es kommt darauf an, wie das Thema angenommen wird.

Der Abend
Nachdem die 7-Zwerge-Tour weitergerollt war, ging es für das Moviesection-Team weiter im Festivalprogramm.

Unter andrem saßen wir für Euch im Publikum des Films „Schwesterherz“. Bereits bei seinem ersten Start am 03.11. hatte der Streifen für viel Diskussionsstoff gesorgt und so stimmte Festivaleiter Adrian Kutter zusammen mit Regisseur Ed Herzog das Publikum der zweiten Vorführung gleich mit einem entsprechenden Hinweis ein. Ed Herzog, der sich den Film zusammen mit dem Publikum ansah, stand nach dem Abspann auch für Fragen und Bemerkungen bereitwillig zur Verfügung. Diesmal kamen diese jedoch eher zögerlich. Auf die Frage von Moviesection.de, ob ihm die Entscheidung für das Drehbuch leicht gefallen wäre, antwortete Herzog, dass ihm das Projekt gleich gefallen habe. Die Tatsache, dass Drehbuchautorin und Hauptrolle von Heike Makatsch in Personalunion besetzt war, stellte für ihn kein Hindernis dar. Schon früh habe er Heike in alle Entscheidungen mit einbezogen und so war die Zusammenarbeit gut verlaufen. Ed Herzog berichtete, dass die Dreharbeiten für Heike Makatsch nicht sehr einfach waren. Oft wollte sie die Figur der Anne nicht weiter spielen, da sie sie selbst so schrecklich fand. Herzog sprach Heike Makatsch, die leider aufgrund von Dreharbeiten persönlich nicht anwesend sein konnte, seine Hochachtung aus. Sie habe sich mit großem Kraftaufwand tief in die Figur der Anne eingefunden und dadurch diese erst so authentisch werden lassen.

Anschließend stand der 60-minütige Spielfilm „Denk ich an Deutschland in der Nacht - Das Leben des Heinrich Heine“, der 2005 anlässlich des Heine-Jahres für den NDR gedreht wurde, auf dem Programm. Natürlich kam es nach der Vorstellung wieder zu einem Gespräch zwischen dem Publikum und den Filmschaffenden. Anwesend waren Regisseur Gordian Maugg und Hauptdarsteller Fabian Busch, die anfänglich anstatt mit Fragen, viel mehr mit Lob überhäuft wurden. Viele äußerten sich positiv über Fabian Buschs Darstellung des jungen Heine, was den sympathischen Schauspieler sichtlich erfreute.

Letztendlich kamen Maugg und Busch aber auch noch zum Zug und lieferten dem Publikum einige interessante Informationen über die Entstehung des Filmes. Gordian Maugg berichtete, dass „Heinrich Heine“ mit sehr wenig Geld entstanden sei. Viele Szenen mussten gerafft werden, da es schlichtweg unmöglich gewesen sei, noch mehr Drehorte im Stil des 19. Jahrhunderts zu errichten. Das Publikum war sich jedoch einig, dass dieser Film, trotz des niedrigen Budgets und der doch sehr kurzen Spiellänge von gerade mal einer Stunde, ein umfangreiches und auch interessantes Bild des deutschen Schriftstellers vermittelt.

Weit mehr Publikumsmeldungen als bei „Schwesterherz“ gab es später am Abend nach der Vorführung des Films „Offset“. Das deutsch-rumänische Projekt unter der Regie von Didi Danquart sorgte besonders was die Interpretation des Endes anging für eine rege Diskussion zwischen den Zuschauern und dem angereisten Danquart. Dieser erläuterte, dass er so viel wie möglich an der Geschichte offen lassen wollte. Man soll sich über die Geschichte unterhalten, die verschiedenen Auslegungen diskutieren. Wenn sich der Zuschauer nach dem Abspann Gedanken zu dem Thema kulturelle Unterschiede zwischen Deutschen und Rumänen macht und sich damit auseinandersetzt, dann habe er schon gewonnen, so Danquart. Gleichzeitig wollte er mit dem Film aber natürlich auch unterhalten stellte der Regisseur fest. Beides war ihm zumindest beim Biberacher Publikum gelungen. Nicht nur einmal war während der Vorführung gelacht worden und auch nachdem die offizielle Diskussion beendet war, stand Didi Danquart noch auf der Treppe des Kinosaales in angeregtem Austausch mit einigen Zuschauern.

Um 20.00 Uhr stand für Moviesection.de das Drama „Eden“ auf dem Programm. Die Erwartungen des Publikums wurden noch vor Filmbeginn sehr hoch, verriet Adrian Kutter doch, dass „Eden“ einer seiner Lieblingsfilme sei. „Ich liebe diesen Film“, so der künstlerische Leiter der Biberacher Filmfestspiele ganz begeistert.

Im Anschluss fanden Regisseur Michael Hofmann und Produzent Michael Jungfleisch den Weg in den nahezu ausgebuchten Kinosaal des Sternenpalastes, in dem sie bereits von einem sehr nachdenklichen Publikum erwartet wurden. Die Frage, die wohl jedem Zuschauer auf der Seele brannte, wurde gleich zu Beginn an den Regisseur gestellt: „Wie kamen sie auf die Idee, einen Film zu drehen, der zu einem großen Teil vom Essen handelt?“ Hofmann schien auf diese Frage nur gewartet zu haben und erzählte, dass er sich schon seit längerer Zeit überlegt habe, ob gutes Essen einen Menschen verändern kann. Um eine Antwort darauf zu erhalten, habe er viele verschiedene Restaurants ausprobiert. Das Ergebnis seines kleinen Ausfluges in die Welt eines Gourmets, sei „Eden“. Natürlich war es auch interessant zu erfahren, wie es zu der Auswahl der Hauptdarstellerin Charlotte Roche kam, die bisher hauptsächlich als Moderatorin und kaum als Schauspielerin tätig war. Michael Hofmann berichtete, dass er nur zufällig auf sie aufmerksam wurde. Anfänglich waren am Set auch alle sehr skeptisch ihr gegenüber, doch nach einem kurzen Kennen lernen, seien alle der Ansicht gewesen, dass Roche die optimale Besetzung sei.  Um dem Publikum einen kleinen Eindruck von der Entstehung des Filmes zu vermitteln, erzählte Michael Hofmann außerdem, dass es bei ihm am Set niemals eine Anfangsklappe gab. „Die Kamera lief einfach die ganze Zeit, damit die Schauspieler nicht merken, dass sie gefilmt werden“, so  der Regisseur. Durch diese Technik seien ganz interessante Szenen entstanden, die teilweise auch im Film gezeigt werden.
PS.: Kleine Anmerkung für alle die „Eden“ bereits gesehen haben oder noch sehen werden: Die erste Szene, in der Hauptdarsteller Josef Ostendorf das Hühnchen rupft und sich dabei mit ihm unterhält, gehört zu eben diesen Szenen, die im Drehbuch eigentlich gar nicht vorgesehen waren und durch reine Improvisation entstanden sind.



5. November 2006: reise und Abschied

Nach vier ereignisreichen Tagen neigten sich die 28. Biberacher Filmfestspiele am Sonntag, den 05. November ihrem Ende entgegen. Während im Kino das Filmprogramm noch auf vollen Touren lief, versammelte sich ein Teil der Filmschaffenden gegen 11:00 Uhr im Biberacher Rathaus zum Brunch und Gespräch mit Oberbürgermeister Thomas Fettback sowie zum Austausch untereinander. Bei gutem Essen und in netter Umgebung wurden alte Bekanntschaften vertieft und neue Kontakte geknüpft. Besonderer Gast war auch hier der diesjährige Ehrengast der Filmfestspiele: Der Regisseur und Schauspieler Vadim Glowna.

Am Abend wurden dann in festlichem Rahmen, wie jedes Jahr die mit Spannung erwarteten Entscheidungen der Biber-Jury verkündet. Dieses Jahr wurden folgende Filme ausgezeichnet bzw. lobend erwähnt:
Der Goldene Biber: Der Goldene Biber sowie der Publikums-Biber ging an „Vier Minuten“ von Regisseur und Drehbuchautor Chris Kraus mit Hannah Herzsprung, Monica Bleibtreu, Jasmin Tabatabai und Vadim Glowna. Lobend erwähnt wurde „Stille Sehnsucht - Warchild“ von Christian Wagner.
Der Doku-Biber: Den Doku-Biber konnte Pawel M. Starost für „Tiger“ mit nach Hause nehmen. In dieser Kategorie loben erwähnt wurde “Der Anfang war gut“ von Susanna Salonen.
Der Debut-Biber: Der Debut-Biber ging an den Film „Pingpong“ von Matthias Luthardt.
Über den erstmals vergebenen Kurzfilm-Biber durfte sich Arne Ahrens für „Großstadträuber“ freuen.
Der Ehren-Biber
(Ehrenpreis für besondere Verdienste um den deutschen Film) ging 2006 an Vadim Glowna, der seinen aktuellen Film „Das Haus der schlafenden Schönen“ vorstellte und über den eine Werkschau von fünf Filmen im Rahmen der 28. Biberacher Filmfestspiele gezeigt wurde.

Ein besonders Lob sprach die Jury Fabian Busch für seine schauspielerische Leistung aus. Busch war in vier Filmen zu sehen („Heinrich Heine“, „Sunny“, „Großstadträuber“ und „Kosher“). Dabei habe er in unterschiedlichen Charakteren eine außerordentliche schauspielerische Bandbreite gezeigt. Moviesection kann sich dem nur anschließen und freut sich auf weitere gute Filme mit dem sympathischen Schauspieler.
Die 28. Biberacher Filmfestspiel schlossen mit einem neuen Besucherrekort. Insgesamt kamen 9.500 Zuschauer zu den 69 Filmvorführungen. Dies sind stolze 600 Zuschauer mehr, als noch 2005.

Wie bereits im letzten Jahr, soll auch 2006 der Schluss unserer Berichterstattung dem Dank an die vielen engagierten Menschen gehören, die im Rahmen der Festspieltage dafür sorgen, dass der Slogan „Familienfest“ nicht nur eine hohle Phrase bleibt. Wie immer ein großes Dankeschön an „Unseren Jörg“, der allzeit für Fragen parat stand. Vielen Dank auch an den sympathischen Hostessenservice, der uns ebenso wie Pressesprecher Johannes Riedel toll betreut hat. Ein besonders Dankeschön auch an Andreas Reiner, der uns in der „Akkunot“ mit seinen Fotos unterstützte. Wir freuen uns schon auf 2007, wenn es Anfang November wieder heißt „Willkommen zu den 29. Biberacher Filmfestspielen, dem Familienfest der Filmschaffenden.“

Melli & Kathrin
Moviesection.de, Biberach a.d. Riß

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