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Moviesection.de unterstützt PETA
Special
29. Biberacher Filmfestspiele

Berichten vor Ort in Biberach:
Kathrin, Tom & Melli
Das Familienfest deutscher Filmemacher!
Moviesection bei den 29. Biberacher Filmfestspielen.
Es ist die heimelige Atmosphäre, die die Biberacher Filmfestspiele zu etwas besonderem macht.“ Biberachs Oberbürgermeister Thomas Fettback brachte es am 31. Oktober 2007 bei der Pressekonferenz und der anschließenden Eröffnung im Kinosaal Universum des Sternenpalastes der Filmfestspiele auf den Punkt. Bereits zum 29. Mal startet in Oberschwaben nun schon das Familienfest deutscher Filmschaffender und wieder darf viel erwartet werden. Moviesection ist für Euch zum dritten Mal vor Ort. Wir freuen uns auf spannende und berührende Filme, interessante Gespräche und eine aufregende Zeit.
Neu in diesem Jahr ist die Wahl des „Publikum-Bibers“. Aufgrund des aufwändigen Verfahrens mittels Stimmzettel im letzten Jahr entschied man sich 2007 für die Bildung einer Publikums-Jury. Die beiden Medienpartner der Filmfestspiele, die „Schwäbische Zeitung“ und „Radio Donau 3 FM“, starteten eine Ausschreibung, bei der sich „ganz normale“ Kinogänger bewerben konnten. Neu ist auch, dass Adrian Kutter, Herz und Seele der Veranstaltung, nicht mehr für den Kinobetrieb verantwortlich ist, sondern nur noch das Festival betreut. Eine Tatsache, der sich zum Beispiel in Sachen „Betreuung an den Kinokassen“ leider negativ bemerkbar macht.
„Wer zu lange redet, ist auch sonst ein böser Mensch.“ Ganz im Sinne dieses Ausspruchs hielt sich Regierungspräsident Stampfer mit seiner kleinen Eröffnungsansprache vor Beginn des ersten Festivalfilms „Das Konklave“ kurz. Seinem Beispiel folgend machten auch Thomas Fettback, Oberbürgermeister, und Herr Last, 1. Vorsitzender des Festival-Fördervereins, nicht viele Worte. Begleitet von einer launigen Moderation von Corinna Palm wünschten alle drei zusammengefasst dem Publikum viel Spaß und tolle Kinostunden beim 29. Biberacher Filmfestival. Im Anschluss gab es dann für alle, die mit der Preisvergabe und den Jurys noch nicht so sattelfest waren, eine kleine Einführung. Für die nach dem Film in Biberach obligatorische Diskussion mit einem der Filmschaffenden erwartete Adrian Kutter den Regisseur Christoph Schrewe, der extra aus Rom anreiste und zu Filmbeginn noch im Flieger saß.

Filmvorstellung: "Das Konklave"

Das Konklave - von Melli
Film, 100 Minuten
Story
Als Papst Calixus III stirbt wendet sich das Blatt für die Spanier 1458
in Rom schlagartig und damit auch für die Borgia-Dynastie. Für Rodrigo
Borgia, Kardinal und Neffe von Calixus wird die Luft dünn. Doch anders
als sein Bruder, der Hauptmann der Wache, bleibt Rodrigo in Rom. Er will an
der Wahl zum neuen Papst teilnehmen. 18 Kardinäle versammeln sich schließlich
zum Konklave. Hinter verschlossenen Türen und zugenagelten Fenstern beginnt
das Ränkespiel und Tauziehen um Stimmen und Macht. Wie wird die neue Ausrichtung
der katholischen Kirche aussehen? Wer wird es schaffen, die meisten Kardinäle
auf seine Seite zu ziehen? ....zur
Filmkritik

Publikumsdiskussion nach
"Das Konklave"
Publikumsdiskussion
Mit „Das Konklave“ wurden dieses Jahr die Biberacher Filmfestspiele
eröffnet. Regisseur Christoph Schrewe war zusammen mit den Darstellern
Manuel Fullola, James Faulkner und Dominik Boeer nach Biberach gereist, um sich
nach der Vorstellung den Fragen des Publikums zu stellen. Nach bangem Warten,
es handelte sich um die deutsche Uraufführung, wurden die Filmschaffenden
mit großem Applaus im Kinosaal Universum empfangen. Die Erzählung
um das mörderische Intrigenspiel bei der Papstwahl von Pius II fand großen
Anklang bei den Biberachern. Schauspieler Fullola berichtete, dass dies seine
erste Hauptrolle ist und er sehr froh über das in ihn gesetzte Vertrauen
war. Dominik Boeer, der nur ein kleine Rolle in „Das Konklave“ innehatte,
berichtet kurz vom Dreh und der tollen Atmosphäre am Set. Regisseur Schrewe
hatte ihn kurzfristig angerufen und gebeten mitzumachen. Für Boeer die
gute Gelegenheit zu seinem ersten Auslandsdreh. Regisseur Christoph Schrewe
zeigte sich im Verlauf der Publikumsdiskussion ein bisschen überwältigt
ob der enorm positiven Resonanz. Auf die Frage, wie er an den Filmstoff gekommen
sei, berichtete er, dass die Aufzeichnungen von ca. 15-20 Jahren vom Vatikan
frei zugänglich gemacht wurden und Drehbuchautor Paul Donovan schon sehr
lange an einer Umsetzung für die große Leinwand gearbeitet hatte.
Persönlich stieß er vor gut 7 Jahren zum Projekt. Bei 3 Millionen
Dollar Budget war klar, dass die Mitwirkenden auch eine große Portion
persönliches Engagement mitbringen mussten, denn große Gagen waren
nicht drin. Um so mehr freute ihn, dass diese außergewöhnliche Besetzung
zustande kam. Schrewe berichtete weiter, dass der Dreh in Kanada stattfand,
bei Minus 25 Grad Außentemperatur und plus 40 am Set. Der Film entstand
chronologisch in nur 25 Drehtagen. Ein Umstand, der der Geschichte sicherlich
zuträglich war. Auf die Frage, ob denn eine Fortsetzung der Geschichte
um den jungen Kardinal Borgia geplant sein, berichtete Schrewe, dass sie hieran
schon gedacht hätten, zumal Rodrigo Borgia später selbst Papst wurde.

Interview mit Schauspieler Dominic Boeer

Sehr sympathisch: Dominic Boeer
im Interview mit Melli
"GZSZ ist nach vier Jahren immer noch präsent!"
Dominic Boeer im Interview mit Moviesection.de
Moviesection: Wir kamst Du denn zur Schauspielerei?
Dominic Boeer: Ich bin mehr oder weniger am Theater aufgewachsen.
Mit acht Jahren wurde ich sozusagen von der Straße „weggecastet“,
und stand zum ersten Mal als Mogli mit „Das Dschungelbuch“ auf der
Bühne. Von der Schule habe ich immer mal wieder frei bekommen und war auf
den Theaterbühnen unterwegs. Solange die Noten gut waren, ging das auch.
Gegen Ende musste ich die Schauspielerei etwas zurückstellen.
Als Elvis-Fan habe ich mir mit 18 einen sehr großen Wunsch erfüllt
und das Elvis-Musical geschrieben und aufgeführt, was dann auch sehr gut
lief. Nach der Schule bin ich nach Köln und habe dort Politik studiert
– auch ein wenig aus der Tradition heraus, dass meine Schwester und mein
Vater beide Journalisten sind. Die Schauspielerei wollte ich nur nebenher machen,
aber irgendwann hat sich das gedreht, was auch ganz gut so ist.
Moviesection: Schreibst Du wieder mal ein
Drehbuch?
Dominic Boeer: Ich hab es vor, deshalb will ich mir jetzt auch
ein Diktiergerät kaufen, weil die Ideen, die ich nachts habe, sind morgens
immer weg. Mit anderen Worten: Hätte ich die 50 Euro aufgebracht, hätte
ich vermutlich schon wieder was geschrieben.
Moviesection: Du hast ja schon in den USA
gearbeitet…
Dominic Boeer: Das meiste davon waren Co-Produktionen. Wenn
Deutsche in amerikanischen Produktionen mitspielen, steckt meistens doch deutsches
Geld drin. Ich glaube fest daran, dass die Amerikaner keine deutschen Schauspieler
brauchen, weil sie einfach wahnsinnig gute Schauspieler haben, die arbeitslos
sind. Ich habe zwar in amerikanischen Filmen mitgespielt, das waren doch ehrlicherweise
eher kleine Gastrollen. Hauptsächlich arbeite ich in Deutschland, im Fernsehen,
wie in der „SOKO Wismar“…
Moviesection: …oder in GZSZ…
Dominic Boeer: Oder dort, klar. Unvergessen.
Moviesection: Wie ist denn das Arbeiten in
einer Soap gegenüber dem an einem Kinofilm?
Dominic Boeer: Bei einer Soap ist es alles unheimlich schnell.
Wenn ich einem Maler sage: „Ich geb’ Dir jetzt ein Blatt Papier.
Du malst mir jetzt das Haus und die Straße da vorn und in 10 Minuten gibst
Du es mir wieder ab.“ Das ist bei einer Soap so. Beim Kino würde
ich zu dem Maler sagen: „Nimm es mit nach Hause, setz Dich die ganze Nacht
hin und gib es mir morgen irgendwann wieder!“ So sehen die Bilder dann
natürlich oft auch aus. Das ist der Unterschied. Was aber nicht heißt,
dass der Maler, der die ganze Nacht gemalt hat, das bessere Bild gezeichnet
hat oder begabter ist. In einer Soap gut zu sein, ist eine Kunst.
Moviesection: Im Leben nach der Soap: Wird
man da nicht oft in einer Schublade gesteckt?
Dominic Boeer: Ich hatte eine Zeitlang das Gefühl, dass
in Deutschland so ein Schubladendenken existiert. Ich bin auch davon überzeugt,
dass man nicht länger als ein Jahr in einer Soap sein darf. Ich persönlich
kenne keinen, der jahrelang in einer Soap gespielt hat, und der danach in einem
Film zu sehen war, der einen Kritikerpreis erhalten hat.
Obwohl ich nach einem Jahr Soap auch in TV-Serien gespielt habe, ist GZSZ nach
vier Jahren immer noch präsent. Ich hoffe allerdings, dass sich das nach
der ersten „SOKO Wismar“- Staffel ändert.
Ich freue mich aber immer, wenn jemand auf mich zukommt und sagt: „Hey,
ich hab Dich früher in GZSZ gesehen!“ Da denk ich dann immer: Besser,
als gar nicht. (grinst)
Moviesection: Regisseur Christoph Schrewe
scheint ein guter Freund von Dir zu sein. Schließlich drehst Du oft mit
ihm und bist auch mit sage und schreibe drei Filmen hier in Biberach vertreten.
Dominic Boeer: Die Zusammenarbeit ist wirklich super. Ich musste
aber, ob man es glaubt oder nicht, bei jedem von Christophs Filmen durch das
Casting. Obwohl ich schon fünf Filme mit ihm gemacht habe und ich dann
auch gesagt habe: „Mann, Du kennst mich doch jetzt!!!“ (lacht),
schickt er mich immer wieder zum Casting. Bis auf ein einziges Mal, da sagte
er wirklich: „Du hast die Rolle!“
Moviesection: Unter anderem läuft hier
in Biberach mit dir „Das Konklave“ von Christoph Schrewe. In dem
Film passiert grundsätzlich ja nicht viel Actionreiches, aber die Leute
werden trotzdem unterhalten.
Dominic Boeer: Der Film erfordert mehr als üblich vom
Zuschauer: man muss zuhören und sitzen bleiben, obwohl es keine actionreichen
Verfolgungsjagden gibt. Einige werden wohl sagen, dass es ein Film ist, durch
den man sich einfach durchbeißen muss. Aber gerade das macht ihn letztendlich
ja aus.
Moviesection: Wie kamst du an die Rolle?
Dominic Boeer: Christoph Schrewe kam sehr spontan auf mich
zu und hat mir die Rolle angeboten. Ich steckte gerade noch in Dreharbeiten
zu einer Serie, konnte davon aber glücklicherweise loskommen und dann eine
Woche nach Kanada fliegen – was auch sehr schön für mich war.
Moviesection: Was war das für eine Erfahrung
in einem historischen Film mit authentischen Kostümen mitzuspielen?
Dominic Boeer: So eine Rüstung erinnert an die Kindheit,
das hat schon was. Allerdings ist sie so schwer, dass es selbst in den Pausen,
wenn man in seinem Sessel sitzt, anstrengend ist, nur den Arm zu heben.
Moviesection: Bereitet man sich auf eine so
relativ kleine Rolle genau so intensiv vor wie auf eine Hauptrolle?
Dominic Boeer: Meine Rolle in „Das Konklave“ ist
so angelegt, dass sie einen bestimmten Zweck erfüllen muss. Alles, was
mich interessiert hat, war, dass der Charakter böse ist. Was das sonst
für ein Typ ist, war mir egal. Sonst macht man für seine Rollen natürlich
mehr. Man schreibt sich einen ganzen Lebenslauf seines Charakters: Was haben
seine Eltern gemacht? Was sind seine Hobbys, seine Lieblingsfarben und auf welche
Art von Sex steht er?
Moviesection: Das erste Mal in Biberach. Wie
gefällt’s Dir?
Dominic Boeer: Total schön. Sehr gemütlich. Irgendwie
ist die Welt hier noch in Ordnung. Es macht auch total Spaß nach dem Film
mit dem Publikum zu diskutieren und zu plaudern. Sehr nett hier.
Moviesection: Hast Du amerikanische Schauspieler, die Du gerne
magst?
Dominic Boeer: Ich mag Robert Downey Jr. sehr, ansonsten Anthony
Hopkins und Dustin Hoffman. Bei Schauspielerinnen liebe ich Gong Li. Die amerikanischen
Schauspielerinnen sind mir etwas zu glatt.

Filmvorstellung: "Unterwegs - Die Herbert Grönemeyer-Tour 2007"
Unterwegs - Die Herbert Grönemeyer-Tour 2007 -
von Melli
Dokumentation, 96 Minuten
Story
Im Sommer 2007 tourte Herbert Grönemeyer mit seiner Band durch
Deutschland, Österreich und die Schweiz. Im Gepäck seine neue Platte
„Zwölf“ und die alten Hits. Dokumentarfilmer Ulrich Stein hatte
die bis dato einmalige Gelegenheit den deutschen Ausnahmemusiker zu begleiten
und sammelte Eindrücke vor und nach den Konzerten, aber auch O-Töne
von Herbert Grönemeyer und seinen Bandkollegen über Empfindungen,
persönliche Eindrücke und den Umgang mit dem Tourstress. Nicht nur
ein Blick hinter die Kulissen, sondern auch ein sehr persönliches Statemant
des Künstlers zu seiner Musik...zur
Filmkritik

Sehr begehrt: Herbert Grönemeyer
im Gespräch mit dem Publikum
Publikumsdiskussion
Ehrlicherweise muss man zugeben, dass an diesem ersten Festivaltag
wohl weniger Interesse an dem Eröffnungsfilm bestand als einer der ersten
Dokumentation, die im Sternenpalast anlief. „Unterwegs – Die Herbert
Grönemeyer-Tour 2007“ lockte nicht nur jene ins Kino, die eine der
heiß begehrten Karten für die zwei Vorstellungen ergattern konnten,
sondern auch zahlreiche Schaulustige, die hofften IHN zu sehen. Denn niemand
geringeres als der Künstler selbst hatte sich angekündigt zusammen
mit dem Regisseur Ulrich Stein seinen Film zu präsentieren. Trotz widriger
Verkehrsverhältnisse schafften es Stein und Grönemeyer zum Schluss
der ersten Vorstellung nach Biberach und wurden mit Standig Ovations vom begeisterten
Publikum empfangen. Offen und gut gelaunt stellte sich Herbert Grönemeyer
den Fragen des Publikums. Er berichtete, dass er zu Beginn der „Zwölf-Tour“
gesundheitlich stark angeschlagen war und die Filmaufnahmen sicherlich nicht
zugelassen hätte, wenn Ulrich Stein nicht einer seiner Freunde wäre.
Ob es denn bei seinem Erfolg nicht schwierig sei die Bodenhaftung zu bewahren,
wollte eine Zuschauerin wissen. Grönemeyer antwortet mit einem Lächeln,
das es solche Euphorie-Phasen natürlich gegeben hätte, seine Familie
und seine Freunde ihn aber immer schnell wieder auf den Boden der Tatsachen
geholt haben. Kommentar seines Vaters zum Erfolg der „Mensch“-CD
war zum Beispiel: „Jetzt werd bloß nicht arrogant.“ Er stehe
nicht zu Hause unter Dusche und denke „mein Gott bin ich großartig!“
Im Verlaufe des Gesprächs gab es viel Lob für die Dokumentation und
Herbert Grönemeyer. Sogar ein „Anti-Fan“ bestätigte dem
Künstler eine unglaubliche Ausstrahlung auf Konzertbesucher und die einmalige
Atmosphäre bei seinen Konzerten. Auch sein Engagement gegen die Armut in
der dritten Welt, 2007 anlässlich des G8 Gipfels in Heiligen Damm wieder
verstärkt in den Medien, fand großen Anklang bei den Biberachern.
Von Interesse war natürlich auch das einen Tag zuvor statt gefundenen SWR
3-Hautnah Konzert in Baden-Baden. Herbert Grönemeyer beschrieb die Atmosphäre
dort als sehr anders. Sowohl Publikum wie auch er hätte etwas gebraucht,
um sich anzuwärmen. Es sei jedoch eine ungewöhnliche und tolle Erfahrung
gewesen. Ob es allerdings ein gutes Konzert war, müsste dann doch das Publikum
entscheiden, meinte der Musiker verschmitzt. Wann denn die Dokumentation in
die Kinos käme, wollte ein Gast wissen. Ulrich Stein erläuterte, dass
sie den Film nicht von vorneherein als Kinofilm geplant hätten. Es könnte
sein, dass er „nur“ Teil der DVD wird, die zur Tour erscheint. Nach
der tollen Resonanz in Biberach würde man sich das jedoch noch einmal überlegen.
Keiner der Beteiligten hatte geglaubt, dass der Film so gut im Kino funktionieren
würde. Lachend ergänzte Herbert Grönemeyer, dass Stein und sein
Team immerhin 120 Stunden Material aufgenommen hätten. „Unterwegs“
– Die Serie sei also nur noch eine Frage der Zeit.

Filmvorstellung: "Mörderischer Frieden"

Mörderischer Frieden - von Kathrin
Debüt-Film, 91 Minuten
Story
Charly und Tom sind zwei Soldaten, die freiwillig in den Kosovo gezogen
sind, um für mehr Gerechtigkeit zu kämpfen. Schnell merken sie jedoch,
dass sie selbst als Angehörige der Bundeswehr nicht viel verändern
können. Die Serben wollen selber stark sein und haben mehr oder weniger
ihren eigenen Weg gefunden, um sich zu verteidigen. Als Charly und Tom eines
Tages ein hübsches serbisches Mädchen vor dem sicheren Tod bewahren,
verlieren sie die professionelle Distanz zu diesem Krieg und werden folglich
mit dem vollen Hass und der vollen Gewalt des Krieges konfrontiert....
zur Filmkritik

Wegen "Mörderischer Frieden"
waren einige Filmschaffende
in Biberach erschienen.
Publikumsdiskussion
Im Anschluss an das Kriegsdrama „Mörderischer Frieden“ gesellten
sich eine ganze Reihe von Filmschaffenden zu ihrem Publikum in den Jupiter.
Anwesend war der Regisseur Rudolf Schweiger, Produzent Michael Röhring
und die Schauspieler Susanne Bormann, Adrian Topol und Anatole Taubman.
Zu Beginn stellte gleich Regisseur Rudolf Schweiger eine Frage an die drei anwesenden
Schauspieler. Da „Mörderischer Frieden“ in Biberach uraufgeführt
wurde, wollte er wissen, wie denn der Dreh in Sarajewo für die Schauspieler
gewesen sei. Dazu meldete sich zunächst die überaus gutgelaunte Susanne
Bormann zu Wort: „Ich habe mich sofort in die Stadt verliebt“, erzählt
sie freudig ihrem Publikum. Es sei für sie sehr bewegend gewesen, die Menschen
zu erleben und die Wunden zu sehen, die ihnen zugefügt wurden. Noch heute
sei in dieser Stadt eine ganz andere und ungewohnte Energie zu spüren.
Ihr Kollege Adrian Topol meinte, dass es erschreckend sei, weil man sich die
ganze Zeit fragt, ob man denn nur von Mördern umgeben ist. „Denn
auch wenn die Menschen heute ganz normal und teilweise auch fröhlich sind,
so merkt man ihnen doch an, dass sie in der Vergangenheit etwas Schlimmes erlebt
haben“, berichtet Topol seinen zahlreichen Zuhörern. Auch Anatole
Taubman schloss sich der Meinung seinem Kollegen an und erzählt, dass man
den Menschen im Balkan anmerkt, dass sie die furchtbaren Ereignisse noch nicht
verarbeitet haben. „Die Menschen lachen innerlich nicht“, so Taubman.
Danach wurde aus dem Publikum eine Frage an den Regisseur gestellt. Man wollte
wissen, woher die Idee zu diesem Film kam. Schweiger berichtet dazu, dass er
zunächst einen Kurzfilm über den Kosovo-Einsatz gedreht habe, und
dass ihn dieses Thema so sehr gepackt und fasziniert habe, dass er beschloss
einen richtigen Spielfilm daraus zu machen. Im gleichen Atemzug erzählte
er von den Schwierigkeiten, die er mit der deutschen Bundeswehr hatte. Diese,
so Schweiger, war nicht sonderlich kooperativ. „Lediglich die Soldaten
wollten, dass wir diese Geschichte erzählen. Alle die keine Uniform anhatten,
wollten uns nicht unterstützen.“ Dennoch wurde es geschafft diesen
Film zu drehen und das auf einer absolut realen Basis, wie Schweiger immer wieder
betont.

Interview mit Schauspieler Adrian Topol

Mit ihm hatten wir Spaß:
Schauspieler Adrian Topol
mit Kathrin.
"Das hat mir echt Angst gemacht."
Adrian Topol im Interview mit Moviesection.de
Moviesection: Wie kamst Du zu „Mörderischer Frieden“?
Casting?
Adrian Topol: Genau. Ich hab einen Tipp bekommen, das ein Drehbuch,
das damals noch „Kosovo Blues“ hieß, wohl ganz gut sein soll.
Dann ging ich zum Casting und irgendwann haben sie sich dann für mich entschieden.
Anschließend habe ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt. Mein Bruder
war 5 Jahre beim Bund, da wusste ich zumindest gleich, wen ich fragen kann.
Moviesection: Du warst also nicht beim Bund?
Adrian Topol: Nein. Ich war nur im Kloster in China.
Moviesection: Wie lange warst Du dort?
Adrian Topol: 2 Monate.
Moviesection: Was hast Du da gemacht?
Adrian Topol: Kampfkunst trainiert, Kung Fu und Tae-Kwon-Do.
Jeden Tag 8 Stunden. Was von der Disziplin wahrscheinlich krasser war, als beim
Bund. 5 Uhr aufstehen, bis 19 Uhr Training, natürlich mit Pausen –
richtig hart.
Moviesection: Du warst damit ja auch richtig
erfolgreich.
Adrian Topol: Ich war in einem Verein, der deutschlandweit
Kämpfe organisiert hat. Da wurde ich dann 6facher deutscher Meister.
Moviesection: Zurück zum Film. Wie waren
die Dreharbeiten für „Mörderischer Frieden“ in Sarajevo?
Adrian Topol: Zu Anfang hab ich mich etwas distanziert, weil
ich nicht so damit konfrontiert werden wollte. Meine Gedanken haben sich verselbstständigt.
Wenn ich die Menschen dort gesehen habe, habe ich mir Fragen gestellt wie: „Wer
hat hier schon einen Menschen getötet?“ oder „Wurde er schon
mal angeschossen?!“ Da macht man sich ganz automatisch Gedanken. Das hat
mir echt Angst gemacht. Du hast in den Augen der Menschen ab 30 schon gesehen,
dass die Sachen erlebt haben, die wir gar nicht nachvollziehen können.
Auch schlimm war, dass wir keine Grasflächen betreten durften, aus Angst,
eine Mine könnte hochgehen. Man fühlt sich vollkommen eingeengt und
unsicher. Nicht wie in Deutschland, wo man sich frei bewegen kann.
Moviesection: Du hast „Mörderischer
Frieden“ ja hier in Biberach zum ersten Mal gesehen. Wie war’s?
Adrian Topol: Gestern hab ich ihn zum ersten Mal hier gesehen.
Da konnte ich mich noch nicht so richtig locker machen, weil man da ja als Schauspieler
auch noch ein bisschen skeptisch ist, wenn man sich da selbst sieht. Aber heute,
beim zweiten Mal, hat’s mich wirklich mitgenommen, obwohl der Film ja
eher „kommerziell“ angelegt ist. Eigentlich hab ich ein Problem
mit kommerziellen Filmen, aber „Mörderischer Frieden“ hat mich
berührt. Das Gute ist einfach, das diesen Film vermutlich Menschen sehen,
die ihn vermutlich nie gesehen hätten.
Moviesection: Hast Du was gegen „Mainstream-Kino“?
Adrian Topol: Nein, gar nicht. Wenn das Drehbuch, wie bei „Mörderischer
Frieden“ gut ist, ist mir das Format egal. Ich würde auch ’ne
Serie machen, wenn sie gut ist.
Moviesection: Wie kamst Du denn zur Schauspielerei?
Adrian Topol: Ich hab früher mit der Kamera meines Vaters
rumexperimentiert, mit 16 hab ich in so einer „Romeo & Julia“-Geschichte
am Theater mitgemacht, in dem es um die Beziehung zwischen Deutschen und Türken
ging. Da ist in mir dann das Feuer entbrannt, auch vor der Kamera zu stehen.
Dann hab ich in Stuttgart auf einer Privatschule studiert, die dann aber leider
Pleite ging. Anschließend zog ich dann nach Berlin, und hab noch mal von
vorn angefangen. Nebenbei hab ich immer Theater gespielt, wo mich dann auch
meine Agentur entdeckt hat. Da hatte ich riesiges Glück.
Moviesection: Ist das nicht ein sehr großer
Unterschied zwischen Bühne und Kameraarbeit?
Adrian Topol: Auf der Bühne hast Du halt eine Stunde „durchspielen“
- mit allen Höhen und Tiefen. Und du hast den direkten Zugang zum Publikum,
was schön ist.
Es ist auf jeden Fall so, das beides, Theater und Fernseh/Kinoarbeit ihre Stärken
haben. Ich mach beides sehr gerne, wobei ich seit 4 oder 5 Jahren schon kein
Theater mehr gespielt habe. Ich würde gerne wieder.
Moviesection: Vielen Dank für das Interview!

Interview mit Schauspielerin Susanne Bormann

Susanne Bormann im
Gespräch mit Kathrin
"...besser als Rosemunde Pilcher"
Moviesection im Gespräch mit Schauspielerin Susanne Bormann
Moviesection: In „Mörderischer Frieden“ spielst
Du die weibliche Hauptrolle. Wie bist Du an die Rolle gekommen?
Susanne Bormann: Ich wurde zum Casting eingeladen und hab schon
beim Lesen des Drehbuchs gemerkt, dass das gut funktioniert.
Der Tag des Castings war allerdings furchtbar. Ich hatte die schlimmsten Kopfschmerzen
meines ganzen Lebens – sogar das Sprechen hat wehgetan, ich dachte wirklich:
Okay, gleich fliegt Dir der Kopf weg. Mein Freund meinte: „Du kannst nicht
zu diesem Casting gehen!“ Und ich sagte „Ich muss!!“
Dann hat er mich unter „Drogen“ gesetzt und hingefahren und ich
hab’ die Rolle bekommen. Das sollte wohl so sein! Manchmal ist das ja
so.
Abgesehen davon ist man als Schauspieler immer dankbar, wenn man guten Stoff
zu lesen bekommt. Je interessanter, desto besser. Je konfliktreicher, desto
mehr Potential hat man, das man als Schauspieler ausschöpfen kann.
Moviesection: Ihr habt in Bosnien gedreht…
Susanne Bormann: Ja, ich hab eine kroatische Freundin. Durch
sie kam ich schon ein wenig mit dem Thema in Berührung.
Moviesection: Wie war die Stimmung im Land?
Susanne Bormann: Im Kosovo kann man nicht drehen, deshalb waren
unsere Drehorte „entspannter“, zumindest für den Moment. Man
merkt, dass dort viele Menschen genau das erlebt haben, was wir dort spielen.
Das muss man erstmal verdauen. Gleichzeitig habe ich Erfahrungen gemacht, die
ich auf keinen Fall missen möchte.
Moviesection: Wieviel nimmt man davon dann mit in seine Rolle?
Susanne Bormann: Viel. Dadurch dass ich auch dort war und man
sich vor Ort informieren konnte, hatte ich die Möglichkeit, die Rolle daraufhin
noch mal zu verändern.
Moviesection: Im Film sprichst du serbisch.
Susanne Bormann: Ja, ich hatte einen Sprachcoach. Eine Woche
vor Drehbeginn hat sie angefangen, mit mir zu arbeiten. Das Training sah so
aus, das wir uns nur noch mit Akzent unterhalten haben, nach dem Motto: Sie
hat’s es getan, ich hab’s versucht. Und irgendwann ging’s.
Moviesection: Du scheinst gern schwierige Rollen zu spielen…
Susanne Bormann: Besser als Rosemunde Pilcher, obwohl ich das
auch schon gemacht hab. Im Zweifelsfall ist mir eine solche Rolle wie in „Mörderischer
Frieden“ oder „Gegenüber“ lieber.
Moviesection: „Im Zweifelsfall“ bedeutet also
lieber schwierige Rollen zuzusagen?
Susanne Bormann: Ich sage lieber was Anspruchsvolles zu, als
irgendwelchen „Schmus“ zu drehen. Sobald es substanziell wird, ist
es auf jeden Fall immer spannender. Man kann den Menschen im Kino / vor dem
Fernseher anregen und ihnen was mitgeben. Ich habe mir abgewöhnt solche
„Filme zum Abschalten“ zu drehen.
Moviesection: „Gegenüber“ in Cannes. Tolles
Gefühl, oder?
Susanne Bormann: Es freut mich halt sehr für Jan Bonny,
den Regisseur, weil ich seine Arbeit einfach sehr mag. Und wenn das Publikum
„Gegenüber“ auch noch toll findet, freut es mich umso mehr.
Moviesection: Wie gefällt’s Dir in Biberach?
Susanne Bormann: Es ist sehr schön hier zu sein. Ich komme
bestimmt sehr gern wieder. Ich finde es auch sehr angenehm, dass die Leute hier
auf einen zukommen, mit einem über den Film sprechen. Normalerweise ist
das alles viel distanzierter. Ich find das hier echt gut so.

Filmvorstellung: "Nichts als Gespenster"

Nichts als Gespenster - von Tom
Film, 119 Minuten
Story
„Nichts als Gespenster“ erzählt ganz unterschiedliche, aus
dem Leben gegriffene Geschichten. Die eine spielt in den USA, die nächste
in Deutschland, wieder eine in Island, die nächste in Italien und schließlich
eine in den Tropen. Und alle erzählen sie eines: Das Leben…zur
Filmkritik
Zu "Nichts als Gespenster" gab es leider keine Publikumsdiskussion, da sich Hauptdarsteller Wotan Wilke Möhring kurzfristig krank meldete. Auch der Regisseur war nicht anwesend - er leidet unter Flugangst.

Filmvorstellung: "Gegenüber"

Gegenüber - von Kathrin
Debüt-Film, 100 Minuten
Story
Nach außen hin führen Georg und seine Frau Anne ein glückliches
Leben. Georg ist Polizist mit Aussichten auf Beförderung zum Kommissar
und Anne ist Grundschullehrerin mit Leib und Seele. Beide haben sie Freunde
und Kollege, die sie für ihr gemeinsames Leben bewundern. Hinter der heimischen
Tür des Ehepaares, spielt sich jedoch Grausames ab. Anne neigt zu Gewaltausbrüchen
und aggressivem Verhalten, worunter Georg stark zu leiden hat. An schlechten
Tagen kann es sogar vorkommen, dass sie ihren eigentlich geliebten Ehemann Krankenhausreif
prügelt. Als diese Katastrophe langsam nicht mehr innerhalb der eigenen
vier Wände zu halten ist und immer weiter auch nach außen dringt,
droht die Situation zu eskalieren… zur
Filmkritik

Regisseur Jan Bonny mit seinen
zwei Schauspielerinnen im
Gespräch mit dem Publikum
Publikumsdiskussion
Natürlich kam es auch nach der Vorführung von „Gegenüber“
wieder zu einer Publikumsdiskussion. Anwesend waren Regisseur und Drehbuchautor
Jan Bonny, Hauptdarstellerin Victoria Trauttmansdorff und Nebendarstellerin
Susanne Bormann. Nach diesem bewegenden Film war der Diskussions- und Austauschbedarf
besonders groß und so wurden die Filmschaffenden- und Mitwirkenden mit
zahlreichen Fragen und Gedanken seitens des Publikums bombardiert. Ein Zuschauer
wollte von Jan Bonny wissen, wie er auf die Idee kam einen solchen Film zu drehen.
Zunächst habe er einen Artikel in der Zeitung über dieses Thema gelesen
und sich aufgrund dessen weiter mit körperlicher Gewalt in der Ehe beschäftigt.
Im Internet ist er dabei auf einige Plattformen gestoßen, auf denen sich
die Leute gerne anonym mit ihm ausgetauscht haben. So habe Bonny genügend
Informationen für seinen Film zusammenbekommen.
Von Hauptdarstellerin Victoria Trauttmansdorff wollte ein Zuschauer wissen,
wie sie sich auf diese doch sehr anspruchsvolle Rolle vorbereitet hat. „Wir
haben kurz geprobt und dann einfach gespielt“, beantwortete Trauttmansdorff
kurz und knapp. „Ich habe mich einfach nur auf meine Rolle eingelassen
und dafür keine außenstehenden Geschichten eingeholt.“ Außerdem
erzählte sie, dass die Schauspieler während dem Dreh große Bewegungsfreiheiten
hatten. Das Drehbuch sei zwar sehr klar und auch strukturiert gewesen, doch
fernab des Textes durften sich die Akteure frei bewegen. Von der Hauptdarstellerin
wollte man ebenfalls wissen, warum sie diese doch sehr anspruchsvolle Rolle
angenommen hat. Darauf antwortete Trauttmansdorff, dass sie die Figur wegen
ihrer Vielschichtigkeit sehr interessant fand. Außerdem gestand sie, dass
sie das Denken der Frau gut nachvollziehen konnte.
Anschließend kam Regisseur und Drehbuchautor Jan Bonny zu Wort und lieferte
seinem Publikum einige interessante Informationen rund um seinen Film. So wollte
er zunächst klarstellen, dass für ihn beide Figuren - sowohl die gewalttätige
Frau als auch ihr scheinbar harmloser Ehemann - für ihre auswegslose Situation
verantwortlich sind. „Die beiden sind so sehr ineinander verstrickt, dass
sie sich gegenseitig bedingen“, erzählt Bonny aus der Sicht des Drehbuchschreibers.
Ebenfalls wichtig zu betonen war ihm die Tatsache, dass die Prügel, die
die Frau austeilt, nur die Spitze des Eisberges darstellen und genau dies sei
für ihn auch der Reiz an dem ganzen Film gewesen und nicht die Gewalt an
sich. Da viele der Kinobesucher „Gegenüber“ als sehr anstrengend
empfanden, sagte Jan Bonny zu diesem Thema, dass ihm bewusst ist, dass der Film
die Distanz zu seinem Publikum aufhebt. Er wollte keinen Film nach den gängigen
Konventionen drehen und verwendete deshalb bewusst nur Nahaufnahmen und zum
Beispiel keine Landschaftsausnahmen aus der Totale. Dadurch wird das Publikum
aufgefordert ein Teil der Geschichte zu werden, worauf Bonny sichtlich viel
wert legte. „Ich habe immer wieder Leerstellen in den Film integriert,
damit der Zuschauer selbst aktive werden muss“, klärte der noch junge
Regisseur sein Publikum auf.
Am Ende der Diskussion wollte man von der Filmcrew noch wissen, wie der Film
denn im Allgemeinen bei seinen Zuschauern ankommt. Jan Bonny erzählte,
dass sein Film bereits bei den Filmfestspielen von Cannes gelaufen sei und noch
in vielen weiteren europäischen Ländern zu sehen sein wird. Auch außerhalb
Europas soll „Gegenüber“ in einigen Kinos gezeigt werden, erzählte
Bonny abschließend und entließ damit sein sichtlich von dem Film
berührtes Publikum

Interview mit Regisseur Jan Bonny

Kein sonderlich angenehmer
Gesprächspartner: Jan Bonny
"Du machst keine Filme, um Karriere zu machen."
Moviesection im Gespräch mit Regisseur Jan Bonny
Moviesection: „Gegenüber“ ist ja Dein erster
Film in Spielfilmlänge und schwer zu verdauen. Können wir von Dir
in Zukunft auch eine lockere Komödie erwarten?
Jan Bonny: Ich möchte in jedem Fall gute Filme machen.
Die Unterscheidung lockere Komödie und anspruchsvoller Film ist daher schon
mal falsch. Man kann ja auch einen Film machen, der sich einfach vermittelt
und der einen leichteren Zugang zum Publikum bekommt und trotzdem eine Botschaft
hat. Man muss erstmal schauen, welche Geschichte will man erzählen und
dann muss man sich für eine Art und Weise entscheiden, sie zu erzählen.
Dem gegenüber muss man sich verhalten. Ich finde die Unterscheidung zwischen
leicht und anspruchsvoll ist doch schon völlig verkehrt.
Moviesection: Du warst ja auch in New York. Warum kamst Du
wieder zurück nach Deutschland?
Jan Bonny: Ich war in Amerika, weil meine Familie da zum Teil
auch lebt. Das war also keine besonders waghalsige Entscheidung. Ich kam wieder
zurück weil ich Film studieren wollte, obwohl ich glaube, dass man „Film“
nicht lernen kann, wie in der Schule. In Amerika kann man diese Art Ausbildung
nicht bezahlen. Es gibt im Prinzip nur zwei Schulen, in New York und in Los
Angeles und das kostet wahnsinnig viel Geld. Außerdem bin ich gerne hier.
Moviesection: Du setzt also starke Hoffnungen in die Karriere
mit dem deutschen Film?
Jan Bonny: Ich glaube diese Frage wird sich im Laufe der Zeit
selbst beantwortet. Natürlich möchte ich hier arbeiten und Filme drehen
aber allein der Begriff „Karriere“ ist schon fraglich. Der Begriff
„Karriere“ im Bezug auf Filme drehen ist schon der falsche Ansatz.
Du machst keine Filme, um Karriere zu machen. Du machst Filme, weil Du etwas
erzählen willst. Wenn man sich nur aufs Filmemachen einlässt, um Karriere
zu machen, dann bist Du in der Kreissparkasse bestens ausgehoben.
Man wird doch mit Filmen sowieso nicht reich.
Moviesection: „Gegenüber“ lief erfolgreich
in Cannes. Das war doch sicher ein tolles Gefühl…
Jan Bonny: Ich freue mich darüber sehr, das ist ganz toll.
Aber Du musst Dir auch vorstellen, das „Gegenüber“ ein Film
ist, der Cannes ganz dringend braucht. Ohne DAS hast Du es wahnsinnig schwer
mit so einer Art von Film.
Moviesection: Wie wars in Cannes denn?
Jan Bonny: Das ist eben nicht nur ein „Geschäftsort“.
Cannes ist ein Ort, an dem die Filme außerordentlich geliebt werden. Die
Filme, die dort gezeigt wurden, erhielten enorm viel Zuneigung und Aufmerksamkeit
entgegen gebracht. Das war stark. Das hab ich selten erlebt in dieser Intensität.
Moviesection: Vielen Dank für das Interview & alles gute für „Gegenüber“

Filmvorstellung: "Zweiter Frühling"

Zweiter Frühling - von Tom
Kurzilm, 30 Minuten
Story
Hilde, Marina und Rainer haben eine ganz besondere Wohngemeinschaft. Alle drei
sind dann doch schon im Rentneralter und sind ganz besondere menschliche Exemplare.
Marina hat als „Geile Dolly“ schon gutes Geld verdient und Rainer
liebt Frauenklamotten. Hilde hingegen hat vor kurzem ihren Mann verloren und
wird gleich mit der nächsten fiesen Geschichte konfrontiert. Der eigene
Sohn samt Schwiegertochter möchte die Rentner-WG aus dem Haus haben. Da
Hilde kein Geld hat, um die Wohnung zu kaufen, muss sie sich etwas einfallen
lassen. Da kommt die reiche amerikanische Cousine gerade recht. Währenddessen
kommen Rainer und Marina auf ganz andere Ideen: Warum nicht Gras verticken?
zur Filmkritik
Publikumsdiskussion
Im Anschluss an den Kurzfilm „Zweiter Frühling“, der vor „Blindflug“
gezeigt wurde, hatte das Publikum noch die Möglichkeit mit der Regisseurin
Renate Gosiewski und anderen Teammitgliedern zu sprechen. In diesem Gespräch
kam heraus, das „Zweiter Frühling“ auf einem Zeitungsartikel
beruht, den die Produzentin Julia Maier in einer großen deutschen Tageszeitung
entdeckte, in dem es hieß: „90jährige dealt mit Drogen!“
Nachdem Ira Wedel zu diesem Diplomfilm das Drehbuch geschrieben hatte, fand
das Team in Stuttgart ein leer stehendes Haus mit wunderbar alten Tapeten. Hier
konnten die Filmstudenten dann ihren Film in 9 Tagen drehen. Da dieser Film
eine Abschlussarbeit ist, arbeiteten auch alle Schauspieler umsonst. Auf die
Frage, wie das Team die bekannten Darsteller bekommen habe, antworteten die
Frauen, das die älteren Schauspielerinnen wohl mal froh gewesen seien,
nicht „Traumschiff“ oder sonst eine ZDF-Serie drehen zu müssen

Filmvorstellung: "Blindflug"

Blindflug - von Tom
Debüt-Film, 61 Minuten
Story
Rainer hat eigentlich alles, was er will: Einen befriedigenden Job, eine tolle
Wohnung, eine super Freundin. Fehlt eigentlich noch das perfekte Kind. Doch
Lotte, seine Freundin, will in 6 Wochen ihre neue Arbeit beginnen und nicht
an ein Kind denken müssen – und sie kriegt Panik!
Henrik ist gerade dabei seine Wohnung auszuräumen – und das auf eine
ganz andere Art und Weise. Die Müllmänner sind es nämlich, die
seinen Job machen. Sein gesamtes Hab und Gut, alles was er besitzt lässt
er auf die Mülldeponie bringen. Auch sein geliebtes Auto lässt Henrik
verschrotten. Anschließend macht sich Henrik auf den Weg zum Flughafen,
um mit zwei Tickets an den Arsch der Welt zu fliegen.
Am Flughafen angekommen trifft die verwirrte Lotte auf den seltsamen Henrik.
Und das Leben beginnt…zur Filmkritik
Publikumsdiskussion
Im Anschluss an den Film stellten sich Regisseur Ben von Grafenstein,
der Produzent Jochen Laube und die Hauptdarstellerin „Lotte“, Barbara
Philipp der Diskussion mit dem Publikum.
Die Zuschauer hatten überraschend wenig Fragen und ließen dem Regisseur
reichlich Platz für Geschichten rund um „Blindflug“. So erzählte
er davon, dass „Blindflug“ auf einem Zeitungsartikel beruht und
dass seine Hauptdarstellerin zu Anfang so gar nicht mit dem Drehbuch einverstanden
war. Mit einem rot gemarkerten Buch trafen sich die beiden bei einem „Blind-Date“
zu einer ersten Besprechung, bei der Barbara Philipp ihm das Buch um die Ohren
haute. Natürlich war Ben von Grafenstein wenig begeistert, tat aber dann
etwas, was ihn im Nachhinein auszeichnet. Er lernte. Monatelang arbeiteten er
und sein Drehbuchautor Jochen Laube an den Figuren und den Dialogen und trieben
damit Produzent Jochen Laube in den Wahnsinn. „Die Gelder waren bewilligt,
der Dreh konnte losgehen!“ erzählte Laube im Gespräch. Doch
Ben war einfach noch nicht soweit und stand Drehbuchautor Boris Dennulat weiterhin
auf die Füße. Nur so ist aus „Blindflug“ der Film geworden,
der er wurde.

Interview mit Regisseur Ben von Grafenstein und Schauspielerin Barbara Philipp

Ein Highlight: Tom im Gespräch mit
Ben v. Grafenstein & Barbara Philipp
„Wir haben uns gegenseitig befruchtet.“
Regisseur Ben von Grafenstein & Hauptdarstellerin Barbara Philipp im Interview
mit Moviesection.de
Moviesection: Großes Lob an „Blindflug“!
Im Gespräch mit dem Publikum hast Du schon erzählt, dass wahnsinnig
viel Zeit für das Drehbuch aufgewendet wurde. Ist es schwer, guten Figuren,
gute Dialoge zu geben?
Ben von Grafenstein: Klar, sehr schwer sogar. Wofür ich
dankbar bin, ist die Tatsache, dass meine drei Schauspieler sich sehr eingebracht
und Dinge verändert haben. Barbara hat auch eine Szene selbst geschrieben.
Ich sag mal so: Es waren schon viele gute Sachen da und wir sind noch mal zu
viert drüber gegangen und haben Dinge verändert und / oder verbessert
– Teilweise auch am Set. Wir haben uns gegenseitig sozusagen „befruchtet“.
Moviesection: Vielleicht liegt hier der Hund begraben. Vielleicht
ist gerade deshalb „Blindflug“ so gut geworden, weil die Schauspieler
mitreden durften? Im Normalfall ist das ja nicht so, oder?
Barbara Philipp: Nein, leider nicht! Manchmal wäre das
sehr schön, wenn das anders wäre. Es gibt aber immer noch Regisseure,
wo diese Möglichkeit besteht, sich selbst einzubringen. Ich habe selbst
gerade angefangen zu schreiben und musste feststellen, wie altbacken das manchmal
wirkt, wenn das tatsächlich gesagt wird. Da hilft es doch, wenn Schauspieler
sich mit einbringen können.
Ben von Grafenstein: Es ist natürlich extrem hilfreich,
wenn die Grundidee des Buches von den Schauspielern verstanden und die einfach
weiter getragen wird. Das ist ein echt super Gefühl, wenn man als Regisseur
beobachten kann. Wenn man Regie führt, darf man da als erster zuschauen,
sehr spannend.
Moviesection: War es diese Gradwanderung Tragik-Komik von
Anfang an geplant?
Ben von Grafenstein: Ich bin mehr der tragischere Typ. Ich
habe beispielsweise bei meinem Drehbuchautor darauf bestanden, dass eine meiner
Figuren eine krasse Vorgeschichte hat. Dann kam gleich „Ne, das ist zu
hart!“ usw. Ich hab die Figur aber so verstanden.
Barbara Philipp: Es wäre auch sonst schade gewesen. Wenn
diese Figur einfach nur so ein Schnuffi geworden wäre.
Ben von Grafenstein: Genau. Und als Gegenpart war mein Drehbuchautor
dann eher der leichtere Typ, der viele witzige Dinge in die Geschichte gebracht
hat. Und, natürlich, Barbara und Christoph, die beide viel geholfen haben.
Nur Michael konnte sich zurücklehnen, weil sein Charakter einfach die ausformulierteste
Figur war. Dieser Rainer war so glasklar..
Barbara Philipp: Weil es eigentlich Dein Bruder ist…
Ben von Grafenstein: Genau. Weil es mein Bruder ist, weil ich
eine ganz klare Figur vor Augen hatte. Die Figur, die Barbara spielt, ist die
schwerste von allen drei…
Barbara Philipp: Also jetzt muss ich was dazu sagen, das darf
der Regisseur aber nicht hören. (Hält Ben von Grafenstein die Ohren
zu). Sein Bruder, der ja die Vorlage für den Rainer ist, der hat
mir dann gesagt, dass er findet, dass meine Figur, also Lotte, eigentlich Ben
ist.
Ben von Grafenstein: (hat es wohl trotzdem gehört) Ein
Stück weit stimmt das natürlich auch.
Weißt Du warum er so denkt? Weil er mein Bruder ist. Ein völlig überzogener
Idiot, der kann ja nicht objektiv beurteilen (lacht). Mein Bruder sieht die
Welt eben anders.
Barbara Philipp: Also ich hatte mit Lotte am Anfang ein echtes
Problem, weil ich dachte: „Was ist das denn für ne talgige Masse?“
Ben von Grafenstein: Genau. Das macht die Figur schwer und
bestimmt für Dich auch schwer zu interpretieren, oder?
Barbara Philipp: Absolut. Weil es einfach so gar nicht
mein Charakter ist. Gut, wobei ich die Unentschlossenheit von Lotte schon gut
verstehen kann, aber dieses völlig Sprunghafte versteh ich gar nicht.
Ben von Grafenstein: Das ist man echt dankbar als Regisseur,
wenn eine Barbara kommt und sich über ihren Charakter beschwert.
Barbara Philipp: Am Anfang war die auch echt ne
dusselige Kuh und Michael alias Rainer war dann die tolle Figur.
Moviesection: Toll ist halt dieses völlige Fehlen von
Schwarz/Weiß. Rainer ist im Film ja nicht der Arsch…
Barbara Philipp: Nein gar nicht. Der ist toll, oder? Ich bin
ein echter Fan dieser Figur.
Moviesection: Musste sich Michael Rotschopf, der Rainer spielt,
arg auf die Rolle vorbereiten?
Ben von Grafenstein: Ach, Michael ist einfach nur gut. Der
hat die absolute Spielfreude. Als er das Buch gelesen hat, hab ich mich mit
ihm getroffen, und er sagte gleich: „Das machen wa!“ Der Typ ist
einfach ne Rampensau…
Barbara Philipp: Er hat auch die aktive Rolle. Christoph und
ich haben am Anfang eine Aktion, aber später ist er ja eher mehr am reagieren.
Wohingegen Michael eigentlich die ganze Zeit die Szenerie verändert. Sämtliche
Aktionen gehen ja von ihm aus. Ich war immer total neidisch auf seine Rolle,
das muss ich ehrlich sagen.
Ben von Grafenstein: Rainer rockt den Flughafen, den muss man
einfach gern haben.
Moviesection: „Blindflug“ muss ins Kino, oder?
Ben von Grafenstein: Wir hoffen auf die große Leinwand,
könnte aber aufgrund der Länge von 60 Minuten schwer werden.
Moviesection: Vielen Dank für das Interview und diesen tollen Film

Filmvorstellung: "War ich gut?"
War ich gut? - von Melli
TV-Film, 91 Minuten
Story
Adam und Nina sind ein Trampaar. Die beiden sind verliebt bis über beide
Ohren, im Bett läuft alles wunderbar und auch das Zusammenleben klappt
sehr gut. Adam ist sich sicher: er will seinen Nina heiraten. Doch dann belauscht
er zufällig bei einem Essen bei Freunden, wie Nina zugibt, wie alle Frauen,
auch schon mal einen Orgasmus vorzutäuschen. Adam ist am Boden zerstört.
Bringt er es nicht mehr? Liebt Nina ihn eigentlich wirklich? Adam sucht Rat
bei seinen Freunden Ulf, Stefan und Karl. Zusammen beschließen sie dem
echten weiblichen Orgasmus auf die Spur zu kommen... zur
Filmkritik

Filmvorstellung: "Der Mann, den Frauen wollen"
Der Mann, den Frauen wollen - von Melli
TV-Film, 91 Minuten
Story
Max ist der Prototyp des „netten“ Mannes. Zuvorkommend, verständnisvoll
und lieb. Und solo. Miriam, seine letzte Angebetete ist gerade zu ihrem Macho-Ex-Freund
Klaus zurück. Max versteht die Welt nicht mehr. Da kommt Freund Stupps
und seine Theorie vom „Alpha-Männchen bekommen immer das Weibchen“
gerade richtig. Er überredet Max dazu, zum Mega-Macho zu mutieren. Damit
ist der Erfolg bei der holden Weiblichkeit dann garantiert. Zu dumm nur, dass
Max gerade die Frau seines Lebens kennen gelernt hat und die will von Machos
nix wissen... zur Filmkritik
Publikumsdiskussion
Nach dem Film stellten sich Regisseur Christoph Schrewe und Produzentin Leah
Hecker den Fragen des Publikums. Ihr Film „Der Mann den Frauen wollen“,
eigentlich fürs Fernsehen produziert, lief im Rahmen der Biberacher Filmfestspiele
zum ersten Mal mit zwei Vorstellungen im Kino. Die beiden Filmschaffenden wurden
vom Publikum mit einem warmen Applaus Willkommen geheißen. Die Geschichte
über den netten Mann, der zum Macho mutiert um die Traumfrau zu finden
fand großen Anklang bei den Zuschauern. Moviesection wollte wissen, wie
die ungewöhnliche Leichtigkeit zu schaffen war, durch die sich der Film
auszeichnet. Herr Schrewe erläuterte, dass immer ein sehr stabiles
und gut ausgearbeitetes Drehbuch vorliegen muss, damit eine solche Geschichte
bis zum Ende stimmig funktioniert. Wenn es menschlich im Team dann auch noch
klappt, stellt sich die Leichtigkeit ein. Leah Hecker ergänzte, dass die
Menschen ihnen sehr wichtig sind. Dies ist auch mit der Grund dafür, dass
sich für ihre Projekte häufig die gleichen Leute zusammenfinden. Viele
der Schauspieler sind auch privat befreundet. Keine Selbstverständlichkeit
in der Filmbranche. Der Film zeige das wahre Leben, so eine Zuschauerin begeistert.
Leah Hecker meinte daraufhin schmunzelnd, dass tatsächlich ein Freund und
seine Frauenprobleme für die Geschichte Pate standen.

Filmvorstellung: "Was ich von ihr weiß"
Was ich von ihr weiß - von Kathrin
Debüt-Film, 90 Minuten
Story
Die sechzehnjährige Kati wächst bei ihrer Großmutter auf. Als
diese jedoch stirbt, muss Kati zu ihrer Mutter ziehen, die sie seit Jahren schon
nicht mehr gesehen hat. Anfangs ist das Verhältnis zwischen den beiden
mehr als nur schwierig, da beide kein Vertrauen aufbauen können. Als Kati
dann auch noch erfährt, dass ihre Mutter gar nicht in der Modebranche,
wie bisher immer ganz stolz behauptet, arbeitet, sondern sich als Taschendiebin
ihre Brötchen verdient, scheint das ohnehin schon hauchdünne Band
zwischen den beiden endgültig zu zerreisen. Doch je länger Kati über
diesen etwas außergewöhnlichen Beruf nachdenkt, desto mehr gefallen
findet sie auch an ihn – bis sie letztendlich zu dem Entschluss kommt,
selbst Taschendiebin werden zu wollen… zur
Filmkritik

Regisseurin Maren-Kea Freese
kam mit Hauptdarstellerin Alice
Dwyker nach Biberach
Publikumsdiskussion
Im Anschluss an die Nachmittagvorführung von „Was ich von
ihr weiß“, kamen Regisseurin Maren-Kea Freese und die junge Hauptdarstellerin
Alice Dwyker in den fast vollen Kinosaal Universum, um mit dem Publikum über
ihren Film zu diskutieren.
Die sichtlich etwas nervöse Regisseurin Maren-Kea Freese konnte sich gleich
zu Beginn schon denken, welche Frage dem Publikum unter den Nägeln brennt:
Die nach dem Taschendiebstahl. Da es selbstverständlich nicht möglich
war mit einem waschechten Taschendieb zu sprechen, habe sie sich mit einem Trickdieb,
einem Zauberer aus Köln unterhalten. Dieser sei dazu bereit gewesen die
beiden Hauptdarstellerinnen in die Kunst des Taschendiebstahls einzuführen,
berichtete Maren-Kea Freese. Auf die Frage von Moviesection.de, ob die Hauptdarstellerin
Alice Dwyker denn nun eine professionelle Diebin sei, antwortete diese, dass
sie sich nicht sonderlich geschickt angestellt habe. „Wir haben auf einer
Kirmes gedreht und ich wurde während des Drehs zwei Mal von Passanten beim
Stehlen erwischt“, erzählte die neunzehnjährige mit einem Lachen
ihrem Publikum. „Man ist allerdings schon stolz auf sich, wenn es geklappt
hat“, führt Alice ihre Antwort letztendlich weiter. Außerdem
sagte sie, dass sie heute immer den Zwang hat, ihren Mitmenschen zu sagen, sie
sollen doch ihre Taschen zumachen, wenn sie durch die Stadt laufen.
Von der Regisseurin wollte ein Zuschauer wissen, wie es denn zu dieser Geschichte
kam. Freese berichtete, dass sie ursprünglich von einer nicht ganz problemfreien
Mutter-Tochter Beziehung erzählen wollte. Die Mutter sollte dabei eine
kriminelle, aber keine gewalttätige Ader besitzen. Da kam ihr der Taschendiebstahl
in den Sinn und sie hat dieses kriminelle Element sofort in ihren Film integriert.
„So wird das Ganze auch nicht zu rührselig“, meinte die Regisseurin.
Gegen Ende der Diskussion wurden die beiden anwesenden Filmschaffenden bzw.
–mitwirkenden von ihrem Publikum für die gute Arbeit gelobt. Man
war sich einig: Hier wurde ein einfach schöner Film sehr harmonisch erzählt.

Filmvorstellung: "Meine schöne Bescherung"

Meine schöne Bescherung - von Tom
Film, 96 Minuten
Story
Man darf diese Familie gern als ungewöhnlich bezeichnen: Sara lebt gerade
mit ihrem vierten Ehemann, Jan, zusammen. Ebenfalls unter dem gemeinsamen Dach
hausen noch vier Kinder, allesamt von verschiedenen Vätern, denn: Sara
muss jedes Mal wenn sie verliebt ist, auch ein Kind vom Mann bekommen. Nur bei
Jan will und will das nicht klappen. Seit zwei Jahren versucht es das Paar schon,
Nachwuchs zu produzieren.
Diese Weihnachten hat Sara eine ganz besondere Überraschung für ihren
Jan. Sie hat alle Ex-Männer mitsamt neuen Frauen und Kindern zum „Fest
der Liebe“ eingeladen. Jan freut sich. Und wie. Doch damit stehen für
ihn noch nicht alle Überraschungen ins Haus. Während des Essens offenbart
Sara ihrem Jan: „Ich bin schwanger!!“ Dumm nur, das Jan sich bereits
vor Jahren sterilisieren ließ. Wer ist der Vater dieses Kindes? Weihnachten
kann kommen…zur Filmkritik
Publikumsdiskussion
Im Anschluss an „Meine schöne Bescherung“ wurde Hauptdarsteller
Heino Ferch unter großem und jubelndem Applaus im Kinosaal „Universum“
empfangen. Ferch freute sich sichtlich auf die Filmfestspiele und erzählte,
dass er vor 10 Jahren mit den „Comedian Harmonists“ das letzte Mal
bei den in Biberach war. Ferch plauderte über die Drehtage, die 35 Tage
dauerten und sehr witzig waren, auch wenn er sich das im Vorfeld nicht vorstellen
konnte. So viele Schauspieler solange auf so engem Raum: Das kann anstrengend
werden, was es aber nicht wurde. Er hatte viel Spaß und lobte vor allem
seine Kollegin Martina Gedeck. Insgesamt wurden nicht sehr viele Fragen aus
dem Publikum gestellt, ob das nun an Heino Ferch lag, oder am gelungenen Film,
weiß man nicht. Fest steht: Der Schauspieler präsentierte sich vollkommen
sympathisch, schrieb im Anschluss Autogramme noch und nöcher, ließ
sich fotografieren, gab ein Interview nach dem anderen - unter anderem mit uns.

Interview mit Schauspieler Heino Ferch

Hinterließ ein mehr als positives Bild:
Schauspieler Heino Ferch.
„Ich hoffe, dass der Film richtig gut ankommt.“
Schauspieler Heino Ferch im Interview mit Moviesection.de
Moviesection: Herr Ferch, toll, das Sie Zeit für uns
haben. Nach doch jetzt langer Zeit spielen Sie wieder in einer Komödie.
Es hat Ihnen offensichtlich Spaß gemacht, diesen Film zu drehen.
Heino Ferch: Ich bin glücklich, dass ich, nach langer
Zeit, wieder eine Komödie auf den Tisch bekam. Dazu noch die kreativen
Köpfe von X-Filme und Vanessa Joop als Regisseurin. Das ist ein super Team.
Vor 10 Jahren habe ich zwei Komödien gemacht, danach nie wieder. Und jetzt
endlich „Meine schöne Bescherung“. Ich hoffe, dass der Film
richtig gut ankommt und setze große Stücke auf ihn.
Moviesection: Sie haben eine richtig witzige Szene mit Jasmin
Tabatabai in der Sauna. Sie ist bestimmt genauso sarkastisch, wie die Rolle,
die sie im Film spielt…
Heino Ferch: Ja, sie hat ne gute Portion Frechheit im Gesicht,
ist sau-sympathisch und nicht zuletzt eine klasse Schauspielerin. Es hat Spaß
gemacht, mit ihr zu arbeiten.
Moviesection: Das Publikum liebt Sie. Sie scheinen auch überhaupt
keine Berührungsängste zu haben. Gehen Sie oft auf Festivals, wie
dieses, wo sie direkten Kontakt mit ihren Zuschauern haben?
Heino Ferch: Das mach ich gerne. Das ist auch wichtig, das
man nach einem Film mit seinem Publikum sprechen kann. Ich bin, wenn ich Kinofilme
gedreht habe, immer auf vielen Festivals unterwegs gewesen. Mit Joseph Vilsmaier
bin ich beispielsweise mit dem gesamten "Comedian Harmonists"-Ensemble
auf eine richtige Kinotour gegangen, 6 bis 7 Premieren, dazu noch 30 bis 40
Kinos. Das gehört dazu und das macht auch Spaß.
Moviesection: Vielen Dank für das Interview.

Filmvorstellung: "Vorne ist verdammt weit weg"

Vorne ist verdammt weit weg - von Melli
Debüt-Film, 89 Minuten
Story
Als Erwin Pelzig seinen Nachbarn Johann Griesmaier durch seine Tollpatschigkeit
schwer verletzt, ist es für ihn selbstverständlich dessen Job zu übernehmen.
Schließlich soll Johann, Vater von sieben Kindern, ja nicht plötzlich
ohne Arbeit dastehen wenn er wieder gesund ist. So wird Erwin Pelzig kurzerhand
Chauffeur des Unternehmers Eduard Bieger. Der Hersteller von Einkaufswagen war
für 8 Monate in Kur und muss nun aus dem Sanatorium abgeholt werden. Durch
Zufall erfährt Pelzig, dass Biegers Tochter Melanie während Daddys
Abwesenheit nicht ganz untätig war und ihren Vater zusammen mit dem Unternehmensberater
Kienze aufs Altenteil abschieben will. Die Bieger AG soll zukünftig billig
in der Mongolei produzieren. Als Biegers Sohn Bertram dann auch noch sein Aktienpakt
verkaufen will, sieht Pelzig rot und schreitet zur Rettung des Unternehmens.
zur Filmseite

Zahlreiche Filmschaffende kamen
zur Diskussion nach dem Film.
Publikumsdiskussion
Fast die gesamte Filmmannschaft war nach Biberach gereist, um die Welturaufführung
von „Vorn ist verdammt weit weg“ zu sehen. Der Streifen, der am
13.12. 2007 in unseren Kinos startet, kam beim Biberacher Festivalpublikum sehr
gut an. Bereits während des Films wurde laut gelacht oder es gab Zwischenapplaus.
Thomas Heinemann und Frank-Markus Barwasser freuten sich sehr über die
positive Resonanz. Kabarettist Barwasser berichtete, dass ihm die Figur Erwin
Pelzig eine der liebsten sei und der Film sich mit Themen beschäftigt,
die auch seine Bühnenprogramme dominieren. Thomas Heinemann überbrachte
die Grüße von Peter Lohmeyer und Christiane Paul die auch gerne nach
Biberach gekommen wären. Doch Christiane Paul war am Vortag erst Mutter
geworden und Peter Lohmeyer steckt schon wieder mitten im Dreh für ein
neues Projekt. Sowohl Barwasser als auch Heinemann betonten die gute Zusammenarbeit
im Team während der Dreharbeiten. Auf die Publikumsfrage, ob denn schon
eine Fortsetzung geplant sei, meinte Barwasser lächelnd sie wollen jetzt
erst einmal den Start dieses Films abwarten, völlig ausgeschlossen sei
ein zweiter Pelzig-Kinofilm jedoch nicht.

Filmvorstellung: "Bis zum Ellenbogen"

Bis zum Ellenbogen - von Kathrin
Debüt-Film, 85 Minuten
Story
Eigentlich treffen Achim, Willi und Sven nur sehr unfreiwillig aufeinander:
Als der reiche Geschäftsmann Achim in den Schweizeralpen gerade mit seinem
Mountainbike den Berg runterrast, läuft ihm plötzlich der arbeitslose
Elektriker Willi vor das Rad – Zum Glück ist der erfolglose Banker
Sven gerade in der Nähe, der aus seiner Urlaubshütte kurz entschlossen
den Bollerwagen holt, um die Verunglückten in sein trautes Heim transportieren
zu können, wo er sich die nächsten Tage beinahe liebevoll um die beiden
fremden Männer kümmert. Letztendlich ist jedoch Sven derjenige, der
mit seinem Leben bezahlen muss, denn blöderweise bringt er sich im Vollrausch
versehentlich selbst um. Achim und Willi sind zunächst ratlos – Was
tun? Doch der clevere Achim hat schnell eine Idee – er will seinen neuen,
lieb gewonnenen Freund „Bis zum Ellenbogen“ bringen, wo er seine
ewige Ruhe finden soll. Also machen sich die beiden noch übrig gebliebenen
Männer, mit einer Leiche im Gepäck, auf Richtung Norddeutschland…
zur Filmkritik

Interview mit den Schauspielern Justus von Dohnanyi und Stefan Kurt

Unsere Redakteurin Kathrin mit
Stefan Kurt & Justus von Dohnanyi
„Wie Arsch auf Eimer...“
Die Schauspieler Justus von Dohnanyi und Stefan Kurt im Interview mit Moviesection.de
Moviesection: Wie war es, eine Leiche zu spielen?
Justus von Dohnanyi: Kurz und schmerzvoll. Nein, im Ernst.
Ich musste halt stillhalten. Die Leiche an sich sieht man ja nicht so oft. Es
war eher für meine Kollegen schwierig, die mussten mich nämlich immer
tragen. Ich musste nur stillhalten und selbst das ist mir nicht immer geglückt.
Moviesection: Und wie war es, mit dieser Leiche umzugehen?
Stefan Kurz: Der war schwer, der Junge. Das ging echt auf die
Muckies. Es gab ja doch Szenen, die mussten wir ein paar Mal wiederholen.
Justus von Dohnanyi: Du musst mir aber zugute halten, das ich
Dir wenigstens noch einen Rollstuhl verschafft habe und ihr mich nicht die ganze
Zeit tragen musstet.
Moviesection: Wie kam es zu dem „Gurkenbrät“?
Justus von Dohnanyi: Als ich ca. 20 Jahre alt war, habe ich
mit Freunden nachts am Lagerfeuer Gurken zum Glühen gebracht…
Moviesection: Da ist aber niemand umgekommen?
Justus von Dohnanyi: Das nicht, ist aber trotzdem eine gefährliche
Sache, wie man im Film sehr schön sehen kann. Das geht nur mit 220V und
ist somit echt gefährlich! Bitte nicht nachmachen!!
Moviesection: Das war nun Ihr erster Job als Drehbuchautor,
Produzent, Regisseur. Wie ging Wechsel vom Schauspieler zum Filmemacher?
Justus von Dohnanyi: Das ging durch die Hilfe vieler Freunde,
die mich unterstützt haben. Ich habe die meisten Leute vorher schon gekannt,
durch andere Filmproduktionen, die ich gemacht habe.
Moviesection: Man stellt sich das wahnsinnig anstrengend vor,
Schauspieler, Regisseur, Produzent, Drehbuchautor gleichzeitig zu sein…
Justus von Dohnanyi: Das macht man ja nicht alles parallel.
Das Drehbuch war schon geschrieben, die Produktion wurde dann von einer Firma
übernommen, d.h. es ging dann ums Spielen und um die Regie. Ich war dann
als Leiche oft im Off, da konnte ich mich dann auf die Regie konzentrieren.
Und wenn ich selbst vor der Kamera stand, halfen mir meine Kollegen hinter der
Kamera.
Moviesection: Die Optik bei Beginn des Films ist schon sehr
speziell…
Justus von Dohnanyi: Ich wollte, dass das wie „Heidi“
wirkt am Anfang, damit der Tod richtig reinhaut. Die Figuren brauchen auch ihre
Zeit, bis man sie lieb gewinnt.
Moviesection: Man hat auch den Eindruck, das ganze Szenen
offen waren. Gab es Platz für Improvisationen?
Justus von Dohnanyi: Ja klar, es gab ganze Szenen, die so angelegt
waren. Das war hier oft ganz günstig, den Schauspielern freie Hand zu lassen.
Moviesection: Delphi Verleih bringt den Film in die Kinos…
Justus von Dohnanyi: Ja, mit 40 Kopien. Zu Anfang haben wir
wirklich ganz kleine Brötchen gebacken. Wir sind wirklich glücklich,
wenn die Leute wissen, dass es unseren Film gibt und sie ihn mögen.
Moviesection: Jan Josef Liefers, der ja leider wegen Krankheit
nicht hier sein kann, ist urkomisch in diesem Film. Er hatte Spaß beim
Drehen, oder?
Justus von Dohnanyi: Vor allem, wenn man weiß, wie viel
Spaß Stefan Kurt und Jan Josef Liefers zusammen haben können. Die
standen schon gemeinsam auf der Bühne und passen wirklich gut zusammen.
Er hatte einen großen Spaß an genau diesem Humor. Der passte da
drauf, wie „Arsch auf Eimer“, wenn ich das mal so sagen darf.

Filmvorstellung: "Der lange Weg ans Licht"

Der lange Weg ans Licht - von Kathrin
Dokumentation, 100 Minuten
Story
Seit nun fast 20 Jahren arbeitet Edeltraut Hertel als Hebamme. Über acht
Jahre war sie in Afrika als christliche Entwicklungshelferin tätig und
hat dabei einige Erfahrungen gesammelt, die sie hier in Deutschland nicht hätte
sammeln können. Douglas Wolfsperger beleuchtet jedoch nicht nur die Arbeit
von Edeltraut Hertel, sondern auch die zweier Ärzte, die in einem Krankenhaus
Kinder zur Welt bringen und die Arbeit von zwei weiteren Hebammen, die ganz
ohne Ärzte bei der Geburt von Kindern helfen. Außerdem wird in „Der
lange Weg ans Licht“ auch auf die Problematik der pränatalen Diagnostik
hingewiesen... zur
Filmkritik

Hebamme Edeltraut Hertel
steht im Mittelpunkt der Doku von
Regisseur Douglas Wolfsperger
Publikumsdiskussion
Schon vor Filmstart gelang es dem Festivalbetreiber Adrian Kutter das
Publikum neugierig auf die neue Dokumentation von Douglas Wolfsperger zu machen.
„Douglas hat eine unglaubliche Fähigkeit auf die Menschen zu zugehen,
damit sie offen werden“, erzählt Kutter den zahlreichen Zuschauern
im Kinosaal Universum. Dadurch, so Kutter, seien seine Filme immer überaus
offen und ehrlich. Und er hat damit nicht zuviel versprochen. Nach der Vorführung
war man sich einig: Douglas Wolfsperger hat eine tolle und sehr ergreifende
Dokumentation gedreht, für die man sich gerne die Zeit genommen hat. Sogar
die anwesende Hebamme Edeltraut Hertel, über die dieser Film handelt, war
sichtlich berührt von „Der lange weg ans Licht“. „Es
ist schon ein überwältigendes Gefühl, sich so groß auf
der Leinwand zu sehen“, erzählt Hertel dem Publikum. Eine Zuschauerin,
die selbst Mutter von mehreren Kindern ist, dankte Douglas Wolfsperger und Edeltraut
Hertel für ihre Arbeit. „Damit haben sie mit ein großes Geschenk
gemacht“, lobte sie die beiden ganz begeistert. Eine andere Zuschauerin
wollte von dem Regisseur wissen, wie er die Menschen auf den Dreh vorbereitet.
Wolfsperger erklärte, dass er im Vorhinein nicht viel von seinen Gesprächspartnern
wissen möchte und das Wesentliche erst hören will, wenn die Kamera
dann auch tatsächlich läuft.

Filmvorstellung: "being_großmutter"
being_großmutter - von Melli
Debüt-Film, 61 Minuten
Story
Von der Schwäbischen Alb an den finnischen Meerbusen. Um seiner Großmutter
ihren letzen Wunsch, die Beerdigung neben ihrem im Zweiten Weltkrieg gefallenen
Ehemann, zu erfüllen, reist der Enkel mit der Asche, seinem besten Freund
Mario, dem Goldfisch Woytila und der Anhalterin Heidi nach Narva. Eine Reise
der besonderen Art, die auch eine Reise zu sich selbst sind.. zur
Filmkritik

Auch nach diesem Film wurde mit
den Filmemachern lange diksutiert.
Publikumsdiskussion
Nachdem die letzten Namen des Abspanns über die Leinwand gelaufen
waren, stellten sich Regisseur und Hauptdarsteller Sobo Swobodnik sowie die
Darsteller Heidi Mumenthaler und Mario Schneider den Fragen des Publikums. Swobodnik
erklärte, dass der Film in ihren Grundzügen auf einer wahren, nämlich
seiner, Geschichte beruht. Er entstand innerhalb von nur 10 Tagen. Das Team
bestand neben den Darstellern nur noch aus zwei weiteren Menschen für Ton
und Kamera. Gedreht wurde fast rund um die Uhr. Eigentlich, so Heidi Mumenthaler,
hatte sie sich mit Mario auf 10 Tage Urlaub mit ein bisschen Dreh eingestellt.
Swobodnik ergänzte, dass der Streifen komplett selbstfinanziert ist. Andere
Leute fahren in Urlaub nach Teneriffa, er dreht lieber einen Film, so der Regisseur,
der sich selbst gar nicht als solcher bezeichnet. Obwohl es während der
Vorstellung viele Lacher im Publikum gab, zeigten sich die meisten Zuschauer
nach dem Film eher verwirrt. Sobo Swobodnik erläuterte, dass der Film sehr
wohl ein Drehbuch und ein dramaturgisches Konzept hatte, auch wenn dies eventuell
nicht immer erkennbar ist. Jedoch waren viele Dialoge frei und in eigenen Worten
der Darsteller gesprochen. Mumenthaler berichtete, dass sie nicht wirklich wusste,
was auf sie zukommt. Sie und Mario seinen ja auch keine wirklichen Schauspieler.

Filmvorstellung: "Schöner leben"

Schöner leben - von Melli
Debüt-Film, 108 Minuten
Story
Berlin am Heiligen Abend. Draußen ist es kalt, nass und ungemütlich.
Während eine allein erziehende Mutter versucht mit ihren bescheidenen Mitteln
für ihre Kinder zu sorgen, wirbelt die Reinigungsmittelvertreterin Sieglinde
das Leben des verwitweten U-Bahnfahrers Otto durcheinander. Ein arbeitsloser
Schauspieler findet in eben dieser U-Bahn zu einem Talent zurück, ein als
Weihnachtsmann verkleideter Dieb beglückt die Polizei an den Tatorten mit
Lebensweisheiten. Und dann ist da noch Joseph, der auch nach vier Monaten noch
nicht über die Trennung von Maria hinweg ist. Als sich die beiden dann
unvermittelt gegenüberstehen, fahren seine Gefühle wieder Karussell.
Doch Weihnachten währe nicht Weihnachten, wenn durch all die Schatten nicht
auch das Licht der Hoffnung schimmern würde... zur
Filmkritik

Filmvorstellung: "Blöde Mütze"

Blöde Mütze - von Tom
Debüt-Film, 91 Minuten
Story
Martin hat die Nase voll. Neuer Ort, neue Schule, keine Freunde. Dann auch noch
das erste Zusammentreffen mit Oliver, dem Dorf-Rebell. Zufällig beobachtet
Martin, wie Oliver in einem Lebensmittelladen Zigaretten mitgehen lässt
– und verpfeift ihn. Ganz besonders dumm ist dann, dass Martin ausgerechnet
in Olivers Klasse kommt. Doch zum Glück gibt es da noch Silke, Olivers
Freundin, die Martin ganz toll findet. Da sind die Probleme auch schon vorprogrammiert...
zur Filmkritik
Publikumsdiskussion
„Kinder muss man ernst nehmen!“ In der anschließenden
Diskussion stellten sich Regisseur Johannes Schmid und Produzent Philipp Budweg
den Fragen der Zuschauer. Auf die Frage, wie schwer es war, mit Kindern zu drehen,
antwortete Schmid, dass das hier ja wirklich „erwachsene Kinder“
seien und die genauso diszipliniert arbeiten würden, wie erwachsene Schauspieler.
Natürlich darf man da nicht den gleichen Maßstab anlegen, aber die
Drehtage hätten sehr viel Spaß gemacht.
Gedreht wurde im Osten Deutschland während der Fußball WM 2006. Die
drei Kids haben während der Dreharbeiten schulfrei bekommen und leisteten
alle eine überzeugende Arbeit. Besonders Hauptdarsteller Johann Hillmann
wurde von Schmid gelobt, schließlich sei „Martin“ nahezu in
jeder Einstellung mit dabei gewesen.
Schmid ist stolz auf seinen Film, der sowohl für Kinder, als auch für
Erwachsene bestens geeignet ist.

Filmvorstellung: "Sieben Tage Sonntag"

Sieben Tage Sonntag - von Melli
Debüt-Film, 80 Minuten
Story
Nach einer wahren Begebenheit:
Die Freunde Tommek und Adam teilen in ihrer Plattenbausiedlung den gleichen
Freundeskreis, die gleiche Perspektivlosigkeit und die tägliche Langeweile.
Rumhängen, saufen, Mädels anquatschen. Doch der 14. Januar 1996 wird
sie mit einem Schlag aus ihrem bisherigen Leben reißen. Denn an diesem
Tag schließen die beiden eine Wette ab. Einsatz: Ein Menschenleben....
zur Filmkritik

Für uns ein filmisches Highlight:
"Sieben Tage Sonntag"
Publikumsdiskussion
Fast das gesamte Team von „Sieben Tage Sonntag“ war zu den 29. Biberacher
Filmfestspielen angereist um ihren Film vorzustellen. Sie trafen nach Ende des
Abspanns auf ein emotional sehr mitgenommenes Publikum. Mit Blick auf die Verfilmung
der wahren Geschichte über zwei Jugendlichen, die beschlossen „einfach
mal“ einen Menschen umzubringen nicht verwunderlich. Regisseur Niels Laupert
berichtete, dass er über einen Artikel, der im Spiegel erscheinen sollte,
auf die Geschichte gestoßen war. Mit nur 14 Drehtagen realisierte er zusammen
mit den Darstellern und seinem Team die filmische Rekonstruktion dieser wahren
Begebenheit. Dabei war für ihn eine unverfälschte Umsetzung der Tatsachen
äußerst wichtig. Ihm lag weder an der Beantwortung der Frage nach
dem „warum?“ noch an einer Rechtfertigung der Tat. Viele Fragen
aus dem Publikum gingen genau in diese Richtung und es war zu spüren, dass
die Zuschauer über die Tat der beiden 16jährigen Jungs einfach fassungslos
waren. Niels Laupert erläuterte, dass er bewusst keine moralische Interpretation
in die Geschichte eingebaut habe, obwohl eine solche Herangehensweise sicherlich
auch möglich gewesen wäre. Für ihn sei dieses aus einer inneren
Leere heraus entstandene Verbrechen auch nicht typisch für den Ort des
Geschehens in Polen, sondern die Geschichte könne bei ähnlichen Lebensumständen
überall auf der Welt ihre Wiederholung finden. Der zweite große Punkt,
der das Biberacher Publikum interessierte, war die Arbeit der beiden Hauptdarsteller
Martin Kiefer und Ludwig Trepte. Wie man sich den auf eine solche Rolle vorbereite
wollte ein Zuschauer wissen. Während Kiefer erklärte, dass ihn das
ganze doch noch emotional sehr berühre und er die Gradwanderung zwischen
Abstand und Nähe zum Filmcharakter als sehr schwierig beschrieb, betonte
Trepte, dass er sich über den Weg der Schauspieltechnik einen gewissen
Eigenschutz aufgebaut habe. Zum Abschluss erzählte Niels Laupert dem Festivalpublikum
noch, dass die Vorbereitung zu dem Film auch den Besuch der echten Täter
beinhaltet habe und es eventuell noch eine Dokumentation über den Fall
geben wird.

Interview mit Regisseur Niels Laupert

Regisseur Niels Laupert mit seinem
Hauptdarsteller Ludwig Trepte
„Ich wollte erreichen, dass durch die Art der Erzählweise
eine gewisse Nachhaltigkeit entsteht.“
Regisseur Niels Laupert im Interview mit Moviesection.de
Moviesection: „Sieben Tage Sonntag“ ist Dein erster
abendfüllender Spielfilm?
Niels Laupert: Es ist sogar mein erster Film überhaupt.
Ich habe vor meinem Regiestudium an der „Hochschule Für Fernsehen
und Film München“, zunächst Produktion und Medienwirtschaft
studiert. Im Rahmen meines Studiums hatte ich einige Filme produziert und begann
dann zum Geldverdienen Regie bei Musikvideos und Werbespots außerhalb
der Hochschule zu führen. Nach meinem Abschluss in Produktion, bekam ich
von meinen Professoren die Erlaubnis auch einen Abschluss in Regie machen zu
dürfen. „Sieben Tage Sonntag“ war insofern erster Übungsfilm
und Abschlussfilm zugleich.
Moviesection: Was ist das für ein Gefühl, mit dem
ersten Film so einen Erfolg zu haben?
Niels Laupert: Ich freue mich natürlich über die
Auszeichnungen. Aber der wirkliche Erfolg wird sich zeigen, wenn der Film im
Frühjahr 2009 in die Kinos kommt. Die Arbeit am Film war ein riesiger Erfahrungs-
und Lernprozess. Vor allem konnte ich mich ausprobieren. Ich denke immer: Das
hättest Du besser oder doch anders machen können und bin dann beeindruckt
von den ersten Spielfilmen meiner Kommilitonen. Aber wahrscheinlich plagen die
sich mit den gleichen Sorgen und Nöten. Man darf nicht vergessen, dass
„Sieben Tage Sonntag“ sich mit Filmen vergleichen muss, die unter
erheblich entspannteren finanziellen und produktionstechnischen Bedingungen
entstanden sind. Für mich ist es insofern der größte Erfolg,
dass wir es überhaupt geschafft haben, einen Langfilm zustande zu bringen.
Moviesection: Normalerweise dreht man als Abschlussfilm an
der HFF München einen Kurzfilm und bekommt dafür zusätzlich finanzielle
Unterstützung vom FilmFernsehFonds Bayern. 2004 hast du mit „Sieben
Tage Sonntag“ auch Abschlussfilmförderung für einen Kurzfilm
eingereicht. Was ist passiert?
Niels Laupert: Im Laufe meiner Recherchen habe ich gemerkt,
dass ich das Thema in 15-30 Minuten nur unzureichend behandeln kann. Die Geschichte
lebt stark von dem Gefühlszustand der Hauptfiguren und den damit verbundenen
atmosphärischen Momenten. Wenn man Zustände nicht einfach erklären,
sondern fühlbar machen will, braucht man Zeit. Ich wollte keine Abfolge
von Kausalitäten erzählen.
Aus logistischen Gründen konnten wir den Drehtermin nicht verschieben.
Wir haben also einfach angefangen. Das Geld reichte für 12 Drehtage und
das Geld für die Postproduktion hatten wir damit auch bereits in den Dreh
investiert. Im Laufe der Zeit haben wir dann weitere Partner für das Projekt
begeistern können und sehr viel Unterstützung erfahren.
Moviesection: Wie schwer war das?
Niels Laupert: Das war unglaublich schwierig, da es eine ganz
andere Situation ist, als wenn man auf Basis eines Drehbuchs Partner sucht.
In der Zwischenzeit kam aber auch Bewegung in unsere Recherchebemühung,
mit den echten Tätern im Gefängnis Kontakt aufzunehmen. So wurde uns
endlich die Genehmigung erteilt in die Gefängnisse zu fahren und die beiden
Täter willigten in ein Filminterview ein. Wir haben dann ein Jahr später
noch mal einen Nachdreh von 5 Tagen gehabt. Wenn man bedenkt, dass wir insgesamt
nur 19 Tage gedreht haben, ist das schon unglaublich.
Moviesection: Du thematisierst die innere Leere und Orientierungslosigkeit
von Jugendlichen, die sich in extremer Gewalttat entlädt. Beispiele wie
das „Columbine Massaker“, die Amokläufe in Erfurt oder jüngst
in Finnland zeigen wie aktuell das Thema ist. Ist „Sieben Tage Sonntag“
ein gesellschaftskritischer Film?
Niels Laupert: Mir ging es nie darum den moralischen Zeigefinger
zu heben. Ich hatte damals den Zeitungsartikel gelesen, der die Tat und die
Täter nüchtern schildert und in Passagen die „O-Töne“
von einem der Täter wiedergibt, ohne diese zu bewerten. Mich hat das sehr
berührt und nicht mehr losgelassen. Natürlich stellt man sich dann
die Frage nach dem „Warum?“ oder „Wie kann es soweit kommen?“.
Das sind ja auch berechtigte Fragen. Aber wenn man der Gefahr erliegt, dafür
direkte Antworten oder Erklärungen zu finden, macht man es sich und dem
Zuschauer sehr einfach. Würde man dann die Tat nicht unbewusst rechtfertigen?
Es gibt sicherlich viele Aspekte, viele kleine Nadelstiche, aber aus meiner
Sicht letztendlich keine Erklärung für einen Mord.
Moviesection: Wie hast du Dich dem Stoff genähert?
Niels Laupert: Bei der Recherche habe ich gemerkt wie schwer
es ist, sich den Tätern gedanklich zu nähern. Wenn man einen Liebesfilm
schreibt, lässt sich das besser nachvollziehen: Jeder war schon mal verliebt.
Die Sozialisierung der beiden Jugendlichen und die daraus resultierenden Denkstrukturen
sind mit den Unseren kaum zu vergleichen. Ein Beispiel: Das Wort Mitleid hat
für die Beiden nur eine theoretische Bedeutung. Sie wissen zwar, was das
Wort bedeutet, da sie aber von ihren Eltern selbst nie Mitgefühl erfahren
haben, können sie es emotional auch nur schwer nachvollziehen. Provokativ
gesagt, wäre es also fast brutaler, Du oder Ich würden einen Menschen
umbringen.
Moviesection: Würdest Du sagen, das eine wahre Geschichte
schwerer zu schreiben ist, als eine fiktive?
Niels Laupert: Nach meinen Erfahrungen zu urteilen, finde ich
es schon komplizierter sich mit einer wahren Geschichte zu befassen, da man
gegenüber den Fakten ein gewisse Verpflichtung hat und nicht nach Lust
und Laune Szenen, obwohl sie vielleicht wunderbar passen würden, dazuerfinden
kann. Ich hatte die Situation, dass mir diese Geschichte schon viele filmische
Elemente bot. Ein Beispiel: Adam, die Hauptfigur, geht morgens in die Kirche
um als Ministrant zu dienen und Stunden später wird er zum Mörder.
Wenn man sich so etwas ausdenkt, würde jeder sagen: „Ein starker
Kontrast, aber vielleicht ein bisschen plakativ“. Viele Elemente waren
einfach schon vorhanden und ich habe sie entsprechend gewichtet und den Erzählrhythmus
strukturiert. Ich habe mich bemüht nichts zu verfälschen.
Moviesection: Dieser Gefahr unterliegt man aber schon, oder?
Niels Laupert: Je nachdem wie spekulativ man an eine solche
Sache rangeht. Der Film entzieht sich ja, wie bereits erwähnt einer klassischen
Hollywood-Dramaturgie. Wir haben lange überlegt, wie wir vorgehen und haben
bewusst einen unkonventionelleren Erzählrhythmus gewählt. Ich wollte
erreichen, dass durch die Art der Erzählweise eine gewisse Nachhaltigkeit
entsteht. Dafür nehme ich gerne in Kauf, dass manches vielleicht nicht
ins gängige dramaturgische Korsett passt und schwerer nachvollziehbar scheint.
Wenn man dadurch eine Sekunde länger darüber nachdenkt: Umso besser.
Moviesection: Bist Du zufrieden mit Deinem Film?
Niels Laupert: Ich bin glücklich, das ich ihn gemacht
habe, weil ich dabei unglaublich viel gelernt habe. Ich wollte erreichen, dass
durch die Art der Erzählweise eine gewisse Nachhaltigkeit entsteht.

Filmvorstellung: "Für den unbekannten Hund"

Für den unbekannten Hund - von Kathrin
Film, 107 Minuten
Story
Als Bastian einen Tankstellenwart ermordet, ist er selbst schockiert über
seine grausame Tat. Zufällig stößt er ein paar Tage später
auf eine Gruppe Handwerksgesellen, die auf Wanderschaft ist und schließt
sich ihnen als Betonbauergeselle an. Schnell findet er unter den Reisenden einen
guten Freund. Diese Freundschaft steht jedoch von Anfang an unter einem schlechten
Stern, soll sich doch bald herausstellen, dass die beiden etwas verbindet, das
sie zu Beginn noch nicht einmal geahnt haben… zur
Filmkritik

Regisseur Benjamin Redig im
Gespräch mit dem Publikum.
Publikumsdiskussion
„Das nenn ich starkes Kino!“ waren Adrian Kutters Worte,
nachdem der Abspann zu „Für den unbekannten Hund“ gelaufen
ist. „Wohlwahr“, dachte sich da bestimmt der ein oder andere Zuschauer,
dauerte es doch seine Zeit, bis die erste Frage seitens des Publikum an die
beiden Regisseure Benjamin und Dominik Reding gestellt wurde. Dann kam sie jedoch
- Man wollte von den Brüdern wissen, warum sie die Schuld und Sühnethematik
mit einer Wandergesellengeschichte verknüpft haben. Die Antwort darauf
kam von den beiden wie aus der Pistole geschossen. Das Interesse für die
langen Wanderschaften der Gesellen sei einfach schon da lange da gewesen. Benjamin
sei sogar bereits für einige Wochen selbst als Geselle unterwegs gewesen
und habe somit am eigenen Leib erfahren, welche Anstrengungen und Strapazen
dahinter stecken. „Ich habe innerhalb nur wenigen Wochen wahnsinnig viele
Kilos abgenommen, das kann man sich kaum vorstellen“, erzählte er
seinen Zuhörern. Anschließend erzählten Benjamin und Dominik
Reding Einiges über die Entstehung des Filmes. Sie berichteten, dass „Für
den unbekannten Hund“ eine komplette Zweimannproduktion sei. Leider habe
sich niemand gefunden, der sich für die Produktion ihres Filmes interessiert
hat. Trotz einer Produktionskostenhöhe von 1,3 Millionen Euro haben sich
die Brüder allerdings dennoch dazu entschieden ihren Film zu drehen: „Wenn
niemand mit ins Boot kommt, dann machen wir unsere Filme eben alleine“,
waren die entschiedenen Worte der überaus sympathischen Regisseure. Der
nächste Film soll nun allerdings ein noch größeres Projekt werden,
das die beiden unmöglich alleine stemmen können, weshalb sie derzeit
auf der Suche nach Mitarbeitern sind. Am Schluss der Diskussion äußerten
sich Benjamin und Dominik Reding noch sehr positiv über die Biberacher
Filmfestspiele. „Wir waren schon auf über vierzig Festivals, aber
so was wie hier in Biberach, dass man von dem Festivalleiter persönlich
begrüßt wird, das habe ich ja noch gar nie erlebt“, gab Benjamin
Redig überaus erfreut von sich.

Filmvorstellung: "Autistic Disco"

Autistic Disco - von Tom
Film, 82 Minuten
Story
In den Alpen, drei Stunden von jeglicher Zivilisation entfernt, zwingt eine
Sozialarbeiterin 7 junge straffällige junge Erwachsene zum abgeschiedenen
Leben. Hier sollen sie wieder Gemeinschaft und soziales Leben lernen. Soweit
die Theorie. Die Praxis sieht ganz anders aus. Selbsthass, Gier nach Anerkennung
und nach Liebe stehen auf dem Programm…zur
Filmkritik

Tom mit Regisseur Hans
Steinbichler nach ihrem Gespräch.
Gespräch
„Es gibt keine Gebrauchsanweisung für meinen Film!“
sagte Regisseur Hans Steinbichler im Anschluss an seinen Film „Autistic
Disco“ im Gespräch mit Moviesection.de. Es sei einfach ein Projekt
und der Regisseur sei sehr, sehr froh gewesen, das keiner aus dem Saal ging
und sich wirklich jeder den Film bis zu Ende angesehen hat. „Das kennt
man ja aus Biberach!“, freut sich Steinbichler.
Auf die Frage, ob er was gegen „kommerzielle Filme“ habe und jetzt
nur noch „solche Streifen“ drehen würde, schüttelte Steinbichler
entschieden den Kopf. „Ich würde sehr gerne erfolgreiche Filme machen,
das hat damit aber nichts zu tun!“
Und auch wenn der Regisseur selbst seinen eigenen Film als „anstrengend“
und „mühsam“ bezeichnete, darf man getrost sagen, das Steinbichler
mit der Diskussion DANACH im Publikum viel rettete. Weiß man nämlich,
das man für diesen Film einfach nicht „zu blöd“ war, geht
es einem als „normaler Kinogänger“ doch ein kleines Stückchen
besser. Und nicht zuletzt der Ausstrahlung Steinbichlers ist es zu verdanken,
das man den Film noch ein kleines Stück mehr mag.

Filmvorstellung: "Hotel very welcome"

Hotel very welcome - von Kathrin
Debüt-Film, 96 Minuten
Story
Im Zentrum dieser Geschichte stehen fünf Backpacker in Asien und ihre Erlebnisse
während dieser Reise. Da sind zum Beispiel die zwei jungen Briten Joshua
und Adam, deren Freundschaft auf der Suche nach ihrer Traumfrau stark auf die
Probe gestellt wird. Oder Svenja, die ihren Flug nach Hause verpasst hat und
vollkommen alleine in einem Hotelzimmer verweilt und darauf wartet, dass der
nette Mensch am Ende der Telefonleitung, die sie täglich mehrmals benutzt,
ihr einen neuen Rückflug organisiert. Der Ire Liam sucht bewusst die Nähe
zu dem einheimischen Volk und begibt sich mit einem Kamelführer in die
Wüste Indiens. Marion, eine Deutsche, befindet sich auf einem Selbstfindungstripp
und versucht Lösungen für die Probleme ihrer beinahe gescheiterten
Beziehung zu finden... zur
Filmkritik
Publikumsdiskussion
Den Abschluss der Biberacher Filmfestspiele machte für uns der Streifen
„Hotel Very Welcome“, der um 23.15 Uhr im Kinosaal Mars zu sehen
war. Im Anschluss an die Vorführung kamen Regisseurin Sonja Heiss, Co-Produzent
Nikolai von Graevenitz und Darstellerin Svenja Steinfelder um ihrem Publikum
Rede und Antwort zu stehen. Sonja Heiss erzählte gleich zu beginn, dass
sie bereits selbst viel mit dem Rucksack durch Asien gereist sei und dabei so
viele Dinge erlebt hat, dass sie unbedingt einen Film darüber drehen wollte.
Ihr Ziel war es, einen realistischen Film über Backpacker zu drehen, der
außerdem auch den typischen Humor solcher Reisen wiederspiegelt. Eine
zentrale Frage sei dabei gewesen, in wie weit man als Backpacker denn tatsächlich
in eine fremde Kultur eintauchen kann. Auf die Frage wie es denn mit dem Dreh
in dem fremden Land funktioniert hat, antwortete Sonja Heiss, dass es manchmal
sehr chaotisch gewesen sei. „Es gab viele Sachen die geplant waren und
letztendlich nicht geklappt haben. Da muss man eben flexibel sein“, erzählte
die Regisseurin. Außerdem meinte Sonja Heiss, dass das Drehbuch auch sehr
offen gewesen sei und die Schauspieler viel Platz für eigene Ideen gehabt
hätten.

Preisverleihung

"Für den unbekannten Hund" erhielt
den golden Biber des Festivals.
Am 4. November, dem vierten und letzten Festivaltag standen sie fest, die Gewinner.
• Der „goldene Biber“, der Hauptpreis der Festspiele, ist mit
5000 Euro dotiert und geht 2007 an „Für
den unbekannten Hund“. Zur Begründung heißt es:
„Die Geschichte, die mit verfremdenden historisierenden Elementen (Wandergesellentradition,
Musik) arbeitet, wird bildgewaltig und mit außerordentlicher Ton- wie Schnittgestaltung
erzählt. Beeindruckend ist die durch Wahl der Schauspieler, der Montageform,
der Bildeinfälle kraftvolle Umsetzung einer sehr persönlichen Geschichte,
in der es letztlich um Schuld und Sühne und um das Gewissen als Gradmesser
für ein gelungenes Leben geht. Es ist ein außergewöhnlich vitaler
und mutiger Film entstanden, der aus dem Mainstream deutschen Filmschaffens
auffällig herausragt.“
• Die Publikumsjury kürte „Nichts
als Gespenster“ zu ihrem „besten Film“. Hier gab
es 100 Euro Preisgeld. Die Begründung: „Unter Verwendung brillanter
Farbgebungen für jede einzelne Geschichte beschreibt der Film eindrucksvoll
die Sehnsüchte seiner Protagonisten. Das Thema mit einer solchen Leichtigkeit
darzustellen, die Schnitte, die Musik und die Landschaften so exzellent abzustimmen,
dass die Geschichten mühelos ineinander fließen, überzeugten die
Publikumsjury.“
• Der Dokubiber geht dieses Jahr an „Ich will Dich –
Begegnungen mit Hilde Domin“ und ist mit 3000 Euro dotiert. Die
Jury begründete ihre Entscheidung so: „„Anna Ditges zeichnet
in „Ich will Dich – Begegnungen mit Hilde Domin“ mehr als ein
faszinierendes Künstlerportrait. Der Film ist gleichzeitig ein außergewöhnliches
Dokument über die entstehende Freundschaft zwischen der großen Dichterin
und der jungen Filmemacherin. So gelingt es der Regisseurin, uns Hilde Domin in
berührender Weise näher zu bringen.“
• Der Spielfilm-Debüt-Biber und 2000 Euro gehen 2007 an Ben von Grafenstein
und seinen Film „Blindflug“.
Zur Begründung: „Der Film von Ben von Grafenstein ist die Geschichte
dreier liebevoll gezeichneter Charaktere, die am Wendepunkt ihres Lebens stehen.
Ein Film, der bis in die kleinsten Nebenrollen hervorragend besetzt ist und durch
die gelungene Balance zwischen Tragik und Komik beeindruckt. Das Timing, die geschliffenen
Dialoge und die stimmungsvollen Bilder machen den Film zu einem gelungen Vertreter
seines Genres.“
In dieser Kategorie gibt es eine „lobende Erwähnung“, die als
zweiter Platz gesehen werden darf. Lobend erwähnt wird „Sieben
Tage Sonntag“ von Niels Laupert.
Und schließlich:
• Der Kurzfilmbiber geht dieses Jahr an: „Milan“.
Zur Begründung heißt es: „Eindrucksvoll zeigt der Film die unkontrollierte
Zerstörungskraft des Krieges. Durch die Verkettung von Ereignissen kommt
ein unbeteiligter Junge ums Leben. Der dramaturgische Handlungsablauf, die präzise
Inszenierung, die bemerkenswerten schauspielerischen Leistungen geben dem Film
eine emotionale Intensität, die den Zuschauer nicht loslässt. Ein Plädoyer
gegen den Krieg und für die Menschlichkeit.“
Lobend erwähnt wird hier der Kurzfilm: „Ein langer Sommer“

...der Dank zum Schluss!
Wie jedes Jahr gehören die „letzten Worte“ den Menschen, mit
denen wir jedes Jahr eine tolle Zeit haben.
Herzlichen Dank an:
• …den Pressesprecher der Festspiele, Johannes Riedel, der uns immer mit Rat und Tat zur Seite stand und uns in so mancher Situation unter die Arme griff. Zur Seite standen ihm dieses Jahr Veronika Renkenberger, die für „Text und Bild“ zuständig war (und mit der wir witzige Zeiten verbrachten) und Patrick Raab, der die O-Töne einfing.
• …das Catering, das, egal wie viel zu tun war, immer mit Spaß und flotten Sprüchen am Werk war!
• …die Hostessen, die auch 2007 wieder einen tollen Job machten.
• …an die Fotographen, mit denen wir durchweg lustige, interessante und immer faire Zeiten verbrachten. Lobend erwähnt sei an dieser Stelle Rainer Schmidt und sein Sohn Manuel (Homepage), Andreas Reiner (Homepage) & Georg Kliebhan. Dafür herzlich „Danke!“
• … die Publikumsjury, die uns manchmal wirklich leid tat. Weit über 20 Filme in 4 Tagen ist starker Stoff. Ihr habt einen tollen Job gemacht! Danke an, Melanie Pérez-Salas, Yvonne Kacmarczyk, Konrad Langer, Hildegard Maria Lipphardt, Holger Partsch für Euer Engagement.
• …last but not least: Adrian Kutter, ohne den
die Festspiele nicht stattfinden könnten. Er ist das Herz und die Seele
dieses Events, und obwohl er (leider!) nicht mehr für den Kinoablauf zuständig
ist, kümmert er sich engagiert und liebevoll um (seine) Mitarbeiter. Ohne
ihn und seine herausragende Auswahl an deutschen Filmen wären die Filmfestspiele
in Biberach nicht die, die sie sind. Dafür, herzlichen Dank!
Doch es gibt auch Kritikpunkte: Man merkt durchweg, dass die Atmosphäre
im Kino „anders“ war, als die Jahre zuvor. Wir hatten die letzten
zwei Jahre den Eindruck, die Kinomitarbeiter seien mit Spaß, Engagement
und Freude an der Sache, freuen sich auf die Filmfestspiele und bringen gute
Laune mit. Dieses Jahr waren die Mitarbeiter hier um „ihre Arbeit zu tun“,
so zumindest unser Eindruck. Wir blickten nicht oft in fröhliche Gesichter,
was wir sehr bedauerten.
Dennoch freuen wir uns auf die 30. Biberacher Filmfestsspiele 2008 und auf den
Sternenpalast, der hoffentlich gut gelaunt und engagiert auf die deutschen Filmschaffenden
wartet und wieder mir Freude an der Sache ist. Denn genau DAS ist es, was die
Biberacher Filmfestspiele ausmacht: Spaß am (deutschen) Film!
Eure/r
Tom, Melli, Kathrin aus Biberach
für Moviesection.de