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"Boston Legal" - Das Super-Special zum Serienende
„Boston Legal“ gehört zweifellos zu den außergewöhnlichsten
Serien des neuen Serienzeitalters. Dabei horcht man nicht nur bei dem Namen
des bekannten US-Serienschöpfers David E. Kelly auf, der uns schon Serien
wie „Ally McBeal“ oder „Chicago Hope“ in die heimischen
Wohnzimmer brachte, sondern insbesondere bei den Namen William Shatner und James
Spader. Vor allem ihnen ist es zu verdanken, dass diese etwas andere Anwaltsserie
schnell ihr Publikum fand und damit in fünf erfolgreiche Jahre durchstartete.
Doch „Boston Legal“ war von Anfang an nicht irgendeine neue Anwaltsserie,
„Boston Legal“ verband Slapstick Comedy mit tiefgründigem bis
schwarzem Humor, Charakterentwicklung und Politik, was eine extrem unterhaltsame
Mischung hervorbrachte. Dabei stand immer hoch im Kurs, aktuelle politische
und gesellschaftliche Themen aufzugreifen, welche die USA bewegten oder bewegen
sollten. Diese Bereitschaft so offen und in dieser Weise zu diskutieren und
zu kritisieren und damit manch einem auch mal auf die Füße zu treten,
macht „Boston Legal“ so sehr besonders und wertvoll.
Für Moviesection.de Grund genug, einmal einen näheren Blick auf diese
einzigartige Fernsehrserie zu werfen…
Crane, Poole & Schmidt“ – Eine Kanzlei startet durch…
„Boston Legal“ ist offiziell ein Ableger der acht Staffeln und
168 Episoden umfassenden Anwaltsserie „The Practice – Die Anwälte“,
die ebenfalls von David E. Kelley geschaffen wurde und in den USA sehr erfolgreich
unterwegs war. In Deutschland hingegen wurden bislang nur Teile der Serie von
Pro7 und Kabeleins ausgestrahlt. Schon dort waren in der letzten Staffel James
Spader, Rhona Mitra und William Shatner zu sehen. Schon bevor die preisgekrönte
Serie 2004 beendet wurde, war klar, dass es einen Ableger geben würde,
der schon in den letzten Episoden von „The Practice“ als Backdoor-Pilot
eingeführt wurde.
Der Arbeitstitel in der Produktionsphase des Spin-Offs lautete erst „Fleet
Street“, in Anlehnung einer Straße in Boston, und später „The
Practice: Fleet Street“, bevor man sich auf den klangvollen Namen „Boston
Legal“ einigte. Schließlich strahlte ABC die Pilotfolge zu der neuen
Anwaltsserie am 3. Oktober 2004, direkt nach der Serienpremiere von „Desperate
Housewives“, aus.
Die Charaktere - Freundschaft, Feindschaft & Leidenschaft…

James Spader ist Alan Shore
„Einspruch! Sie kritisiert das Christentum. Das ist unpatriotisch. Es könnte unsere Soldaten verunsichern!“
Alan Shore ist der wohl schlagfertigste und redegewandteste Anwalt, den ein
Gerichtssaal je gesehen hat.
Alan ist ein Demokrat, Optimist, Menschenfreund und leidenschaftlicher Verfechter
seiner Interessen und Überzeugungen. In vielerlei Hinsicht, vor allem aber
in politischer, ist er das Gegenteil seines besten Freundes Denny.
Alan ist sehr intelligent, spitzzüngig und schlitzohrig, was ihn aber nicht
davon abhält, manchmal in die tiefsten Abgründe der Niveaulosigkeit
abzurutschen, was er am liebsten mit Frauen seiner Begierde tut. Hier teilen
sich Denny und Alan ihre gemeinsame Leidenschaft, die sie auch mal gerne gleich
an Ort und Stelle, und zwar in ihren Büros, beglücken.
Alan ist aber vor allem ein Vollblutanwalt, dem es nicht nur um den Profit, sondern an erster Stelle um das Recht geht. George Bush und Denny zum Trotz lautet seine Überzeugung, dass das Patriotischste, was man tun kann, das Kritisieren ist. Und so holt Alan vor Gericht auch mit großer Motivation gegen Tabakkonzerne, die Gesundheitsindustrie und Unterhaltungsbranche oder gar die Regierung aus und lässt dabei nichts ungesagt und versucht, das große Ganze zu erkennen, bemüht sich aber auch um die Details. Alan wird außerdem nicht müde, seine liberalen Ansichten klar zu machen und kollidiert dabei nicht selten mit den konservativen Ansichten von Denny.
James Spader spielte seine Rolle mit sehr viel Schlitzohrigkeit und Detailliertheit in Mimik und Gestik. Es gelang ihm die Figur Alan Shore genau zu verstehen, drückte ihr aber auch seinen eigenen Stempel auf, indem er stets bemüht war, das Maximum an Komik aber auch Ernsthaftigkeit aus seinem Talent herauszuholen. So kreierte Spader eine unglaublich unterhaltsame Figur, die sowohl seinen als auch den Vorstellungen der Autoren entsprach.
Biographie
Der Sohn zweier Lehrer aus Boston, Massachusetts, USA brach bereits mit 17 Jahren
die Schule ab, um sich ganz seiner Schauspielausbildung zu widmen. Er besuchte
die Michael Chekov-Schule in New York und war neben dem Unterricht schon in
einigen Filmen zu sehen…weiter
zur Biographie

William Shatner ist Denny Crane
„Ich bin der großartigste Rechtsanwalt auf diesem Planeten. Du wirst mich nie besiegen!“
Denny Crane ist in den Dekaden seiner Karriere noch nicht ein Mal als Verlierer aus einem Gerichtssaal gegangen. Crane ist eine Legende, eine Koryphäe und eine Instanz in der Anwaltsszene. Früher schreckte die Gegenseite schon zusammen, wenn nur sein Name viel. Er ist eine senile Anwaltslegende, die weitläufig den Realitätssinn verloren hat, dadurch aber umso unvorhersehbarer geworden ist. Wo Crane hinkommt, bleibt kein Stein auf dem anderen.
Doch Denny hat ein Problem: Er wird zusehends vergesslicher und verwirrter,
was er persönlich auf Rinderwahn schiebt, in Wirklichkeit aber die Frühzeichen
von Alzheimer sind. Doch auch wenn er manches Mal seine Gedanken wo anders hat,
so ist seine Arroganz ungebrochen. Nicht umsonst läuft er durch seine Kanzlei
mit dem ständig wiederkehrenden Ausruf seines Namens „Denny Crane!“
und dem Hinweis, dass sein Name an der Tür stünde. Böse Zungen
meinen, dass er dies tut, um selbst seinen Namen nicht zu vergessen, doch letztendlich
zeugt es von Cranes ungebrochener Selbstverliebtheit, die ihn fast schon wieder
lächerlich erscheinen lässt.
So haben sein bester Freund Alan und seine Kollegen alle Hände voll zu
tun, den Gründer von „Crane, Poole & Schmidt“ im Zaum zu
halten. Immer wieder stellt Denny nämlich die verrücktesten Sachen
an: Er schießt auf Leute, begrabscht jede Frau, die ihm näher als
zehn Meter kommt, und wurde nicht selten wegen verschiedener Delikte verhaftet,
wobei Schusswaffenbesitz bzw. -gebrauch und bezahlter Sex ganz oben auf der
Liste stehen.
Doch immer ist Alan da, um ihn aus seinen Schlamasseln wieder heraus zu helfen.
Aber die beiden sind nicht immer nur ein Herz und eine Seele. Denny ist ein
engstirniger, absolut konservativer republikanischer Waffenarr, der nichts auf
seine Partei kommen lässt.
Liberale Ansichten oder kontroverse Diskussionen interessieren Denny nicht,
denn wen interessieren schon Kriegverbrechen, die Umwelt oder Wirtschaft, solange
es der USA dient?
William Shatner gelang mit seiner genialen Darstellung des Denny Crane ein unglaubliches Comeback im amerikanischen Fernsehen. Tot geglaubte Fernsehlegenden schauspielern bekanntlich länger. Dabei betonte Shatner oft, dass ihm Denny Crane sehr liege und dass er und seine Figur viele Gemeinsamkeiten hätten. Wahrscheinlich ist es diese Nähe zwischen Schauspieler und Charakter, die Shatner diese Rolle so grandios spielen lässt. So gelang es auch Shatner, seine Figur zu verstehen und ihr einen eigenen Touch zu verpassen. Dabei meistert Shatner den Grad zwischen Albernheit und Ernsthaftigkeit hervorragend und besticht durch schauspielerischen Scharfsinn und vollkommener Kontrolle über seine Figur. Dass „The Shat“, wie ihn Fans gerne nennen, schon fast 80 Jahre alt ist, merkt man dem rüstigen Kanadier in keiner Sekunde an.
Biographie
Der gebürtige Kanadier William Shatner ist ein Urgestein der amerikanischen
Film- und Fernsehbranche, der für viele unzertrennlich mit zwei seiner
TV- und Kinocharakteren verschmolzen ist: Zum einen ist das der Captain des
Raumschiffes Enterprise James Tiberius Kirk in „Star Trek“ (dt.
Titel: „Raumschiff Enterprise“)…weiter
zur Biographie

Candice Bergen ist Shirley Schmidt
„Wir alle leben ein Leben auf dem Drahtseil. Es gehört überraschend wenig dazu, uns aus dem Gleichgewicht zu bringen.“
Es gehört dank den beiden Unruheherden Alan und Denny auch nicht viel
dazu, die Kanzlei aus dem Gleichgewicht zu bringen. Dass es dazu nicht kommt,
dafür sorgt Gründungsmitglied und Dennys ehemalige Affäre, Shirley
Schmidt.
Dabei sah sie sich so manchen Skandalen und Ungehörigkeiten ihrer Kollegen
gegenüber, die nicht immer leicht zu lösen waren. Doch mit Paul Lewiston
und später Carl Sack an ihrer Seite, gelang es ihr, die Kanzlei zusammen
zu halten, egal wie verrückt es zuging. Außerdem hat Shirley immer
ein offenes Ohr für die Probleme ihrer Mitarbeiter und ganz besonders für
ihren alten Freund Denny.
Shirley Schmidt ist eine sehr intelligente und selbstbewusste Frau, die in mehreren
Aufsichtsräten sitzt und für die ihr Beruf alles ist. Dass der Beruf
aber nicht alles sein muss, zeigte ihr Carl Sack, mit dem sie zusammenkam und
sich später verlobte, was für Denny anfänglich nur schwer zu
akzeptieren war.
Für Candice Bergen war es stets schwierig, sich gegen William Shatner und James Spader zu behaupten. Dies hat seine Ursache alleine schon in der Rolle, die Bergen spielt. Shirley Schmidt ist nun mal die vernünftige Seite der Kanzlei, was Bergen in ihrer Rolle lange nicht die Möglichkeit gab, die andere Schauspieler hatten. So ist Bergen zwar stets präsent und charakternah, kann Spader, Shatner oder auch Clemenson schauspielerisch aber wenig entgegensetzen. Trotzdem verkörpert auch sie ihre Rolle, die sicherlich sehr wichtig für die Serie ist, mit Bravour.
Alan und Denny – „Blaue Stunden“ und eine ganz besondere Freundschaft…

Zigarren, Scotch, ein nettes Gespräch und manchmal auch eine anschließende
„Schlafparty“ – Das ist in kurzen Worten die Freundschaft
zwischen Denny und Alan.
Fester Bestandteil einer jeden „Boston Legal“ Episode ist, dass
sich Alan und Denny nach einem stressigen und hitzigen Arbeitstag auf dem Balkon
von Dennys Büro treffen, ein Glas Scotch trinken, eine Zigarre paffen und
den Tag Revue passieren lassen. Da kann es schon mal vorkommen, dass auf dem
Balkon getanzt, der Pokal des Stanley Cup herunter gestoßen oder sich
einfach nur einmal herzlich umarmt wird.
Diese Dialoge bieten einen fantastischen Abschluss für jede Episode. Dabei sprechen die beiden Freunde nicht nur über den Tag, sondern kommen auch auf persönliche Probleme, Träume, Wünsche oder alltägliche Sorgen zu sprechen, wodurch sich ihre Freundschaft mit jedem Abend weiter vertieft. Nicht selten geraten die beiden aber auch hier aufgrund ihrer unterschiedlichen politischen Ansichten aneinander, was ihrer Freundschaft aber niemals dauerhaft schaden würde.

Auch abseits des Balkons sind Denny und Alan die besten Kumpel. Einer steht
für den anderen ein, womit es schon einmal vorkommen kann, dass Alan Denny
wegen einer Dummheit vor Gericht rausboxen muss und umgekehrt. Denny und Alan
wirken manchmal wie verspielte, kleine Kinder, für die es eine Freude ist,
Unruhe zu stiften, auszuteilen und auch mal gemeinsam Dummheiten anzustellen.
Doch hinter all dem verbirgt sich eine sehr tiefgehende, persönliche und
intime Freundschaft, die nichts auf der Welt zerrütten kann.
Beide wissen, dass sie bedingungslos aufeinander zählen können und
es ihnen immer gut gehen wird, solange sie nur jeden Abend zu einer Zigarre
zusammenkommen können.
So betonen Sie des Öfteren beide, dass sie sich lieben und ihnen ihre Freundschaft das Wichtigste auf der Welt ist.
Begünstigt werden die zwei extrem gut geschaffenen Figuren durch ihre besonderen Darsteller und deren Chemie untereinander. Man hätte sicher Jahre suchen können, man hätte kein Duo gefunden, welches diese Freundschaft so verrückt, direkt aber auch ernst und tiefgründig transportieren kann, wie William Shatner und James Spader. Dass sich Shatner und Spader dabei oft gegenseitig an die Wand spielen, scheint beide nicht zu stören. Sie wissen auch, wie sie im Duo mit ihren Charakteren umzugehen haben und bilden ein perfektes Schauspielergespann.
So zeigt einem „Boston Legal“ ein Musterbeispiel für eine fantastische Männerfreundschaft. Vielleicht eine der bewundernswertesten Freundschaften, die das Fernsehen je gesehen hat.
Das Castkarrussel – Die Nebenrollen bei „Crane, Poole & Schmidt“…

Ein klares Manko bietet sich einem bei „Boston Legal“ im Umgang mit Co-Stars, die zwar ausnahmslos gute Rollen bekommen, aber oftmals sang- und klanglos und unerwartet fallen gelassen werden, ohne eine Erklärung zu bieten. Trotzdem sorgten auch die kleineren Rollen in den fünf Jahren für reichlich Zündstoff.
Die beiden hübschen Anwältinnen der Kanzlei, Lori Colson (Monica Potter) und Tara Wilson (Rohna Mitra), wurden nach der ersten Staffel schon fallen gelassen und konnten dementsprechend wenig Profil entwickeln, wobei Rohna Mitra allerdings schon in der letzten Staffel von „The Practice – Die Anwälte“ neben James Spader zu sehen war. Lake Bell ereilte in der Rolle der Sally Heep das gleiche Schicksal.
Etwas langlebiger waren hingegen die Charaktere Brad Chase und Paul Lewiston,
die jeweils von Mark Valley und dem "Star Trek"-Star René Auberjonois
gespielt wurden.
Brad ist, wie sein Darsteller Valley, ein Ex-Marine, der sich nach dem Golfkrieg
als Anwalt beweisen wollte. Brad ist gutaussehend und zuvorkommend, manchmal
aber auch naiv, engstirnig und konservativ. In der zweiten Staffel wurde er
bei „Crane, Poole & Schmidt“ seinem Kollegen Jerry Espenson
vorgezogen und wurde Partner.
René Auberjonois, der ebenfalls schon in „The Practice“ zu
sehen war, übernahm in „Boston Legal“ die Rolle des Seniorpartners
und besonnen Vermittlers Paul Lewiston. Paul ist schon lange in der Firma tätig
und leitet diese zusammen mit Shirley Schmidt, nachdem Denny aufgrund seiner
Erkrankung nicht mehr imstande war, die Kanzlei angemessen zu führen. Nicht
selten geriet er dabei mit Denny aneinander, da beide andere Vorstellungen vom
Verhalten eines Anwaltes und vor allem eines Partners hatten. Lewiston hat eine
erwachsene Tochter, mit der er sich in der zweiten Staffel nach Jahren versöhnte,
und ein Enkelkind.
Außerdem stieß noch die attraktive Anwältin Denise Bauer, gespielt von Julie Bowen, in den Cast hinzu. Sie geriet in einen Hahnenkampf zwischen Brad und Jeffrey Coho (Craig Bierko), die um die Gunst der smarten Anwältin kämpften. Schließlich wurde Denise von Brad schwanger und die beiden heiratetet, woraufhin Jeffrey sich versetzen ließ.

Eine weitere wichtige Figur ist die des Jerry Espenson, der von Christian Clemenson verkörpert wird. Jerry hat das Asperger-Syndrom, ist aber ein genialer Anwalt. Seine sozialen Fähigkeiten waren zu Beginn sehr eingeschränkt, was er aber mit der Zeit dank Alan Shore und seinem späteren, ebenfalls sozial zurückgebliebenen, Freund Clarence (Gary Anthony Williams) immer weiter überwinden konnte. Schließlich lernte er eine junge Anwältin kennen, mit der er sich ein Büro teilen musste. Katie Lyod, die von Tara Summers gespielt wird, entwickelte sich für Jerry von einer Kollegin zu einer guten Freundin. Zwischen ihnen kamen zum Ende der Serie sogar romantische Gefühle auf und er wurde Partner der Kanzlei, was für Jerry eine beachtliche Entwicklung darstellte.
Ebenfalls zur vierten Staffel kam Shirleys Lebenspartner Carl Sack (John Larroquette) nach Boston. Anfangs etwas steif und störend, fügte er sich bald in die exzentrische Kanzlei ein und verhandelte selbst den ein oder anderen absurden Fall vor Gericht. Später hielt Carl um Shirleys Hand an und heiratete sie in Nimmo Bay.
Einspruch! – Die Gaststars bei „Crane, Poole & Schmidt“…

Ein Wiedersehen gab es in Form von Gastauftritten mit Julie Bowen, Mark Valley, René Auberjonois, Larry Miller und Lake Bell im Verlauf der Serie.
Wiederkehrende und wichtige Rollen waren außerdem die des krebskranken Daniel Post, wofür Darsteller Michael J. Fox eine Emmy-Nominierung erhielt, und Shirleys alten Liebhabers Ivan Tiggs (Tom Selleck).
Auch Fernsehr-Legende Betty White war in mehreren Staffeln des Öfteren als durchgeknallte Rentnerin und „Bratpfannenmörderin“ Catherine Piper zu sehen.

Genauso verrückt ging es vor Gericht zu. Vor allem Henry Gibson spielte seine Rolle des Richter Clark Brown herrlich verrückt und zum Schreien komisch. Ebenso genial und wahnsinnig verkörperten Shelley Berman (Richter Robert Sanders) und Anthony Heald (Richter Harvey Cooper) ihre Richterfiguren.
Außerdem präsentierte uns „Boston Legal“ Stars wie Heather Locklear, Freddie Prinze jr., Rupert Everett, Wes Craven, Katey Sagal, Chi McBride, Parker Posey, Leslie Jordan, Currie Graham, Jane Lynch, Elizabeth Mitchell, Christopher Rich und den Bürgerrechtler Al Sharpton, der sich selbst spielte.
Neben diesen Schauspielern kann „Boston Legal“ vor allem aber ein beeindruckendes Ensemble an ehemaligen „Star Trek“- Schauspielern aufweisen. Neben den bereits gesetzten William Shatner und René Auberjonois („Star Trek: Deep Space Nine“), wurden auch noch Scott Bakula („Star Trek: Enterprise“), Ethan Phillips („Star Trek: Raumschiff Voyager“), Armin Shimerman („Star Trek: Deep Space Nine“), Michelle Forbes („Star Trek: The next Generation“) und Serienstar Jeri Ryan („Star Trek: Raumschiff Voyager“) für meist mehrere Gastauftritte verpflichtet.
Doch bei all den tollen Figuren mussten die Fans auch erstmals um zwei Schauspieler trauern. Am 14. September 2009 starb Fernsehrlegende Henry Gibson (Richter Clark Brown) im Alter von 74 Jahren an seinem Krebsleiden. Gibsons Frau verstarb schon 2006. Er hinterlässt drei Söhne, die ebenfalls alle in der Unterhaltungsindustrie arbeiten.
Wenige Zeit später, am 1. Februar 2010, wurde der 28 jähre Justin Mentell (Garrett Wells) bei einem Verkehrunfall in Wisconsin viel zu früh aus dem Leben gerissen.
„Boston Legal“ über sich selbst – „Breaking the fourth wall“…
Oft sind auch Anspielungen auf die Vergangenheit der einzelnen Darsteller zu bemerken. So gibt es mehrmals Anmerkungen zu William Shatners Vergangenheit in „Star Trek“, zu Tom Sellecks Serie „Magnum“ oder zu Candice Bergens Nominierung für den Oscar. Außerdem ist eine gewisse Selbstironie zur eigenen Serie durch die Charaktere erkennbar. So sagt Denny zum Beispiel in der Episode „Unter Beschuss“ zu Alan: "Lass mich doch in das Spiel einsteigen. Ich kann das, ich habe ´nen Emmy gewonnen".
Oder Denny Crane begrüßt in der zweiten Episode der dritten Staffel
zwei neue Anwälte, wobei er meint, sie hätten schon in der vorigen
Episode kommen müssen, um die “Neuen“ zu sein. Dann heißt
er sie willkommen und lehnt sich mit den Worten „Startet die Musik!“
in die Kamera, woraufhin das Intro beginnt.
Dies ist exemplarisch dafür, wie auch das flotte und stimmungsvolle Intro
als Instrument der Unterhaltung benutzt wird. So geht der Vorspann manches Mal
direkt in das Intro über, Laute oder Stimmen werden übernommen oder
die weitergeführte Szene noch im Intro eingeblendet. Ein Beispiel dafür
wäre außerdem Jerry Espenson, der Shirley einen Song vorsingt, der
exakt die Melodie des Intros hat. Diese Szene geht dann ungeschnitten in das
Intro über. Ähnlich sah es bei einer Jubelszene von Denny und Alan
aus, als sie erfuhren, dass sie in die „US-Coast Guard“ aufgenommen
wurden. Ihre Jubelschreie sind daraufhin noch im Intro zu hören.
Damit durchbricht „Boston Legal“ mehr als ein Mal die „Vierte
Wand“ (im Englischen: „The fourth wall“), was bedeutet, dass
sich die Charaktere zu einem gewissen, meist sehr kurzen, Zeitpunkt darüber
im Klaren sind, dass sie Figuren in einer TV-Serie sind und dementsprechend
einen Gag wie „Hey, das ist unsere letzte Staffel!“ (Denny Crane
zu Carl) machen. Dies gipfelte in einem Plädoyer von Carl Sack: „Die
einzige gute Serie mit Stars über 50 ist Bo…“
Er stockte dann aber mit dem Verweis, nicht die „Vierte Wand“ durchbrechen
zu wollen, was in der Synchronisation mit „…die Balken biegen…“
leider aber verloren ging. Im Original sagt er: "Gee, I can't say it, that
would be breaking the wall."
So ist das Brechen der “vierten Wand” durch die Charaktere ein wichtiges stilistisches Mittel Unterhaltungswert, Kritik und Selbstironie zu erzeugen, was ein Stückweit die Genialität von „Boston Legal“ ausmacht.
Hinter den Kulissen – Stab und Crew bei „Boston Legal“…
Kreativer Kopf und Schöpfer der Serie ist David E. Kelley. Kelley, der mit Michelle Pfeiffer verheiratet ist, ist ein erfahrener Produzent, Drehbuchautor und Regisseur im Seriengeschäft und kann sich zu den Erfolgreichsten seiner Branche zählen. Von ihm stammen bekannte Serien wie „Ally McBeal“, „Chicago Hope“, „Boston Public“ oder „The Practice“. David E. Kelly bzw. seine Serien wurden dabei im Verlaufe seiner Karriere 21 Mal für den Emmy nominiert und konnte ihn davon zehn Mal mit nach Hause nehmen.
Ihm zur Seite stehen Mike Listo und Bill D'Elia. Mit letzterem hatte Kelley schon bei „Chicago Hope“ zusammengearbeitet. Listo erhielt in seiner Laufbahn zwei Emmy Nominierungen, D'Elia fünf. Zusammen gehören sie zum Kopf des Produktionsteams und bestimmen zusammen mit Kelley die kreative Richtung von „Boston Legal“.
Entwickelt wurde die Serie von „20th Century Fox Television“ und
„David E. Kelley Productions“, während sie vom US-Sender ABC
(„American Broadcasting Company“) abgenommen wurde.
Das Gebäude der fiktiven Kanzlei „Crane, Poole & Schmidt“,
welches immer wieder in Außenaufnahmen zu sehen und auch ins Intro integriert
ist, steht tatsächlich in Boston und wird von verschiedenen Firmen genutzt.
Das Hochhaus steht im Schatten des John Hancock Towers in der „St James
Avenue“.
Die Kulissen und Drehorte befanden sich aber in Wirklichkeit größtenteils
in Los Angeles. Um die Skyline von Boston zu simulieren, bediente man sich der
Set- und Lichttechnik.
„Boston Legal“ – Fünf Staffeln in fünf Jahren…

Boston Legal – Staffel 1
In der Bostoner Anwaltskanzlei „Crane, Poole & Schmidt“ geht es heiß her. Der senile Staranwalt Denny Crane (William Shatner) und sein bester Freund Alan Shore (James Spader) verhandeln in ihrer Kanzlei die verrücktesten Fälle und treiben ihre Kollegen und die Richter ein um das andere Mal in den Wahnsinn ...zur Staffelkritik
Wissenswertes Staffel 1
Seine Prämiere feierte „Boston Legal“ am 3. Oktober 2004. ABC
legte die Erstausstrahlung auf den Timeslot hinter der Erfolgsserie „Desperate
Housewives“, die am selben Abend Premiere hatte.
Mit den Zugpferden William Shatner und James Spader erntete „Boston Legal“
im Schnitt sehr zufriedenstellende 12,5 Millionen Zuschauer in der ersten, 17
Episoden umfassenden Staffel. Allerdings musste sich „Boston Legal“
klar gegen die Hausfrauen geschlagen geben, die unglaubliche 24,7 Millionen
Zuseher in der ersten Staffel hatten. Nichtsdestotrotz waren die Quoten auf
jeden Fall gut genug, damit sich ABC für eine zweite Staffel aussprach,
wo sich allerdings schon wieder der nächste Konflikt anbahnte. In der Mid-Season
musste die Anwaltsserie nämlich zusehen, wie die jungen Ärzte von
„Grey´s Anatomy“ beim Publikum auf dem „Boston Legal“
Sendeplatz förmlich einschlugen. Hierzu ließ es sich Kelley auch
nicht nehmen, in der fünften Staffel „Grey´s Anatomy“,
welches ursprünglich allenfalls als ein Lückenfüller konzipiert
war, noch mal einen kleinen Seitenhieb mitzugeben.
Doch erst einmal schloss ABC ein sehr erfolgreiches Jahr ab. „Desperate
Housewives“ sowie „Grey´s Anatomy“ waren Mega-Erfolge.
Deshalb musste „Boston Legal“ zur zweiten Staffel den Sendeplatz
wechseln, was der Serie allerdings kaum schadete.
Noch im selben Jahr standen aber noch die TV-Awards an, wo „Boston Legals“
hohe Qualität erstmals gewürdigt und damit immer interessanter wurde.
So war die Kelley-Produktion bei den Emmy Awards der Abräumer des Abends.
William Shatner und James Spader durften beide eine Trophäe mit nach Hause
nehmen. Sie wurden in den Kategorien bester Nebendarsteller und bester Hauptdarsteller
in einer Drama Serie ausgezeichnet.
Zuvor gewann William Shatner ebenfalls den Golden Globe für seine Darstellung
des Denny Crane, während James Spader immerhin eine Nominierung erhielt.
Weitere Preise folgten bei etlichen anderen Preisverleihungen. Besonders William
Shatner war wohl der TV-Schauspieler des Jahres, womit er als Denny Crane ein
unbeschreibliches Comeback hinlegte.
In Deutschland war „Boston Legal“ auf VOX nicht weniger erfolgreich unterwegs, wo die Serie erst am 26. September 2006 startete. Der Sender wollte dem Zuschauer Zeit geben, sich erst an die satirische Ader der US-Serie zu gewöhnen, was sich auszahlte. Auf dem 22 Uhr Timeslot holte „Boston Legal“ im Durchschnitt Werte von 1,35 Millionen Zusehern in Staffel eins, womit sich Denny und Alan fest im Programm des Sender etablierten.
Damit war der Weg bereitet, „Boston Legal“ zu einer Größe des US-Amerikanischen wie auch internationalen Fernsehergeschäfts zu machen.

Boston Legal – Staffel 2
Die Staranwälte Denny Crane und Alan Shore treiben weiterhin ihr Unwesen in der Kanzlei, was Shirley Schmidt ein ums andere Mal auf die Palme bringt. Ein Krebskranker kauft sich in Studien ein, eine Anwältin verliebt sich in ihren Klienten, Paul Lewiston nimmt nach Jahren erstmals wieder Kontakt zu seiner Tochter auf und eine alte Liebe verdreht Shirley den Kopf - Der ganz normale Wahnsinn bei „Crane Poole & Schmidt“ geht also weiter ...zur Staffelkritik
Wissenswertes Staffel 2
Auch im zweiten Jahr standen die „Boston Legal“ Darsteller bei den
TV-Awards ganz hoch im Kurs. So wurden Spader, Shatner und Bergen jeweils für
den Emmy nominiert. Außerdem gab es für Bergen eine Nominierung für
den Golden Globe. Christian Clemenson, der später eine Hauptrolle in de
Serie haben sollte, konnte sich in der Kategorie „Bester Gaststar“
gegen den ebenfalls nominierten Michael J. Fox durchsetzen und nahm die Statue
mit nach Hause.
Auch folgten bei den weiteren TV-Awards reihenweise weitere Nominierungen und
Prämierungen für die Darstellerriege.
Auch quotentechnisch ging es für „Crane, Poole & Schmidt“ stabil weiter. Das Fallenlassen von Rhona Mitra, Monica Potter und Lake Bell und die Einsetzung von Julie Bowen machte dem Publikum offensichtlich nichts aus und so generierten die 27 Episoden, die jetzt auf dem 22 Uhr Timeslot am Dienstag liefen, einen guten Quotenschnitt von 10,3 Millionen, was wiederum die Verlängerung zu einer dritten Staffel seitens ABC mehr als rechtfertigte.
Auch die deutschen Kollegen bei VOX konnten sich nicht beklagen. Auf dem gleichen Sendeplatz wie im Vorjahr holte „Boston Legal“ 1,32 Millionen Zuschauer.

Boston Legal – Staffel 3
Der Wahnsinn bei „Crane, Poole & Schmidt“ geht weiter: Jerrys Puppe wird beschlagnahmt, Denny wird von einer „Zwergin“ verklagt, Denise ist schwanger, Brad und Jeffrey, der Neue im Team, prügeln sich ein ums andere mal. Überhaupt scheint kein Stein mehr auf dem anderen zu stehen, seitdem die neuen Anwälte aus New York in Boston sind ...zur Staffelkritik
Wissenswertes Staffel 3
In seiner 24 Episoden umfassenden dritten Staffel drehte „Boston Legal“
richtig auf und vermehrte seine kritischen Aussagen im Bezug auf die Regierung,
Gesellschaft, Krieg, Wirtschaft und anderen wichtigen Themen.
Die Zuschauer schätzten die offenen Worte der Serie und belohnten ABC für
seine mutige Serie mit einem Quotenschnitt von 9,6 Millionen Menschen.
In Deutschland schrieben Denny Crane und Co. mit 1,33 Millionen ebenfalls positive
Zahlen, womit „Boston Legal“ sowohl in Deutschland als auch in den
Vereinigten Staaten eine beeindruckende Stabilität aufwies, weswegen ABC
das Format um eine vierte Staffel verlängern ließ.
Neu im Cast zu sehen waren Constance Zimmer, Craig Bierko, Christian Clemenson und Gary Anthony Williams, während Justin Mentell und Ryan Michelle Bathe schon Ende der zweiten Season verschwanden.
Und auch bei den Emmys war „Boston Legal“ wieder erfolgreich. Als
beste Drama-Serie und für die beste Regie nominiert, konnte aber nur James
Spader als bester Hauptdarsteller einen Emmy gewinnen. Weiterhin waren William
Shatner, Candice Bergen und Christian Clemenson nominiert.
Die Golden Globe Verleihung musste das Ensemble hingegen 2007 nicht besuchen.

Boston Legal – Staffel 4
Auch im neuen Jahr müssen sich die Anwälte von „Crane, Pool & Schmidt“ den Herausforderungen der Juristerei stellen. Dazu kommt aber, dass viele der Mandanten mit schier unmöglichen Fällen in die Kanzlei kommen und vertreten werden wollen. So lassen sich die Anwälte auf die verrücktesten Fälle ein. Eine Stadt will sich von den USA lösen, eine andere eine Atombombe bauen und die Kirche sowie die Vereinigten Staaten werden gleich mehrmals verklagt ...zur Staffelkritik
Wissenswertes Staffel 4
Die Kanzlei bekam in ihrem vierten Jahr Verstärkung von John Larroquette,
Tara Summers, Saffron Burrows und Taraji P. Henson. Allerdings mussten sich
Fans auch von etablierten Castmitgliedern wie Mark Valley, Julie Bowen und Rene
Auberjonois verabschieden, deren Verträge, ohne Angaben von Gründen,
nicht verlängert wurden.
Die Qualität der insgesamt 20 Episoden wurde dadurch aber erneut nicht
beeinträchtigt, schließlich kamen alle drei auch in Gastrollen wieder
zurück. Wieder durfte sich ABC mit seinen Serien als Übermacht bei
den Emmy Awards präsentieren. So auch „Boston Legal“, welches
acht Mal nominiert war. Natürlich waren Spader, Shatner und Bergen wieder
Favoriten, konnten aber keinen Emmy gewinnen. Außerdem gab es für
Staffel vier Nominierungen für die beste Regie und die beste Drama-Serie.
Außerdem wurde Shatner erneut für einen Nebenrollen-Golden Globe
nominiert, konnte ihn aber erneut nicht gewinnen.
Mit 9,6 Millionen Zuschauern im Schnitt blieb die Serie extrem stabil. Allerdings ging nun das große Gerangel zwischen Kelley und ABC erst richtig los. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen wollte ABC die Serie um keine fünfte Staffel verlängern. Ob es nun an den Quoten lag, was unwahrscheinlich ist, oder ob „Boston Legal“ den Verantwortlichen zu selbstbewusst und gesellschaftskritisch wurde, bleibt bis heute offen. Serien-Schöpfer David E. Kelly dachte jedoch nicht daran, seine Serie so enden zu lassen. Der erfahrene Fernsehproduzent haute bei ABC auf den Tisch, bis dieser ihm eine letzte, 13 Episoden umfassende fünfte Staffel zugestand. Nun war jedoch die Beziehung zwischen Serie und Sender endgültig zerrüttet.
VOX kümmerte dies nicht. Auf dem späteren Sendeplatz um 23 Uhr trumpfte die Anwaltsserie erst richtig auf und holte Werte, die besser waren, als die auf dem besseren Platz zuvor. Sehr gute 1,44 Millionen maß man im Schnitt, was die Verantwortlichen glücklich gemacht haben dürfte.

Boston Legal – Staffel 5
Mal wieder steht die Anwaltskanzlei „Crane, Poole & Schmidt“ kopf. Vor allem für Jerry ist es ein aufregendes Jahr. Allmählich beginnt er für seine Freundin und Kollegin Kate romantische Gefühle zu hegen und steht außerdem noch kurz vor seinem größten Traum - der Aufnahme zum Partner. Währenddessen versuchen sich Karl und Shirley bei all dem Wirrwarr nicht aus dem Blick zu verlieren und ihre Beziehung zu halten, was von Denny kritisch beobachtet wird ...zur Staffelkritik
Wissenswertes Staffel 5
Der Absetzung zum Trotz generierte „Boston Legal“ in seiner letzten
Staffel identische Quoten mit Staffel drei und vier. Diese 9,6 Millionen dürften
die Frage nach dem Grund für die Absetzung seitens ABC nur noch verschärfen.
Doch die Absetzung war beschlossen und so endet „Boston Legal“ nach
fünf Staffeln und 101 Episoden in einem angemessenen und unterhaltsamen
Finale in Spielfilmlänge.
Saffron Burrows, Gary Anthony Williams und Taraji P. Henson verschwinden nichtssagend aus dem Cast, womit nur noch der harte Kern übrig bleibt. Spader, Shatner, Bergen, Larroquette, Summers und Clemenson haben die Sets ganz für sich und bilden zum Ende hin eine eingeschworenen Gemeinschaft.
In der Kategorie „Beste Nebenrolle“ durften im letzten Jahr noch einmal Christian Clemenson und William Shatner für die Anwaltsserie ins Rennen gehen, konnten beide jedoch aber keinen Emmy gewinnen, womit Shatner in jeder Staffel nominiert war, aber nur für die erste Staffel prämiert wurde.
Einen Tag nach der Ausstrahlung des Serienfinales gab sich Kelley einerseits stolz auf sein Format, verwies aber auch darauf, dass die Serie noch sehr viel Potential für weitere Staffeln gehabt hätte. Insgesamt äußerte sich Kelley dahingehend, dass ABC „Boston Legal“ als eine Art Stiefkind behandelt hätte, was bei den Sendeplätzen anfing und bis zur Absetzung reichen würde.In der Tat sind die konstanten Quoten umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass ABC insgesamt fünf Mal den Sendeplatz der Serie wechselte. So lief das Finale an einem Montag um 22 Uhr und zeigte uns ein letztes Balkongespräch zwischen Alan und Denny, bevor sich die Fahrstuhltüren zu „Chang, Poole & Schmidt“ für immer schlossen.
Boston Legal – Zwischen Politik und Wahnsinn…
„Wie kann das sein, dass wir eine TV-Show haben, die heißt
„Sind die cleverer als ein zehnjähriger?“ und einen Präsidenten,
der es nicht ist?“
Alan Shore
„Boston Legal“ ist nicht nur ein Schauplatz der Merkwürdigkeiten, des schrägen Humors und verrückter „Dramedy“. „Boston Legal“ zeichnet sich vor allem auch durch politisches Engagement aus, welches sehr weit ins demokratisch-liberale Lager geht und offen die neue Generation von Amerikanern anspricht.
So gilt „Boston Legal“ als eine der einflussreichsten TV-Shows der letzten Jahre, wenn es um Politik, Gesellschaft und Meinungsbildung geht. Die Agentur „Nielsen Media Research“ fand heraus, dass keine andere Serie in Amerika von so vielen reichen Menschen und jungen Erwachsenen gesehen wird wie „Boston Legal“. Dies hat auch einen guten Grund, da sich die Serie genau auf diese Zielgruppe fixiert hat. „Boston Legal“ ist nicht unbedingt eine Serie, die dem kleinen Mann den Rücken stärkt, jedoch den Großen, Mächtigen und Reichen immer wieder unmissverständliche Rügen erteilt, wenn es um Einflussnahme, Geld, Wirtschaft oder Machtverhältnisse geht. Das dabei diese angesprochene Zielgruppe nicht abschaltet, sondern gar mehr einschaltet, ist wohl der besonderen Art und Weise zu verdanken, wie „Boston Legal“ diese Thematiken mit viel Witz, Charme, Selbstironie, Scharfsinn und Klasse herüberbringt.
Auf der anderen Seite werden durch die liberale Botschaft der Serie, die fast schon zu liberal für amerikanische Verhältnisse ist, vor allem junge erwachsene Menschen der Generation Barack Obama angesprochen. So schätzen junge Leute, sogar Erstwähler, die Serie für ihre offene, direkte und unverfälschte Art. Dass sich „Boston Legal“ dabei zwar oftmals über die Republikaner lustig macht, ist zu verzeihen, da man auch manches Mal den Standpunkt der Konservativen klar macht und auch gerne mal den Demokraten einen sprichwörtlichen Klaps auf die Hände gibt.
In seiner fünfjährigen Geschichte befasste sich „Boston Legal“ mit allem, was die USA bewegt oder bewegen sollte. Als Europäer mag man überrascht sein, dass es eine Serie gibt, die in dieser Form und mit diesem Standpunkt an diese Sachen herangeht und letztendlich auch etwas froh, dass europäische Wertvorstellungen bei „Boston Legal“ oft Gehör finden.
So beschäftigte sich „Boston Legal“ unter anderem mit der Situation in Guantanamo, Menschenrechten, Folter, Krieg, Todesstrafe, Waffenrecht, Abtreibung, Lobbyismus, der Tabakindustrie, der Gesundheitsindustrie, der Unterhaltungsbrache und den Medien, der Presse, dem Schulsystem, Drogen, Außenpolitik, Umweltschutz, Asylrecht, Pressefreiheit, Homosexualität und anderen problematischen Themen. Besonderes Augenmerk legte „Boston Legal“ dabei auf die Regierung Bush und ihre Tätigkeiten. Außerdem befasste sich die Serie intensiv mit dem Umgang der Gesellschaft mit geistig behinderten bzw. sozial zurückgebliebenen Menschen. „Boston Legal“ warf moralische Konflikte auf und versuchte diese nach bestem Wissen und Gewissen so gut es geht zu beantworten.
„Boston Legal“ versuchte fortwährend die Starköpfigkeit der amerikanischen Politik und Gesellschaft deutlich zu machen und dem Zuschauer fast schon zwanghaft eine modernere Weltanschauung aufzudrücken. Aber vor allem lag die Genialität dieser Serie im Detail. Kleine, spitze Bemerkungen, schauspielerische Feinheiten, Randnotizen und unterschwellige Botschaften in den Dialogen erfordern unweigerlich einen gewissen Bildungsstand. So ist einem eine gewisse Allgemeine, politische und vor allem US-innenpolitische Bildung klar von Vorteil, um die Feinheiten der Serie überhaupt zu entdecken und gar zu verstehen. Als Europäer, der nicht in der amerikanischen Gesellschaft lebt und integriert ist, kann so oftmals vieles an einem vorbeigehen.
Im US-Wahlkampf 2009 stellte sich „Boston Legal“ klar auf die Seite der Demokraten. So wurden John McCain und Sarah Pailin den Öfteren von Alan Shore belächelt und kritisiert, was durch die nicht ganz geistig frische Haltung von Denny unterstrichen wurde. Zum Ende hin beschäftigt sich eine Episode mit dem Tag der Wahl. Dabei gerieten Denny und Alan in Rage, als sie begannen über ihre jeweiligen Kandidaten zu diskutieren. Schließlich lässt Denny beim Balkongespräch Alan gegenüber aber durchblicken, dass auch er Barack Obama gewählt hätte, da es Zeit für „Change“ wäre und selbst ihn die acht Jahre der Bush-Regierung schockiert hätten.
Was in den ersten Staffeln als unterschwellige politische Botschaft begann, weitete sich vor allem ab Staffel drei zu einem offenen Forum von politischen Meinungen aus. „Boston Legal“ bezog klar, aber nicht ausschließlich, im demokratischen Lager Stellung und verfechtete politische Inhalte, die in den USA kontrovers diskutiert oder, was viel schlimmer ist, ignoriert werden. Gerade deshalb ist „Boston Legal“ ein ganz besonderes Stück Fernsehrgeschichte, die ihre Überzeugung auf eine Art rüberbrachte, die unterhielt und dabei trotzdem noch ernste Sachverhalte besprechen konnte. Eine mutige und fast schon freche Gesamtleistung, die in Amerika aber wohl leider einmalig ist und (hoffentlich nicht) bleiben wird.
DVD-Verfügbarkeit von Boston Legal
Alle Staffeln von „Boston Legal“ sind als DVD Box über all
im Handel erhältlich. Die fünfte und letzte Staffel sowie die Komplette
Serien-Box mit allen 101 Episoden wird am14. Mai 2010 veröffentlicht.
Die finale Staffel ist außerdem seit dem 22. Februar auf VOX zu sehen
und wird voraussichtlich im Juni beendet.
Die Vorgängerserie „The Practice“ ist seit 2007 lediglich in den USA und Australien erhältlich. ProSieben strahlte 2000 nur die ersten vier Staffeln, die insgesamt 79 Episoden umfassen, aus. Seit dem 5. März ist auf Kabeleins die finale achte Staffel zu sehen. Staffel fünf, sechs und sieben wurden in Deutschland nie ausgestrahlt.
Boston Legal – Eine Erfolgsgeschichte…
„Boston Legal“ war nie ein großer Welterfolg, kann sich aber
zu den wertvollsten Serien der Vereinigten Staaten zählen. Diese Anwaltsserie
ist der wohl wichtigste politische und gesellschaftliche Beitrag zu den USA
aus Hollywood seit sehr langer Zeit. Doch vielleicht sollte man das Maß
nicht ganz so hoch ansetzen, denn letztendlich ging es auch hier hauptsächlich
„nur“ um Unterhaltung. Und die hat „Boston Legal“ generiert,
wie ebenfalls kaum eine andere Serie der letzten Jahre oder sogar Jahrzehnte.
Es steht wohl außer Frage, dass „Boston Legal“ ohne William
Shatner und James Spader niemals so großartig geworden wäre, wie
es ist. Man hätte hunderte Duos in die Serie stecken können, schlussendlich
gab es aber nur ein passendes – Shatner/Spader.
Aber auch hinter den Kulissen hat man sehr viel Kreativität, Intelligenz
und vor allem Mut bewiesen. Die Qualität von „Boston Legal“
fing bei den Ideen an, erstreckte sich über die Drehbücher, Regie,
Umsetzung und endete schließlich bei den entsprechenden Schauspielern,
die ihre Dialogzeilen auf meist so unbeschreibliche Art und Weise verwirklicht
haben, dass man es kaum noch in Worte zu fassen vermag. So ist „Boston
Legal“, bis vielleicht auf die ständigen Darstellerwechsel, als perfekt
zu bezeichnen.
So vernahm man in der letzten Staffel auch die Intention ein weiteres Spin-Off
zu schaffen. David E. Kelly hat sicher den Willen, Einfluss und die Kreativität
dazu, uns noch lang mit solch hochwertiger Fernsehrunterhaltung zu beglücken.
Aber für den Moment sind Alan und Denny und die gesamte Kanzlei „Crane, Poole & Schmidt“ ein kleines, vielleicht manchmal etwas unterschätztes, sehr wertvolles Stück Fernsehrgeschichte.
Da braucht es eigentlich nur noch zwei Worte: „Denny Crane!“
Sascha Koch
Moviesection.de
© Bildmaterial: 20th Century Fox Germany, © Text: Sascha Koch, Moviesection.de