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Special
Interview mit Schauspieler Bradley Cooper
Zur Filmkritik von "Ohne Limit"
„Ich bewege mich in einem Business der Zurückweisungen, das zu jeder Zeit sehr hart sein kann.“
Bradley Cooper auf PR-Tour in Deutschland. Wegen seines neuen Films "Ohne Limit" kam der Hollywood-Superstar nach Berlin. Moviesection.de traf Bradley Cooper am 29. März zum Interview.
Moviesection.de: „Ohne Limit“, ein spannender
Film! War das große Spannungspotential der Grund weshalb Sie die Rolle
angenommen haben?
Bradley Cooper: Nein, ich glaube der Grund war die Szene, in
der Eddie Morras das Blut trinkt. Als ich das Drehbuch gelesen habe, dachte
ich sofort: „Oh Gott, was für eine großartige Szene!“
Wenn das Publikum an dieser Stelle des Filmes lacht, funktioniert der ganze
Film nicht. Aber wenn die Zuschauer an dieser Stelle kaum fassen können,
zu was Eddie fähig ist, um seine Macht beizubehalten, dann waren wir erfolgreich.
Moviesection.de: In „Hangover“ waren Sie Teil
eines Schauspielerensembles. In „Ohne Limit“ stehen Sie als Eddie
Morras hingegen weitgehend alleine im Zentrum. Bereiten Sie sich auf eine solche
Rolle anders vor?
Bradley Cooper: Nein, eigentlich nicht. Einen Film zu drehen
ist ähnlich wie ein Rennen und es ist schön, wenn man jemand hat,
mit dem man dieses bestreiten kann. Es macht Spaß, wenn man auf dem Weg
durch den Film von jemandem Besuch bekommt und der einen für längere
Zeit begleitet. In „Ohne Limit“ musste ich zwar weite Strecken alleine
gehen, aber zum Beispiel gesellten sich auch dort andere, wie Robert De Niro,
einige Zeit zu mir. Aber es war eine andere Erfahrungen, weil es erst mal nur
mich und die Crew gab und immer mal wieder kommen andere Leute für kurze
Zeit dazu. In „Hangover“ oder in „The A-Team“ waren
wir eben immer eine große Gruppe – da ist es wie Teamsport und immer
dynamisch.
Moviesection.de: Wenn es die Droge NZT tatsächlich gebe:
Würden Sie sie probieren?
Bradley Cooper: Ja! (lacht)
Moviesection.de: Da Sie vermutlich selbst keinerlei Erfahrungen
mit Drogen haben: Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
Bradley Cooper: Gute Frage. Das war sehr schwierig, da es mir
nicht viel gebracht hat biologiewissenschaftliche Texte zu lesen oder mich mit
Ärzten zu unterhalten, um die Rolle besser zu verstehen. Also habe ich
mich auf Dinge gestützt, die nichts damit zu tun haben. Ich glaube, dass
für den Zuschauer das Fesselnde an der Droge die Tatsache ist, dass man
sich ziemlich genau vorstellen kann, welche Auswirkungen die Droge hat. Ich
habe zumindest vollkommen geglaubt, was ich gesagt und getan habe. Was so viel
bedeutet wie, dass ich die Rolle eigentlich nicht schauspielern musste.
Moviesection.de: Wie war die Zusammenarbeit mit Robert De
Niro?
Bradley Cooper: Großartig! Das war immer ein Traum von
mir. Er ist einfach unglaublich. Jeder musste sich stark auf seine Rolle in
„Ohne Limit“ vorbereiten. De Niro war mehr als gewillt eine gute
Performance abzuliefern und hat immer einhundert Prozent gegeben. Die zwei Wochen
mit ihm zusammen am Set waren wundervoll.
Moviesection.de: Haben Sie ihm gesagt, dass er einer der Gründe
ist, warum Sie die Rolle überhaupt gespielt haben?
Bradley Cooper: Nein, nein! (lacht)
Moviesection.de: Haben Sie De Niro zum ersten Mal am Set von
„Ohne Limit“ getroffen?
Bradley Cooper: Nein, ich traf ihn zum ersten Mal an meiner
Schauspielschule. Er hielt einen Vortrag und ich habe eine Frage gestellt. Für
die Tragik-Komödie „Everybody´s Fine“ (2009) hatte ich
mich dann für die Rolle beworben, die letztlich Sam Rockwell übernommen
hat. Ich habe ein Bewerbungstape hingeschickt, das De Niro auch gesehen hat.
Als wir uns trafen, fragte ich ihn, ob er sich noch daran erinnern kann, dass
wir uns vor einiger Zeit schon einmal getroffen haben. „Nein, kann ich
nicht!“, war seine prompte Antwort. (lacht)
Nun gut, als ich für „Ohne Limit“ bereits zugesagt hatte, wollten
wir Robert De Niro für die Rolle des Carl Van Loon gewinnen. Letztlich
war es mein Job in sein Hotelzimmer zu gehen, mit ihm zu sprechen und ihn dazu
zu bewegen, das Angebot anzunehmen. Das war eine verrückte Erfahrung.
Moviesection.de: Zu Beginn des Films ist Eddie ein erfolgloser
Schriftsteller, der in einer dreckigen kleinen Wohnung lebt. Haben Sie vor Ihrer
Karriere schon einmal eine ähnliche Situation selbst durchlebt?
Bradley Cooper: Eigentlich gibt es kein davor oder danach.
Ich bewege mich in einem Business der Zurückweisungen, das zu jeder Zeit
sehr hart sein kann. Ich bin jedoch sehr glücklich, da ich seit meiner
Schulzeit immer wieder schauspielern durfte. Aber es ist ein hartes Business,
bei dem man auch immer wieder mit seiner eigenen Faulheit, oder mit Aufschub
zu kämpfen hat. Und ja, natürlich, da wohnt man schon auch mal in
einer dreckigen kleinen Wohnung.
Moviesection.de: Im Film bekommt Eddie Morras das Mädchen
wieder zurück, als er erfolgreich ist. Fanden Sie das überraschend?
Bradley Cooper: Ich fand es interessant, denn ich glaube eigentlich
nicht, dass sie wegen des Erfolgs zurück kam, sondern weil sie eine tiefere
Verbindung zueinander hatten – schon bevor Eddie durch die Droge erfolgreich
wurde. Im Grunde ist er auch ein Womanizer, er könnte jede Frau haben,
aber er will es nicht.
Moviesection.de: Mit Ihrer Rolle in „Hangover“
waren Sie sehr erfolgreich und auch „Ohne Limit“ ist erfolgversprechend.
Nach welchen Kriterien suchen Sie sich Ihre Rollen heraus?
Bradley Cooper: Nach „Hangover“ gab es definitiv
einen Wechsel. Vor dem Film wollte ich eigentlich nur einen Job bekommen, um
weiter arbeiten und als Schauspieler leben zu können. Aber wenn man Teil
eines finanziell solch erfolgreichen Filmes ist, ändert sich Vieles. Das
hat bereits mit meiner Rolle des Sack Lodge in „Die Hochzeits-Crasher“
angefangen. Schließlich war es so, dass mir „Hangover“ den
Weg zu der Rolle in „Ohne Limit“ geebnet hat.
Moviesection.de: Sie haben schon früh Rollen in großen
Produktionen übernommen – zum Beispiel in J.J. Abrams´ TV-Serie
„Alias – Die Agentin“. Wie würden Sie die Erfahrungen
beschreiben, die Sie zu Beginn ihrer Karriere gesammelt haben?
Bradley Cooper: Ich habe es jetzt viel leichter. Als ich „Alias“
gemacht habe, war ich viel jünger, um die 25 Jahre. Das erste Jahr war
wundervoll, aber das zweite Jahr war grausam. In der Tat war es sehr deprimierend,
weil ich Teil eines sehr erfolgreichen Projekts war, aber ich das Gefühl
hatte, keinen wirklichen Beitrag dazu leisten zu können. Irgendwann hat
es sich wie das Ernten eines Erfolgs angefühlt, mit dem man selbst nichts
zu tun hat. Es war wirklich sehr schwierig, vor allem weil ich jung war –
ich kam nicht mal in Clubs und Frauen haben sich überhaupt nicht für
mich interessiert. Zu der Zeit waren Dinge wichtig, die es eigentlich nicht
sind. Heute bin ich 36 und weiß, dass ich mich durch solche Sachen nicht
besser fühle.
Moviesection.de: Macht einen Erfolg, Geld und Einfluss selbstbewusster?
Bradley Cooper: Interessante Frage, aber ich würde eher
fragen: „Hat es mich selbstbewusster gemacht, ein Teil von „Hangover“
zu sein?“ Die Antwort lautet definitiv: „Absolut!“. Es ist
schön, wenn Menschen das mögen was man macht. Das gilt auch für
„Ohne Limit“. Wenn die Leute den Film hassen würden, würde
mich das wirklich sehr treffen.
Moviesection.de: Hat der Erfolg Sie verändert?
Bradley Cooper: Ich glaube, dass alles einen verändern
kann. Dass ich in den vergangenen Jahren die ganzen Filme gedreht habe, mit
vielen meiner Helden zusammengearbeitet hat – diese Erfahrungen haben
alles ein wenig entmystifiziert. Mit der Zeit realisiert man immer mehr was
wichtig ist, und was nicht. Bevor ich mit Robert De Niro gearbeitet habe, war
er kein menschliches Wesen für mich, er war eine Idee. Und jetzt ist er
nicht anders als du und ich.
© Textmaterial: Kathrin Lang, Moviesection.de