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Interview mit Schauspieler Friedrich Mücke


Zur Filmkritik von "Friendship!"

„Es war so, als würde man seinen Bruder treffen.“

Auf der "Friendship!"-Kinotour sprach unsere Redakteurin Melanie Frommholz mit Nachwuchsschauspieler Friedrich Mücke über Filmpreise, das Theater und neue Projekte.

Moviesection: Herzlichen Glückwunsch zum Bayrischen Filmpreis als bester Nachwuchsdarsteller!
Friedrich Mücke: Dankeschön.

Moviesection: Man könnte seine Karriere in der Filmbranche wahrlich schlechter starten…
Friedrich Mücke: Eindeutig! Manchmal ist es schon viel zu krass, aber es ist natürlich ein gutes Gefühl.

Moviesection: Du bist zusammen mit Matthias Schweighöfer gerade auf einer großen, eng terminierten Promotour für „Friendship!“. Bricht der Erfolg gerade so ein bisschen über Dich herein oder ist das alles noch positiver Stress?
Friedrich Mücke:
Hast Du die gestrige Verleihung des Bayrischen Filmpreises schon gesehen? Gott sei dank bin ich auf der Bühne nicht umgefallen. Ich konnte nicht mehr reden und ich musste wirklich weinen, weil ich so gerührt und geehrt war. Das war sicherlich auch eine Konsequenz dieser ganzen Woche. Seit wir am Montag die Premiere gemacht haben und nun auch die ersten Kinotouren absolvieren, bekommen wir eine tolle Resonanz. In Dresden ging es ähnlich ab, wie hier in Offenburg. Damit hatte ich im Vorfeld auch nicht gerechnet. Matthias und ich sind zwar vielleicht zwei coole Typen (lacht) aber der Film hätte genauso gut auch floppen können.

Moviesection: Man kann sich auf so etwas einfach auch nicht vorbereiten…
Friedrich Mücke: Genau, da muss man dann einfach mit umgehen.

Moviesection: Die Art und Weise, wie Du zu der Rolle des Veit kamst war ja etwas abenteuerlich.
Friedrich Mücke: Ich befand mich zu der Zeit zu Dreharbeiten in Bolivien. Markus (Anmerkung der Redaktion: Markus Goller, Regisseur von „Friendship!“) rief mich aus L.A in Bolivien im Hotel an. Allein das war schon wegen der Zeitverschiebung nicht so einfach. Er sagte dann zu mir: „Nimm was auf!“ Ich darauf zum ihm: „Was soll ich denn machen?“ Markus meinte dann ich soll kreativ sein, ein Band aufnehmen und dann einfach abschicken. Unterm Ozean durch sozusagen. Ich hatte keinen Camcorder und nichts. Markus hat mir dann zwei, drei Castingszenen gemailt. Ich musste dann noch einen Spielpartner wie Matthias auftreiben. Die junge Damen, die beim Dreh die Gardarobe gemacht hat und mit der ich mich auch angefreundet habe, hat dann meinen Spielpartner gemacht. Sie konnte aber nur spanisch. Das war das Irre daran. Man hat auf dem Band dann mich gesehen, wir ich den Dialog in Deutsch spiele, mit einer spanischen Stimme aus dem Off. Den hatte ich ihr mittels Englisch vorher übersetzt. Als die Castingleute das gesehen habe, sind die einfach umgefallen vor Lachen. Das war völlig absurd. Vor allem war das Ganze in einer ganz kleinen Auflösung gedreht, man konnte es kaum gucken.

Moviesection: So bekommt man eine Rolle…
Friedrich Mücke: So kann man eine Rolle kriegen, ja (schmunzelt)

Moviesection: Der Film vermittelt sehr glaubwürdig den Eindruck, Matthias und Du seid seit Jahren die besten Freunde. Euer Zusammenspielt wirkt sehr echt. Wie war das erste Zusammentreffen?
Friedrich Mücke: So eigentlich. Lustigerweise haben wir vor eine paar Tage gesehen, dass es beim Making-Of Material vom Casting in Kiel gibt, wo es schon so ist, wie jetzt. Das ist merkwürdig, oder? Natürlich haben wir jetzt zusammen ein riesen Ding erlebt, sind nun seit über einem Jahr durch diese Zusammenarbeit wirklich auch befreundet. Aber dieser erste Moment war schon wie jetzt. Es war so, als würde man seinen Bruder treffen.

Moviesection: Liebe auf den ersten Blick…
Friedrich Mücke: Ja, genau. Absolut.

Moviesection: „Friendship!“ vermittelt den Eindruck, als hättet ihr alle mächtig Spaß gehabt. Aber natürlich steckt dahinter ja auch harte Arbeit. Wie waren denn die Dreharbeiten?
Friedrich Mücke:
Wir hatten harte Momente. Schwierige Momente waren zumindest die Szene, wo wir in den See springen. Man hatte uns eine Woche vorher schon gesagt, dass der sehr kalt ist und uns freigestellt, ob wir das machen wollen. An dem Morgen des Drehs waren wir dann da und haben den Finger reingehalten und gesagt: „Nein, das machen wir nicht.“ Wir haben uns dann aber doch dazu durchgerungen. Es war aber schon sehr hart. Der nächste Tag war dafür dann wieder unheimlich toll. Das gleicht es dann auch aus. Die Strip-Szene hat zum Beispiel so viel Spaß gemacht, dass man über die Stunden an Arbeit dann auch nicht nachdenkt.

Moviesection: Der Film hat eine ungeheure Leichtigkeit. Es wirkt nichts gestellt oder erzwungen. Hat man schon im Gefühl, wenn die letzte Klappe fällt, dass das ein guter Film geworden ist?
Friedrich Mücke: Ich habe kein Gefühl gehabt. Du vertraust dem Regisseur. Er sagt Dir irgendwann, die Szene ist im Kasten und wir beginnen die nächste. So läuft der Film ab. Wir hatten schon ein gutes Gefühl, aber viel entsteht ja auch erst danach. Mit dem Schnitt, mit der Musik…

Moviesection: Ja, die Musik war toll. Wirklich super. Zum Beispiel „Blinded by the Light“ (Anmerkung der Redaktion: von Manfred Mann's Earth Band) bei der Autoszene ist klasse.
Friedrich Mücke: Ja, das kommt gut, oder?

Moviesection: Absolut. Das sorgt echt für Gänsehaut.
Friedrich Mücke: Finde ich auch. Ich stehe ja auf diese Pianoakkorde. Das ist eine meiner absoluten Lieblingsszenen. Da hat Markus auch super Gespür beweisen, wie man das Lebensgefühl von diesen Jungs auch über die Musik transportiert. Wir sind darüber auch krass zufrieden.

Moviesection: Wie viel Friedrich steckt denn in Veit?
Friedrich Mücke: Oh, eine Menge! Gott sei dank. Ich weiß zwar auch noch nicht wo es mit mir so hingeht, welche Rollen als nächstes kommen. Aber diese ist glaube ich schon sehr nah. Wenn ich weiter drehen sollte, was ich sehr hoffe, muss ich mich natürlich in den nächsten Arbeiten beobachten.

Moviesection: Von außen betrachtet wirkt Veit seht echt.
Friedrich Mücke: Das freut mich, das ist ein schönes Kompliment. Für mich ist das Drehen ja noch ziemlich neu. Matthias bzw. seine Figur Tom führt oft Szenen, gibt vor. Ich ziehe dann so ein bisschen nach, bin ein bisschen der Stillere. Aber ich habe im Film ja auch das fundamentalere Problem, die Not sozusagen. Es steckt aber auch viel Friedrich in Tom. Aber das ist in der Rolle jetzt natürlich nicht so sichtbar.

Moviesection: Bekommt man zusätzliche Sicherheit durch ein kameraerfahrenes Team?
Friedrich Mücke: Diese Kameracrew war außerordentlich, meiner Meinung nach. Das muss ich natürlich auch ein Stück weit Matthias glauben, weil meine Erfahrungen einfach nicht so hinreichend sind. Wie zackig und still das am Set vor sich ging, wie wir als Schauspieler gehoben wurden, so als wären wir die absoluten Hollywood-Stars. Die absoluten Heroes. In Amerika, das haben wir auch in L.A. gemerkt, ist der Schauspieler der König der Stadt. Oder auch der König am Set. Wenn er die Augenbraunen runterzieht und ein grimmiges Gesicht macht, weil ihm etwas nicht passt, dann funktioniert ein Film nicht mehr. Wenn Du Schauspieler bist, ist das irre gut, weil Du nur Deine Arbeit hast. Kein Stress. Wenn es um irgendwelche Lichtprobleme geht oder der Ton nicht geht, dann bekommst Du das nicht mit. Die sind so professionell, dass Du das nicht mitbekommst. Das ist ganz entspannt. Wahnsinn.

Moviesection: Bislang hast Du überwiegend Theater gespielt zum Beispiel in Salzburg beim „Jedermann“ oder wie aktuell als Hamlet beim Münchner Volkstheater. Macht es für Dich einen Unterschied, ob Du an einer klassischen Rolle oder einer Filmfigur arbeitest?
Friedrich Mücke: Grundsätzlich würde ich sagen es ist sehr individuell. Aber ich würde schon sagen, dass ich hier anders herangegangen bin. Die Theaterarbeit unterscheidet sich einfach schon dadurch, dass man 6,5 Wochen streitet. Man probiert Szene A heute so, morgen anders und übermorgen wieder anders und dann entscheidet man sich irgendwann und vielleicht auch erst einen Tag vor der Premiere. Beim Film hat man weniger Zeit. Hier macht eine gute Vorbereitung sehr viel Sinn. Bei „Friendship!“ war aber so kurz vor knapp gecastet und final besetzt, dass trotz einer kleinen Spanne in Amerika sich die Vorbereitung aus der persönlichen Ebene heraus ergeben hat. Aber um noch einmal auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Eine klassische Rolle fühlt sich ganz anders an. Es geht hier auch viel um Räume, meiner Meinung nach. Du stehst wie bei einer Szene in „Friendship!“ auf dieser Straße wo erstmal weit und breit nichts ist. Man sieht nichts anderes im Film als zwei Jungs. Wir sehen das Team und wir spielen. Eigentlich ist das dann Publikum, aber man muss das dann ausblenden. Im Theater ist das alles viel…. Ich weiß nicht wie ich das sagen soll…

Moviesection: … man bekommt die Reaktionen direkter?...
Friedrich Mücke: Ja man erhält die Reaktionen direkter. Das bekommt man aber auch am Set, den dass ist wirklich auch Publikum. Gerade bei einer Komödie.

Moviesection: Wenn sie nicht lachen, läuft irgendwas nicht gut ….
Friedrich Mücke: Ja, aber sie dürfen natürlich so lange nicht lachen, bis es nicht heißt „cut“. Wir selbst sind ja auch häufig abgebrochen vor lachen.

Moviesection: Die Szene mit dem Klappbett….
Friedrich Mücke: Genau (lacht). Die Szene mit dem Klappbett und wie gesagt, die Szene auf der Straße. Ich glaube diese Szene haben wir ca. 16 Mal gemacht. Die Macher dachten bestimmt: „Sind die irre, das kostet Geld.“ Aber es war echt lustig.

Moviesection: Siehst Du Deine Zukunft eher beim Film als am Theater oder steht für Dich eher das jeweilige Projekt im Vordergrund, egal ob nun Kamera oder direkter Publikumskontakt?
Friedrich Mücke: Mein Ziel, meine Motivation, ist es im Moment beides nebeneinander aufzubauen. Ich kann gar nicht abschätzen wie das für das Theater aussieht. Beim Film würde ich sagen, ich träume jetzt nicht von Amerika. Ich würde gerne hier Filme drehen, die mich interessieren. Ich würde gerne beides nebeneinander haben wollen. Die Theaterarbeit kann man so richtig trinken. Da ist man viel körperlicher, dass mag ich sehr. Im Film ist alles viel, viel kleiner, aber die „Trickkiste Film“ finde ich ganz, ganz toll! Hier kann man Rollen ganz anders erzählen, viel, viel „schummeln“, das finde ich toll.

Moviesection: Quirin Berg, einer der Produzenten von „Friendship!“ bezeichnet Dich als große Nachwuchsentdeckung. Eine Einschätzung, die die Jury des Bayrischen Filmpreises teilt. Erhöht das für Dich den Druck hinsichtlich zukünftiger Projekte?
Friedrich Mücke: Absolut Ansporn! Und auch Bestätigung. Die Begründung der Jury (Anmerkung der Redaktion: Die Jury des Bayrischen Filmpreises 2009) ist schon irre, wenn man sie so liest. Ich mache mich von dem Druck frei. Geschockt bin ich nicht. Gestern hat es mich umgehauen, heute geht’s mir gut damit. Ich glaube weiterhin wird es auch so sein. Sollte es irgendwann einen nächsten Filmpreis geben, bin ich mir aber nicht sicher, ob es nicht wieder so läuft wie gestern. Ich träume davon und ich finde es toll ausgezeichnet zu werden. Muss nicht immer sein, aber wenn es dann so ist, ist es eine Wahnsinnsbestätigung.

Moviesection: Als nächstes Projekt von Dir ist „Mahler auf der Couch“ angekündigt. Kannst Du uns schon etwas dazu verraten?
Friedrich Mücke: Der Film ist abgedreht und kommt am 7. Juli in die Kinos. Ich spiele Walter Gropius, den Architekten. Es geht eigentlich um den Komponisten Gustav Mahler. Seine Frau Alma Mahler hatte ein Verhältnis mit Walter Gropius.

Moviesection: Du bist also „der andere Mann“?
Friedrich Mücke: Ich bin der andere Mann, genau (lacht). Und ich bin der Mann, der den Film zum Konflikt bringt.

Moviesection: Also ein ganz anderer Film, als jetzt „Friendship!“.
Friedrich Mücke: Eine ganz andere Figur und auch eine ganz andere Geschichte wie in „Friendship!“. Mit einem absoluten Ausnahmekameramann und einem Ausnahmeregisseur, Percy Adlon. Sehr kunstsinnige Menschen mit fast schon krankem Verhalten. Sie arbeiten wie Tiere. Der Kameramann, Benedict Neuenfels, ist wirklich der Hammer. Sein Film „Die Fälscher“ hat auch den OSCAR bekommen. Adlon und Neuenfels „fressen“ so alles. Der Hammer! Eine ganz tolle Erfahrung. Ich hatte leider nur 4 Drehtage, ich hätte gerne mehr gehabt. Ich hoffe man sieht das dem Film an. Es ist eine ganz eigene Kamerasprache. Das wird schön.

Moviesection: In Deutschland neigen wir ja dazu, Schauspieler gerne in eine Schublade zu stecken. Wenn man einmal auf „jugendlicher Liebhaber“ fixiert ist, bekommt man wahrscheinlich keine Charakterrolle mehr. Hast Du vor so etwas Angst oder machst Du Dir in dieser Hinsicht keine Gedanken?
Friedrich Mücke: Ich mache mir Gedanken darüber, aber Angst habe ich nicht davor. Man muss wissen, dass es so ist. Grundsätzlich sucht man sich ja die Stoffe aus, auf die man Lust hat. Es ist toll, wenn die Angebote auch da sind. Wenn es dann so ist, dass man in der Schublade landet, kann man ja auch damit umgehen. Vielleicht fühlt man sich damit ja auch wohl und „wumm“ dann bist Du das eben. Dann kann man auch damit zufrieden sein. Ein bisschen aufpassen muss man natürlich, wenn man vielseitig bleiben möchte.

Moviesection: Vielen Dank für ein tolles Gespräch und Deine Zeit!
Friedrich Mücke: Gerne.


© Bild- und Textmaterial: Melanie Frommholz, Moviesection.de