"Ein Schurke als Held, im Gepäck eine Armada von gelben Minions: „ICH – einfach unverbesserlich“ startet im Offenburger FORUM."

Das FORUM sieht gelb: Minions, die heimlichen Stars des Universal-Animations-Hits „Ich - einfach unverbesserlich“ entern das Offenburger Kino. Und mittendrin, ein sichtlich vergnügter Oliver Rohrbeck – die deutsche Stimme des Film-Antihelden Gru.

Am 30.09.2010 startete der Animationsfilm „Ich – einfach unverbesserlich“ im Bundesstart im Offenburger Kino FORUM und zahlreiche kleine und große Kinofans zog es in den Kinosaal 5, denn Oliver Rohrbeck, die deutsche Stimme des „Gru“ hatte sich für eine Stippvisite angekündigt. Rohrbeck, besser bekannt als Stimme von Meisterdetektiv Justus Jonas von „Die Drei ???“ wurde gespannt empfangen und nicht wenige der Filmbesucher outeten sich auch als Justus Jonas-Fans und erkannten Rohrbeck auch von seinen Synchronrollen als Grisu, dem kleinen Drachen, der unbedingt Feuerwehrmann werden will oder als Julian aus der Hörspielreihe „Fünf Freunde“. Oliver Rohrbeck gab gleich zu Beginn eine kleine Auswahl seiner Rollen zum Besten, wobei das Publikum natürlich besonders auf den „Gru“ gespannt war. Nach eine kleinen Verlosung, bei der es als Hauptgewinn eine coole Justus Jonas –Anrufbeantworter-Ansage zu gewinnen gab, ging es dann schon los mit „Ich – einfach unverbesserlich“.

Moviesection.de traf Oliver Rohrbeck vor dem Film und plauderte mit der deutschen Stimme von Ben Stiller über Rollenvorbereitung, Studioarbeit und „Die Drei ???“.






Oliver Rohrbeck mit Melanie Frommholz

„Es ist schön, wenn mir die Leute erzählen, wie sie mit meiner Stimme aufgewachsen sind, oder damit einschlafen.“

Im Moviesection.de-Interview: Der überzeugende Synchronsprecher Oliver Rohrbeck, der unter anderem Hollywoodstar Ben Stiller spricht.

Moviesection.de: Herr Rohrbeck, Sie arbeiten seit Kindertagen als Synchronsprecher...
Oliver Rohrbeck: Ich habe, glaube ich, bald 40jähirges Dienstjubiläum. (lacht)

Moviesection.de: Wie bereiten Sie sich auf eine Sprechrolle wie den „Gru“ aus „Ich –Einfach unverbesserlich“ vor? Ist das einfach Routine?
Oliver Rohrbeck: Es gibt natürlich Routineaufträge. Wenn ich beispielsweise kurzfristig angerufen werde, um eine kleine Episodenrolle in einer TV-Serie zu übernehmen, dann gehe ich auch schon einmal einfach so ins Studio. Bei einem so großen Kinofilm wie „Ich- einfach unverbesserlich“, wo es um eine Hauptrolle geht, bekomme ich den Film vorher gezeigt. Natürlich ist das nur eine Arbeitskopie, die bei weitem nicht diese schöne Kinoqualität hat, aber man bekommt schon einen sehr guten Eindruck. Dann geht’s ins Studio und man arbeitet sich Take für Take voran. Dort sind dann auch ein guter Regisseur und eine gute Cutterin. Man nimmt seine Rolle allein auf. Das hat einerseits technische Gründe, weil man die Tonspuren für das Dolby Surround einzeln benötigt. Zum anderen ist es auch schauspielerisch schöner. Wenn ich zum Beispiel eine Szene habe, in der ich sehr ängstlich, wütend, traurig, verliebt oder sonst wie emotional sein muss, dann führt der Regisseur mich genau dort auf diesen Punkt hin – ohne den Regisseur und dessen Motivation geht es wirklich nicht. Verquatscht sich einer der anderen Sprecher in so einer Szenen müsste ich mich wieder und wieder neu zu diesem Punkt hinarbeiten, die Emotionen neu abrufen. Umgekehrt gilt das natürlich genauso.

Moviesection.de: Also kann man schon sagen, dass man sich auf eine Synchronrolle genau so vorbereitet wie ein „normaler“ Schauspieler auf eine Filmrolle. Oder orientieren Sie sich bei solchen Arbeiten für Animations- bzw. Zeichentrickfilme, an der Synchronisation des Originals?
Oliver Rohrbeck: Wir orientieren uns genau an der Originalfassung. Die Filmemacher, die Produzenten, der Regisseur haben das Konzept oftmals jahrelang entwickelt. Auch einen Schauspieler besetzt, der sich zu der Rolle dann noch einmal Gedanken gemacht hat. Dieser wird dann bei der Arbeit gefilmt, es werden sogar dessen Bewegungsabläufe und seine Mimik in die Animation aufgenommen. Wir wollen das natürlich genau so wiedergeben. Das ist anders, als das zum Beispiel noch bei den Synchronisationen der Fall war, die es in den 1980er Jahren gab. Wo man vom Original völlig weg ging, wie bei „Die Zwei“ oder den Terence Hill/Bud Spencer-Filmen. So etwas gibt es heute gar nicht mehr. Ich führe gerne Diskussionen mit Cineasten, die sagen, Synchronisation geht gar nicht. Natürlich ist es synchronisiert nicht das Original, aber es sind oft Kunstwerke und Filme, die so für ein breites Publikum zugänglich gemacht werden. Ein Publikum, das die Filme mit Untertiteln nicht sehen würde. Das gilt für Blockbuster wie „Ich – einfach unverbesserlich“ aber auch für Kunstfilme. „Die fabelhafte Welt der Amelie“ hätte nie einen solchen Erfolg gehabt, wenn er nicht synchronisiert gewesen wäre. Es ist doch schön, wenn ich im Film auch die Durchsage durch den Krankenhauslautsprecher verstehe, um so die ganze Atmosphäre eines Films einatmen zu können, und nicht nur die Sätze des Hauptdarstellers. Wir machen im Kinobereich heute eine sehr sorgfältige Synchronisation, die bis auf den letzten Rülpser, bis auf das letzte Atmen genau ist.
Bei einem Animationsfilm hat man natürlich etwas mehr Freiraum, weil auch die Figuren überspitzter sind, als in einem realen Film. Wenn ich Ben Stiller synchronisiere ist das komplett am Original, bei „Gru“ konnte ich schon die komödiantischere Seite mehr ausleben. Der Akzent ist übrigens genauso wie im Original. Ich wage sogar zu behaupten, dass wir noch osteuropäischer sind als das Original, da die Amerikaner traditionell mit anderen Sprachakzenten immer etwas Probleme haben.

Moviesection.de: Deutschland hat in Sachen Synchronarbeit ein sehr hohes Level.
Oliver Rohrbeck: Im Kinobereich, ja. Im Fernsehbereich sehe ich das etwas kritischer.

Moviesection.de: In Hollywood übernehmen häufig Schauspielstars oder auch Musiker die Synchronisation von Animationsfilmen. Nicht zuletzt um mit ihren Namen den Film zu bewerben. Auch bei uns ist ein Trend in diese Richtung abzulesen. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?
Oliver Rohrbeck: Ich finde es immer schade, wenn ein Film oder eine Rolle an Ausstrahlung verliert, weil man einen „großen Namen“ nehmen wollte. Bei „Arthur und die Minimoys“, wo ich selber auch mitgesprochen habe, fand ich Bill Kaulitz nicht gut. Das muss ich leider sagen. Im Fall von „Ich – einfach unverbesserlich“ hat es mit Jan Delay gut geklappt. Ihn hat man, genau wie mich, im Vorfeld gecastet und festgestellt, dass er das sehr gut macht und auch gut zum Original passt.
Wenn ich an meine erste Synchronrolle 1972 denke, das war „Pinocchio“, da haben auch Harald Juhnke oder Georg Thomalla gesprochen. Auch deutsche Stars, aber alles auch Schauspieler. Eben nicht Rex Gildo.

Moviesection.de: Hilft Ihnen Ihre Ausbildung als Schauspieler und Ihre Bühnenerfahrung doch entscheidend bei der Synchronarbeit?
Oliver Rohrbeck: In diesem Beruf arbeiten eigentlich nur Schauspieler. Hier kommen wir wieder auf die Vorbereitung für eine Rolle zurück. Man muss das alles genau nachspielen, obwohl man nur mit der Stimme arbeitet. Ich muss vor dem Mirko eben auch so tun als ob ich renne, wenn ich eine Verfolgungsszene habe. Bei der Synchronisation von Realfilmen wird daher im Normalfall auch nur mit Schauspielerin gearbeitet. Es ist wie beim Sport (lacht). Es macht ja auch nicht jeder alle Disziplinen und kann Schwimmer und Fußballer sein. Der eine ist besser vor der Kamera, der andere bei der Synchronisation. Ich bekomme im Hörspielbereich viele Anfragen, ob „man mal vorbei kommen kann. Der Taxifahrer hätte gesagt, man habe eine gute Stimme“ (grinst). Ich sage dann immer: „Gerne, wenn Sie mit Ihrer Schauspielausbildung fertig sind.“

Moviesection.de: Stört es Sie, dass die Synchronisations-Arbeit selten umfänglich gewürdigt wird und nicht so die Öffentlichkeit hat. Obwohl sie doch für einen Film entscheidend ist?
Oliver Rohrbeck: Eigentlich nicht. Man weiß ja, worauf man sich einlässt. Ich finde es gerade reizvoll, dass man an vielen, vielen sehr bekannten und internationalen Produktionen teilhaben kann und darf. Viele davon könnten in Deutschland gar nicht umgesetzt werden. Ich kann mit meiner schauspielerischen Leistung in solchen Produktionen mitmachen. Ich kann sogar viele machen und jede Woche einen anderen Film. Das finde ich auch sehr reizvoll. Natürlich darf ich als Synchronsprecher aber nicht mein Ego hineinbringen und denken, ich will die Rolle jetzt komplett verändern. Ich muss mich in den Dienst der Sache stellen. Hinter den Kulissen zu arbeiten ist genauso schön. Wenn man wie ich seine Arbeit gerne macht und von ihr ausgefüllt wird, dann sollte das auch eigentlich kein Problem sein (schmunzelt).

Moviesection.de: Seit 1998 sind Sie die deutsche Stimme von Ben Stiller und haben auch noch andere große Namen synchronisiert. Hat man es geschafft, wenn man die „Stimme von...“ ist?
Oliver Rohrbeck: Man hat nie die Sicherheit, dass man das auch bleibt. Es kann immer ein neuer Produzent kommen, der ein neues Probesprechen möchte und dem eine andere Stimme dann besser gefällt. Natürlich kann man darauf hinweisen, dass die Leute eine bestimmte Stimme erwarten, weil sie diese schon fest im Ohr haben und irritiert sind, wenn die Stimme nicht kommt. Aber man hat keine Garantie und keinen Vertrag darüber, dass man immer die Stimme bleibt. „Geschafft“ im Sinne von ausgesorgt kann man auch nicht sagen, da Ben Stiller auch nur um die drei Filme im Jahr schafft wenn er gut ist und von drei Filmen kann ich nicht leben (lacht). Ich muss daher schon auch andere Sachen machen.

Moviesection.de: Wenn man einem Schauspieler immer wieder seine Stimme leiht, orientiert man sich dann noch an der jeweiligen Rolle im Film oder doch eher am Schauspieler?
Oliver Rohrbeck: Ich orientiere mich immer an der Rolle! Ben Stiller hat ja auch ganz unterschiedliche Filme gemacht. Oft ist er ja der Sonderling, der am Ende die schönste Frau der Welt abbekommt. Aber er hatte auch andere Projekte. Man versucht immer die Stimme der Rolle zu sprechen, in die Rolle reinzurutschen und damit verändert sich dann auch die Stimme an sich. Ich verstelle meine Stimme nicht.

Moviesection.de: Für Millionen deutscher Kinder sind Sie Justus Jonas aus „Die Drei ???“ Inwieweit hat diese Rolle Sie und Ihre Arbeit geprägt? Ist das Ihr „Stempel“?
Oliver Rohrbeck: Das ist sogar ein schwerer Stempel (lacht). Obwohl es die Rolle ist, die mich zwar zeitlich am längsten begleitet, aber am wenigsten beschäftigt hat. Wir machen sechs Mal im Jahr Aufzeichnungen für „Die Drei ???“. Nach wie vor. Das ist vom Zeitaufwand her das Geringste, aber es ist natürlich die Rolle, die am meisten nach außen strahlt und jetzt durch die Liveauftritte mit dem Hörspiel auch immer größer wird. Man muss im Gegenteil schon schauen, dass man nicht nur auf eine Rolle reduziert wird und die Leute auch sehen, dass man noch andere Dinge tut.

Moviesection.de: Sie haben in einem Interview einmal erzählt, dass sie anfangs auch nicht öffentlich in Erscheinung treten durften, damit Justus nicht Ihr Gesicht bekommt? Ist das korrekt?
Oliver Rohrbeck: Wir wollten nicht in Erscheinung treten! Wir wollten nicht, dass die Leute sich unsere Gesichter vorstellen, wenn sie das Hörspiel hören. Das faszinierende am Hörspiel ist ja, dass jeder in diese Welt eintauchen und sich ein eigenes Bild machen kann. Man bekommt, anders als beim Film, nicht alles vorgegeben, sondern schaltet die Fantasie und den Geist ein. Das war uns sehr wichtig. 2002 haben wir dann die erste Tour gemacht, da war dann aber schon klar, dass wir die Rolle altersmäßig nicht mehr sein können.

Moviesection.de: Sie hatten auch einen kleinen Auftritt im ersten Kinoabenteuer der „Drei ???“. Wie war da für Sie?
Oliver Rohrbeck: Witzig (lacht). Wir hatten das vorher nicht besprochen. Ich war nach Südafrika ans Set eingeladen worden und als ich mit meiner Tochter dann vor Ort ankam, fragte der Regisseur Florian Baxmeyer, ob ich nicht im Film einen ganz kleinen Auftritt machen möchte. Ich fand das eine schöne Idee, auch um den Fans zu zeigen, dass wir zu dem Thema stehen. Es war witzig, dass ich Justus im Film begrüße.

Moviesection.de: Mögen Sie die Verfilmungen?
Oliver Rohrbeck: Es ist eine Möglichkeit das bildlich umzusetzen. Es gab natürlich Probleme „ein Aussehen“ für die Hörspiele zu finden. Den ersten Film fand ich nicht schlecht, den zweiten dann aber nicht mehr so gelungen. Er war mir von der Umsetzung der Geschichte her zu überdreht. Die „Drei ???“-Welt der Filme ist eine andere als unsere in den Hörspielen. Das hat sich deutlich gezeigt und damit waren wir auch sehr zufrieden. Wir finden unsere zeitlose Welt ist gut. Wenn das im Film anders gelöst wird, ist das eine Möglichkeit, aber eben nicht die einzige.

Moviesection.de: Welcher Person bzw. bei welchem Projekt würden Sie noch gerne Ihre Stimme leihen? Haben Sie noch bestimmte Ziele?
Oliver Rohrbeck: Eigentlich nicht. Ich habe mich über die Rolle in „Ich – einfach unverbesserlich“ sehr gefreut, weil es ein großartiger und unterhaltsamer Film ist. Für mich ist er ein Highlight in meiner Synchronarbeit. Aber auch ein Highlight in der Animationsfilmwelt. Ich sehe bei anderen Filmen, die auf den Markt kommen, dass das immer sehr flauschige, kuschelige Tiergeschichten sind. Meistens auch kitschig umgesetzt. Das ist hier alles nicht der Fall. Ich habe mich gefreut, dass ich bei einem Film dabei sein darf, der da er doch ein Stück weit anders ist, makaberer und witzig und ungewöhnlich.

Moviesection.de: Freuen Sie sich, dass Sie auf einer Kinotour wie dieser auch einmal die direkten Reaktionen der Zuschauer erleben?
Oliver Rohrbeck: Ich freue mich immer, wenn ich mein Publikum direkt treffe und trete gerne mit ihm in Kontakt. Es ist schön, wenn mir die Leute erzählen, wie sie mit meiner Stimme aufgewachsen sind, oder damit einschlafen. Ich freue mich darüber sehr.

Moviesection.de: : Herr Rohrbeck, vielen Dank für ein interessantes Gespräch.
Oliver Rohrbeck: Sehr gerne!

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