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Kathrin Lang

Name: Kathrin Lang
Jahrgang: 1985
Position: (Ehemaligs) Leitende Redakteurin
Bereich: Kino / DVD, Biographien
Bevorzugte Genres: Bio-Pic, Drama, Komödie, Psycho-Thriller, Love-Story, Tragik-Komödie


Moviesection.de-Interview mit 'Kathrin'

Du als Sneak-Gängerin: Gibt es dem Filmgenuss einen Abbruch, wenn man nicht weiss, was kommt?
Nein überhaupt nicht. Ich finde es ganz wunderbar in die Sneak zu gehen und mich von dem überraschen zu lassen was da auf mich zukommt. Ich liebe den Moment in dem der Vorspann gezeigt wird und man grübelnd dasitzt und überlegt, was nun gleich auf der Leinwand erscheinen wird. Ist es ein toller Film, dann freut man sich. Ist es ein schlechter Film, so ist es immerhin ein „kollektives Scheißefinden“ (dieser Ausdruck ist einfach herrlich passend!), was die Sache wieder erträglicher und meistens sogar sehr lustig macht.

Du hast „Brokeback Mountain“ mit vier von fünf Punkten bewertet. Was hat dich gestört?
„Brokeback Mountain“ erzählt eine wunderbare Geschichte über eine große Liebe, die jedoch zu der damaligen Zeit unter tragischen Umständen keine Chance hatte. Alles in allem handelt es sich um einen wunderschönen Film, der leider nur etwas zu lange geraten ist und dadurch viel an seiner tollen Atmosphäre einbüßen musste. Auch der Schluss lag mir persönlich nicht. Wahrscheinlich weil die tatsächlichen Umstände, unter denen homosexuelle Pärchen damals zu leiden hatten, für mich aus heutiger Sicht nicht mehr ganz nachvollziehbar sind.

Du magst Filme die “nah an der Realität” sind. Ist es nicht gerade der Sinn der Sache, der Realität im Kino für zwei Stunden zu entfliehen?
Nein, darin liegt für mich nicht unbedingt der Sinn der Sache. In erster Linie will ich im Kino unterhalten werden. Was die Frage aufwirft was gute Unterhaltung für mich ausmacht. Unterhalten fühle ich mich, wenn mich ein Film packt, mitreißt und berührt. Eine Komödie muss mich zum Lachen bringen, ein Drama zu Tränen rühren und ein Horrorfilm soll mich das Fürchten lehren. Ein solch empathisches Verhalten im Kinosessel kann meines Erachtens am Besten dann stattfinden, wenn ich mich mit dem, was auf der Leinwand passiert, auf die eine oder andere Weise identifizieren kann. Damit Identifikation möglich ist, muss der Film aus dem großen Erfahrungspool der „Realität“ schöpfen. Daher wohl auch mein prinzipielles Desinteresse an Science-Fiction-Kino. Das Einfühlen in kleine grüne Männchen fällt mir schwer, genauso wie ich mir ein Leben im Weltall oder als Superheld nicht vorstellen kann. Es berührt mich nicht, da es, zumindest in meinem Horizont, schlicht unrealistisch ist.

Welchen Einfluss wird die Globalisierung zukünftig auf die Filmindustrie haben?
Es ist wohl schon heute so, dass vorrangig die kleinen Filmindustrien unter der Globalisierung leiden. Wer Geld und Mittel hat, der hat die Macht und überflutet die Welt mit seinen Produktionen. Die meisten Produktionsfirmen, Verleiher, Kinobetreiber (…) haben Angst vor dem „kleinen“ Film, da er an der Kinokasse mit dem großen Blockbuster nicht mithalten könnte. So kommt es, dass zahlreiche Filme erst gar nicht in Produktion gehen, da die Filmförderveranstalten von vorneherein den Geldharn zudrehen – aus Angst, Sorge und vermutlich auch aus Feigheit. So bleibt kaum mehr Platz für Experimente, da das konventionelle Kino für alle Beteiligten der sichere Weg ist.

Nach welchen Kriterien bewertest Du Dokumentationen?
Bei Dokumentationen ist mir in erster Linie der Informationsfluss wichtig. Eine Doku schaue ich, weil ich mich für ein bestimmtes Thema interessiere und mehr darüber erfahren möchte. Hauptsächlich sollten die Informationen wohl neu sein und zudem möglichst reflektiert. Dokumentarregisseure gehen an diese Aufgabe sehr unterschiedlich heran, weshalb es nun schwierig wird weitere einheitliche Kriterien aufzuzählen. Während die klassische Doku ebenso viel Text wie Bild liefert und meist sehr objektiv bleibt, gibt es auch experimentellere Ansätze - Etwa Dokumentationen, die nur wiedergeben was das Kameraauge oder das Mikrofon aufnehmen kann und auf einen Kommentar unter Umständen gänzlich verzichten. Wichtig, egal bei welcher Herangehensweise, erscheint mir, dass man als Zuschauer einen Mehrgewinn an Wissen für sich mitnehmen kann und von dem Thema begeistert wurde. Man sollte hinterher unbedingt das Gefühl haben dem Thema, dem sich der Regisseur gewidmet hat, näher/nahe gekommen zu sein.

Gibt es einen Film, in dem Du gerne selber mal die Hauptrolle spielen würdest und warum?
Ach, da fallen mir so einige ein: Ich wäre gerne an Kate Winslets Stelle in „Titanic“ gewesen oder an Cate Blanchetts in „Der seltsame Fall des Benjamin Button“. Leonardo DiCaprio und Brad Pitt an meiner Seite, hätten mir bestimmt gut gestanden ;-)

Was unterscheidet, Deiner Meinung nach, den neuen deutschen Film von einem amerikanischen Hollywood Blockbuster?
Für mich ist einer der markantsten Unterschiede, dass die deutschen Filme oftmals sehr viel näher an der Realität dran sind, als so manch abgesponnenen Hollywoodproduktion. Ich mag Filme die eine Geschichte erzählen, die so scheint als wäre sie direkt aus dem Leben gegriffen. Solche Filme findet man in der deutschen Abteilung sehr häufig. Aber auch die Tatsache, dass es sich eben um das Heimatland handelt spielt für mich eine große Rolle. Der deutsche Film gibt sich unglaublich viel Mühe und es gibt in unserem Land zahlreiche talentierte Schauspieler und Regisseure, die nicht selten auch gute Filme produzieren. Ich finde diese Tatsache sehr unterstützenswert – vor allem als deutscher Bürger.

Hat sich Dein Filmgeschmack über die Jahre entscheidend verändert?
Entscheidend verändert hat sich mein Filmgeschmack glaube ich nicht, doch merke ich durchaus, dass ich nach all den Jahren als „Filmfreund“ anspruchsvoller geworden bin. Wer über Jahre hinweg wöchentlich mindestens einen Film anschaut, der setzt schon bald höhere Maßstäbe an und ist von vorneherein viel kritischer. Außerdem eröffnen sich einem durch die enorme Flut an Filmen auch ständig neue Ecken und Winkel, die man bislang noch nicht für sich entdeckt hat. Schnell stellt man fest, dass es eigentlich in jedem Genre gute Filme zu finden gibt. Von daher würde ich sagen: Mein Filmgeschmack ist heute breiter gefächert als noch vor einigen Jahren.

Glaubst Du, dass auch Sandra Bullock irgendwann das Schicksal aller alternden Schauspielerinnen in Hollywood ereilen wird, die keine guten Rollen mehr bekommen?
Ich glaube leider nicht, dass wir in diesem Zusammenhang noch von „irgendwann“ sprechen müssen. Zwar ist die gute Sandra noch immer regelmäßig, und zumeist auch in guten Rollen in unseren Kinos zu sehen, doch immer häufiger produziert sie die Filme, in denen sie die Hauptrolle innehat, selbst. Das ist leider kein gutes Zeichen. Solange ihr das Geld nicht ausgeht, macht ich mir aber vorerst keine all zu großen Sorgen über ihre weitere Karriere. Problematisch dürfte es erst dann werden, wenn sie eines Tages tatsächlich zu alt geworden ist, um noch in einer romantischen Komödie agieren zu können. Bis dahin dürfte allerdings noch das ein oder andere Jährchen vergehen.

Du hast die meisten Walt Disney Filme geschrieben. Hat sich deine Sicht auf die Filme im Laufe der Jahre geändert?
Ich finde nach wie vor, dass Walt Disney mit die schönsten Kinderfilme aller Zeiten produziert hat. Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, dann erinnere ich mich noch gut daran, wie fasziniert ich vor dem Fernseher saß und mit den liebevoll gezeichneten Figuren mitgefiebert, -gelitten und –gefühlt habe. Heute kann ich die Walt Disney-Filme leider nicht mehr mit Kinderaugen wahrnehmen, glaube aber nach wie vor daran, dass Disney (gerade zu Zeichentrickzeiten) ganz großes Kino für kleine Filmfreunde gemacht hat.

Diskutierst du gern nach dem Kino die Filme?
Prinzipiell schon. Wenn ich allerdings nach dem Kinogang eine Kritik schreiben muss, festige ich gerne zunächst mein eigenes Bild von dem Film, bevor ich mir fremde Meinungen darüber einhole.

“Der Herr der Ringe“ wird oft mit „Harry Potter“ verglichen. Was ist für Dich die eindrucksvollere Fantasygeschichte? Warum?
Bislang hat mich noch keine „Harry Potter“-Verfilmung gänzlich vom Hocker gehauen. Ganz anders bei der „Herr der Ringe“-Trilogie, die schlicht fantastisch war. Die beiden zu vergleichen kommt mir dabei eigentlich nicht in den Sinn. Sicher ist nur, dass Peter Jackson mit „Der Herr der Ringe“ etwas gelungen ist, das eigentlich nie gelingt: Eine Buchverfilmung glänzte in hellem Schein auf der Leinwand! Ob wir so was noch einmal erleben dürfen?

Ein Schauspieler/eine Schauspielerin, die Dir in letzter Zeit sehr auf der Leinwand fehlt ist?
Kirsten Dunst könnte sich mal wieder blicken lassen. Seit „Elizabethtown“ bin ich ihr absolut verfallen!



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