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Special
Interview mit Peter Timm und Guido Hammesfahr
Trotz strahlendem Sonnenschein und Muttertag war der Kinosaal 1 im Offenburger FORUM am 08.05.2011 gut gefüllt bei der Baden-Württemberg-Premiere zu „Löwenzahn – Das Kinoabenteuer“. Bereits vor Filmbeginn konnten sich die Kinder im Eingangsbereich des Kinos schminken lassen, Bilder malen und an einem Quiz teilnehmen. Die erfolgreiche Wissenssendung für unsere Kleinen hat mit dem Film den Sprung auf die große Leinwand gewagt und Hauptdarsteller Guido Hammesfahr alias Fritz Fuchs und Regisseur Peter Timm hatten es sich nicht nehmen lassen die kleinen und großen „Löwenzahn“-Fans persönlich auf den Film einzustimmen und nach dem Abspann die zahlreichen Fragen zu beantworten. Mit Moviesection.de plauderten sie über Ferkel, Illusionen und Filmkonzepte.
Zur Filmkritik von "Löwenzahn"
„Wenn man für Kinder arbeitet, muss man sehr authentisch sein. Sie sind gnadenlose Kritiker.“
Moviesection.de: 2010 wurde die TV-Serie „Löwenzahn“
30 Jahre alt. War damit der Zeitpunkt gekommen auch die Kinoleinwand zu erobern
und neuen Wind in das Format zu bringen? Wie kam es zu der Filmidee?
Guido Hammesfahr: Ansatzweise hing die Filmidee natürlich
auch mit dem Jubiläum zusammen. So ein Projekt benötigt aber eine
gewisse Sorgfalt. Die Zeitplanung ist dann nicht ganz aufgegangen. Da wir hier
nichts übers Knie brechen und einen guten Film machen wollten, startet
dieser nun erst 2011. Die Idee freilich ist schon älter.
Peter Timm: Die Filmidee wurde zwischendurch auch wieder verworfen.
Es galt hier viele Fragen zu beantworten. Haben wir die richtige Geschichte?
Ist diese fürs Kino nicht zu schwierig umzusetzen? Ist es nicht zu sehr
Serie, die man nun nur ins Kino bringen will? Und, und, und...
Moviesection.de: Haben Sie beide auch am Konzept mitgearbeitet?
Guido Hammesfahr: Ich war zu Beginn dabei. Bevor Peter Timm
einstieg habe ich mich schon damit auseinandergesetzt. Es ist jedoch in der
Entwicklungsphase nicht so gut, wenn zu viele Leute mitsprechen. Peter hatte
schon sehr klare Vorstellungen und ich hatte nebenbei ja auch immer noch die
Arbeit für die Serie, die viel Energie kostet. Ich habe gemerkt, dass es
mit Peter in die richtige Richtung läuft. Er hat dann das Ruder übernommen,
hatte aber auch immer für Ideen ein offenes Ohr. Wir haben uns sehr gut
ergänzt.
Peter Timm: Wir haben an einem Strang gezogen.
Moviesection.de: „Löwenzahn“ ist eine Kindersendung,
die wie „Die Sendung mit der Maus“ auch viele Fans im Erwachsenenalter
hat. Hat das für das Filmkonzept eine Rolle gespielt?
Peter Timm: Die Älteren sind mit Peter Lustig aufgewachsen.
Für sie war er wie ein Opa, der unterhaltsam und verständlich Wissen
vermittelt hat. Die heutigen Kinder kennen nur Fritz Fuchs. Wir holen beide
Generationen ab wo sie stehen.
Guido Hammesfahr: Es ist bei dem Konzept für solch einen
Film immer die Frage: „Wie gehe ich heran?“ „Löwenzahn
- Das Kinoabenteuer“ ist ein eigenständiger Abenteuerfilm. Es gibt
keine typische Wissensvermittlung wie in der Serie, sondern die Figuren kommen
durch besondere Umstände in diese Verkettung von Abenteuern. Die Charaktere
der Fernsehsendung spielen aber mit. Im Gegensatz zu Formaten wie „Die
Sendung mit der Maus“ oder „Willi will’s wissen“ wird
aber auch in der Serie bereits pro Folge immer eine kleine Geschichte erzählt
und nicht nur zu einem Thema moderiert. Die Kinder merken sich auf diese Weise
viel nachhaltiger, was sie erklärt bekommen haben. Der Kinofilm will weniger
Wissen vermitteln. Wir verraten auch etwas von der Kindheit von Fritz Fuchs.
Zum Beispiel, warum er so ein wenig eigenbrötlerisch ist. Und warum er
lieber mit einem Hund zusammen lebt.
Peter Timm: Wir nutzen aber den Hintergrund von Fritz Fuchs,
also dass er ein vielseitig interessierter, naturwissenschaftlich begabter und
wissbegieriger Mensch ist, für die Geschichte. Er bastelt sich zum Beispiel
in einer Szene aus den vorhandenen Dingen einen Flaschenzug.
Moviesection.de: Der Ansatz der TV-Serie wird also nicht
ganz außen vor gelassen?
Peter Timm: Genau. Wir brauchen den schlauen Fritz Fuchs, um
die Handlung voranzutreiben. Er findet dann in der zweiten Hauptdarstellerin
Leila sein weibliches Pendant in einer anderen Generation.
Moviesection.de: Wie lange haben die Dreharbeiten gedauert?
Guido Hammesfahr: Knapp zweieinhalb Monate.
Moviesection.de: Es ist doch ein kleiner Unterschied, ob
man eine 25 Minuten „Löwenzahn“-Folge dreht oder einen ganzen
Film. Wie waren die Dreharbeiten für Sie?
Guido Hammesfahr: Es war eine ganz andere Art von Herausforderung.
Sehr einfach ausgedrückt: Bei der Serie habe ich mehr Text, beim Film mehr
blaue Flecken (lacht). Ganz so einfach war es dann natürlich doch nicht.
Kino ist größer. Wenn man für Kinder arbeitet, muss man sehr
authentisch sein. Es braucht einen Kapitän, der sagt: „Das ist zu
viel“. Hier habe ich Peter Timm voll vertraut und bin auch nicht enttäuscht
worden. Natürlich war ich im Vorfeld aufgeregt. Ich hatte vorher noch nie
etwas fürs Kino gemacht und hatte viel Respekt. Es war für mich alles
ein Abenteuer. Zum Beispiel haben wir in den Bergen gedreht, wo über Nacht
plötzlich Schnee lag….
Peter Timm: ...und wir nicht wussten, hält er oder nicht.
Können wir nun eine Schneeszene planen oder nicht. Wir hatten auch nicht
die Zeit alle Einstellungsgrößen zu probieren und mussten uns im
Vorfeld immer schon für eine Größe entscheiden. Auch wegen der
Kinderarbeitszeiten gab es klare Vorgaben. Die Kinder dürfen ja nicht länger
als 5 Stunden eingesetzt werden. Hier zählt die Zeit für Hin- und
Rückweg zum und vom Set aber schon mit. Man hat bei solch einem Projekt
mit vielen unvorhergesehenen Widrigkeiten zu kämpfen.
Moviesection.de: Gerade die Flugszenen am Anfang des Filmes
sind sehr rasant. Sind Sie das alles selbst geflogen Herr Hammesfahr?
Guide Hammesfahr: Nein. Ich habe das Fliegen zwar vor Drehbeginn
richtig gelernt und auch die Starts klappten recht gut, nur das mit der sauberen
Landung war so eine Sache (lacht). Es heißt nicht umsonst: Es ist noch
kein Meister vom Himmel gefallen. Wir haben hier überwiegend Stuntleute
im Einsatz gehabt. Ich hing aber oft an einem Kran in gut 60 Meter Höhe,
damit die Nahaufnahmen gedreht werden konnten.
Peter Timm: Das ist Kino. Wir haben die Szenen vor dem Green
Screen gedreht und hinterher den Hintergrund wie den Himmel oder Schluchten
dazumontiert.
Guido Hammesfahr: Es ist wie bei einem Magier. Wenn man genau
weiß wie die Tricks gehen, hat man dafür nur ein müdes Lächeln.
Aber unsere Aufgabe war die Illusion und für die habe ich alles gegeben,
damit es so authentisch wie möglich wirkt.
Moviesection.de: In Zeiten von Pisa-Studie und Fremdsprachenunterricht
bereits in der Grundschule, darf da „Löwenzahn - Das Kinoabenteuer“
einfach „nur“ Unterhaltung sein?
Guido Hammesfahr: Ich finde es ist eine wunderbare Ergänzung.
Es ist prima, dass man den Film sehen kann, ohne die Serie zu kennen. Man kann
den Kinofilm aber auch als Ergänzung verstehen. Wir bieten Unterhaltung
und Wissen an. Ich bin sehr glücklich mit dieser Kombination. Der Kinofilm
hat im Gegenteil eher Folgen für die Serie gehabt. Die Redaktion hat gesehen,
wie spannend der Film ist und die neuen Episoden gehen nun auch schon mehr in
eine Ermittlerrichtung. Insofern hat das Projekt gute Impulse gegeben.
Peter Timm: Der Film ist spannende Unterhaltung. Was nicht
so einfach ist. Die Kinder sollen ja dran bleiben.
Moviesection.de: Ist das für Sie ein guter Kinder-Kinofilm?
Wenn es spannend bis zum Ende bleibt.
Peter Timm: Bei diesem Genre ja. Wenn es um Abenteuer geht
und wie hier um eine Schatzsuche und den Kampf gegen fiese Typen. Wir handeln
hier mit Emotionen. Der Film ist sehr emotional und bezieht daraus seine Spannung
und Kurzweiligkeit. Die Kinder können hier mit ihren Lieblingsfiguren mitbangen
und mitfiebern. Das ist Abenteuer!
Moviesection.de: Ein erster Blick in den Film zeigt, er hat
Atmosphäre und ein gutes Tempo…
Peter Timm: Genau das finde ich unglaublich wichtig. Wenn ein
Film gut ist, dann muss man innerhalb weniger Szenen den Sinn verstehen können.
Das muss der Film aushalten. Ich glaube, dass ein guter Film immer so aufgebaut
sein muss, dass jede Szene einen Sinn hat, auch wenn man sie losgelöst
sieht.
Moviesection.de: In jedem Fall geht es hier Schlag auf Schlag…
Guido Hammesfahr: … und es nimmt auch kein Ende (lacht).
Das geht so bis zum Finale. Es gibt keine Sekunde zum Ausruhen. Das Tolle daran
ist, dass man nicht bemerkt, dass 92 Minuten vergehen. Es ist eine gefühlte
Dreiviertelstunde.
Moviesection.de: Haben Sie bereits Reaktionen von den kleinen
„Löwenzahn“-Fans auf das Kinoabenteuer?
Guido Hammesfahr: Ich hatte gestern zwei schöne Erlebnisse
im Kino. Zwei siebenjährige Mädchen unterhalten sich und die eine
sagt zur anderen: „Du, ich glaube das war der beste Film, den ich in meinem
ganzen Leben gesehen habe.“ Es ist schon spitze, wenn man so etwas hört.
Ein anderes Beispiel gab es an der Kasse, wo ein kleiner Junge zu seinem Vater
sagt. „Papa, ich will den Film nochmal sehen, aber jetzt sofort!“
Ich glaube, dann hat man mit einem Film nicht alles falsch gemacht (schmunzelt).
Moviesection.de: Würden Sie sagen, dass die Zielgruppe
nur die sechs bis achtjährigen Kinder sind?
Guido Hammesfahr: Ich würde sogar sagen die Zielgruppe
geht bis 14 Jahren. Der Film ist so spannend und actionreich, dass er schon
unter der Bezeichnung „cool“ laufen kann.
Peter Timm: Der Film hat Substanz, er hat Dramatik und viele
Unterhaltungswerte. Auch moralische Werte. Aber keine, die er nur vor sich herträgt.
Es geht um Mut, um Solidarität. Sich für den anderen verantwortlich
fühlen und ihn nicht im Stich lassen. Es gibt keinen höheren Wert
als jemand anderem zu helfen und ihm das Leben zu retten.
Moviesection.de: Formate wie die Buchverfilmungen „Vorstadtkrokodile“
oder „Gregs Tagebuch“ kommen gut an. Zieht man da Vergleich, versucht
man nachzueifern? Oder versucht man sich auch bewusst abzugrenzen?
Peter Timm: Die Überlegung habe ich mir nicht gemacht.
Ich muss auch zugeben, wenn ich an einem Projekt arbeite, komme ich selten bis
gar nicht dazu mir andere Kinofilme anzusehen. Das kann man dann nicht alles
aufholen (lacht). Mir ist jedoch bewusst, dass wir uns dieser harten Konkurrenz
stellen müssen. Wir konkurrieren hier mit Filmen, die das zehnfache an
Budget haben. Ich meine aber, wir können durch die richtig gute Geschichte
und die rasante Umsetzung hier bestehen.
Moviesection.de: Sie haben mit Filmen wie „Rennschwein
Rudi Rüssel“ oder „Mein Bruder ist ein Hund“ bereits
erfolgreich Familienunterhaltung für das Kino gemacht. Ist so ein Film
wie „Löwenzahn“ da Routine?
Peter Timm: Hunde, Ferkel, Elefanten ich hatte schon alles
(lacht). Es ist aber immer neu und immer spannend. So etwas hält jung.
Bei „Rennschwein Rudi Rüssel 2“ mussten zum Beispiel immer
neue Ferkel trainiert werden. Bei einer Drehzeit von acht Wochen waren mehrere
Generationen Ferkel im Einsatz, denn nach zwei Wochen waren sie zu groß
für unsere Zwecke. Das sind Probleme und Herausforderungen, die man lösen
und meistern muss. So etwas macht mir aber mehr Spaß, als - salopp formuliert-
mit berühmten und großartigen Schauspielern zu drehen, die schon
genau wissen, wie sie alles zu machen haben.
Moviesection.de: Sind Kinder die schärferen Kritiker?
Peter Timm: Sie sind gnadenlose Kritiker (lacht). Wir Erwachsene
schniefen höchsten einmal, wenn wir nach einer halben Stunde immer noch
nicht wissen worum es geht. Kinder greifen schon nach 10 Sekunden Langeweile
in die Popkorntüte und suchen Zerstreuung. Der Film muss hier dramaturgisch
genau stimmen und es muss plausibel sein, was geschieht. Erwachsene diskutieren
hinterher über Details wie schauspielerische Leistungen oder ähnliches.
Kinder interessiert nur das Gesamtergebnis.
Moviesection.de: Vielen Dank für das kurzweilige Gespräch.
© Bild- und Textmaterial: Melanie Frommholz, Moviesection.de