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Melanie Frommholz

Name: Melanie Frommholz
Nickname: 'Melli'
Jahrgang: 1977
Position: Leitende Redakteurin
Bereich: Kino / DVD, Biographien
Ansprechpartner für: Partnerseiten / Verlinkung allg.
Bevorzugte Genres: Drama, Komödie, Fantasy, Science-Fiction, Thriller
Kontakt-Email: 'melanie.frommholz (at) moviesection.de'


Moviesection.de-Interview mit 'Melli'

Du bewertest relativ viele Dokumentationen. Was macht für dich eine solche aus: Recherche, Ernst, Emotionen?
Eine Dokumentation ist für mich dann gelungen, wenn sie nicht reißerisch über das jeweilige Thema berichtet, also ernsthaft und gut recherchiert ist. Wobei letzteres ja auch oft schwer nachzuprüfen ist. Der Filmemacher hat meines Erachtens alles richtig gemacht, wenn man für das Thema begeistert wurde, gut informiert das Kino verlässt und auch die Bilder beeindruckt haben.

Was ist für dich gutes 80er-Jahre-Kino?
Keine leichte Frage. Die 80er hatten tolle Komödien wie „Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone“ und schöööne Liebesgeschichten wie „Dirty Dancing“. Auch über Eddie Murphy habe ich in dieser Zeit viel gelacht. Sei es nun in „Der Prinz aus Zamunda“ oder in den „Beverly Hills Cop“-Teilen. Und die damaligen Teenie-Streifen wie „Pretty in Pink“ oder „Ist sie nicht wunderbar?“ waren auch klasse. Die 80ger hatten tolles Kino mit einer ganz eigenen Optik. Aus heutiger Sicht eventuell etwas angestaubt, aber ich verbinde damit die Anfänge meiner Filmbegeisterung und daher schlägt mein Herz eindeutig immer noch für das Kino dieser Zeit.

Worin liegt für Dich der Reiz des französischen Films?
Gemeinhin gilt der französische Film bei uns ja als schwierig, schwermütig und immer ein wenig anstrengend. Ich habe besonders in letzter Zeit die Erfahrung gemacht, dass unsere Nachbarn einfach wunderbare Geschichtenerzähler sind, die einen besonderen Blick für die Dinge des alltäglichen Lebens haben. Die Filme haben Charme, transportieren echte Gefühle und bestechen häufig durch liebevoll-schrullige Figuren und einer guten Mischung aus Realitätsnähe und wohldosiertem Durchgeknallt-Sein. Es scheint zudem so, als dürften hier die Schauspieler auch einfach ohne Botox und Schönheits-Op altern und in jeder Lebensphase ihre ganze natürliche Ausdruckskraft in ein Projekt mit einbringen.

Was sind für Dich kommende Schauspielgrößen?
Oh je, willst Du nicht auch gleich noch eine Prognose für die OSCAR-Gewinner der nächsten 10 Jahre;) Das dürfte ähnlich unmöglich werden. Aber Scherz beiseite…. Die Beantwortung dieser Frage empfinde ich als extrem schwierig. Ich versuche dennoch einmal eine Einschätzung. Aus meiner Sicht hat Natalie Portman das Zeug zu einer (noch) größeren Karriere, wen sie die Schauspielkunst nicht zugunsten einer anderen Passion an den Nagel hängt. Scarlett Johansson traue ich zu eine der künftigen Diven zu werden. Die Muse von Woody Allen ist sie ja schon mal;) Wenn Penelope Cruz sich weiterhin auf muttersprachliche Projekte konzentriert, könnte auch sie dauerhaft dazuzählen. Aus „deutscher“ Sicht liegen meine Hoffnungen bei Johanna Wokalek und Hanna Herzsprung.
Bei den Herren der Schöpfung habe ich so unterschiedliche Namen wie James McAvoy, Shia LaBeouf, Ewan McGregor, Jamie Bell oder Ludwig Trepte auf dem Radar. Wie man der Aufzählung anmerkt, die beileibe keine abschließende oder vollständige ist, habe ich in letzter Zeit tendenziell stärkere Leistungen von Schauspielerinnen gesehen. Zudem glaube ich, dass die Zeit der „ganz großen Namen“, die alles dominieren, vorbei ist. Heute zeigt eine breite Basis an Schauspielern genreübergreifend gute und glaubwürdige Leistungen.

Im Gegensatz zu Deinen Kollegen konnte Dich “Transformers” und “Transformers – Die Rache” nicht so sehr begeistern. Warum?
Beiden Filmen ist eines gemeinsam: Sie ordnen den zweifelsohne grandiosen Effekten und dem Produktplacment alles andere unter. Außerdem sind beides „Komm zur Armee, Junge und werde ein Held“-Werbestreifen. Hat man erstmal die coole Uniform angezogen, dann bekommt man auch gleich so ein geniales Flugzeug oder den anderen tollen technischen Schnickschnack. Die Macher haben sich erst gar nicht die Mühe gemacht, dies noch irgendwie zu kaschieren oder zu verpacken. Immer schön „einfach“ bleiben. Sicherlich, auch andere Filme fahren auf dieser Masche, und natürlich ist „Transformers“ seit den Spielzeugfiguren aus den 80ern und der Trickserie irgendwie kultig. Eben eine wunderbare Plattform für die Traumfabrik, um daraus großes Popkornkino zu machen. Auch für mich muss es nicht immer der in sich total logische oder super-anspruchsvolle Independentfilm mit politisch korrekter Problemanalyse sein. Dennoch hätte ich mir einfach eine Handlung mit mehr Tiefe gewünscht.

Hollywood ist ja bekanntlich eine Filmindustrie und nicht zwangsläufig mit dem „Amerikanische Film“ gleichzusetzen. Würdest du dennoch sagen, dass die beiden Begriffe zusammenfallen? Oder anders: Ist Hollywood typisch amerikanisch?
Ich würde nicht sagen, dass die beiden Begriffe zusammenfallen, aber sie sind Teil von einander. Der Name „Hollywood“ steht in der Regel für großes Kino, ausgezeichnete Effekte und berühmte Schauspielernamen. Eben genau das, was wir unter dem Überbegriff „Popkornkino“ zusammenfassen können. Daneben hat Amerika aber auch eine rege Independent-Szene. Nicht selten betreiben Schauspieler mittlerweile eigene Produktionsfirmen und verwirklichen über diesen Weg ihre Herzensprojekte. Einer von Hollywoods ganz Großen, Robert Redfort, hat für genaue diese Filme das bekannte Sundance-Filmfestival ins Leben gerufen. Nicht selten starten kleine Produktionen über diese Plattform einen Siegeszug durch die Kinos dieser Welt. Ist Hollywood nun typisch amerikanisch? Der Satz „Der amerikanische Film ist mehr als nur Hollywood“ trifft es für mich besser.

Was würdest Du als Deine schlimmste Horrorfilmerfahrung bezeichnen?
Das ist ganz eindeutig „Boogeyman“. Und das nicht, weil ich den Film so über alle Maßen gruselig fand, sondern weil es bereits zwei (!) Fortsetzungen gibt und sich diese Sache für mich so zum Dauergrusel entwickelt hat, da ich (leider) nun mal den ersten Film gesehen hatte. Aber Spaß bei Seite. Grenzwertig werden Filme für mich immer dann, wenn das Gemetzel losgeht und die Kamera voll drauf hält. Solche Szenen sind für mich, filmunabhängig, nur schwer zu ertragen. Aber auch Streifen die diesbezüglich eher auf die Psyche abzielen sind nicht so meine Kragenweite. Um ein paar Beispiele zu nennen: „28 days later“ oder „Blade“ und „Resident Evil“.

Was macht in Deinen Augen die Faszination der Jane Austen-Verfilmungen und derer doch schon sehr weit von uns entfernter Zeit aus?
Jane Austen war eine wundervolle Geschichtenerzählerin. Niemand verstand es so wie sie ihre Umgebung und die damaligen gesellschaftlichen Zwänge und Maßstäbe so amüsant, ironisch und doch treffend zu einer unterhaltsamen Erzählung zu verpacken. Ihre Romanfiguren sind zwar Klischee aber doch kein plattes Abziehbild. Jane Austens Bücher sprühen vor Witz, sind aber nicht lächerlich. Sie verstand es aus ein paar wenigen Ereignissen wunderbare Geschichten zu machen. Geschichten, die zu Herzen gehen. Alles Attributen, die die Zeit einfach überdauern und die nach einer Verfilmung schreien. Ich denken, ihre Bücher eignen sich so gut dafür, weil sie die ideale Plattform für ausdruckstarke Schauspieler bietet alle ihre Facetten zu zeigen. Außerdem finde ich es spannend auf diesem Weg in die Vergangenheit zu reisen und Parallelen aber auch Unterschiede zu heute zu entdecken.

Du bist ein erklärter „Star Trek“ Fan: Was fasziniert dich an der Serie?
Diese Aussage muss ich gleich zu Beginn ein wenig einschränken und gestehen, dass ich mit Captain Kirk nie so richtig warm geworden bin. Ich bin ein Fan von Spock und Pille, das ja, aber ansonsten bin ich eher ein „Jünger“ von Jean-Luc Picard und seiner Crew. Die TV-Serie „Raumschiff Enterprise: das nächste Jahrhundert“ hat mich durch meine Teenie-Zeit begleitet und mir viele spannende Stunden vor der Glotze geschenkt. Natürlich „musste“ ich dann auch die Kinofilme sehen und die Widerbelebung des Themas mit „Star Trek“ 2009 fand ich einfach grandios gelungen. Meine Faszination am Thema „Science-Fiction“ und damit auch von Star Trek lässt sich schwer in Worte fassen. Ich denke es hängt wohl mit meiner Grundeinschätzung zusammen, dass wir bei der Masse an Sternen am Himmel realistisch betrachtet einfach nicht alleine im Universum sein können. Daraus ergibt sich dann die Frage, wen wir denn so alles als Nachbarn haben könnten. Die verschiedenen Antwortvarianten finde ich seit jeher spannend.

Historische Filme gehören ganz klar zu deinen Favoriten. Warum?
Ganz klar, weil mich Geschichte schon immer sehr interessiert hat. Außerdem kann man sagen, dass ich hier auch erblich etwas vorbelastet bin;) Bei mir zu Hause war und ist die Beschäftigung mit Geschichte, sei es nun im Hinblick auf aktuelle politische Entwicklungen oder auch klassische historische Betrachtungen immer präsent. Mich faszinieren die Entwicklung, aber auch die Rückschritte, die die Menschheit von Epoche zu Epoche immer wieder gemacht hat. Filme, wenn sie denn gut gemacht und recherchiert sind, stellen eine geniale Möglichkeit dar, visuell in eine andere Zeit einzutauchen. Selbstverständlich gibt es auch historische Streifen, die es mit den belegten Fakten nicht allzu genau nehmen. An „Elisabeth: Das goldene Königreich“ wurde von vielen Kritikern zu Beispiel genau dies bemängelt. Hier muss man einfach vorsichtig sein und nicht alles für bare Münze nehmen. Dennoch kann auch ein solcher Film wunderbar unterhalten.

Warum verzichtest Du auf schauspielerische Meisterleistungen und unsterbliche Szenen, nur weil Du keine S/W-Filme schaust? Hast Du nicht das Gefühl einen Teil der Filmgeschichte verpasst zu haben?
Das ich KEINE Schwarz-Weiß-Filme schaue ist ein Gerücht, dass ich an dieser Stelle dementieren muss;) Ab und an verirre ich mich dann doch schon in diesen Bereich. Ich bin ein Fan der Ur-Miss Marple Streifen mit Margaret Rutherford und auch „Manche mögens heiß“ finde ich klasse. Sicherlich verpasse ich damit einen Teil der Filmgeschichte. Ich schaue aber auch so gut wie keine Horrorfilme, auch diese Filmgeschichte verpasse ich;) Es ist einfach so, dass mich Filme in Farbe grundsätzlich eher ansprechen. Das ist, glaube ich, auch einfach eine Generationsfrage. Ich bin nicht mit Schwarz-Weiß-Filmen aufgewachsen.

Warum glaubst Du, dass man jeden Film vollkommen verstehen muss, um seine Klasse zu würdigen? (Beispiel “Inland Empire”)
Ich bin nicht der Meinung, dass man einen Film bis in die letzte Niederung durchdrungen und verstanden haben muss, um ihn angemessen würdigen zu können. Gleichzeitig kann aber auch das völlige Fehlen eines einigermaßen verständlichen roten Fadens nicht automatisch zum entscheidenden positiven Qualitätsmerkmal hochstilisiert werden. Ein Filmemacher dreht in der Regel doch Filme, um eine Botschaft zu vermitteln oder eine ihm wichtige Geschichte zu erzählen. Damit sein Anliegen beim Zuschauer ankommt, halte ich es für unverzichtbar, dass dieser auch erkennt, um was es eigentlich geht. Bleibt zu viel im Dunkeln wird man die Menschen nicht erreichen, denn die schalten dann einfach ab.

Du hast “Dirty Dancing” und “Pretty Woman” die Sonderwertung gegeben. Findest Du nicht, das den beiden fraglos schönen Streifen die Klasse und der künstlerische Wert für die Höchstwertung fehlt?
“Dirty Dancing” und “Pretty Woman” sind Klassiker ihres Genres und beides Filme, die man immer und immer wieder sehen kann und deren Geschichte dennoch jedes Mal aufs Neue das Herz berührt und einen mitfiebern lässt, generationsübergreifend wohlgemerkt. Attribute, die ich einem „klasse“ Film in jedem Fall zuschreibe. Du nicht? Bloß weil ein Streifen vermeintlich aus der „seichten“ Unterhaltungsecke kommt, ist er doch nicht automatisch kein Anwärter für die Sonderwertung. Ich vergebe die Höchstwertung doch nach meiner persönlichen Einschätzung und nicht danach, was eine anonyme Kritikergilde dazu meint. Der Umkehrschluss wäre ja, dass zum Beispiel automatisch jeder OSCAR-Film ein Sonderwertungsfilm ist.



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