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Interview mit Regisseurin Sophie Heldman


Filmstart: 13.01.2011

„Es war für mich sehr wichtig, dass es eine wahre Begebenheit gab, auf der ich den Film basieren konnte.“

Wir sprachen mit Regisseurin Sophie Heldman über ihren neuen Film "Satte Farben vor Schwarz".

Moviesection.de: „Satte Farben vor Schwarz“ ist ihr Abschlussfilm an der Filmhochschule. Wie fühlt es sich an, wenn man weiß, dass nach vielen Jahren harter Arbeit der erste große Spielfilm nun bald auf den Leinwänden zu sehen sein wird?
Sophie Heldman: Es ist ein Geschenk und eine Chance zu gleich. Es war lange Zeit nicht klar, dass der Film überhaupt gemacht werden kann. Nun ist er da und ich freue mich auf den Austausch und auch die Auseinandersetzung mit dem Publikum!

Moviesection.de: „Satte Farben vor Schwarz“ wurde für den First Steps Award 2010 nominiert und feierte im Wettbewerb der 58. Internationalen Filmfestspiele von San Sebastian seine Weltpremiere. Was bedeutet diese tolle Ausgangssituation für Sie persönlich – und was für den Film?
Sophie Heldman: Die Themen des Films sind sehr existenziell. Das bedeutet aber nicht, dass der Film schwer ist. Im Gegenteil. Durch die emotionale Reaktion in San Sebastián und die Anerkennung durch die Nomination für den First Step Award hat der Film einen richtigen Schub bekommen.

Moviesection.de: Sind die Reaktionen auf Ihren Film im Ausland ähnlich wie die in Deutschland?
Sophie Heldman: Soweit ich das bisher sagen kann, ja. Es war eine unglaubliche Erfahrung vergangenen September auf dem Filmfestival in San Sebastián. Die Mehrheit der 1800 Zuschauer kamen aus dem Baskenland und aus Spanien. Sie sind es nicht unbedingt gewohnt, Filme in Deutscher Sprache zu sehen. Dieses Publikum ist in jeder Szene mit der Geschichte mitgegangen. Der von Herzen kommende, lange Applaus nach dem Film hat mich sehr bewegt.

Moviesection.de: Sie verarbeiten mit „Satte Farben vor Schwarz“ eine persönliche Familiengeschichte. Sind solche Geschichten einfacher umzusetzen, weil sie einem näher gehen als fremde Geschichten?
Sophie Heldman: Es war für mich sehr wichtig, dass es eine wahre Begebenheit gab, auf der ich den Film basieren konnte. Ich bin beim arbeiten oft in die Realität zurückgegangen und habe überprüft, was ich genau umsetze. Die Wahrheit war in diesem Falle immer viel spannender, als das, was ich mir vorgestellt habe.

Moviesection.de: Für das Drehbuch haben Sie Felix zu Knyphausen mit ins Boot geholt. Wie haben Sie ihm Ihre Geschichte näher gebracht? Können Sie uns etwas über die Entstehung des Drehbuches erzählen?
Sophie Heldman: Felix zu Knyphausen und ich kennen uns aus New York. Ich habe Anfang Zwanzig auf Independent Filmen gearbeitet und er hat Schauspiel studiert. Er kannte das echte Paar aus meinen Erzählungen. Als ich ihm Jahre später in Berlin erzählte, dass ich einen Film machen will, der auf der wahren Geschichte der beiden basiert, hat er sofort verstanden wohin die Reise mit dem Drehbuch gehen soll. Das gemeinsame Schreiben war ein sehr intensiver Prozess. Wir sind in gewisser Weise eine Weile lang Anita und Fred geworden. Das war eine sehr heftige Auseinandersetzung mit einigen grundsätzlichen Fragen des Lebens. Aber diese Auseinandersetzung befreit auch von diffusen Ängsten, die ich davor mit dem Älter werden verbunden habe.

Moviesection.de: Sie haben Bruno Ganz und Senta Berger als Ihre Traumbesetzung bezeichnet. Hatten Sie die beiden schon vor dem ersten Zusammentreffen im Auge?
Sophie Heldman: Ich habe Bruno Ganz und Senta Berger erst einmal das Drehbuch geschickt und gehofft, dass es sie inspiriert. Die Geschichte ist ein Wagnis und ich war sehr fragil damals. Hätten Senta Berger und Bruno Ganz den Stoff nicht verstanden, hätte das für mich bedeutet, dass wir beim Schreiben etwas falsch gemacht haben.

Moviesection.de: „Satte Farben vor Schwarz“ lebt sehr stark von dem emotionalen Spiel zwischen Ganz und Berger. Sind die beiden Urgesteine des deutschen Films so routiniert, dass es ein Leichtes war sie zu einer solch intensiven Performance zu bringen oder steckt dahinter viel harte Arbeit?
Sophie Heldman: Das Wort Urgestein passt für mich nicht zu diesen beiden Schauspielern.
Dazu sind sie zu beweglich! Und sehr sexy! Ich habe viel harte Arbeit in das Drehbuch gesteckt. In der Hoffnung, dass es ein Sprungbrett für die Schauspieler wird.
Dass das alles so aufgegangen ist, habe ich Senta Berger und Bruno Ganz zu verdanken.

Moviesection.de: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben!


© Text: Kathrin Lang, Moviesection.de