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Special
Interview mit Regisseurin Sophie Heldman
„Es war für mich sehr wichtig, dass es eine wahre Begebenheit gab, auf der ich den Film basieren konnte.“
Wir sprachen mit Regisseurin Sophie Heldman über ihren neuen Film "Satte Farben vor Schwarz".
Moviesection.de: „Satte Farben vor Schwarz“ ist
ihr Abschlussfilm an der Filmhochschule. Wie fühlt es sich an, wenn man
weiß, dass nach vielen Jahren harter Arbeit der erste große Spielfilm
nun bald auf den Leinwänden zu sehen sein wird?
Sophie Heldman: Es ist ein Geschenk und eine Chance zu gleich.
Es war lange Zeit nicht klar, dass der Film überhaupt gemacht werden kann.
Nun ist er da und ich freue mich auf den Austausch und auch die Auseinandersetzung
mit dem Publikum!
Moviesection.de: „Satte Farben vor Schwarz“ wurde
für den First Steps Award 2010 nominiert und feierte im Wettbewerb der
58. Internationalen Filmfestspiele von San Sebastian seine Weltpremiere. Was
bedeutet diese tolle Ausgangssituation für Sie persönlich –
und was für den Film?
Sophie Heldman: Die Themen des Films sind sehr existenziell.
Das bedeutet aber nicht, dass der Film schwer ist. Im Gegenteil. Durch die emotionale
Reaktion in San Sebastián und die Anerkennung durch die Nomination für
den First Step Award hat der Film einen richtigen Schub bekommen.
Moviesection.de: Sind die Reaktionen auf Ihren Film im Ausland
ähnlich wie die in Deutschland?
Sophie Heldman: Soweit ich das bisher sagen kann, ja. Es war
eine unglaubliche Erfahrung vergangenen September auf dem Filmfestival in San
Sebastián. Die Mehrheit der 1800 Zuschauer kamen aus dem Baskenland und
aus Spanien. Sie sind es nicht unbedingt gewohnt, Filme in Deutscher Sprache
zu sehen. Dieses Publikum ist in jeder Szene mit der Geschichte mitgegangen.
Der von Herzen kommende, lange Applaus nach dem Film hat mich sehr bewegt.
Moviesection.de: Sie verarbeiten mit „Satte Farben vor
Schwarz“ eine persönliche Familiengeschichte. Sind solche Geschichten
einfacher umzusetzen, weil sie einem näher gehen als fremde Geschichten?
Sophie Heldman: Es war für mich sehr wichtig, dass es
eine wahre Begebenheit gab, auf der ich den Film basieren konnte. Ich bin beim
arbeiten oft in die Realität zurückgegangen und habe überprüft,
was ich genau umsetze. Die Wahrheit war in diesem Falle immer viel spannender,
als das, was ich mir vorgestellt habe.
Moviesection.de: Für das Drehbuch haben Sie Felix zu
Knyphausen mit ins Boot geholt. Wie haben Sie ihm Ihre Geschichte näher
gebracht? Können Sie uns etwas über die Entstehung des Drehbuches
erzählen?
Sophie Heldman: Felix zu Knyphausen und ich kennen uns aus
New York. Ich habe Anfang Zwanzig auf Independent Filmen gearbeitet und er hat
Schauspiel studiert. Er kannte das echte Paar aus meinen Erzählungen. Als
ich ihm Jahre später in Berlin erzählte, dass ich einen Film machen
will, der auf der wahren Geschichte der beiden basiert, hat er sofort verstanden
wohin die Reise mit dem Drehbuch gehen soll. Das gemeinsame Schreiben war ein
sehr intensiver Prozess. Wir sind in gewisser Weise eine Weile lang Anita und
Fred geworden. Das war eine sehr heftige Auseinandersetzung mit einigen grundsätzlichen
Fragen des Lebens. Aber diese Auseinandersetzung befreit auch von diffusen Ängsten,
die ich davor mit dem Älter werden verbunden habe.
Moviesection.de: Sie haben Bruno Ganz und Senta Berger als
Ihre Traumbesetzung bezeichnet. Hatten Sie die beiden schon vor dem ersten Zusammentreffen
im Auge?
Sophie Heldman: Ich habe Bruno Ganz und Senta Berger erst einmal
das Drehbuch geschickt und gehofft, dass es sie inspiriert. Die Geschichte ist
ein Wagnis und ich war sehr fragil damals. Hätten Senta Berger und Bruno
Ganz den Stoff nicht verstanden, hätte das für mich bedeutet, dass
wir beim Schreiben etwas falsch gemacht haben.
Moviesection.de: „Satte Farben vor Schwarz“ lebt
sehr stark von dem emotionalen Spiel zwischen Ganz und Berger. Sind die beiden
Urgesteine des deutschen Films so routiniert, dass es ein Leichtes war sie zu
einer solch intensiven Performance zu bringen oder steckt dahinter viel harte
Arbeit?
Sophie Heldman: Das Wort Urgestein passt für mich nicht
zu diesen beiden Schauspielern.
Dazu sind sie zu beweglich! Und sehr sexy! Ich habe viel harte Arbeit in das
Drehbuch gesteckt. In der Hoffnung, dass es ein Sprungbrett für die Schauspieler
wird.
Dass das alles so aufgegangen ist, habe ich Senta Berger und Bruno Ganz zu verdanken.
Moviesection.de: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben!
© Text: Kathrin Lang, Moviesection.de