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Thomas Ays

Name: Thomas Ays
Nickname: 'Tom'
Jahrgang: 1977
Position: Leitender Chefredakteur
Bereich: Kino / DVD, Biographien
Ansprechpartner für: Presse, Aktionen, diverse Fragen
Bevorzugte Genres: Drama, Komödie, Fantasy, Science-Fiction, Horror, Thriller, Action, Animation, Love-Story
Kontakt-Email: 'thomas.ays (at) moviesection.de'


Moviesection.de-Interview mit 'Tom'

Du hast sehr viele Filme gesehen und bewertet. Wow! Behält man bei dieser Menge an konsumierten Filmen noch den Überblick?
Ehrlich gesagt: Jein. Ab und zu entdecke ich einen Film im TV-Programm, bei dem ich denke: „Okay, den schau ich, der hört sich gut an, den haben wir noch nicht!“. Dann stellt sich heraus, das wir ihn a) bereits kritisiert haben und, b), was noch schlimmer ist, das ich den Film bewertet habe und nicht so toll fand. Doch, Gott sei Dank, passiert das selten und im Großen und Ganzen behalte ich den Überblick, ja. Filme, die ich ganz, ganz großartig fand, bleiben mir lange im Gedächtnis, da habe ich dann keine Probleme.

Wie viele von diesen Filmen hättest du dir freiwillig angesehen, wenn es Moviesection nicht gäbe?
Gute Frage :) Wenige, oder sagen wir: Weniger. Ich schaue wirklich viele Filme, die ich nur schaue, damit wir ihn auf unserer Seite haben und nicht, weil er mich brennend interessiert. Oft hab ich dadurch aber auch echt genial gute Filme gesehen, die ich so vielleicht nie gesehen hätte.

Siehst du alte Filme, die du vor einigen Jahren noch kritisiert hast, heute aus einer anderen Sicht als damals?
Diese Frage lässt sich schwer beantworten, da ich gar keine Zeit habe, Filme, die ich mit 12 gesehen habe, noch einmal anzusehen. Das ist auch gar nicht nötig. Man muss sich damit abfinden, dass man Filme aus heutiger Sicht vielleicht anders bewerten würde. Sonst müsste ich, wenn ich mal 50 bin, alle meine Filme vielleicht noch mal sehen, um sie mit dem Wissensstand dieses Alters bewerten zu können. Ich glaube, es ist manchmal ganz gut, das ich manche Streifen, die ich heute nur noch durchschnittlich bewerten würde, damals noch naiver gesehen habe.

Bei deinen Sonderwertungsfilmen befinden sich wenige Komödien. Taugt das lustige Genre nicht zu Bestleistungen?
Das würde ich so nicht formulieren. Das Drama an sich ist nun mal mein Genre. Am liebsten habe ich jedoch die Tragikomödie. Ich konnte beispielsweise bei "P.S. - Ich liebe Dich" viel lachen, war aber gleichzeitig oft sehr betrübt. Die Mischung macht's. Ein weiteres Beispiel ist natürlich "Grüne Tomaten". Bei diesem Film kann man toll mitlachen und richtig viel weinen. Toll! Reine Komödien haben oft nicht den Anspruch, den ich bei Filmen brauche und suche.

Grob geschätzt: Wie viele von den Filmen die du bewertet hast, sind absolut reif für die Mülltonne?
Ohje. 30 % vielleicht. Ich habe nicht viel Schrott gesehen, wenn dann aber so richtigen Filmmüll. Wobei da natürlich auch alles Geschmackssache ist. Ich habe nun mal absolut keinen Sinn für so Trashhorrorfilme, die manchmal bei Kritikern sehr gut abschneiden. Wenn die Qualität nicht stimmt, gebe ich keine guten Wertungen ab.
Ich muss aber auch echt sagen, dass ich viel, viel gute Filme gesehen habe. Von 1800 Filmen war wenig Müll dabei.

Was benötigt ein Film unbedingt, um Dich (zu Tränen) zu rühren?
Ich glaube fest an die Kombination „Lachen – Weinen“. Wenn mich ein Film packt, mich zum Lachen bringt, nur um mich gleichzeitig zu Tränen zu rühren, ist das eine Leistung, die beileibe nicht jeder Film schafft. Da ist „Tatsächlich…Liebe“ ein großartiges Beispiel. Was hab ich bei dem Film gelacht? Als Hugh Grant als Premierminister durch seine Bude tanzte, lag ich am Boden: Großartig. Gleichzeitig fand ich viele Szenen wunderbar rührend. Diese Mischung rockt und hat bei mir oft Erfolg!

Der französische Film ist nicht gerade Dein Steckenpferd. Eine Bildungslücke, die Du bald schließt?
Ganz ehrlich: Ich habe schon oft versucht, diese „Lücke“ zu schließen. Tatsächlich empfinde ich diese Sparte nicht mehr als Lücke, sondern als Filmbranche, die mich sehr, sehr selten anspricht. Mir sagte „Die fabelhafte Welt der Amelie“ genauso wenig, wie „8 Frauen“ oder ähnliche bekannte und auch beliebte Filme aus unserem Nachbarland. Ich empfinde diese Filme oft als anstrengend und „schwer“. Eindeutig nicht mein Ding!

Du hast vor einiger Zeit das „Schwu/Les Special“ auf Moviesection ins Leben gerufen. Welchen Eindruck hast du von der homosexuellen Filmindustrie?
Schwere Frage. Im Grunde einen durchweg positiven. Homosexuelle Filme bieten ganz viele außergewöhnliche Vertreter an, die oft herausragend verfilmt und/oder ungewöhnlich inszeniert wurden. Dabei steht das Thema „Coming-Out“ ja nicht immer im Vordergrund, aber sehr oft. Interessant ist hier auch, dass sich auch die Produktionsländer in ihrer Machart nicht sehr unterscheiden: In Frankreich wird es oft arg melancholisch, in den USA ist alles oft arg übertrieben und fast schon erschreckend tolerant und in Deutschland muss es oft komisch werden. Überrascht hat mich bei meiner Filmsichtung Israel, das mich mit unglaublichen Filmen sehr mitgenommen hat. „The Bubble“ oder „Yassi & Jagger“ sind nur einige großartige Vertreter aus diesem wundervollen Filmland.

Nachdem du in den vergangenen Jahren nun zig Filme aus der Traumfabrik Hollywood gesehen und bewertet hast: Welches ist für dich das gängigste und am häufigsten wiederkehrende Klischee in Hollywoodfilme?
Puh! Das kommt wieder auf das Genre an. Das Klischee, das mich am meisten nervt, ist dieser penetrante Patriotismus, der mir in ganz vielen Filmen ganz unterschiedlicher Genre begegnet. Ansonsten kann ich aber nichts gegen Hollywood sagen. Ich finde noch immer, dass die Amerikaner die stabilste Filmindustrie besitzen und auch das meiste aus ihren Stoffen herausholen, auch wenn wirklich viel Schrott aus diesem Teil der Erde kommt – Wo Licht ist, da ist auch Schatten.

Wo liegt für Dich der gravierendste Unterschied zwischen einem spannenden Buch und einem packenden Film?
Ein packendes Buch ist intensiver, als ein Film es sein kann. Kein Regisseur der Welt schafft es, die Fantasie in meinem Kopf zu übertreffen.

In welche Superheldenrolle würdest Du gerne einmal schlüpfen, wenn Du könntest und warum?
Ich wäre kein guter Superheld. Ich wollte lieber ein kleiner Helfershelfer sein, der dem Helden hilft und ihm schützend und loyal zur Seite steht. Dann muss ich schon nicht die Drecksarbeit machen und mich mit üblen Typen prügeln – ich würde das dann eher ausdiskutieren, wie „Du. Ich finde das nicht gut, dass Du diese Bank ausrauben möchtest. Würdest Du das bitte unterlassen, hm?“ … ganz ehrlich: Wer will das schon sehen?

Warum hast du das Schwu/Les Special ins Leben gerufen?
Weil es für mich persönlich wichtig ist, diese Art von Filmen aus ihrer dunklen Ecke herauszuholen und der Öffentlichkeit in demselben Maße zu präsentieren, wie testosteronschwangere Actionstreifen. Schließlich gibt es auf unserer Welt viele Menschen, die das gleiche Geschlecht lieben – und das ist auch gut so! Wir können es uns schließlich nicht aussuchen!

Neben Dramen und Fantasy liegt dir besonders der Animationsfilm. Was macht für dich als Erwachsener den Reiz des Genres aus?
Diese Filme funktionieren in vollkommen unterschiedlichen Altersschichten herrlich. „Findet Nemo“ oder „Ratatouille“ begeisterte doch nicht nur kleine Kinder, sondern auch Omis & Opis, Mamis & Papis, Jugendliche, Frischverliebte und harte Kerle. In welchem Genre funktioniert das schon noch so herrlich unkompliziert?

Glaubst Du nicht, dass Du Fans vor den Kopf stößt, wenn Du bei künstlerisch anerkannten Filmen in Deiner Kritik nicht sachlich bleibst (Beispiel „Mulholland Drive“)?
Natürlich glaube ich das. Das ist der Sinn meiner Kritik. Wenn ich bei einem Film, der mich derart auf die Palme brachte, wie „Mulholland Drive“, nicht mehr sachlich bleiben kann, sagt das schon sehr viel aus. Zumal ich nun mal glaube, dass es viele Filmfans gibt, die sich diesen Streifen angesehen und gedacht haben: „Was für ein Schrott!“ Und diese Menschen muss es nun mal auch geben! „Künstlerisch anerkannt.“ Wenn ich das schon lese! Was ist denn Kunst, wenn sie nicht auch Kritiker hervorruft, die laut und deutlich sagen: „Schrott!“, weil sie den tieferen Sinn vielleicht nicht erkennen, ja. Oder ihn nicht verstehen? Vielleicht. In jedem Fall hat der Künstler, in diesem Fall Mr. Lynch himself, es nicht geschafft, mich zu packen. Thema verfehlt, sechs, setzen. Da kann er von mir aus den OSCAR als bester Künstler bekommen – ich bin nun mal anderer Meinung, und die darf ich glücklicherweise noch sagen.

Warum kritisierst Du oft die Laufzeit der Filme? Ein guter Film kann doch gar nicht lang genug sein, oder? Schließlich hast Du Dich bei “Der Herr der Ringe” über die Laufzeit nicht mokiert!
Ich kritisiere die Laufzeit bei Filmen, wenn der Film zu lang ist, um die Geschichte zu erzählen, die er zu erzählen hat. Manchmal empfinde ich es als arg anstrengend, zweieinhalb Stunden im Kino zu sitzen, um mir eine Story erzählen zu lassen, die man auch hätte in eineinhalb Stunden erzählen können. Bei großartig kurzweiligen Filmen, wie „Der Herr der Ringe“ stimme ich Dir zu: Da kann der Film nicht lang genug sein. Nur sind diese Beispiele, die so gut funktionieren, an einer Hand abzuzählen.

Du hast dem Jahrhundertfilm “Der Pate” eine schlechtere Bewertung gegeben als beispielsweise “Halloween 2". Nach welchen Kriterien gehst Du bei der Bewertung der Filme vor?
Was ist das für ein Vergleich? Ich vergleiche Äpfel grundsätzlich nicht mit Birnen. „Der Pate“ ist für mich kein Jahrhundertfilm, genauso wenig wie „Halloween 2“. Ich setze doch bei meinen Bewertungen nicht solche Maßstäbe an: So JETZT bewerte ich den Jahrhundertfilm „Der Pate“ mit 4/5 Punkten, im Anschluss bewerte ich den Jahrhundertfilm „Halloween 2“ mit 5/5 Punkten. Würde das so funktionieren? Ich denke nicht. „Der Pate hat von mir 4/5 Punkten bekommen, weil ich ihn individuell gesehen und bewertet habe. Vergleiche ziehe ich lediglich bei Remakes, Buchvorlagen oder Fortsetzungen. Aber einen Mafiaschinken mit einem Horrorfilm zu vergleichen, wäre vollkommen an den Haaren herbeigezogen und völlig unsinnig. Bald wird mir von meiner Nichte im Teenageralter die Frage gestellt, warum ich „L.A. Crash“ besser bewertet habe, als „American Pie“?!



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