Ingmar Bergman †

Biographie

Ingmar Bergman © Arthaus

Geboren am
Gestorben am
14.07.1918
30.07.2007
in Uppsala, Uppsala län, Schweden
Fårö, Gotlands län, Schweden
Autor Stefanie Rufle

"Keine Form der Kunst geht so direkt ins Unterbewusstsein wie ein Film - direkt in unsere Gefühle, tief in den dämmrigen Raum unserer Seele."
Dieser Satz entspringt dem Geist eines der größten Filmemacher aller Zeiten - Ingmar Bergman. Der schwedische Regisseur wird als einer der einflussreichsten und bejubeltsten des modernen Kinos angesehen, war insgesamt für neun OSCARs nominiert und erhielt 1971 den Irving G. Thalberg Preis. Seine Filme sind oft finstere, schonungslose und gleichwohl sehr emotionale Erforschungen der menschlichen Psyche und gleichzeitig sehr symbolträchtige und eindringliche Studien des individuellen Bezugs zu Leben und Tod. Woody Allen bezeichnete Bergmann einmal als sein großes Vorbild, wie sehr er von Bergmans Arbeit beeinflusst war, sieht man, wenn man den Film "Sehnsucht der Frauen" (1952) mit den Allen-Filmen "Hannah und ihre Schwestern" oder "September" vergleicht. Steven Spielberg sagte über den großen Schweden:
"Ich habe ihn immer verehrt und ich wünschte, ich könnte ein so guter Filmemacher wie er sein. Aber das wird nie geschehen. Seine Liebe zum Kino macht mir immer ein schlechtes Gewissen."

Geboren wurde Ingmar Bergman am 14. Juli 1918 in der schwedischen Stadt Uppsala als Sohn eines lutherischen Geistlichen. Eine starke religiöse Metaphorik und die stürmische Beziehung der Eltern zueinander sollten später seine Arbeiten durchdringen. Der kleine Ingmar wuchs in einer Atmosphäre strengster Religiosität auf, in der die Schauspielkunst keinen Platz hatte. Dennoch spielte der Junge mit seiner Schwester und deren Freundinnen immer wieder Puppentheater - wobei er allerdings immer das Sagen hatte. Die Großmutter machte Ingmar schließlich mit dem Kino bekannt und ging mit ihm regelmäßig zu Aufführungen - alles wohlgemerkt heimlich, damit der strenge Vater nichts davon erfuhr. Schon sehr früh interessierte Ingmar sich deshalb für das Theater, inszenierte während des Studiums beim Studenten-Theater und später bei einer experimentellen Amateurbühne. Als 26jähriger ging er dann schließlich an die Städtischen Bühnen und schrieb schon damals erste Drehbücher. Dann wurde Bergman Regieassistent bei Alf Sjöberg, bis er endlich selber Regie führen durfte. Seine ersten drei Arbeiten waren "Kris" (1945), "Es regnet auf unsere Liebe" (1946) und "Ein Schiff nach Indialand" (1947). Es handelt sich dabei um deprimierende Studien über Jugendliche im Konflikt mit der Erwachsenenwelt, um sehr harte und realistische Filme mit nur wenig Hoffnung. Obwohl Ingmar in einer sehr frommen Familie aufgewachsen war, fiel er früh vom Glauben ab und haderte speziell in seinen frühen Filmen mit der Existenz Gottes.

Der große Erfolg "Das Lächeln einer Sommernacht" (1955) machte Ingmar Bergman schließlich berühmt und brachte ihm 1956 den Großen Preis bei den Filmfestspielen in Cannes. Mit den nächsten beiden Filmen "Das siebente Siegel" mit Max von Sydow und "Wilde Erdbeeren" (1957) etablierte der Regisseur sein Ansehen, "Wilde Erdbeeren" brachte ihm gar seine erste OSCAR Nominierung ein. Immer wieder geht es in Bergmans Filmen um die große Hoffnungslosigkeit, sie sind eine kunstvolle Mischung aus Alltagsstudien und hoher Lebensphilosophie. Ein tiefer Pessimismus ist stets die Grundlage, wenn dieser auch manchmal durch einen kleinen Hoffnungsschimmer erhellt wird. Ein gutes Beispiel dafür ist die Trilogie "Wie in einem Spiegel" (1960), "Licht im Winter" (1961) und "Das Schweigen" (1962). Über "Licht im Winter" sagte er einmal: "Ich glaube, ich machte nur einen Film, den ich wirklich mag und das ist "Licht im Winter". Alles ist genauso, wie ich es haben wollte, in jeder Sekunde dieses Films." Die Filme "Jungfrauenquelle" (1959) und "Wie in einem Spiegel" gewannen jeweils den OSCAR als bester ausländischer Film. "Jungfrauenquelle" und "Das Schweigen" waren auch die beiden Arbeiten Bergmans, mit denen er endlich in der deutschen Kinolandschaft Aufmerksamkeit erregte. Aber nicht etwa wegen ihres hohen künstlerischen Anspruchs fanden sie Beachtung, sondern vielmehr wegen der "skandalösen" Szenen - in "Jungfrauenquelle" war das eine Vergewaltigung und in "Das Schweigen" eine gewagte Sexszene. Ein wirklich großes Interesse auf breiter Basis erzielte der eigenwillige Regisseur mit seiner Fernseharbeit "Szenen einer Ehe" (1973). Diese sechsteilige TV-Serie wurde in ihrer Kurzfassung ein großer Kinoerfolg in Europa und bedeutete für Ingmar den Durchbruch auch in Deutschland. Jean-Luc Godard nannte Bergman, der die Drehbücher seiner Filme zum Großteil selbst verfasste, den "originellsten Autor des europäischen Films". Doch auch Skandale umwölkten den "hellen Stern" Ingmar Bergmans. Bei einer Theaterprobe wurde er verhaftet und wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Natürlich gab es einen großen Presserummel und Ingmar zog sich völlig am Ende in eine psychiatrische Klinik zurück. Nach diesem Sanatoriumsaufenthalt entstand "Persona" - ein Film, der Ausdruck absoluter Leere ist. Nach diesen Erlebnissen wanderte der Schwede nach Deutschland aus und es entstand "Das Schlangenei" (1977) - ein Streifen, so angenehm anders, als die damaligen biederen Kinofilme. 1976 zeichnete die Stadt Frankfurt den großen Regisseur mit dem Goethe-Preis aus. In seinen Filmen hatte Ingmar ein immer wiederkehrendes Ensemble, zu seinen favorisierten Schauspielern zählten Max von Sydow, Ingrid Thulin, Bibi Andersson, Harriert Andersson, Erland Josephson und Liv Ullman. Mit ihr lebte er in einer längeren Beziehung und die beiden hatten eine gemeinsame Tochter - Linn - die als Kind in einigen seiner Filme mitspielte.

Der letzte Kinofilm Ingmar Bergmans sollte "Fanny und Alexander" (1982) sein, ausgezeichnet mit vier OSCARs, u. a. als bester ausländischer Film. Der Regisseur zog sich zwar aus der Filmwelt zurück, machte aber weiterhin Filme für das schwedische Fersehen, führte Regie bei Theaterstücken und schrieb Drehbücher, die von anderen Regisseuren verfilmt wurden. Ingmar war insgesamt fünfmal verheiratet, seine letzte Ehefrau Ingrid von Rosen starb 1995, und hat neun Kinder. Sohn Daniel und Tochter Eva haben sich auch der Regiearbeit verschrieben, Mats Bergman ist Schauspieler am Swedish Royal Dramatic Theater und auch Tochter Anna ist Schauspielerin geworden. Der Bestsellerautor Henning Mankel ist ein Schwiegersohn Bergmans, Ingrid Bergman und er sind allerdings nicht verwandt. Von modernen Filmemachern wie Steven Spielberg, Scorsese, Coppola und Steven Soderberg hatte Ingmar, der 2005 von der "Times" zum größten lebenden Filmemacher erkoren wurde, seiner Aussage nach großen Respekt. Ingmar Bergman starb am 30. Juli 2007 im Alter von 89 Jahren auf der Insel Faro. Über seine große Leidenschaft sagte er einmal:
"Das Theater ist wie eine treue Ehefrau. Der Film hingegen ist das große Abenteuer - die kostspielige, anspruchsvolle Geliebte."


Filmographie Ingmar Bergman

  • 1944: Hets - Raserei (nur Drehbuch, Stimme)
  • 1946: Kris (auch Drehbuch)
  • 1947: Es regnet auf unsere Liebe (auch Drehbuch)
  • 1947: Kvinna utan ansikte (nur Drehbuch)
  • 1948: Schiff nach Indialand (auch Drehbuch, Schauspieler)
  • 1948: Musik im Dunkeln (auch Drehbuch)
  • 1948: Die Hafenstadt (auch Drehbuch)
  • 1948: Eva (nur Drehbuch)
  • 1949: Gefängnis (auch Drehbuch)
  • 1950: Durst (auch Schauspieler)
  • 1950: An die Freude (auch Drehbuch, Schauspieler)
  • 1950: Medan staden sover (nur Drehbuch)
  • 1950: Menschenjagd
  • 1951: Einen Sommer lang (auch Drehbuch)
  • 1951: Franskild (nur Drehbuch)
  • 1952: Die Sehnsucht der Frauen (auch Drehbuch, Schauspieler)
  • 1953: Die Zeit mit Monika (auch Drehbuch)
  • 1953: Abend der Gaukler (auch Drehbuch)
  • 1954: Lektion in Liebe (auch Drehbuch, Schauspieler)
  • 1955: Frauenträume (auch Drehbuch, Schauspieler)
  • 1955: Das Lächeln einer Sommernacht (auch Drehbuch, Musik)
  • 1956: Junge Herzen im Sturm (nur Drehbuch, Musik)
  • 1957: Bakomfilm smultronstället (auch Produzent)
  • 1957: Das siebente Siegel (auch Drehbuch, Musik)
  • 1957: Nattens ljus (nur Drehbuch)
  • 1957: Mr. Sleeman Is Coming (TV)
  • 1957: Wilde Erdbeeren (auch Drehbuch)
  • 1958: Venetianskan (TV)
  • 1958: Nahe dem Leben (auch Drehbuch)
  • 1958: Rabies (TV)
  • 1958: Das Gesicht (auch Drehbuch)
  • 1960: The Storm (TV)
  • 1960: Die Jungfrauenquelle (auch Produzent)
  • 1960: Das Teufelsauge (auch Drehbuch)
  • 1961: Wie in einem Spiegel (auch Drehbuch)
  • 1961: Lustgarden (nur Drehbuch)
  • 1962: Licht im Winter (auch Drehbuch)
  • 1963: Trämalning (TV) (nur Drehbuch)
  • 1963: A Dream Play (TV)
  • 1963: Das Schweigen (auch Drehbuch)
  • 1964: Ach diese Frauen (auch Drehbuch)
  • 1965: Don Juan (TV)
  • 1966: Persona (auch Drehbuch, Produzent)
  • 1967: Stimulantia (auch Drehbuch)
  • 1968: Die Stunde des Wolfs (auch Drehbuch)
  • 1968: Schande (auch Drehbuch)
  • 1969: Der Ritus (TV) (auch Drehbuch, Schauspieler)
  • 1969: Passion (auch Drehbuch, Stimme)
  • 1970: Reservatet (TV) (nur Drehbuch)
  • 1970: Play for Today (TV Serie) (nur Drehbuch)
  • 1970: Fårödokument 1969 (TV)
  • 1971: Berührungen (auch Drehbuch, Produzent)
  • 1972: Schreie und Flüstern (auch Drehbuch)
  • 1973: The Lie (TV) (nur Drehbuch)
  • 1973: Szenen einer Ehe (auch Drehbuch)
  • 1974: The Misanthrope (TV)
  • 1975: Die Zauberflöte (TV) (ungenannt) (auch Drehbuch, Schauspieler)
  • 1976: Von Angesicht zu Angesicht (auch Drehbuch)
  • 1977: Paradise Square (nur Produzent)
  • 1977: Das Schlangenei (auch Drehbuch)
  • 1977: Das Lächeln einer Sommernacht (nur Drehbuch)
  • 1978: Herbstsonate (auch Drehbuch)
  • 1978: Rätt ut i luften (nur Produzent)
  • 1979: Faro Document 1979 (TV)
  • 1979: My Beloved (nur Produzent)
  • 1980: Aus dem Leben der Marionetten (auch Drehbuch, Produzent)
  • 1981: Sally und die Freiheit (nur Produzent)
  • 1982: Fanny und Alexander (auch Drehbuch)
  • 1983: Hustruskolan (TV)
  • 1984: Karin´s Face (auch Drehbuch)
  • 1984: Nach der Probe (TV) (auch Drehbuch)
  • 1985: Dom Juan (TV)
  • 1986: Document Fanny and Alexander (auch Drehbuch)
  • 1986: Die Gesegneten (TV)
  • 1990: A Little Night Music (TV) (nur Drehbuch)
  • 1991: Den Goda viljan (TV Serie) (nur Drehbuch)
  • 1992: Markisinnan de Sade (TV) (auch Drehbuch)
  • 1992: Die besten Absichten (nur Drehbuch)
  • 1992: Die Sonntagskinder (nur Drehbuch)
  • 1993: Backanterna (TV)
  • 1995: The Last Gasp (TV) (auch Drehbuch)
  • 1996: Private Confessions (TV) (nur Drehbuch)
  • 1997: Dabei: Ein Clown (TV) (auch Drehbuch, Schauspieler)
  • 2000: Die Treulosen (nur Drehbuch)
  • 2000: Bildmakarna (TV)
  • 2002: Persona (nur Drehbuch)
  • 2003: Sarabande
  • (TV) (auch Drehbuch)
  • 2005: Bergmanova sonata (TV) (nur Drehbuch)

Filmpreise

Golden Globe Nominierungen:
1982: Beste Regie: Fanny und Alexander

OSCAR Nominierungen:
1957: Bestes Drehbuch: Wilde Erdbeeren
1961: Bestes Drehbuch: Wie in einem Spiegel
1972: Bester Film: Schreie und Flüstern
1972: Beste Regie: Schreie und Flüstern
1972: Bestes Drehbuch: Schreie und Flüstern
1976: Beste Regie: Von Angesicht zu Angesicht
1978: Bestes Drehbuch: Herbstsonate
1982: Beste Regie: Fanny und Alexander
1982: Bestes Drehbuch: Fanny und Alexander