Fatih Akin

Biographie

Fatih Akin © Pandora Film

Geboren am 25.08.1973 in Hamburg, Deutschland Autor Kathrin Lang

Fatih Akin wurde 1973 in Hamburg als Sohn türkischer Gastarbeiter geboren. 1994 begann er im Anschluss an sein Abitur ein Studium an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste im Fach ‚Visuelle Kommunikation‘. Noch während Akin an der Hochschule eingeschrieben war, drehte er erfolgreich erste Kurzfilme. Mit seinem Spielfilmdebüt „Kurz und schmerzlos“ (1998), das Drehbuch schrieb er bereits als Schüler, sorgte er sofort für Aufsehen. Sein düsteres Milieudrama, das von drei Freunden erzählt, die in Deutschland mit unterschiedlichem Migrationshintergrund aufgewachsen sind, wurde sowohl vom Publikum als auch von der Kritik positiv aufgenommen und gewann gleich mehrere Preise – unter anderem den Adolf-Grimme-Preis, den Bayrischen Filmpreis für die beste Nachwuchsregie sowie den Bronzenen Leoparden bei den Filmfestspielen von Locarno. Um nicht als türkischstämmiger Regisseur auf ‚Migrantenfilme‘ festgelegt zu werden, brach er 2000 mit seinem komödiantischen Roadmovie „Im Juli“ aus dem Milieukonzept aus, in dem er das Thema Migration und Leben zwischen den Kulturen zur dezenten Folie degradierte, um die schwerelose Geschichte rund um seine Protagonisten zu erzählen.

Seit „Kurz und schmerzlos“ wehrt sich der Regisseur immer wieder gegen die Festlegung, er mache ‚Migrationsfilme‘. In Hamburg nicht nur geboren, sondern auch aufgewachsen, identifizierte sich Akin kaum noch mit seinen türkischen Wurzeln, wurde von Außen aber dennoch dahingehend bestimmt. Regelmäßig distanziert sich Fatih Akin von diesen Zuschreibungen und stellt in Interviews die zunehmende Emanzipation von dem ‚Einwanderkinddasein‘ heraus. So verneint er vehement die Frage, ob er ein politischer Filmemacher sei und gibt klar zu verstehen: „Ich bin ein klassischer Geschichteerzähler.“ In Filmen von Fatih Akin geht es schon lange nicht mehr um die Befindlichkeiten von Gastarbeitern und deren Nachfahren. Vielmehr sind es ganz universelle Themen, die in seinen Werken einen Platz finden und die auch den internationalen Erfolg seiner Filme begründen:

„Meine Filme laufen in Japan, meine Filme laufen in Venezuela, meine Filme laufen in den USA, in Mexiko, im arabischen Raum, in Europa – überall. Das heißt, dass meine Filme von universellen, globalen Themen handeln. Von Liebe, von Verrat, von Vergebung, von Versöhnung – von ganz archaischen Dingen, die jeder Mensch hat. Die Essenz ist der Mensch, die Menschlichkeit, der Humanismus und der kennt keine Grenzen.“

Ganz offensichtlich findet spätestens mit den Filmen von Fatih Akin ein Umbruch im Deutsch-Türkischen-Genre statt. Als türkischstämmiger Regisseur, der selbst keine Migrationserfahrungen mehr gemacht hat, bereitet ihm die Frage, ob er nun Deutscher oder Türke ist kein Kopfzerbrechen: „Ich komme aus Hamburg und Istanbul.“ Akin bewegt sich ganz natürlich zwischen den Welten, ein problematisches ‚zwischen den Kulturen‘ gibt es bei ihm nicht. Auch in seinen Filmen erzählt er, obwohl er die Migrantenthematik nicht meidet, höchstens aus einer metakulturellen Ebene über das Leben von Gastarbeiterkindern. Seine Filme problematisieren essentialistische Denkschemata, anstatt sie zu bestärken und entziehen sich damit jeglichen nationalen Zuschreibungen. Die Filme von Akin sind transnational zu lesen. Der Alltag eines Deutsch-Türken wird in den Geschichten jenseits von dichotomen Kulturunterscheidungen dargestellt. Die Figuren sind keine Repräsentanten einer rein deutschen oder rein türkischen Kultur mehr. Sie symbolisieren ein ‚Sowohl … als auch‘, das mit einer enormen Selbstverständlichkeit gelebt und dargestellt wird. Mehr als deutlich wurde diese Entwicklung 2005, als Akin mit „Gegen die Wand“ einen Film auf den Markt brachte, der die problematische Trennung der Kulturen zu seinem Thema machte.

Bei den 54. Internationalen Filmfestspielen von Berlin wurde im Frühjahr 2005 zum ersten Mal seit 18 Jahren wieder ein deutscher Film mit dem renommierten Goldenen Bären ausgezeichnet und avancierte damit auf Anhieb zum Sensationserfolg des Jahres: Fatih Akins vierter Spielfilm „Gegen die Wand“. Mit der tragischen Liebesgeschichte von Sibel und Cahit gelang Akin endgültig der Durchbruch. Letztlich gewann der erste Teil der „Liebe, Tod und Teufel“-Trilogie neben dem Goldenen Bären noch viele weitere Preise. Unter anderem fünf Lolas in Gold bei dem Deutschen Filmpreis sowie zwei Auszeichnungen bei den Europäischen Filmfestspielen. Mit seinem fünften Spielfilm „Auf der anderen Seite“ knüpfte Akin mühelos an diesen Erfolg an. Nachdem „Auf der anderen Seite“ bereits im internationalen Wettbewerb um die Goldene Palme in Cannes lief und dort auch den Drehbuchpreis gewann, meldete die unabhängige Fachjury unter dem Vorsitz von Dagmar Hirtz den deutschen Beitrag für die OSCAR-Verleihungen : „Auf der anderen Seite“ von Fatih Akin. Nach zwei sehr dramatischen Filmen brach Akin 2009 aus dem Genre aus und brachte uns mit „Soul Kitchen“ seine erste Komödie auf den Markt. Erneut wurde ein Film von Fatih Akin mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem gewann „Soul Kitchen“ mit dem Silbernen Löwen die zweitwichtigste Auszeichnung der Filmfestspiele von Venedig. 2010 drehte der deutsche Erfolgsregisseur eine Episode für „New York, I Love You“. Der dritte Teil der „Liebe, Tod und Teufel“-Trilogie steht noch aus und darf gespannt erwartet werden.

Das Filmfestival Türkei / Deutschland zeichnete Fatih Akin 2011 mit dem Ehrenpreis des Festivals für sein künstlerisches Engagement und seine Verdienste um die Filmkunst aus.


Filmographie Fatih Akin

  • 1994: Doppelter Einsatz (TV Serie) (nur Schauspieler)
  • 1995: Sensin - Du bist es! (auch Schauspieler, Drehbuch)
  • 1996: Getürkt (auch Schauspieler, Drehbuch)
  • 1997: Trickser (nur Schauspieler)
  • 1997: Einsatz Hamburg Süd (TV Serie) (nur Schauspieler)
  • 1998: Kurz und schmerzlos (auch Schauspieler, Drehbuch)
  • 1999: Der letzte Flug (nur Schauspieler)
  • 1999: Kismet (nur Schauspieler)
  • 2000: Im Juli
  • (auch Schauspieler, Drehbuch)
  • 2001: Die Liebenden vom Hotel von Osman (nur Schauspieler)
  • 2001: Das Experiment
  • (nur Stimme)
  • 2001: Planet der Kannibalen (nur Schauspieler)
  • 2001: Denk ich an Deutschland - Wir haben vergessen zurückzukehren
  • 2002: Solino
  • 2004: Gegen die Wand
  • (auch Drehbuch, Co-Produzent)
  • 2004: Ein Krasser Deal (nur Schauspieler)
  • 2004: Visions of Europe (auch Drehbuch, Produzent)
  • 2005: Kebab Connection
  • (nur Drehbuch)
  • 2005: Crossing the Bridge: The Sound of Istanbul (auch Drehbuch, Produzent)
  • 2005: Diebstahl alla turca (nur Schauspieler)
  • 2006: Takva (nur Co-Produzent)
  • 2007: Auf der anderen Seite
  • (auch Drehbuch, Produzent)
  • 2008: Chiko
  • (nur Produzent)
  • 2008: 1 ½ Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde
  • (nur Schauspieler)
  • 2009: Garbage in the Garden of Eden (auch Produzent)
  • 2009: Soul Kitchen
  • (auch Drehbuch, Produzent)
  • 2009: Deutschland 09 - 13 kurze Filme zur Lage der Nation (auch Drehbuch)
  • 2009: Mamarosh (nur Produzent)
  • 2010: New York, I love you
  • (auch Drehbuch)
  • 2011: UFO in Her Eyes
  • 2011: Blutzbrüdaz
  • (nur Produzent)
  • 2012: Mamarosh (nur Produzent)