Billy Wilder †

Biographie

Billy Wilder © CIC

Geboren am
Gestorben am
22. 06. 1906
27. 03. 2002
in Sucha, Galizien, Österreich-Ungarn
West Los Angeles, Kalifornien, USA
Autor Stefanie Rufle

„Niemals die Leute langweilen. Und wenn du etwas Wichtiges zu sagen hast, verpack es vorher in Schokolade.“ (Billy Wilder)
Billy Wilder ist der Drehbuchautor und Regisseur, der bis heute als stilbildend im Bereich Komödie und Drama gilt. Ihm haben wir großartige Komödien wie „Manche mögen's heiß“ (1959), „Das verflixte 7. Jahr“ (1955) oder „Das Mädchen Irma la Douce“ (1963) zu verdanken, ebenso schenkte er uns aber auch ergreifende Dramen wie „Das verlorene Wochenende“ (1945) oder „Zeugin der Anklage“ (1957). Als Drehbuchautor, Produzent und Regisseur war er insgesamt sage und schreibe einundzwanzig Mal für den OSCAR nominiert, sechsmal durfte er ihn entgegennehmen. Für „Das Appartement“ (1960) erhielt er den Goldjungen gleich dreimal: für den Besten Film, die Beste Regie und das Beste Drehbuch. Damit gehört er zu den weltweit nur sieben Regisseuren, denen dieses Kunststück gelungen ist – außer ihm waren das noch Leo McCarey, Francis Ford Coppola, James L. Brooks, Peter Jackson und die Brüder Joel und Ethan Coen. Wilders Regiestil war stark geprägt von seinem Glauben an die Macht des Drehbuchs. Ähnlich wie Alfred Hitchcock ließ er kaum Abweichungen vom Drehbuch zu und lehnte allzu extravagante Kameraeinstellungen, die von der Handlung ablenken könnten, ab. Er liebte den Schwarzweißfilm und nutzte ihn auch dann noch, als Farbfilme längst üblich waren. Durch seinen eher konservativen Regiestil war es Wilder möglich, anstößige Themen zu realisieren und schlüpfrige Details einzubauen. Ehebruch kommt in seinen Filmen ebenso häufig vor, wie Prostitution und Homosexualität. Dabei bediente er sich einer ausgefeilten Symbolsprache, die der Gesellschaft den Spiegel vorhielt und gleichzeitig die zu jener Zeit noch sehr strenge Zensurstelle hinters Licht führte. Insgesamt zeichnen sich Billy Wilders Werke durch Originalität, temporeichen Humor, zweideutige Dialoge und pikante Konstellationen aus – bis heute zählt er zu den wichtigsten Regisseuren Hollywoods.

„Wäre ich nicht Filmregisseur geworden, hätte ich mich wohl umgebracht.“ (Billy Wilder)
Samuel Wilder wurde am 22. Juni 1906 in Sucha, Österreich-Ungarn, dem heutigen Polen, als Sohn jüdischer Eltern, geboren. Sein Vater Max betrieb in Krakau ein Hotel und mehrere Bahnhofsrestaurants. Samuels Mutter, die angeblich eine starke Affinität zu Amerika hatte, nannte ihren Sohn immer nur Billie. Während des Ersten Weltkriegs zog die Familie Wilder 1916 aus Angst vor der russischen Armee nach Wien. Billie war dort eng mit dem späteren Regisseur Fred Zinnemann befreundet, mit dem er zeitweise dieselbe Klasse auf dem Gymnasium besuchte – die beiden hatten ihr Leben lang Kontakt miteinander. Nach der Matura wollte Billie eigentlich Anwalt werden, entschied sich aber schnell anders und begann als Reporter für eine Wiener Boulevardzeitung zu arbeiten. Er hatte eine große Vorliebe für die damals noch junge Jazzmusik, und als er 1926 den Jazzmusiker Paul Whiteman interviewte, lud der ihn nach Berlin ein. Während Billie sich in Berlin aufhielt, wurde seine Zeitung in einen Skandal verwickelt und er beschloss, dort zu bleiben und für eine andere Zeitung zu schreiben. Neben seiner Tätigkeit als Reporter verdiente er sich zusätzliches Geld als Ghostwriter für bekannte Drehbuchautoren wie Robert Liebmann und Frank Schulz. 1931 schrieb er zusammen mit Erich Kästner das Drehbuch für die Erstverfilmung von dessen Kinderbuch „Emil und die Detektive“. Nach der Machtergreifung der NSDAP und dem Reichstagsbrand floh Wilder 1933 nach Paris, wo er weiterhin als Ghostwriter für französische Drehbuchautoren tätig war. Hier inszenierte er auch seinen ersten Film „Mauvaise graine“ (1934). 1934 konnte er mit einem Besuchervisum in die USA einreisen, eine Tatsache, die ihm vermutlich das Leben rettete – Billies Mutter, seine Großmutter und der Stiefvater wurden in Auschwitz ermordet.

„Amerikaner werden misstrauisch, wenn man nicht einer von ihnen werden will – im Gegensatz zu den Franzosen, Engländern, Schweden und den meisten anderen Völkern, die es gerade misstrauisch macht, wenn man zu ihnen gehören möchte.“ (Billy Wilder)
In Amerika bekam Billie zunächst einen Sechs-Monats-Vertrag mit Columbia, danach war er dann zwei Jahre lang arbeitslos. In dieser Zeit teilte er sich ein Appartement mit Peter Lorre. 1936 wurde er unter dem Namen Billy Wilder von Paramount Pictures unter Vertrag genommen. 1936 schrieb er die Drehbücher zu „Ninotschka“ (1939) und „Enthüllung um Mitternacht“ (1939) – im selben Jahr wurde er amerikanischer Staatsbürger. „Der Major und das Mädchen“ (1942) wurde Wilders erste Regiearbeit für Paramount – weil er mit der Umsetzung seiner Drehbücher nicht zufrieden war, entschloss er sich, von nun an immer selbst Regie zu führen. Danach schrieb er nie wieder Drehbücher für andere. 1946 erhielt Wilder je einen OSCAR als Bester Regisseur und als Bester Drehbuchautor für „Das verlorene Wochenende“ (1945). Im Auftrag der amerikanischen Regierung ging er im Rang eines Colonels ins vom Krieg zerstörte Berlin und inszenierte dort von 1947 bis 1948 „Eine auswärtige Affäre“ (1948) mit Marlene Dietrich und Jean Arthur. 1950 erhielt Billy Wilder den OSCAR für das Beste Drehbuch zu „Boulevard der Dämmerung“ (1950), seiner Hommage an das Hollywood der Stummfilmzeit.

„Ich mache nur Filme, die ich auch selber gerne sehen würde.“ (Billy Wilder)
Nach 1950 war der Regisseur und Drehbuchautor meist auch als Produzent an seinen Filmen beteiligt. Mit „Das verflixte 7. Jahr“ (1954) entstand Wilders erste große Komödie, in der Marilyn Monroe die Hauptrolle spielte. Über die Monroe sagte der Regisseur einmal: „Hollywood hat Marilyn Monroe nicht umgebracht. Es sind die Marilyn Monroes, die Hollywood töten.“ Im Drama „Zeugin der Anklage“ (1957) drehte Wilder erneut mit Marlene Dietrich und zwei Jahre später entstand die unvergleichliche Komödie „Manche mögen’s heiß“ (1959) mit Marilyn Monroe, Tony Curtis und Jack Lemmon. Mit diesem Film setzte Billy Wilder Maßstäbe für das von ihm stark geprägte Genre der Screwball-Komödien. Besonders gerne drehte der Regisseur mit Jack Lemmon, William Holden und Walter Matthau – allein mit Lemmon drehte er sieben Filme: „Manche mögen’s heiß“, „Das Appartement“ (1960), „Das Mädchen Irma la Douce“ (1963) mit Shirley MacLaine, „Der Glückspilz“ (1966) mit Walter Matthau, „Avanti, Avanti!“ (1972), „Extrablatt“ (1974) und „Buddy, Buddy“ (1981) wieder mit Matthau, der Wilders letzter Film werden sollte. Obwohl seine späteren Werke nicht mehr an die großen Erfolge anknüpfen konnten, wurde „Buddy, Buddy“ (1981) nochmals ein richtiger Kassenknüller.

„Der Unterschied zwischen einer Komödie und einer Tragödie ist folgender: Ein Mann läuft eine Straße runter und fällt hin. Wenn er wieder aufsteht, ist das eine Komödie und die Leute lachen; bleibt er liegen, ist es eine Tragödie.“ (Billy Wilder)
Ab Mitte der Achtzigerjahre übernahm Billy Wilder eine Tätigkeit als Berater bei United Artists. Er war als Regisseur für „Schindlers Liste“ im Gespräch, doch aufgrund seines damals schon sehr hohen Alters übernahm Steven Spielberg diese Aufgabe. Wilder war angeblich von dessen Werk, das eng mit seiner eigenen Familiengeschichte verknüpft ist, tief berührt. 1999 übernahm er die Schirmherrschaft über das Deutsche Billy-Wilder-Institute of Film and Television Studies oHG, Bonn, das aber 2002 kurz vor Billys Tod geschlossen wurde. Der Regisseur und Drehbuchautor war von 1936 bis 1947 mit Judith Coppicus-Iribe verheiratet, mit der er Zwillinge hatte – Victoria und Vincent, der aber kurz nach der Geburt starb. 1949 heiratete er die Schauspielerin und Sängerin Audrey Young, mit der er bis zu seinem Tod zusammenblieb. Billy Wilder, der in rund fünfzig Jahren mehr als sechzig Filme machte, starb am 27. April 2002 in Beverly Hills an den Folgen einer Lungenentzündung. Über seinen Beruf sagte er einmal:
„Filme machen ist ein bisschen so, als würde man einen dunklen Raum betreten. Manche Leute stolpern über die Möbel, andere brechen sich die Beine, aber manche von uns sehen im Dunkeln besser als andere. Der ultimative Trick dabei ist, zu überzeugen.“


Filmographie Billy Wilder

  • 1929: Der Teufelsreporter (nur Drehbuch, Schauspieler)
  • 1930: Menschen am Sonntag (nur Drehbuch)
  • 1930: Ein Burschenlied aus Heidelberg (nur Drehbuch)
  • 1931: Der Mann, der seinen Mörder sucht (nur Drehbuch)
  • 1931: Ihre Hoheit befiehlt (nur Drehbuch)
  • 1931: Seitensprünge (nur Idee)
  • 1931: Der falsche Ehemann (nur Drehbuch)
  • 1931: Princesse, à vos ordres! (nur Drehbuch)
  • 1931: Emil und die Detektive (nur Drehbuch)
  • 1932: Happy Ever After (nur Drehbuch)
  • 1932: Un rêve blond (nur Drehbuch)
  • 1932: Where Is This Lady? (nur Story)
  • 1932: Un peu d'amour (nur Drehbuch)
  • 1932: Der Sieger (nur Drehbuch)
  • 1932: Es war einmal ein Walzer (nur Drehbuch)
  • 1932: Ein blonder Traum (nur Drehbuch)
  • 1932: Scampolo, ein Kind der Straße (nur Drehbuch)
  • 1932: Das Blaue vom Himmel (nur Drehbuch)
  • 1933: Madame wünscht keine Kinder (nur Drehbuch)
  • 1933: Was Frauen träumen (nur Drehbuch)
  • 1933: Adorable (nur Story)
  • 1934: Mauvaise graine (auch Drehbuch)
  • 1934: One Exciting Adventure (nur Story)
  • 1934: Liebesreigen (nur Drehbuch)
  • 1935: Under Pressure (nur Drehbuch)
  • 1935: The Lottery Lover (nur Drehbuch)
  • 1937: Chmapagne Waltz (nur Story)
  • 1938: Blaubarts achte Frau (nur Drehbuch)
  • 1938: That Certain Age (nur Drehbuch)
  • 1939: Enthüllung um Mitternacht (nur Drehbuch)
  • 1939: What a Life (nur Drehbuch)
  • 1939: Ninotschka (nur Drehbuch)
  • 1940: Rhythm on the River (nur Geschichte)
  • 1940: Arise, My Love (nur Drehbuch)
  • 1941: Das goldene Tor (nur Drehbuch)
  • 1941: Wirbelwind der Liebe (nur Drehbuch)
  • 1942: Der Major und das Mädchen (auch Drehbuch)
  • 1943: Fünf Gräber bis Kairo (auch Drehbuch)
  • 1944: Frau ohne Gewissen (auch Drehbuch)
  • 1945: Death Mills
  • 1945: Das verlorene Wochenende (auch Drehbuch)
  • 1948: Kaiserwalzer (auch Drehbuch)
  • 1948: Eine auswärtige Affäre (auch Drehbuch)
  • 1948: Die tollkühne Rettung der Gangsterbraut Honey Swanson (nur Story)
  • 1950: Boulevard der Dämmerung (auch Drehbuch)
  • 1951: Reporter des Satans (auch Drehbuch, Produzent)
  • 1953: Stalag 17 (auch Drehbuch, Produzent)
  • 1954: Sabrina (1954)
  • (auch Drehbuch)
  • 1954: Lux Video Theatre (TV-Serie) (nur Story)
  • 1955: Das verflixte 7.Jahr
  • (auch Drehbuch, Produzent)
  • 1956: Robert Montgomery Presents (TV-Serie) (nur Story)
  • 1957: Lindbergh - Mein Flug über den Ozean (auch Drehbuch)
  • 1957: Ariane - Liebe am Nachmittag (auch Drehbuch, Produzent)
  • 1957: Zeugin der Anklage
  • (auch Drehbuch)
  • 1959: Manche mögen's heiß
  • (auch Drehbuch, Produzent)
  • 1960: Das Appartement
  • (auch Drehbuch, Produzent)
  • 1961: Eins, Zwei, Drei
  • (auch Drehbuch, Produzent)
  • 1963: Das Mädchen Irma la Douce
  • (auch Drehbuch, Produzent)
  • 1964: Küss mich, Dummkopf (auch Drehbuch, Produzent)
  • 1966: Der Glückspilz
  • (auch Drehbuch, Produzent)
  • 1970: Das Privatleben des Sherlock Holmes
  • (auch Drehbuch)
  • 1972: Avanti, Avanti!
  • (auch Drehbuch, Produzent)
  • 1974: Extrablatt (auch Drehbuch)
  • 1978: Fedora (auch Drehbuch, Produzent)
  • 1981: Buddy, Buddy (auch Drehbuch)

Filmpreise

Golden Globe Nominierungen:
1950: Bestes Drehbuch: Boulevard der Dämmerung
1957: Beste Regie: Zeugin der Anklage
1957: Beste Regie: Das Appartement
1972: Bestes Drehbuch: Avanti, Avanti!
1972: Beste Regie: Avanti, Avanti!

Gewonnene Golden Globes
1945: Beste Regie: Das verlorene Wochenende
1950: Beste Regie: Boulevard der Dämmerung
1954: Bestes Drehbuch: Sabrina

OSCAR Nominierungen
1939: Bestes Drehbuch: Ninotschka
1941: Bestes Drehbuch (Original): Wirbelwind der Liebe
1941: Bestes Drehbuch: Das goldene Tor
1944: Bestes Drehbuch: Frau ohne Gewissen
1944: Beste Regie: Frau ohne Gewissen
1948: Bestes Drehbuch: Eine auswärtige Affäre
1950: Beste Regie: Boulevard der Dämmerung
1951: Bestes Drehbuch: Reporter des Satans
1953: Beste Regie: Stalag 17
1954: Bestes Drehbuch: Sabrina
1954: Beste Regie: Sabrina
1957: Beste Regie: Zeugin der Anklage
1959: Beste Regie: Manche mögen's heiß
1959: Bestes Drehbuch (Adaption): Manche mögen's heiß
1966: Bestes Drehbuch (Original): Der Glückspilz

Gewonnene OSCARs
1945: Beste Regie: Das verlorene Wochenende
1945: Bestes Drehbuch: Das verlorene Wochenende
1950: Bestes Drehbuch: Boulevard der Dämmerung
1960: Bestes Drehbuch (Original): Das Appartement
1960: Beste Regie: Das Appartement
1960: Bester Film: Das Appartement