Jafar Panahi

Biographie

Jafar Panahi © unbekannt

Geboren am 11.07.1960 in Mianeh, Iran Autor Kathrin Lang

Jafar Panahi wurde am 11. Juli 1960 in Mianeh im Iran geboren. Schon als junger Erwachsener entschied er sich für eine Karriere als Filmemacher. Erste Schritte in diese Richtung ging er in den 1980er Jahren, als er in Teheran ein Studium in Film- und Fernsehregie begann. Bereits in dieser Zeit arbeitete er an ersten eigenen Kurzfilmen sowie Dokumentationen und betätigte sich zudem als Regieassistent. Unter anderem arbeitete er 1994 zusammen mit dem bekannten iranischen Regisseur Abbas Kiarostami an dessen Film „Quer durch den Olivenhain“. Der Durchbruch gelang dem Iraner auf Anhieb mit seinem Debütfilm „Der weiße Ballon“, der 1995 fertiggestellt wurde und sogleich auf internationale Aufmerksamkeit stieß. Unter anderem gewann der im Iran spielende Kinderfilm die Goldene Kamera bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes. Auch die darauffolgenden Filme von Jafar Panahi wurden weltweit gefeierte Werke und immer wieder ausgezeichnet. Sein zweiter Spielfilm, „Der Spiegel“ von 1997, gewann unter anderem den Goldenen Leoparden auf dem Filmfestival von Locarno. „Der Kreis“ (2000) erhielt mit dem Goldenen Löwen bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig einen der weltweit wichtigsten Filmpreise und das Drama „Talaye sorkh“ (2003) entpuppte sich in Cannes als ein von der Jury hochgelobter Festivalbeitrag. Der 2005 fertiggestellte Film „Offside“ feierte auf der Berlinale am 17. Februar 2006 seine Welturaufführung und wurde einen Tag später prompt mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet.

Es ist eine beeindruckende Karriere auf die Jafar Panahi blicken kann - und doch ist diese von vielen dunklen Seiten überschattet. Als iranischer Regisseur, der seinen Beruf zum politischen Zweck einsetzt, ist Panahi der iranischen Regierung seit vielen Jahren ein Dorn im Auge. Immer mehr setzte Jafar Panahi im Laufe der Jahre mit seinen Filmen politische Statements, um als Botschafter auf Missstände in seinem Land hinzuweisen und diese über die Landesgrenzen hinauszutragen. Zuletzt erzählte er mit „Offside“ (2006) eine im Iran angesiedelte Geschichte über die Fußballweltmeisterschaft und setzte dabei sein besonderes Augenmerk auf den Ausschluss von iranischen Mädchen und Frauen von dem globalen Ereignis. Seine schockierende Wirkung entfaltete der Film durch seine scharfe Kritik an Entscheidungen der iranischen Regierung und durch den damit einhergehend direkten Verweis auf die enormen Unterschiede zwischen West- und Ostzivilisation.
Als Jafar Panahi 2009 bei den iranischen Präsidentschaftswahlen die Oppositionsbewegung 'Grüne Bewegung' gegen den amtierenden Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad offen unterstützte, war das für die iranische Regierung daher offensichtlich nur einer von vielen Gründen, dem Schaffen von Panahi ein Ende zu setzen. Im März 2010 wurde Jafar Panahi, zusammen mit dem ebenfalls erfolgreichen Kollegen Mohammed Rasoulof, verhaftet. Nach internationalen Protesten, an denen sich Filmschaffende und Freiheitskämpfer aus der ganzen Welt beteiligten, kamen die beiden im Mai gegen eine hohe Kaution aus dem Gefängnis frei; allerdings nur vorläufig. Ende des Jahres, im Dezember 2010, folgte das schockierende Urteil: sechs Jahre Gefängnis, und für Jafar Panahi zudem zwanzig Jahre Berufsverbot, Ausreiseverbot sowie Redeverbot. Wie in einem Artikel der ZEIT zu lesen ist, soll das ausschlaggebende Argument der iranischen Regierung die Arbeit an dem aktuellsten Film der beiden Regisseure gewesen sein, der sich mit den Demonstrationen rund um die iranischen Wahlen 2009 auseinandersetzten sollte. Ein Film also, der noch nicht einmal entstanden, sondern nur als reines Gedankengut vorhanden war.
Das erschlagende Urteil stieß weltweit auf eine Welle des Entsetzens. In mehreren Ländern setzten schockierte Kollegen Zeichen, um auf das aktuelle Vorgehen im Iran aufmerksam zu machen und ihren Protest zu bekunden. Am 11. Februar, dem 32. Jahrestag der Revolution im Iran, versammelten sich etliche bekannte Filmemacher vor der Cinemathèque Francaise. Zeitgleich rief der Regisseur Rafi Pitts alle Filmemacher und in der Filmindustrie Beschäftigte dieser Welt dazu auf, ihre Arbeit für zwei Stunden niederzulegen. Währenddessen platzierte man auf der Berlinale 2011 die wichtigsten Filme von Jafar Panahi im Festivalprogramm. Dort bekam man die Inhaftierung des iranischen Regisseurs in dieser Zeit besonders zu spüren, da der Platz in der Jury, der für Panahi vorgesehen war, leer blieb.
Das Urteil gegen Jafar Panahi befindet sich derzeit in Revision. "Untitled Jafar Panahi Project", Status: Post-Production. Möge dies nicht der letzte Eintrag in der Filmographie eines außergewöhnlichen Regisseurs und Menschenrechtlers bleiben.


Filmographie Jafar Panahi

  • 1988: Yarali bashlar
  • 1989: Der Fisch (nur Regieassistent)
  • 1991: Kish
  • 1992: Doust
  • 1992: Akharin emtehan
  • 1994: Quer durch den Olivenhain (nur Regieassistent, Schauspieler)
  • 1995: Der weiße Ballon (auch Schnitt, Drehbuch, Szenenbild)
  • 1997: Ardekoul (auch Schnitt, Drehbuch)
  • 1997: Der Spiegel (auch Schnitt, Drehbuch, Produzent)
  • 1997: Mosafere jonub (nur Schnitt)
  • 2000: Der Kreis (auch Schnitt, Drehbuch, produzent)
  • 2003: Talaye sorkh (auch Schnitt, Produzent)
  • 2005: Hokm (nur Schnitt)
  • 2005: Café Transit (nur Schnitt)
  • 2006: Offside
  • (auch Schnitt, Drehbuch, Produzent)
  • 2009: Keshtzar haye sepid (nur Schnitt)
  • 2010: The Accordion (auch Schnitt, Drehbuch)
  • 2010: Untitled Jafar Panahi Project (Post-Production)