Jack Nicholson

John Joseph Nicholson

Biographie

Jack Nicholson © Columbia TriStar

Geboren am 22.4.1937 in Neptune, New Jersey, USA Autor Stefanie Rufle

"Was am Ende bleibt, ist der Film. Alles andere zählt nicht."
Dieser Ausspruch sagt unendlich viel über den Menschen und Schauspieler Jack Nicholson aus. Der Star der Superlative, der bisher für zwölf OSCARs nominiert war und somit nur von Meryl Streep mit sage und schreibe dreizehn Nominierungen getoppt wurde, um den sich die Regisseure und Produzenten reißen, hat trotz allem einen erstaunlich nüchternen Blick auf die eigene Person. Angeblich liebt er es, wenn Witze auf seine Kosten gemacht werden und sagte in jüngerer Zeit über sich: "Mit meiner Sonnenbrille bin ich Jack Nicholson. Ohne sie bin ich fett und siebzig." Als übrigens ein Fotograf ihn bat, seine obligatorische dunkle Sonnenbrille abzusetzen, entgegnete ihm der eigenwillige Mime trocken:
"Sie sind neu hier, oder?"

John Joseph Nicholson wurde am 22. April 1937 in New Jersey geboren. Seine Mutter war Tänzerin im Showbusiness, sein Vater machte sich aus dem Staub. Jack wuchs in dem Glauben auf, seine Mutter sei seine große Schwester und seine Großmutter seine Mutter. Die Wahrheit erfuhr er erst, als er über dreißig und beide Frauen tot waren. Ein Reporter der "Times" stellte damals Recherchen über den Star an und stieß dabei auf die obskure Geschichte. Heute sagt Jack, er hege keinen Groll gegen diese wichtigen Frauen in seinem Leben. Er weiß aber auch, dass seine nicht ganz so liberale Gesinnung bezüglich des Rechts auf Abtreibung auf diesen frühen Erfahrungen in seinem Leben basiert. In der Welt von heute würde es ihn demnach wohl gar nicht geben, sagt der Leinwandstar. Als Kind war Jack Nicholson mit Danny DeVito befreundet, seine und Dannys Verwandte hatten zusammen einen Kosmetiksalon. Jack besuchte die Manasquan High School, in der er 1954 zum Klassenclown seiner Klasse gewählt wurde. Nach seinem College-Abschluss jobbte Jack als Bote bei MGM - er war großer Filmfan und konnte gar nicht genug davon bekommen, dort mit den großen Stars ein- und auszugehen. Als er eines Tages im Fahrstuhl von Joe Pasternak gefragt wurde, ob er jemals daran gedacht habe, Filmstar zu werden, verneinte der junge Mann. Von seinem Boss wurde er hinterher vor die Wahl gestellt, entweder ewig im Büro hockenzubleiben oder in der Nachwuchsabteilung des Studios vorzusprechen. Nicholson entschied sich für Letzteres und konnte tatsächlich im Players´ Ring Theater in L.A. anfangen. Er nahm Schauspielunterricht und hatte seine erste Hauptrolle in "Schrei, Baby Killer" (1958). Es folgte eine Reihe von weiteren Filmen wie etwa "Der kleine Horrorladen" (1960), "The Terror - Schloß des Schreckens" (in dem er zum ersten Mal auch Regie führte), "Operation Pazifik" (1964) oder "Psych-Out" (1968). Schnell probierte Jack alles Mögliche aus, schrieb Drehbücher und produzierte Filme. Ein wirklich großer Film für ihn war "Easy Rider" (1969) unter der Regie von Dennis Hopper, der mittlerweile längst zum Kultfilm avanciert ist. Zunächst sollte der Mime aber nur als "Aufpasser" die Dreharbeiten überwachen. Dann bot ihm Bert Schneider von BBS eine Rolle an und Jack griff sofort zu. Als er dann behauptete, den Schnitt würde er besser hinkriegen, hatte er den Job auch noch. Schnell hatte Nicholson sein "Bad-Boy-Image" weg, das diabolische Grinsen wurde zu seinem Markenzeichen.

Die Rolle des Johnny Hooker in "Der Clou" (1973), die schließlich Robert Redford bekam, lehnte Jack ab, um in "Das letzte Kommando" (1973) spielen zu können - das Drehbuch dazu hatte sein enger Freund Robert Towne geschrieben. Redford und Nicholson waren 1973 dann beide für den OSCAR nominiert, den aber Jack Lemmon einheimste. Im selben Jahr lehnte Jack übrigens auch "Der Pate" ab und sagt heute, er wäre die Idealbesetzung für den Paten gewesen. Heute würde er die Rolle seiner Aussage nach nicht mehr ablehnen. Seinen ersten OSCAR bekam der Mime für seine wirklich überragende Leistung in "Einer flog über das Kuckucksnest" (1975). Dieser Film zählt heute neben "Batman" (1989), "Jimmy Hoffa" (1992) und "Besser gehts nicht" (1997) zu seinen persönlichen Lieblingsauftritten. Seine Darstellung in dem großartigen Streifen wurde im Premiere-Magazin sowohl zu den "100 Greatest Performances of All Time" wie zu den "100 Greatest Movie Characters of All Time" gewählt. Auf die Rolle des Dr. Martin Dysart in "Equus" (1977) waren sowohl Nicholson wie auch Marlon Brando ganz begierig. Bekommen hat sie schlussendlich Richard Burton - und kassierte dafür seine siebte und letzte OSCAR-Nominierung. Jacks Darstellung des Jack Torrance in der Stephen King-Verfilmung "Shining" (1979) war eine weitere Meisterleistung - die Rolle schien ihm regelrecht auf den Leib geschneidert zu sein. Wer den Film gesehen hat, kann sich mit Sicherheit keinen anderen als Jack Nicholson in der Rolle des langsam wahnsinnig werdenden Hausmeisters vorstellen. Sein charakterloses, verdorbenes und psychopatisches Spiel sucht wirklich seinesgleichen. Im Gespräch mit Peter Bogdanovich sagte Nicholson:
"Wenn du einen harten Typen spielst, musst du auch hart sein, anders geht das nicht."

Weitere herausragende Filme wie etwa "Wenn der Postmann zweimal klingelt" (1981) und "Reds" (1981) folgten und 1983 war dann das Jahr des zweiten OSCARs für den Schauspieler - er bekam ihn für "Zeit der Zärtlichkeit" (1983). Jack behauptet, schon als er das Drehbuch las, gewusst zu haben, dass er für die Rolle einen OSCAR gewinnen würde. Nach einer Reihe von erwähnenswerten Filmen wie "Die Ehre der Prizzis" (1985), "Sodbrennen" (1986), "Wolfsmilch" (1987), "Die Hexen von Eastwick" (1987), "Batman" (1988) (für die Rolle des Joker schlug ihn Batman-Erfinder Bob Kane übrigens höchstpersönlich vor) und "Eine Frage der Ehre" (1992) erhielt Jack Nicholson 1997 seinen dritten und bisher letzten OSCAR für "Besser gehts nicht" (1997). Diese Auszeichnung widmete er J.T.Walsh, seinem Partner aus "Eine Frage der Ehre", der kurz vor der Verleihung gestorben war. Alle Filme, für die der Mime einen OSCAR erhielt, bekamen auch immer einen für die beste Hauptdarstellerin. Als Jack seinen Golden Globe als bester Schauspieler in einem Drama für "About Schmidt" (2002) entgegennahm, behauptete er, er habe immer gedacht, in einer Komödie gespielt zu haben.

Es soll allerdings nicht verschwiegen werden, dass nicht alle Leistungen des Schauspielers gut bewertet wurden. Zweimal war er für die "Goldene Himbeere" als schlechtester Schauspieler nominiert: für "Man Trouble" (1992) und "Jimmy Hoffa" (1992). Doch ansonsten kann sich Jack Nicholson kaum vor positiven Kritiken retten. Er erhielt den "Lifetime Achievement Award" des American Film Institute und steht im britischen Empire-Magazin auf Platz sechs der "The Top 100 Movie Stars of All Time"-Liste.

Jack Nicholson war siebzehn Jahre lang mit Schauspielerin Anjelica Huston liiert und hat fünf Kinder von vier verschiedenen Frauen. Er lebt in Beverly Hills am Mulholland Drive, den er selbst Bad Boy Hill taufte - wegen der wilden Drogen- und Sexpartys, die dort in den 70er Jahren stattfanden, als er, Warren Beatty und Marlon Brando Nachbarn waren. Über seinen Film "Departed - Unter Feinden" (2006) sagt er, dass es für ihn besonders spannend gewesen sei zu sehen, wie Leo Di Caprio erwachsen wird. Im Gespräch mit Peter Bogdanovich fragt Nicholson sich versonnen: "Bin ich zu alt für den Film? Manchmal ist mir so zumute." Der Jury der Golden Globes ist das Alter von Jack Nicholson dagegen herzlich egal. Für sie zählt die Leistung und die war ihr 2006 einen Nominierung in der Kategorie Bester Nebendarsteller für seine Rolle in "Departed - Unter Feinden" wert. Für seinen Film "Das Beste kommt zum Schluss" ließ sich der Mime mit dem diabolischen Grinsen den Schädel kahlrasieren. In dieser Tragikkomödie, in der er neben Morgan Freeman zu sehen ist, konnte Nicholson wieder vollkommen überzeugen. Zusammen mit Reese Witherspoon, Paul Rudd und Owen Wilson stand der charismatische Schauspieler für die Komödie "Woher weißt du, dass es Liebe ist" (2011) vor der Kamera.


Filmographie Jack Nicholson

  • 1958: Schrei, Baby Killer
  • 1960: Die wilde Jagd
  • 1960: Too Soon to Love
  • 1960: Mr. Lucky (TV Serie)
  • 1960: Kleiner Laden voller Schrecken
  • 1960: The Barbara Stanwyck Show (TV Serie)
  • 1960: Studs Lonigan
  • 1961: Tales of Wells Fargo (TV Serie)
  • 1961: Abenteuer unter Wasser (TV Serie)
  • 1961: Bronco (TV Serie)
  • 1962: Little Amy (TV)
  • 1962: Hawaiian Eye (TV Serie)
  • 1962: Das gebrochene Land
  • 1963: Der Rabe - Duell der Zauberer
  • 1963: Thunder Island (nur Drehbuch)
  • 1963: The Terror - Schloß des Schreckens (auch Regie)
  • 1964: Operation Pazifik
  • 1964: Flight to Fury (auch Drehbuch)
  • 1964: Back Door to Hell
  • 1965: Ritt im Wirbelwind (auch Drehbuch, Produzent)
  • 1966: Dr. Kildare (TV Serie)
  • 1966: Seaview - In geheimer Mission (TV Serie)
  • 1967: Das Schießen (auch Produzent)
  • 1967: The Andy Griffith Show (TV Serie)
  • 1967: The Trip (nur Drehbuch)
  • 1967: Spur des Jim Sonnett (TV Serie)
  • 1967: Chicago Massaker
  • 1967: Die wilden Schläger von San Fransisco
  • 1968: Psych-Out
  • 1968: Head (nur Drehbuch, Produzent, Musik)
  • 1969: Easy Rider
  • 1970: Rebel Riders
  • 1970: Einst kommt der Tag ...
  • 1970: Ein Mann sucht sich selbst
  • 1971: Die Kunst zu lieben
  • 1971: Ein Zauberer an meiner Seite
  • 1971: Drive, He Said (nur Drehbuch, Produzent, Regie)
  • 1972: Der König von Marvin Gardens
  • 1973: Das letzte Kommando
  • 1974: Chinatown
  • 1973: Beruf: Reporter
  • 1975: Tommy (auch Sänger)
  • 1975: Mitgiftjäger
  • 1975: Einer flog über das Kuckucksnest
  • 1976: Duell am Missouri
  • 1976: Der letzte Tycoon
  • 1978: Der Galgenstrick (auch Regie)
  • 1979: Shining
  • 1981: Wenn der Postmann zweimal klingelt
  • 1981: Ragtime
  • 1981: Reds
  • 1982: Grenzpatrouille
  • 1983: Zeit der Zärtlichkeit
  • 1985: Die Ehre der Prizzis
  • 1986: Elephant's Child (TV) (nur Stimme)
  • 1986: Sodbrennen
  • (auch Sänger)
  • 1987: Die Hexen von Eastwick
  • 1987: Nachrichtenfieber - Broadcast News
  • 1987: Wolfsmilch
  • 1988: Batman
  • 1990: Die Spur führt zurück (auch Produzent, Regie)
  • 1992: Man Trouble
  • 1992: Eine Frage der Ehre
  • 1992: Jimmy Hoffa
  • 1992: Blue Champagne (nur Produzent)
  • 1994: Wolf - Das Tier im Manne
  • 1995: Crossing Guard
  • 1996: Blood & Wine
  • 1996: Jahre der Zärtlichkeit
  • 1996: Mars Attacks!
  • 1997: Besser geht's nicht
  • 2001: Das Versprechen
  • 2002: About Schmidt
  • 2002: Die Wutprobe
  • 2004: Was das Herz begehrt
  • (auch Sänger)
  • 2004: Biography (TV-Serie) (nur Produzent)
  • 2006: Departed: Unter Feinden
  • (auch Sänger)
  • 2008: Das Beste kommt zum Schluss
  • 2009: I Am But a Fool (nur Ex.Produzent)
  • 2011: Woher weißt du, dass es Liebe ist
  • 2011: I'm still here

Filmpreise

Golden Globe Nominierungen:
1969: Bester Nebendarsteller: Easy Rider
1970: Bester Schauspieler - Drama: Ein Mann sucht sich selbst
1971: Bester Schauspieler - Drama: Die Kunst zu Lieben
1973: Bester Schauspieler - Drama: Das letzte Kommando
1981: Bester Nebendarsteller: Reds
1987: Bester Schauspieler - Drama: Wolfsmilch
1989: Bester Schauspieler - Musical / Comedy: Batman
1992: Bester Nebendarsteller: Eine Frage der Ehre
1992: Bester Schauspieler - Drama: Jimmy Hoffa
2003: Bester Schauspieler - Musical or Comedy: Was das Herz begehrt
2006: Bester Nebendarsteller: Departed: Unter Feinden

Gewonnene Golden Globes:
1974: Bester Schauspieler - Drama: Chinatown
1975: Bester Schauspieler - Drama: Einer flog über das Kuckucksnest
1983: Bester Nebendarsteller: Zeit der Zärtlichkeit
1985: Bester Schauspieler - Musical / Comedy: Die Ehre der Prizzis
1997: Bester Schauspieler - Musical / Comedy: Besser gehts nicht
2002: Bester Schauspieler - Drama: About Schmidt

OSCAR Nominierungen:
1969: Bester Schauspieler: Easy Rider
1970: Bester Schauspieler: Ein Mann sucht sich selbst
1973: Bester Schauspieler: Das letzte Kommando
1974: Bester Schauspieler: Chinatown
1981: Bester Nebendarsteller: Reds
1985: Bester Hauptdarsteller: Die Ehre der Prizzis
1987: Bester Hauptdarsteller: Wolfsmilch
1992: Bester Nebendarsteller: Eine Frage der Ehre
2002: Bester Hauptdarsteller: About Schmidt

Gewonnene OSCARs
1975: Bester Schauspieler: Einer flog über das Kuckucksnest
1983: Bester Nebendarsteller: Zeit der Zärtlichkeit
1997: Bester Hauptdarsteller: Besser gehts nicht