James Stewart †

James Maitland Stewart

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Biographie

James Stewart © MGM

Geboren am
Gestorben am:
20.5.1908
02.07.1997
in Indiana, Pennsylvania, USA
Los Angeles, Kalifornien, USA
Autor Stefanie Rufle

"Manchmal frage ich mich, ob ich nicht womöglich nur eine Jimmy Stewart-Imitation bin."
Dies sagte ein Mann von sich, der zu den größten Schauspielern Hollywoods gehörte, der all die großen Hollywoodstars, die mit ihm berühmt geworden waren, wie Clark Gable, John Wayne, Cary Grant und Gary Cooper überlebt hatte. Doch vor allem war James Stewart eins: ein redlicher Mann, dem sein Privatleben heilig war, der mit den "modernen" Filmen wenig anfangen konnte und der mit seiner streng moralischen Lebensauffassung so manchen Zeitgenossen vor den Kopf stieß. Als Schauspieler hat er die großen Zeiten des Hollywood-Kinos entscheidend mitgeprägt und konnte von seiner großen Leidenschaft nie so recht lassen - bis ins hohe Alter stand Jimmy Stewart vor der Kamera. Sein großer Wunsch war folgender:
"Es wäre schön, wenn die Menschen an mich als an einen denken, der gut war in seinem Job und als einen, der meinte, was er sagte."

Am 20. Mai 1908 in Indiana, Pennsylvania geboren, besuchte James Stewart die Princeton University, machte 1932 seinen Abschluss und promovierte in Architektur. Jimmy nahm nie Schauspielunterricht, hatte aber trotzdem schnell großen Erfolg mit seinen Filmen, nachdem er im Streifen "Art Trouble" (1934) zum ersten Mal auf der Leinwand zu sehen war. In diesen ersten Filmen war Stewart oft der "nette Junge von nebenan", der schüchterne und nette Kumpel. Im Film "Zum Tanzen geboren" (1936) sang Jimmy erstmals vor der Kamera - den Cole Porter-Song "Easy to Love". Zu seinen Sangeskünsten meinte er: "Der Song wurde ein solcher Hit, dass selbst mein Gesang ihn nicht ruinieren konnte." Als erster Filmstar ging James im Zweiten Weltkrieg zur Armee, wobei er von der Air Force zunächst abgelehnt wurde, weil er fünf Pfund zu wenig wog. Es gelang ihm aber, den zuständigen Offizier zu überreden, die Testergebnisse einfach zu ignorieren und so wurde Stewart ein Jahr, bevor die Bomben auf Pearl Harbor fielen, Mitglied der US Air Force. Während seiner Zeit als Offizier und Pilot im Army Air Corps war einer der Feldwebel in seiner Einheit Walter Matthau. Stewart schaffte den Aufstieg bis zum hochdekorierten Colonel und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er Reservist und zum Brigadier General befördert - damit hatte er den höchsten militärischen Rang inne, den je ein Schauspieler hatte. Die Rollen, die der Mime nach dem Krieg annahm, waren insgesamt düsterer und obwohl er als Kriegsheld galt, wollte er nie gern über seine Kriegserlebnisse sprechen. Mit seinem besten Freund Henry Fonda lebte er eine ganze Weile in Hollywood zusammen - die beiden galten als ultimative Playboys. Tatsächlich hatte Stewart wohl so manche Affäre, unter anderem mit Marlene Dietrich, mit der er für "Der große Bluff" (1939) vor der Kamera stand. 1949 heiratete James dann seine Gloria, mit der er bis zu deren Tod 1994 zusammenblieb. Mit ihr hatte er vier Kinder - zwei Söhne aus ihrer ersten Ehe, die Jimmy adoptierte und zwei Töchter. Das "Playboy-Leben" des Mimen hatte damit ein Ende, es wird behauptet dass seine und Henry Fondas Lieblingsbeschäftigung damals das gemeinsame Bemalen von Modellflugzeugen war. Den OSCAR als bester Schauspieler, den er 1940 für "Die Nacht vor der Hochzeit" (1940) erhielt, schickte er seinem Vater nach Indiana, der ihn dort in seinem Eisenwarenhandel ausstellte.

Auch künstlerisch hatte James Stewart sich gewandelt. Durch sein Zusammentreffen mit Regisseur Alfred Hitchcock bekamen seine Rollen einen neuen Charakter, er wurde zum tragischen Helden, zum vormals ehrlichen Durchschnittsmann, der ohne eigenes Verschulden in Schwierigkeiten gerät und sich nur ganz allein daraus befreien kann. Es wurde eine geniale Zusammenarbeit, aus der großartige Filme wie "Cocktail für eine Leiche" (1948), "Das Fenster zum Hof" (1954), "Der Mann, der zuviel wußte" (1956) oder "Vertigo" (1958) hervorgingen. Stewart schien die Rolle des ahnungslosen Helden wie auf den Leib geschneidert. Auch für die Rolle des Roger Thornhill in "Der unsichtbare Dritte" (1959) war eigentlich Jimmy vorgesehen gewesen. Doch nachdem "Vertigo" nicht den ersehnten Erfolg eingebracht hatte, war Hitchcock der Meinung, Stewart sähe zu alt aus, um noch das Publikum begeistern zu können. So entschied Hitch sich für Cary Grant - der vier Jahre älter war als Stewart! Ironischerweise hatte bereits 1948 Jimmy Cary Grant eine Rolle weggeschnappt - eigentlich war dieser die Originalbesetzung in "Cocktail für eine Leiche" gewesen. Hitchcocks Besetzungsmethoden waren wohl etwas eigen und Stewart sagte dazu: "Mr. Hitchcock hat nie behauptet, Schauspieler seien Vieh. Er hat lediglich gesagt, sie sollen wie Vieh behandelt werden." Das war also das Ende des "Dreamteams" Stewart/Hitchcock - später sagte Jimmy übrigens, er sei die absolute Fehlbesetzung bei "Cocktail für eine Leiche" gewesen. Glücklicherweise war James Stewart ein überaus wandlungsfähiger und vielseitiger Schauspieler. Noch heute wird er als großer Western-Held gefeiert, vor allem durch seine Darstellung in "Der Mann der Liberty Valance erschoss" (1962), doch das war er nur teilweise. Er hatte das Talent, in viele unterschiedliche Rollen zu schlüpfen, man denke nur an seine großartige Leistung in "Mein Freund Harvey" (1950), in dem er sein Können als Charakterdarsteller unter Beweis stellte und der ihm eine OSCAR Nominierung einbrachte. Sein persönlicher Lieblingsfilm war übrigens "Ist das Leben nicht schön?" (1946), der ihm wiederum eine OSCAR Nominierung einbrachte. Seine Darstellung in diesem Film steht auf Platz 8 der Liste der "100 Greatest Performances of All Time" des Premiere-Magazins, die in "Vertigo" auf Platz 30. Ab den 50er Jahren musste Stewart für seine Kinorollen ein Toupet tragen, in der Öffentlichkeit ging er aber sehr oft ohne - er war eben, wie er war, ein konservativer und disziplinierter Amerikaner. Während des Drehs zu "Zwei ritten zusammen" (1961) schlug Regisseur John Ford sich mit der Schwerhörigkeit seiner beiden Hauptakteure Richard Widmark und James Stewart herum, die einfach nicht in der Lage waren, seine Anweisungen richtig zu hören. Völlig entnervt verlor er irgendwann die Geduld und schrie:
"Fünfzig Jahre in diesem gottverdammten Geschäft und wo bin ich gelandet? Ich gebe zwei tauben Haarteilen Anweisungen!"

Immer wieder gab es Gerüchte, Stewart wolle sich ins Privatleben zurückziehen, doch er war eben mit Leib und Seele Schauspieler. 1961 nahm er für seinen Freund Gary Cooper den Ehren-OSCAR für dessen Lebenswerk entgegen - dieser lag zu dem Zeitpunkt bereits im Sterben. Doch auch für Jimmy wurde das Filmen immer mehr zur Qual. Während der Dreharbeiten zu "Tote schlafen besser" (1978) sah er viel älter aus als 69, er hörte schwer und hatte vermutlich auch eine Gedächtnisschwäche. Nach "Unsere Lassie" (1978) trat der Mime merklich kürzer, er hatte mit vielen gesundheitlichen Problemen wie Herzschwäche und Hautkrebs zu kämpfen. Er war aber auch sehr bekümmert wegen der großen Brutalität und den sexuellen Inhalten in den modernen Filmen - hier sah er keine Zukunft mehr für sich. Über seine Filme sagte er einmal: "Ich habe meine eigenen Regeln und an ihnen halte ich fest. Eine davon ist ganz einfach, aber unumstößlich. Ein James Stewart-Film muss zwei wesentliche Komponenten besitzen: er muss sauber sein und den Sieg des Unterdrückten über den Tyrannen beinhalten." Eine Maxime, die auf das junge Kino nur noch selten zutrifft...

Obwohl er seine Fans sehr großzügig behandelte, verteidigte Stewart immer seine Privatsphäre. Es wird erzählt, dass einmal eine Touristen-Familie die Dreistigkeit besessen hatte, in seinem Vorgarten ein Picknick abzuhalten. Angeblich kam Jimmy aus seinem Haus und stellte wortlos den Rasensprenger an. Trotzdem gab es über sein Privatleben jede Menge Gerüchte. Fakt ist, dass der Schauspieler sehr konservative Ansichten vertrat und politisch eher rechts stand. Rassendiskriminierung war zu seiner Zeit in Indiana die Regel und auch Jimmy war diesbezüglich wenig liberal. Während der McCarthy-Ära entzweite er sich mit seinem Freund Henry Fonda, der sich damals zusammen mit Humphrey Bogart, Lauren Bacall und John Houston gegen die "Bekämpfung unamerikanischer Aktivitäten" aussprach. Während dieser Zeit arbeitete Stewart angeblich gar als Geheimagent für FBI-Chef J. Edgar Hoover und hatte die Aufgabe, kommunistische Strömungen im Filmgeschäft aufzuspüren. Präsident Harry S. Truman war ein großer Bewunderer von Jimmy, der ihn als einer der wenigen Filmstars beim Wahlkampf unterstützte - die meisten seiner Kollegen machten sich für John F. Kennedy stark. Auch später behielt Stewart seine klare politische Linie bei - er unterstützte sowohl Richard Nixon wie auch Ronald Reagan bei den Präsidentschaftswahlen. 1985 wurde er von seinem Freund Reagan mit der Presidential Medal of Freedom, Amerikas höchster Zivilauszeichnung, geehrt. Als er 1985 seinen Ehren-OSCAR entgegennahm, sagte er: "Das ist die größte Auszeichnung, die ich je erhalten habe. Zu sehen, dass ich nach all diesen Jahren immer noch nicht vergessen bin." Zehn Minuten lang stand das Publikum ihm zu Ehren und applaudierte!

Den Tod seiner Ehefrau Gloria im Jahr 1994 verkraftete James nie, danach gab es für ihn keine öffentlichen Auftritte mehr. Er verbrachte von nun an die meiste Zeit in seinem Schlafzimmer, kam nur noch zu den Mahlzeiten heraus. Es wurde vermutet, er habe Alzheimer, in jedem Fall ging es gesundheitlich immer mehr bergab mit dem Mimen. Schließlich weigerte er sich, einen neuen Herzschrittmacher einsetzen zu lassen - er wollte den Dingen ihren natürlichen Lauf lassen. Am 2. Juli 1997 starb James Stewart - einen Tag nach Robert Mitchum - im Alter von 89 Jahren an Herzversagen. Seine letzten Worte sollen gelautet haben: "Ich gehe jetzt zu Gloria." Zu seiner Beisetzung erschienen mehr als 3 000 Menschen, unzählige Hollywoodstars erwiesen diesem großartigen und unvergessenen Schauspieler die letzte Ehre.


Filmographie James Stewart

  • 1934: Art Trouble
  • 1935: Der elektrische Stuhl
  • 1936: Rose-Marie
  • 1936: Next Time We Love
  • 1936: Seine Sekretärin
  • 1936: Important News
  • 1936: Kleinstadtmädel
  • 1936: Speed (1936)
  • 1936: Karriere (auch Musik)
  • 1936: Zum Tanzen geboren (auch Sänger)
  • 1936: Nach dem dünnen Mann
  • 1937: Im siebenten Himmel
  • 1937: Der letzte Gangster
  • 1937: Seekadetten
  • 1938: Of Human Hearts
  • 1938: Vivacious Lady
  • 1938: Engel aus zweiter Hand (auch Sänger)
  • 1938: Lebenskünstler
  • 1939: Ein ideales Paar
  • 1939: Tanz auf dem Eis
  • 1939: Drunter und drüber
  • 1939: Mr. Smith geht nach Washington
  • 1939: Der große Bluff
  • 1940: Rendezvous nach Ladenschluss
  • 1940: Tödlicher Sturm
  • 1940: Keine Zeit für Komödie
  • 1940: Die Nacht vor der Hochzeit
  • (auch Sänger)
  • 1941: Komm, bleib bei mir
  • 1941: Pot o´ Gold (auch Sänger)
  • 1941: Mädchen im Rampenlicht
  • 1941: Breakdowns of 1941
  • 1946: American Creed
  • 1946: Ist das Leben nicht schön?
  • (auch Musik)
  • 1947: Fremde Stadt
  • 1948: Kennwort 777
  • 1948: On Our Merry Way
  • 1948: Cocktail für eine Leiche
  • 1948: Startbahn ins Glück
  • 1949: The Stratton Story
  • 1949: Malaya
  • 1950: Winchester 73
  • 1950: Der gebrochene Pfeil
  • 1950: Mein Freund Harvey
  • 1950: Rette mich, wer kann
  • 1951: Die Reise ins Ungewisse
  • 1952: Die größte Schau der Welt
  • (auch Musik)
  • 1952: Meuterei am Schlangenfluß
  • 1952: Stärker als Ketten
  • 1953: Nackte Gewalt
  • 1953: Die Todesbucht von Louisiana
  • 1953: Die Glenn Miller Story
  • 1954: Tomorrow´s Drivers
  • 1954: Das Fenster zum Hof
  • 1954: Über den Todespaß
  • 1955: In geheimer Kommandosache
  • 1955: Arthur Godrey and His Friends (TV-Serie)
  • 1955: Der Mann aus Laramie
  • 1955: General Electric Theater (TV-Serie) (auch Regie)
  • 1956: Der Mann, der zuviel wusste
  • 1957: Lindbergh - Mein Flug über den Ozean
  • 1957: Die Uhr ist abgelaufen (auch Sänger)
  • 1958: Vertigo
  • 1958: Meine Braut ist übersinnlich
  • (auch Sänger)
  • 1959: Anatomie eines Mordes
  • 1959: Schlitz Playhouse of Stars (TV-Serie) (auch Regie)
  • 1959: Lux Playhouse (TV-Serie) (auch Regie und Produzent)
  • 1959: Geheimagent des FBI
  • 1959: Startime (TV-Serie)
  • 1960: Der Kommandant
  • 1961: Zwei ritten zusammen
  • 1961: Die X-15 startklar (nur Stimme)
  • 1962: Der Mann der Liberty Valance erschoss
  • 1962: Mr. Hobbs macht Ferien
  • 1962: Alcoa Premiere (TV-Serie)
  • 1962: Das war der wilde Westen
  • 1963: Heute Abend, Dick Powell! (TV-Serie)
  • 1963: In Liebe eine 1
  • 1964: Cheyenne
  • 1965: Geliebte Brigitte
  • 1965: Der Mann vom großen Fluß
  • 1965: Der Flug des Phönix
  • 1966: Rancho River
  • 1968: Die fünf Vogelfreien
  • 1968: Bandolero
  • 1970: Geschossen wird ab Mitternacht
  • 1971: Die Gnadenlosen
  • 1971: The Jimmy Stewart Show (TV-Serie)
  • 1972: Harvey (TV)
  • 1973: Hawkins: Der Strafverteidiger (TV)
  • 1973: Hawkins (TV-Serie)
  • 1974: Das gibt´s nie wieder (nur Sänger)
  • 1976: Der Shootist - Der letzte Scharfschütze
  • 1977: Airport ´77 - Verschollen im Bermuda-Dreieck
  • 1978: Tote schlafen besser
  • 1978: Unsere Lassie
  • 1980: Der Fremde im Regenwald
  • 1980: Mr. Krueger´s Christmas (TV)
  • 1983: Am Ende des Weges (TV)
  • 1986: Fackeln im Sturm - Staffel 2
  • (TV-Serie)
  • 1991: Ultraman - Mein geheimes Ich (TV-Serie)
  • 1991: Feivel, der Mauswanderer im wilden Westen (nur Stimme)
  • 1992: Goofy und Max (TV-Serie) (nur Stimme)

Filmpreise

Golden Globe Nominierungen:
1950: Bester Schauspieler - Musical/Comedy: Mein Freund Harvey
1962: Bester Schauspieler - Musical/Comedy: Mr. Hobbs macht Ferien

OSCAR Nominierungen:
1939: Bester Schauspieler: Mr. Smith geht nach Washington
1946: Bester Schauspieler: Ist das Leben nicht schön?
1950: Bester Schauspieler: Mein Freund Harvey
1959: Bester Schauspieler: Anatomie eines Mordes

Gewonnene OSCARs:
1940: Bester Schauspieler: Die Nacht vor der Hochzeit