Karlheinz Böhm

Biographie

Karlheinz Böhm © Gloria

Geboren am 16.3.1928 in Darmstadt, Hessen, Deutschland Autor Stefanie Rufle

„Ich weiß nicht, wie viele Prinzen, Fürsten, Könige und Kaiser ich damals hätte spielen sollen. Wirklich gute Angebote kamen nicht mehr.“
Das sagte der große deutsche Schauspieler Karlheinz Böhm einmal über die Rolle, die ihn so berühmt gemacht hatte, die andererseits aber auch zu einem Hemmschuh für seine weitere Karriere werden sollte: Kaiser Franz-Josef. An der Seite von Romy Schneider spielte er in der „Sissi“-Trilogie den Ehemann von Kaiserin Elisabeth von Österreich. Sowohl Böhm wie auch Romy verkörperten das brave, saubere Image der Fünfzigerjahre und wurden durch „Sissi“ auf ein Genre festgelegt, dem sie verzweifelt zu entfliehen versuchten.

Karlheinz Böhm wurde am 16. März 1928 in Darmstadt als Sohn des berühmten Dirigenten Prof. Dr. Karl Böhm und der Sängerin Thea Lienhard geboren. Er wuchs zunächst in Dresden auf und zog dann mit den Eltern nach Hamburg, wo er die Volksschule und später das Gymnasium besuchte. 1939 gelang es Karlheinz' Eltern, ihren Sohn mit Hilfe eines gefälschten ärztlichen Attests in die Schweiz ausreisen zu lassen und ihn so vor den Bombenangriffen in Sicherheit zu bringen. Karlheinz lebte dort für die Dauer des Zweiten Weltkriegs in einem Internat. Nach Kriegsende zog der inzwischen Achtzehnjährige mit seinen Eltern nach Graz und machte dort sein Abitur. Auf Drängen des Vaters studierte er Anglistik und Germanistik und anschließend in Rom noch Kunstgeschichte. Doch die Leidenschaft für die Schauspielerei war stärker, Karlheinz nahm Schauspielunterricht bei Albin Skoda und Helmut Krauß und begann seine Filmlaufbahn 1948 als Regieassistent von Karl Hartl in Wien. Der Jungschauspieler erhielt sein erstes Engagement am Burgtheater und war von 1949 bis 1953 Ensemble-Mitglied des Theaters in der Josefstadt.

Es folgten erste kleine Filmrollen, u. a. in „Haus des Lebens“ (1952). Erste Aufmerksamkeit erregte der Mime mit seinem Auftritt in der Romanadaption „Alraune“ (1952). Zwar war er bei den Probeaufnahmen für die Rolle des Frank Braun durchgefallen, doch Hildegard Knef, die die Hauptrolle spielte, gefiel Böhms Gesichtsausdruck, und so wurde er für das Schauerstück engagiert. Zwar kam der Film beim Publikum nicht an, doch für Karlheinz bedeutete er einen ersten Schritt hin zur Filmkarriere. Es folgten Produktionen wie „Der Weibertausch“ (1952), „Salto Mortale“ (1953) und die Schnulzen „Der unsterbliche Lump“ (1953) und „Die Sonne von St. Moritz“ (1954). Neben Sonja Ziemann war er in „Ich war ein hässliches Mädchen“ (1955) zu sehen – mehr und mehr festigte sich sein Ruf als junger, integrer Held, er wurde zum sauberen Leinwandidol der Fünfzigerjahre. Der Film „Sissi“ (1955) sollte Böhms weitere Karriere nachhaltig beeinflussen. Hier, wie auch in „Sissi – Die junge Kaiserin“ (1956) und „Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin“ (1957) spielte der Mime den jungen Kaiser Franz-Josef. Er und Romy Schneider wurden das neue Liebespaar im deutschen Film – und das, obwohl die damals 16jährige Romy ihn während der Dreharbeiten nur „Onkel Karlheinz“ genannt haben soll, er war immerhin zwölf Jahre älter als sie. Danach wurden Böhms sämtliche Filmpartnerinnen immer an der Schneider gemessen und scheiterten an diesem Anspruch des Publikums. Ob nun Martine Carol in „Nächte auf Tahiti“ (1957), Hannerl Matz in „Man müsste noch mal zwanzig sein“ (1958) und „Das Dreimäderlhaus“ (1958) oder Jayne Mansfield in „Zu heiß zum Anfassen“ (1960) – keine konnte in den Augen des Publikums Romy das Wasser reichen.

Dann kam der Psycho-Thriller „Peeping Tom“ (1960), der, ob nun bewusst oder unbewusst, den Bruch in der Karriere des Karlheinz Böhm bedeutete. Er spielte dort den Serienmörder und psychopathischen Voyeur und verursachte damit deutschlandweit Skandale. Kritik und Publikum lehnten den Film wegen seines beklemmenden Inhalts ab – „Peeping Tom“ wurde einhellig boykottiert. Damit begann Böhms Abstieg im deutschen Kino, der Saubermann war in den Augen des Publikums tief gefallen. Erst fast zwanzig Jahre später wurde „Peeping Tom“ die Ehre zuteil, die ihm eigentlich gebührt: 1979 wurde er von Martin Scorsese auf dem new yorker Filmfestival als wieder entdecktes Meisterwerk gefeiert. Böhm hatte einen Vertrag mit MGM abgeschlossen, doch diese Zusammenarbeit erwies sich für ihn als wenig befriedigend. Die Rollen, die er bekam, sagten ihm nicht zu, und die fünf entstandenen Filme waren nur mäßig erfolgreich. Mitte der Sechzigerjahre kehrte Karlheinz nach Europa zurück und spielte von nun an wieder verstärkt Theater. Dann holte Regisseur Rainer Werner Fassbinder den einstigen Star des deutschen Kinos wieder auf die Leinwand zurück. Böhm spielte in den Fassbinder-Produktionen „Effi Briest“ (1974), „Faustrecht der Freiheit“ (1975) und „Mutter Küsters' Fahrt zum Himmel“ (1975). Er war nun auch häufig im Fernsehen zu sehen, u. a. in Fassbinders „Martha“ (1973).

Nach eigener Aussage begann Karlheinz Böhm sich durch den gesellschaftskritischen Einfluss von Fassbinder immer mehr für die globalen Probleme zu interessieren. 1976 wurde der Mime erstmals mit der Armut in Afrika konfrontiert. Während eines Kur-Aufenthalts in Kenia ließ er sich von einem Angestellten die Kehrseite des Luxus-Tourismus zeigen. Böhm war erschüttert über das Elend, das sich ihm zeigte und beschloss zu helfen. 1981 wurde er in die TV-Sendung „Wetten, dass…?“ eingeladen und wettete, dass nicht jeder dritte Zuschauer eine Mark, einen Franken oder sieben Schilling für die Menschen in der Sahelzone spenden würde. Das Ergebnis war überwältigend: 1,4 Millionen Mark kamen zusammen, die Böhm persönlich nach Äthiopien brachte. Dort gründete der Schauspieler am 13. November 1981 die Hilfsorganisation „Menschen für Menschen“, die sich für hungernde Menschen in Äthiopien engagiert. Gemeinsam mit seiner vierten Ehefrau Almaz Teshome, die aus Äthiopien stammt, leitet Böhm seither „Menschen für Menschen“, lebt mehrere Monate im Jahr unter einfachsten Bedingungen in Äthiopien und verbringt die restliche Zeit mit Vortragsreisen quer durch Europa. Böhm ist österreichischer Staatsbürger, hat seit 2003 die äthiopische Ehrenstaatsbürgerschaft, fühlt sich aber selbst als Weltbürger. Er war insgesamt viermal verheiratet, hat mehrere Kinder, u. a. die Schauspielerinnen Kristina und Katharina Böhm und wurde während seiner Karriere mit zahlreichen wichtigen Preisen bedacht. 1983 erhielt er das Filmband in Gold für sein langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film, 1984 und 1990 wurde er mit dem Bambi geehrt, 1985 erhielt er den Theodor-Heuss-Preis, 2001 das Bundesverdienstkreuz und 2008 die Berlinale Kamera bei der Berlinale für sein Wirken im deutschen Film und sein humanitäres Engagement.


Filmographie Karlheinz Böhm

  • 1948: Der Engel mit der Posaune
  • 1949: Höllische Liebe
  • 1952: Wienerinnen
  • 1952: Haus des Lebens
  • 1952: Alraune
  • 1952: Der Tag vor der Hochzeit
  • 1952: Der Weibertausch
  • 1953: Salto Mortale
  • 1953: Arlette erobert Paris
  • 1953: Der unsterbliche Lump
  • 1953: Hochzeit auf Reisen
  • 1954: Die Sonne von St. Moritz
  • 1954: Die heilige Lüge
  • 1954: …und ewig bleibt die Liebe
  • 1954: Die Hexe
  • 1954: Ewiger Walzer
  • 1954: Die goldene Pest
  • 1955: Ich war ein hässliches Mädchen
  • 1955: Unternehmen Schlafsack
  • 1955: Schwedenmädel
  • 1955: Sissi
  • 1955: Dunja
  • 1956: Die Ehe des Dr. med. Danwitz
  • 1956: Kitty und die große Welt
  • 1956: Nina
  • 1956: Sissi, die junge Kaiserin
  • 1957: Blaue Jungs
  • 1957: Mitternacht Canale Grande
  • 1957: Das Schloß in Tirol
  • 1957: Sissi, Schicksalsjahre einer Kaiserin
  • 1958: Das Dreimäderlhaus
  • 1958: Examen des Lebens (TV)
  • 1958: Nächte auf Tahiti
  • 1958: Man müßte nochmal zwanzig sein
  • 1958: Das haut einen Seemann doch nicht um
  • 1959: Kriegsgericht
  • 1959: La Paloma
  • 1960: Peeping Tom
  • 1960: Zu heiß zum Anfassen
  • 1960: Der Gauner und der liebe Gott
  • 1962: Die vier apokalyptischen Reiter
  • 1962: Forever My Love
  • 1962: Sie fragte nicht nach morgen
  • 1962: Die Wunderwelt der Gebrüder Grimm
  • 1962: Disneyland (TV-Serie)
  • 1963: Die Leute von der Shiloh Ranch (TV-Serie)
  • 1963: Flieg mit mir ins Glück
  • 1963: Rififi in Tokio
  • 1963: Amos Burke (TV-Serie)
  • 1963: Combat! (TV-Serie)
  • 1965: L´heure de la vérité
  • 1966: Ein idealer Gatte (TV)
  • 1969: Traumnovelle (TV)
  • 1970: Literatur (TV)
  • 1972: Magic Graz
  • 1972: Verdacht gegen Barry Croft(TV)
  • 1973: Immobilien (TV)
  • 1973: Schloß Hubertus
  • 1974: Martha (TV)
  • 1974: Effi Briest (1974)
  • 1975: Im Hause des Kommerzienrates (TV)
  • 1975: Faustrecht der Freiheit
  • 1975: Mutter Küsters´ Fahrt zum Himmel
  • 1976: Seniorenschweiz (TV)
  • 1976: Die Tannerhütte (TV)
  • 1978: Tatort - Schwarze Einser (TV)
  • 1979: Kur in Travemünde (TV)
  • 1981: Ringstraßenpalais (TV-Serie)
  • 1983: Inflation im Paradies
  • 1996: Der Bergdoktor (TV-Serie)
  • 2009: Oben
  • (nur Stimme)