Klaus Maria Brandauer

Klaus Georg Steng

Biographie

Klaus Maria Brandauer © Buena Vista International

Geboren am 22.6.1944 in Bad Aussee, Österreich Autor Stefanie Rufle

„Engel und Teufel interessieren mich nicht. Ich habe eigentlich nur gebrochene Menschen in meinem Leben kennen gelernt.“
Es sind nicht die Rollen der glanzvollen Helden, die den großen deutschen Schauspieler Klaus Maria Brandauer so faszinieren. Er fühlt sich eher zu den am Leben zerbrochenen Charakteren, die voller Widersprüche sind, hingezogen. Der Mime, der im Privatleben als etwas kapriziös gilt, beherrscht die Leinwand ebenso wie die Bühne und gehört zu den wenigen deutschsprachigen Schauspielern, die es zu internationalem Ruhm gebracht haben.

Am 22. Juni 1944 im österreichischen Bad Aussee (heute Altaussee) als Sohn eines deutschen Vaters und einer österreichischen Mutter geboren, musste Klaus Georg Steng immer wieder die Schule wechseln. Er wuchs abwechselnd in Österreich, Deutschland, Frankreich und der Schweiz auf, wobei er seine ersten Lebensjahre vorwiegend bei den Großeltern verbrachte. Nach dem Abitur besuchte Klaus die Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart. Nach zwei Semestern brach er sein Studium allerdings ab, weil er die Chance auf sein erstes Bühnenengagement ergreifen wollte. Sein Schauspieldebüt hatte er 1963 am Landestheater Württemberg-Hohenzollern in Tübingen. Es folgten weitere Engagements in Düsseldorf und Zürich für den jungen Mimen und 1971 wurde er Mitglied auf Lebenszeit beim Wiener Burgtheater – seither trägt Brandauer den Titel „Burgschauspieler“. In den Siebzigerjahren avancierte Brandauer zu einem der bekanntesten Bühnenschauspieler Deutschlands. Doch neben seiner Tätigkeit als Schauspieler führte der begabte Mime auch von Anfang an Regie bei Stücken von Shakespeare, Becket und Schnitzler. Seit Ende der Sechzigerjahre war er auch immer wieder in TV-Adaptionen dieser Stücke zu sehen.

Sein Kinodebüt hatte Brandauer im Agententhriller „Top Secret“ (1971). Danach war er erst einmal vorwiegend im Fernsehen zu sehen, bis für ihn mit der Hauptrolle im OSCAR gekrönten „Mephisto“ (1981) der internationale Durchbruch kam. Auf Angebote aus Hollywood musste der Deutsche nun nicht länger warten und im James Bond-Streifen „Sag niemals nie“ (1983) brillierte er als Bösewicht und Sean Connerys Gegenspieler. Doch von Anfang an ließ Brandauer sich nicht auf Hollywood festlegen. Für die deutsche Produktion „Oberst Redl“ (1985), in der er die Hauptrolle spielte, wurde er mit dem Filmband in Gold geehrt. In der Romanverfilmung „Das Feuerschiff“ (1986) nach Siegfried Lenz stand er dann wiederum für eine US-Produktion vor der Kamera und für seine Darstellung des Baron Blixen in Sydney Pollacks „Jenseits von Afrika“ (1985) erhielt Klaus Maria gar eine OSCAR Nominierung und wurde mit einem Golden Globe als Bester Nebendarsteller geehrt. Neben Meryl Streep und Robert Redford konnte der Mime mühelos bestehen und seine Leistung beeindruckte nicht nur das deutsche Publikum. Obwohl die amerikanischen Produktionen im Anschluss eher unspektakulär waren, wurde es dennoch nicht still um Klaus Maria Brandauer, denn aufgrund seiner Vielsprachigkeit spielte er gleichermaßen in deutsch-, ungarisch-, englisch- und französischsprachigen Filmen. Eine dämonische Rolle so ganz nach seinem Geschmack hatte der Mime in „Hanussen“ (1988) inne und im folgenden Jahr war er auch erstmals als Filmregisseur für „Georg Elser – Einer aus Deutschland“ (1989) tätig. In „Das Russland-Haus“ (1990) stand Brandauer erneut mit Sean Connery vor der Kamera und im folgenden Jahr war er in der Jack London-Verfilmung „Wolfsblut“ (1991) zu bewundern. Für „Mario und der Zauberer“ (1994), einer Novelle von Thomas Mann, betätigte sich Klaus Maria erneut als Regisseur.

In diesen Jahren wechselte der Mime permanent zwischen europäischen und US-Produktionen hin und her. Im Drama „Kronprinz Rudolf“ (2006) spielte Klaus Maria den Sohn von Kaiserin Sissi und Kaiser Franz-Joseph. Er betätigte sich 2006 als Opernregisseur mit Wagners „Lohengrin“ an der Kölner Oper und inszenierte in Berlin die „Dreigroschenoper“ mit Campino von den „Toten Hosen“ als Mackie-Messer. Lange Jahre war Brandauer mit der 1992 verstorbenen Regisseurin Karin Brandauer verheiratet – die beiden hatten zusammen einen Sohn, Christian. Der Schauspieler lebt heute in seinem Geburtsort Altaussee und New York und hat eine Professur am Max Reinhardt Seminar in Wien. Klaus Maria, dem die Ehrendoktorwürde der Universität von Tel Aviv verliehen wurde, stand für Francis Ford Coppolas Film „Tetro“ (2009) in Argentinien vor der Kamera. Der vielseitige Mime, der nach wie vor Theater spielt, sagte einmal:
„Jeder Mensch hat einen Regenbogen an Charakter, den versuche ich darzustellen.“


Filmographie Klaus Maria Brandauer

  • 1966: Die Ballade von Peckham Rye (TV)
  • 1968: Das Käthchen von Heilbronn (TV)
  • 1969: Zwei aus Verona (TV)
  • 1969: Juno und der Pfau (TV)
  • 1970: Das Wort (TV)
  • 1970: Fast ein Hamlet (TV)
  • 1970: Der alte Richter (TV-Serie)
  • 1970: Der Tag des Krähenflügels (TV)
  • 1970: Friede den Hütten! Krieg den Palästen! (TV)
  • 1971: Der Widerspenstigen Zähmung (TV)
  • 1971: Emilia Galotti (TV)
  • 1971: Top Secret
  • 1972: Weh dem, der lügt (TV)
  • 1972: The Salzburg Connection
  • 1972: Oscar Wilde (TV)
  • 1973: Was Ihr wollt (TV)
  • 1973: Wienerinnen (TV)
  • 1975: Die Verschwörung des Fiesco zu Genua (TV)
  • 1975: Leonce und Lena (TV)
  • 1975: Frag nach bei Casanova (TV)
  • 1975: Das Konzert (TV)
  • 1975: Derrick - Pfandhaus (TV)
  • 1976: Kabale und Liebe (TV)
  • 1976: Darf ich mitspielen? (TV)
  • 1976: Die Babenberger in Österreich (TV)
  • 1977: Sonderdezernat K1 (TV-Serie)
  • 1978: Die Bräute des Kurt Roidl (TV)
  • 1979: Októberi vasárnap
  • 1979: Jahreszeiten der Liebe (TV)
  • 1980: La quinta donna (TV)
  • 1980: Die Weber (TV)
  • 1981: Mephisto
  • 1983: Der Weg ins Freie (TV)
  • 1983: Roda Rodas rote Weste (TV)
  • 1983: Kindergarten
  • 1983: James Bond 007 - Sag niemals nie
  • 1984: Der Snob (TV)
  • 1985: Oberst Redl
  • 1985: Quo Vadis? (TV-Serie)
  • 1985: Jenseits von Afrika
  • 1986: Das Feuerschiff
  • 1986: Streets of Gold
  • 1988: Hanussen
  • 1988: Europa und der zweite Apfel (TV)
  • 1988: Brennendes Geheimnis
  • 1989: Das Spinnennetz
  • 1989: Georg Elser - Einer aus Deutschland (auch Regie)
  • 1989: Die Französische Revolution
  • 1990: Marleneken (TV-Serie)
  • 1990: Das Russland-Haus
  • 1991: Wolfsblut
  • 1991: Becoming Colette
  • 1994: Felidae
  • (nur Stimme)
  • 1994: Mario und der Zauberer (auch Regie)
  • 1997: Balkan Island: The Last Story of the Century
  • 1998: Speer (TV) (auch Regie)
  • 1998: Die Bibel: Jeremia (TV)
  • 1999: Rembrandt
  • 1999: Die Ikone - Hollywoods Darling
  • 1999: Die Geschichte der Dorothy Dandridge (TV)
  • 1999: Die Wand (nur Regie)
  • 2000: Vera, nadezhda, krov
  • 2000: Dykaren
  • 2000: Cyrano von Bergerac (TV)
  • 2001: Vercingétorix - Kampf gegen Rom
  • 2002: Jedermanns Fest
  • 2002: Zwischen Fremden
  • 2003: Poem - Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug
  • 2003: Im Visier des Bösen (TV)
  • 2003: Die Entführung aus dem Serail (TV)
  • 2004: Die Wahrheit im Spiel (nur Regie)
  • 2006: Kronprinz Rudolfs letzte Liebe (TV)
  • 2009: Tetro
  • 2011: Manipulation

Filmpreise

Gewonnene Golden Globes:
1985: Bester Nebendarsteller: Jenseits von Afrika

OSCAR Nominierungen:
1985: Bester Nebendarsteller: Jenseits von Afrika