Helmut Berger

Helmut Steinberger

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Biographie

Helmut Berger © Basis

Geboren am 29.5.1944 in Bad Ischl, Österreich Autor Stefanie Rufle

Viele Gerüchte und Legenden ranken sich um das schillernde und ausschweifende Leben des österreichischen Schauspielers Helmut Berger, und vieles von dem, was er selber von sich erzählt, kann man getrost als Dichtung abtun. Doch eines kann man mit Sicherheit sagen: Mit seiner offen bekannten Bisexualität passte der exzentrische und narzistische Schauspieler perfekt zum damaligen Trend im europäischen Kino, sexuelle Tabus zu brechen und sich mit Homosexualität auseinanderzusetzen. Berger, der als Muse des italienischen Starregisseurs Lucino Visconti galt, war in den Sechziger- und Siebzigerjahren die Stil-Ikone der High-Society schlechthin.

Am 29. Mai 1944 im österreichischen Bad Ischl geboren, wurde Helmut Steinberger in seinen ersten Lebensjahren von der Mutter allein aufgezogen. Der Vater befand sich in russischer Kriegsgefangenschaft und kehrte erst zurück, als sein Sohn schon drei Jahre alt war. Seine Kindheit und Jugend verbrachte Helmut in Salzburg und besuchte die strenge Fransziskaner-Schule in Feldkirch. Schon früh entstand in dem Jungen der Wunsch, Schauspieler zu werden, und nach dem Abitur wollte er das Reinhardt-Seminar besuchen. Doch Helmuts Eltern waren gegen seine Berufswahl, ihr Sohn sollte einen angesehenen Beruf mit Zukunftschancen erlernen. So kam es, dass Helmut, der nach seiner Schulzeit eigentlich nichts mehr mit strengen Normen und Regeln zu tun haben wollte, auf eine Hotelfachschule geschickt wurde. Doch seinen Herzenswunsch verlor er nie aus den Augen und schließlich gelang es ihm, sich mit Kellnerjobs doch noch sein Schauspielstudium zu finanzieren und nebenher schon an kleineren Theatern aufzutreten. Berger entschied sich dann, nach London zu gehen, wo er von einem Fotografen entdeckt wurde. Der gut aussehende Mime wurde für Werbefilme und Modeaufnahmen engagiert und ging dann ins italienische Perugia, um seine Italienischkenntnisse zu verbessern. Dort war es dann auch, wo es zur schicksalhaften Begegnung mit Visconti kam.

Der Starregisseur drehte dort gerade „Vaghe Stelle Dell´Orsa“ und war sofort fasziniert vom jungen und ausnehmend attraktiven Berger, den er sofort in sein Haus einlud. Visconti fühlte sich durch Helmut inspiriert und plante große Produktionen mit ihm. Natürlich war die Beziehung der beiden von großem Medieninteresse begleitet, auch wenn Berger anfangs noch versuchte, die Tatsache, dass beide auch ein Liebespaar waren, vor der Öffentlichkeit geheim zu halten. Dabei ging es ihm nicht darum, dass niemand von seiner Bisexualität erfahren sollte, sondern er wollte vermeiden, dass angenommen würde, er sei nur wegen der verlockenden Rollen mit Visconti liiert. Seine erste kleine Rolle erhielt der Mime in der satirischen Episode „Hexen verbrennt man lebendig“ aus „Hexen von heute“ (1966), doch seinen internationalen Durchbruch hatte er als Martin Essenbeck in Viscontis „Die Verdammten“ (1969), ein Film, der gewollt an die Geschichte der Industriellenfamilie Krupp erinnert. Diese beeindruckende Leistung ließ Berger über Nacht zum Star werden und brachte ihm zudem eine Golden Globe Nominierung als Bester Nachwuchsdarsteller ein. Dieser neu gewonnene Ruhm und natürlich auch die Bekanntschaft mit großen Stars wie Romy Schneider verschafften dem österreichischen Mimen Zutritt zum internationalen Jetset. Wen wundert es, dass Helmut mit seiner außergewöhnlichen Schönheit und Ausstrahlung von Männern und Frauen gleichermaßen bewundert wurde? Rauschende Partys und exzessiver Drogenkonsum gehörten von nun an zum Alltag Bergers.

1972 kam dann der Film, den er selber als seinen besten bezeichnet: Berger verkörperte in Viscontis „Ludwig II“ (1972) auf einzigartige Weise den exzentrischen Monarchen. In einem grandiosen Balanceakt zwischen exzessiver und zurückhaltender Spielweise gelang es dem Mimen, gleichzeitig Ludwigs Feinsinn und seinen sich immer weiter steigernden Verfolgungswahn darzustellen. „Ludwig II“ war der Höhepunkt Helmut Bergers schauspielerischen Schaffens, hier konnte er beweisen, welch facettenreicher Schauspieler er ist. Zwei Jahre später stand er neben Burt Lancaster für Viscontis „Gewalt und Leidenschaft“ (1974) vor der Kamera – damals ahnte er noch nicht, dass das sein letzter Film unter der Regie seines Lebenspartners sein sollte. Der plötzliche Tod von Visconti im Jahr 1976 stürzte Helmut in ein tiefes Loch. Genau ein Jahr später versuchte er, sich das Leben zu nehmen, wurde aber von seiner Putzfrau gefunden und konnte mit knapper Not gerettet werden. In den Achtzigerjahren war Berger hauptsächlich im Fernsehen vertreten, unter anderem hatte er eine Rolle in der amerikanischen Serie „Der Denver-Clan“. Allmählich zog er sich aber immer mehr aus dem Filmgeschäft und der Öffentlichkeit zurück. Noch einmal überzeugte er als Bayern-König in „Ludwig 1881“ (1993) und stand auch danach immer wieder für die eine oder andere Produktion zur Verfügung. Im Jahr 2000 erschien Bergers Autobiographie „Helmut Berger – Ich, die Autobiografie“, die beweist, dass der Schauspieler es liebt, kleine Varianten und Widersprüche in seiner Biographie zu platzieren. Helmut Berger, der stets durch sein amouröses und ausschweifendes Leben von sich reden machte, lebt heute mit seiner Mutter in Salzburg.


Filmographie Helmut Berger

  • 1964: Der Reigen
  • 1967: Hexen von heute (als Helmut Steinberger)
  • 1968: I Giovani tigri
  • 1969: Metti, una sera a cena
  • 1969: Sai cosa faceva Stalin alle donne?
  • 1969: Die Verdammten
  • 1969: Das Bildnis des Dorian Gray (1969)
  • 1970: Der Garten der Finzi Contini
  • 1971: Blutspur im Park
  • 1971: Der letzte Tanz des blonden Teufels
  • 1972: La colonna infame
  • 1972: Ludwig II
  • 1973: Reigen
  • 1973: Les voraces
  • 1973: Die Rivalin
  • 1974: Gewalt und Leidenschaft
  • 1975: Mörderroulette
  • 1975: Die Kokainfalle
  • 1976: Doppelspiel
  • 1976: Unternehmen Entebbe (TV)
  • 1977: Der Tollwütige
  • 1978: Die große Offensive
  • 1978: Das fünfte Gebot
  • 1979: Return of the Saint (TV-Serie)
  • 1980: Höllentrip ins Jenseits
  • 1980: Fantômas (TV-Serie)
  • 1981: Geliebte Hexe
  • 1981: Rosen von Danzig (TV-Serie)
  • 1982: Die Jäger
  • 1982: Flüchtige Bekanntschaften (TV)
  • 1983: Insel der Wollust
  • 1983: Veliki transport
  • 1983: Der Denver-Clan (TV-Serie)
  • 1983: Victòria! La gran aventura d´un poble
  • 1983: Victòria! 2: La disbauxa del 17
  • 1984: Victòria! 3: El seny i la rauxa
  • 1985: Codename: Emerald
  • 1987: Helena (TV-Serie)
  • 1988: Faceless
  • 1989: Act of Revenge
  • 1989: I promessi sposi (TV-Serie)
  • 1990: Der Pate 3
  • 1992: Adelaide
  • 1993: Boomtown (TV)
  • 1993: Ludwig 1881
  • 1993: Van Loc: und grand flic de Marseille (TV-Serie)
  • 1995: Die Affäre Dreyfus
  • 1996: L´ombre du pharaon
  • 1997: Ultimo taglio
  • 1997: Teo (TV)
  • 1999: Unter den Palmen
  • 2004: Honey Baby
  • 2005: Damals warst Du still
  • 2009: Blutsfreundschaft
  • 2010: Iron Cross
  • 2011: Mörderschwestern

Filmpreise

Golden Globe Nominierungen:
1969: Bester Nachwuchsschauspieler: Die Verdammten