Laurence Olivier †

Laurence Kerr Olivier

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Biographie

Laurence Olivier © unbekannt

Geboren am
Gestorben am:
22.5.1907
11.07.1989
in Dorking, Surrey, England, Großbritannien
Steyning, West Sussex, England, Großbritannien
Autor Stefanie Rufle

“Du bist England!“
Das rief Charles Laughton aus, nachdem er Laurence Olivier als Heinrich V. gesehen hatte, und es könnte wohl kaum einen passenderen Ausspruch geben, der umfasst, was der große Mime für sein Heimatland und die Filmgeschichte an sich bedeutete. Für den ersten Film, den er selbst inszeniert hatte, den episch patriotischen „Heinrich V.“ (1944), bekam Laurence Olivier den Ehren-OSCAR für seine Leistungen. Trotz seines durchschlagenden Erfolgs in Hollywood blieb er dem britischen Kino stets treu und machte sich vor allem als großer Shakespeare-Darsteller einen Namen. King George VI. hatte ihn 1947 zum Sir ernannt, er war Mitglied des Oberhauses, Peer der Krone und als erster Schauspieler Lord auf Lebenszeit. Sir Laurence Olivier gilt bis heute als einer der größten englischsprachigen Schauspieler des 20. Jahrhunderts und war schon zu Lebzeiten ein Mythos. Insgesamt elfmal war er für den OSCAR nominiert, neunmal als Bester Schauspieler, einmal als Bester Nebendarsteller, zweimal für den Besten Film und einmal für die Beste Regie. Nur Katharine Hepburn, Jack Nicholson und Meryl Streep können mehr Nominierungen als Beste Schauspieler vorweisen. 1978 wurde Olivier mit dem Ehren-OSCAR für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Doch trotz all seiner Titel und Auszeichnungen brach er die Unterhaltung ab, wenn sein Gegenüber ihn nicht schlicht mit „Larry“ anredete.

“Ohne die Schauspielerei könnte ich nicht atmen.“
Am 22. Mai 1907 in Dorking, in der Grafschaft Surrey geboren, wuchs Laurence als Sohn eines streng religiösen Pfarrers auf. Er besuchte die St. Edward School in Oxford und spielte bereits mit fünfzehn die Katharina in Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“. Der Vater unterstützte Laurence in seinem Bestreben, Schauspieler zu werden und so durfte er die Central School of Speech and Drama in London besuchen und trat anschließend der Birmingham Repertory Company bei. Mit zwanzig bekam der talentierte Mime seine erste Hauptrolle auf der Bühne in London und 1929 hatte er sein Broadwaydebüt. Seine erste Kinorolle war an der Seite von Lilian Harvey in „The Temporary Widow“ (1930), der Verfilmung des Bühnenstücks „Hokuspokus“. 1932 ging Olivier nach Hollywood, wo er der Partner der Stummfilmlegende Gloria Swanson im von ihr produzierten „Perfect Understanding“ (1933) war. Laurence wurde aufgefordert, seinen Namen in Larry Olivier abzuändern. Später fragte er sich oft, was aus seiner Karriere geworden wäre, wenn er das gemacht hätte, hätte dieser Name doch einen völlig anderen Typus von Schauspieler charakterisiert. Bereits 1933 war der Brite zurück in London und spielte seine erste Shakespeare-Rolle im Film „Wie es Euch gefällt“ (1936).

“Was ist Schauspielerei, wenn nicht lügen? Und wer gut lügen will, muss überzeugend lügen.“
Zum gefeierten Star wurde Laurence Olivier schließlich als der tragisch-romantische Held Heathcliff in William Wylers Emily Bronte-Verfilmung „Stürmische Höhen“ (1939) – diese Rolle brachte ihm eine OSCAR Nominierung ein. Seit 1930 war der Mime mit der Schauspielerin Jill Esmond verheiratet, doch schon während der Dreharbeiten zum historischen Abenteuerfilm „Feuer über England“ (1936) verliebte er sich in seine damalige Filmpartnerin Vivien Leigh. Die beiden hatten eine Aufsehen erregende Affäre und drehten gemeinsam „21 Days“ (1937) und „Lord Nelsons letzte Liebe“ (1940) – Filme, die die beiden weltberühmt machten. Nach der Scheidung von Esmond heiratete Laurence Vivien 1940 und im selben Jahr unternahmen beide gemeinsam eine sehr erfolgreiche Theatertournee mit Shakespeares „Romeo und Julia“. Unter der Regie von Alfred Hitchcock spielte Olivier den Maxime de Winter in der Daphne du Maurier-Verfilmung „Rebecca“ (1940) an der Seite von Joan Fontaine. Es folgten die großen Shakespeare-Filme „Heinrich V.“ (1944) und „Hamlet“ (1948), die ihn gemeinsam mit „Richard III.“ (1955) zur Legende machten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm Olivier die Leitung des legendären Londoner „Old Vic“ – das Theater war und blieb seine große Leidenschaft. Längst schon war er zu einem der international bedeutendsten Charakterdarsteller aufgestiegen – seine Wandlungsfähigkeit schien unerschöpflich und war unglaublich virtuos. 1951 siedelte Olivier mit Ehefrau Vivien Leigh in die USA über, doch blieb er dem britischen Kino immer treu. 1953 produzierte er als Krönungsgeschenk für Queen Elizabeth II. „Die Bettleroper“ (1953) und nahm für seine Rolle sogar Gesangsunterricht.

“Jeder von uns war schon einmal zu irgendeinem Zeitpunkt ein Schauspieler und viele von uns – Politiker, Playboys, Kardinäle und Könige – sind es immer noch.“
Viele Schauspieler verdanken Sir Laurence Olivier ihren Durchbruch. Auch Marilyn Monroe, die er einmal als „professionelle Amateurin“ bezeichnete, besetzte er in „Der Prinz und die Tänzerin“ (1957) erstmals in einer dramatischen Rolle. Unter der Regie von Guy Hamilton war Laurence in „Der Teufelsschüler“ (1959) zu sehen und in Stanley Kubricks „Spartacus“ (1960) stand er neben Kirk Douglas, Peter Ustinov und Tony Curtis vor der Kamera. Nach der medienträchtigen Scheidung von Vivien Leigh heiratete Olivier 1961 Joan Plowright, mit der er bis zu seinem Tod zusammenbleiben sollte. Zusammen mit Michael Caine spielte er in „Mord mit kleinen Fehlern“ (1973) und als diabolischer KZ-Arzt gab er in John Schlesingers „Marathon Mann“ (1976) an der Seite von Dustin Hoffman eine beängstigend gute Vorstellung. Laurence, der Mitbegründer des National Theatre und für längere Zeit dessen Intendant war, war eigentlich für Marlon Brandos Rolle in „Der Pate“ (1972) vorgesehen gewesen. Er hatte schon den italienischen Akzent eingeübt, doch dann wurde er krank und konnte die Rolle nicht antreten. Schon seit 1967 plagten den Mimen gesundheitliche Probleme und die letzten 22 Jahre seines Lebens verbrachte er mehr oder weniger krank. Seinen letzten Bühnenauftritt hatte Olivier, der als Shakespeare-Darsteller ebenso brillieren konnte, wie in modernen oder humorvollen Rollen, 1974 in „The Party“. Seine letzte Vorstellung auf der Leinwand gab er als Soldat in „War Requiem“ (1988). Der große Brite Sir Laurence Olivier starb mit 82 Jahren am 11. Juli 1989. Er wurde in der Londoner Westminster Abbey beigesetzt. Vier Kinder hatte er und Sohn Tarquin Olivier behauptet in seinem Buch „My Father Laurence Olivier“, sein Vater sei am Ende seines Lebens nicht zufrieden mit dem gewesen, was er in seinem Leben erreicht habe. Laut den Erinnerungen von Sohn Richard Olivier aus dessen Buch „Melting the Stone: A Journey Around My Father“ habe Oliviers Karriere ihn immer mehr interessiert als die eigenen Kinder. Laurence Olivier, dessen Darstellung in „Hamlet“ in J. D. Salingers Buch „Der Fänger im Roggen“ von dessen Held Holden Caulfield diskutiert wird, sagte einmal:
„Ich liebe es, wie ein Chamäleon aufzutreten. Während meiner gesamten Karriere war ich eigentlich immer verkleidet.“


Filmographie Laurence Olivier

  • 1930: Too Many Crooks
  • 1930: The Temporary Widow
  • 1931: Potiphar´s Wife
  • 1931: Friends and Lovers
  • 1931: The Yellow Ticket
  • 1932: Westward Passage
  • 1933: Perfect Understanding
  • 1933: No Funny Business
  • 1935: Moscow Nights
  • 1936: Wie es Euch gefällt
  • 1936: Conquest of the Air
  • 1937: Feuer über England (auch Musik)
  • 1938: Besuch zur Nacht
  • 1939: Testflug QE 97
  • 1939: Stürmische Höhen
  • 1940: 21 Days
  • 1940: Rebecca
  • 1940: Stolz und Vorurteil (1940)
  • 1941: Lord Nelsons letzte Liebe
  • 1941: 49th Parallel (auch Musik)
  • 1943: The Demi-Paradise
  • 1944: Wunderbare Zeiten
  • 1944: Heinrich V. (auch Produzent, Regie, Drehbuch)
  • 1948: Hamlet (1948)
  • (auch Ex.Produzent, Regie, Drehbuch)
  • 1952: Der wunderbare Flimmerkasten
  • 1952: Carrie
  • 1953: Die Bettleroper (auch Produzent)
  • 1955: Richard III (auch Produzent, Regie, Drehbuch)
  • 1957: Der Prinz und die Tänzerin (auch Produzent, Regie)
  • 1958: ITV Play of the Week (TV-Serie)
  • 1959: Der Teufelsschüler
  • 1959: The Moon and Sixpence (TV)
  • 1960: Der Komödiant
  • 1960: Spartacus
  • 1961: The Power and the Glory (TV)
  • 1962: Spiel mit dem Schicksal
  • 1963: Uncle Vanya
  • 1965: Bunny Lake ist verschwunden
  • 1965: Othello
  • 1966: Khartoum - Aufstand am Nil
  • 1968: Romeo & Julia (nur Stimme)
  • 1968: In den Schuhen des Fischers
  • 1969: Male of the Species (TV)
  • 1969: Oh! What a Lovely War
  • 1969: The Dance of Death
  • 1969: Die Luftschlacht um England
  • 1969: David Copperfield (TV)
  • 1970: Three Sisters (auch Regie)
  • 1971: Nikolaus und Alexandra
  • 1972: Die große Liebe der Lady Caroline
  • 1972: Mord mit kleinen Fehlern
  • 1973: Long Day´s Journey Into Night (TV)
  • 1973: The Merchant of Venice (TV)
  • 1974: The Rehearsal
  • 1975: Liebe in der Dämmerung (TV)
  • 1976: The Collection (TV) (auch Produzent)
  • 1976: Der Marathon Mann
  • 1976: Kein Koks für Sherlock Holmes
  • 1976: Cat on a Hot Tin Roof (TV) (auch Produzent)
  • 1976: Hindle Wakes (TV) (nur Regie)
  • 1977: Jesus von Nazareth (TV-Serie)
  • 1977: Die Brücke von Arnheim
  • 1977: Come Back, Little Sheba (TV) (auch Produzent)
  • 1978: Saturday, Sunday, Monday (TV)
  • 1978: Daphne Laureola (TV) (auch Ex.Produzent)
  • 1978: Der Clan
  • 1978: The Boys from Brazil
  • 1979: Ich liebe dich - I love you - je t´aime
  • 1979: Dracula (1979)
  • 1980: The Jazz Singer
  • 1981: Inchon
  • 1981: Kampf der Titanen (1980)
  • 1981: Wiedersehen in Brideshead (TV-Serie)
  • 1982: A Voyage Round My Father (TV)
  • 1983: Agenten sterben zweimal
  • 1983: King Lear (TV)
  • 1983: Mr. Halpern and Mr. Johnson (TV)
  • 1983: Wagner (TV-Serie)
  • 1984: The Ebony Tower (TV)
  • 1984: Mord nach Plan (TV)
  • 1984: Die Bounty
  • 1984: Die letzten Tage von Pompeji (TV-Serie)
  • 1985: Wildgänse II - Sie fliegen wieder
  • 1986: Peter der Große (TV-Serie)
  • 1986: Lost Empires (TV-Serie)
  • 1989: War Requiem

Filmpreise

Golden Globe Nominierungen:
1960: Bester Schauspieler - Drama: Spartacus
1972: Bester Schauspieler - Drama: Mord mit kleinen Fehlern
1979: Bester Nebendarsteller: Ich liebe dich - I love you - je t´aime

Gewonnene Golden Globes:
1948: Bester Schauspieler: Hamlet
1976: Bester Nebendarsteller: Der Marathon Mann

OSCAR Nominierungen:
1939: Bester Schauspieler: Stürmische Höhen
1940: Bester Schauspieler: Rebecca
1944: Bester Schauspieler: Henry V.
1948: Beste Regie: Hamlet
1955: Bester Schauspieler: Richard III
1960: Bester Schauspieler: Der Komödiant
1965: Bester Schauspieler: Othello
1972: Bester Schauspieler: Mord mit kleinen Fehlern
1976: Bester Nebendarsteller: Der Marathon Mann
1978: Bester Hauptdarsteller: The Boys from Brazil

Gewonnene OSCARs:
1948: Bester Schauspieler: Hamlet