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Alec Guinness †
Alec Guinness de Cuffe
Biographie
© Impuls
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Geboren am Gestorben am: |
2.4.1914 05.08.2000 |
in |
Marylebone, London, England, UK Midhurst, Sussex, England, Großbritannien |
Autor | Stefanie Rufle |
|---|
“Im Grunde bin ich ein Schauspieler für die kleinen Rollen, der aber in der glücklichen Lage war, die meiste Zeit seines Lebens Hauptrollen spielen zu dürfen.“
Kaum zu glauben, aber wahr: Diese Worte sind tatsächlich Sir Alec Guinness zuzuordnen, einem der größten Charakterdarsteller des 20. Jahrhunderts, der bis heute als einer der begnadetsten und wandlungsfähigsten Schauspieler überhaupt gilt. Mit seinem großen komödiantischen Talent prägte Guinness ganz entscheidend das Bild des englischen Films, wurde zu einem Sinnbild des subtilen britischen Humors und spielte in seinen mittleren und späten Jahren dann mehr und mehr charismatische Autoritätsfiguren. Zu seinen zahlreichen Preisen und Auszeichnungen zählen u. a. der OSCAR und der Golden Globe als bester Schauspieler für „Die Brücke am Kwai“ (1957), der Ehren OSCAR, der ihm 1979 für sein Lebenswerk von Dustin Hoffman überreicht wurde, der Lifetime Achievement Award der Europäischen Filmakademie, den er 1996 in Empfang nehmen durfte, fünf OSCAR Nominierungen und zahlreiche Theaterpreise. 1955 wurde Guinness zum Commander of the Order of the British Empire, 1959 schlug ihn Queen Elizabeth II. aufgrund seiner Verdienste um Theater und Film zum Ritter und 1994 wurde er in den Orden der Companions of Honour aufgenommen.
“Ich wurde im Chaos geboren und versank darin für Jahre. Bis zum Alter von 14 hatte ich drei verschiedene Namen und lebte in ungefähr 30 verschiedenen Hotels, Pensionen und Wohnungen, die alle zum „Zuhause“ erklärt wurden, bis wir wieder fortzogen und wie bei einer Schnitzeljagd einen ganzen Stapel unbezahlter Rechnungen hinter uns zurückließen.“(aus der Autobiographie „Das Glück hinter der Maske“, Kindler-Verlag)
Am 02. April 1914 kam Alec Guinness de Cuffe unter äußerst ärmlichen Verhältnissen zur Welt. Seinen Vater lernte er nie kennen, Alecs Mutter schwieg stets über dessen Identität. Nach der Schule arbeitete Alec für eine Werbeagentur und erhielt dann ein Stipendium, das es ihm ermöglichte, am Fay Compton Studio of Dramatic Art Schauspiel zu studieren. 1934 bekam der junge Mime seine erste kleine Theaterrolle und schon zwei Jahre später wurde er zum festen Ensemblemitglied am legendären Londoner Old Vic, wo er zusammen mit Laurence Olivier, John Gielgud und Ralph Richardson auftrat. 1941 trat Guinness seinen Dienst bei der Royal Navy an, und erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er von Regisseur David Lean für den Film entdeckt. Er spielte in der Bühnenverfilmung „Die großen Erwartungen“ (1946) und war in Leans Charles Dickens-Adaption „Oliver Twist“ (1948) zu sehen. In der schwarzen Komödie „Adel verpflichtet“ (1949) verkörperte Alec sage und schreibe acht verschiedene Rollen und stellte damit erstmals seine außerordentliche Wandlungsfähigkeit unter Beweis. Diese Rolle bedeutete den Durchbruch für den Schauspieler und schon damals galt er als der „Mann mit den tausend Gesichtern“. Vor allem in den 50er Jahren etablierte sich sein Ruf als personifizierter Brite, er war in Filmen wie „Ferien wie noch nie“ (1950), „Der Mann im weißen Anzug“ (1951), „Der Schlüssel zum Paradies“ (1953), „Ladykillers“ (1955) oder „Kapitän Seekrank“ (1957) zu sehen. Für seine Rolle in „Das Glück kam über Nacht“ (1951) wurde Alec als bester Schauspieler für den OSCAR nominiert und auch für sein Drehbuch zu „Der Pudels Kern“ (1958) erhielt er eine OSCAR Nominierung. Guinness war zu einem der wichtigsten Komödianten des britischen Kinos geworden.
“Versagen hat tausend Erklärungen – Erfolg braucht keine einzige“
Sein stetig wachsender Erfolg brachte Alec Guinness immer größere und bedeutendere Rollen, 1956 stand er mit Grace Kelly für „Der Schwan“ (1956) vor der Kamera. Während der Dreharbeiten traf er in Hollywood James Dean, nur wenige Tage vor dessen tragischem Tod. Später behauptete Guinness, damals geahnt zu haben, dass Dean bei einem Autounfall ums Leben kommen würde. Angeblich sagte er, als Dean ihm seinen nagelneuen Porsche vorführte, zu ihm: „Werde dieses Auto wieder los, oder Du wirst in einer Woche tot sein.“ Die Rolle des Colonel Nicholson in David Leans epischem Kriegsfilm „Die Brücke am Kwai“ (1957) brachte einen OSCAR und einen Golden Globe für den Mimen und machte ihn zu einem der führenden Charakterdarsteller der damaligen Zeit. In den folgenden Jahren war er in bedeutenden Filmen wie „Lawrence von Arabien“ (1962) oder „Doktor Schiwago“ (1965) zu sehen und zeigte damit, dass er auch in der Lage war, Nebenrollen seinen prägnanten Stempel aufzudrücken. Die Hauptrollen gingen nun immer öfter an die neue Schauspielergeneration wie Richard Burton, Albert Finney und Peter O´Toole. Der Mime war für die Rolle des Hercule Poirot in „Mord im Orient Express“ (1974) vorgeschlagen gewesen, die dann allerdings an Albert Finney ging. Eine herrlich komische Vorstellung gab Alec als blinder Butler in „Eine Leiche zum Dessert“ (1976). Vor allem mit seiner Fernsehrolle in John le Carrés „Dame, König, As, Spion“ (1979) stellte Guinness sein Können unter Beweis. Er verkörperte den Smiley mit so großer Detailverliebtheit und Präzision, dass le Carré sich am Ende nicht mehr dazu in der Lage sah, die Figur literarisch weiterzuentwickeln – Alec und Smiley waren quasi eins geworden.
“Ein Schauspieler ist absolut angreifbar. Seine komplette Persönlichkeit ist stets dem öffentlichen Gericht ausgeliefert – sein Intellekt, seine Haltung, sein Stil, seine gesamte Erscheinung. Kurz gesagt – sein ganzes Ich.“
Auch um Sir Alec Guinness, der gemeinsam mit Sir Laurence Olivier und Sir John Gielgud das berühmte Trio der Shakespeare-Darsteller der britischen Leinwand bildete, wurde es im Lauf der Jahre allmählich ruhiger. Ein großes Comeback bedeutete deshalb für ihn die Rolle des weisen Jedi-Ritters Obi-Wan Kenobi in George Lucas „Star Wars – Episode IV, V und VI“. Obwohl er auf diese Rolle keineswegs stolz war und er sogar höchstpersönlich für Obi-Wan Kenobis Ableben sorgte, wurde er durch sie zum reichen Mann. 1977 erhielt er gar eine OSCAR Nominierung und war damit die einzige Person, die als bester Schauspieler für einen „Star Wars“-Film für den OSCAR nominiert wurde. Angeblich vernichtete Guinness gar sämtliche Fanpost, die sich offensichtlich auf „Star Wars“ bezog, ohne sie vorher geöffnet zu haben. Er selber sagte einmal, dass er nicht so sehr die Arbeit an „Star Wars“ hasse, sondern vielmehr die Vorstellung, dass die Welt sich irgendwann nur noch an diese Rolle und nicht mehr an seine großartigen anderen Rollen erinnern würde. Obwohl Guinness Äußerungen zu „Star Wars“ sehr kritisch waren, sprachen die drei Hauptdarsteller Mark Hamill, Harrison Ford und Carrie Fisher stets mit großem Respekt von dem britischen Mimen. Sie lobten ihn als sehr professionellen Schauspieler, der äußerst respektvoll mit seinen Kollegen umginge. George Lucas nannte ihn sehr hilfsbereit und geduldig.
“Es fällt mir nichts ein, was ich besser könnte als so zu tun, als wäre ich ein Schauspieler.
Sollte Sir Alec Guinness tatsächlich nur so getan haben, dann ist ihm das wirklich mit Bravour gelungen. Unvergessen ist er vor allem auch dem deutschen Publikum durch seine Darstellung des hartherzigen und verknöcherten Earl of Dorincourt in „Der kleine Lord“ (1980). Hier bewies der britische Mime ein weiteres Mal seine enorme Wandlungsfähigkeit. Ab Ende der 80er Jahre war Alec, dessen Name ein Anagramm zu „genuine class“ (aufrichtige, ehrliche Klasse) darstellt, nur noch selten im Kino zu sehen. 1989 hatte er am Comedy Theatre in London seinen letzten Bühnenauftritt im Stück „A Walk in the Woods“ und im selben Jahr war er für den Laurence Olivier Theatre Special Award für seine außergewöhnlichen Verdienste um das West End Theatre nominiert. Am 05. August 2000 starb Sir Alec Guinness im Alter von 86 Jahren. Er war seit 1938 mit Marula Salaman verheiratet gewesen, der gemeinsame Sohn Matthew Guinness ist ebenfalls Schauspieler. Alecs Witwe Marula starb am 17. Oktober 2000, nur zwei Monate nach ihm. Ein Autor, der Guinness sein Drehbuch angeblich auf den Leib geschrieben hatte, und das der Mime aber troztdem ablehnte, bekam von ihm folgendes zu hören: „Aber es kam niemand, um Maß zu nehmen.
Filmographie Alec Guinness
- 1934: Evensong
- 1946: Die großen Erwartungen
- 1948: Oliver Twist (1948)
- 1949: Adel verpflichtet
- 1949: Kampf ums Geld
- 1950: Ferien wie noch nie
- 1950: Der Dreckspatz und die Königin
- 1951: Das Glück kam über Nacht
- 1951: Der Mann im weißen Anzug
- 1952: Der Unwiderstehliche
- 1953: The Square Mile (nur Stimme)
- 1953: Der Schlüssel zum Paradies
- 1953: Malta Story
- 1954: Die seltsamen Wege des Pater Brown
- 1955: Nach Paris der Liebe wegen
- 1955: Der Gefangene
- 1955: Baker´s Dozen (TV)
- 1955: Ladykillers (1955)
- 1956: Der Schwan
- 1957: Die Brücke am Kwai
- (auch Sänger)
- 1957: Kapitän Seekrank
- 1958: Des Pudels Kern (auch Buch)
- 1959: Unser Mann in Havanna
- 1959: Der Sündenbock
- 1959: The Wicked Scheme of Jebal Deeks (TV)
- 1959: Startime (TV-Serie)
- 1960: Einst ein Held
- 1961: 1000 Meilen bis Yokohama
- 1962: Rebellion
- 1962: Lawrence von Arabien
- 1964: Der Untergang des römischen Reiches
- 1965: Lage hoffnungslos - aber nicht ernst
- 1965: Doktor Schiwago
- 1966: Hotel Paradiso
- 1966: Das Quiller Memorandum
- 1967: Die Stunde der Komödianten
- 1969: ITV Saturday Night Theatre (TV-Serie)
- 1970: E.E. Cummings (TV)
- 1970: Cromwell - Der Unerbittliche
- 1970: Scrooge (auch Sänger)
- 1972: Bruder Sonne, Schwester Mond
- 1973: Hitler - Die letzten zehn Tage
- 1974: The Gift of Friendship (TV)
- 1976: Hallmark Hall of Fame (TV-Serie)
- 1976: Eine Leiche zum Dessert
- 1977: Star Wars - Episode IV - Eine neue Hoffnung
- 1979: König, Dame, As, Spion (TV-Serie)
- 1980: Star Wars - Episode V - Das Imperium schlägt zurück
- 1980: Hebt die Titanic
- 1980: Der kleine Lord
- 1980: The Morecambe & Wise Show (TV-Serie)
- 1982: Agent in eigener Sache (TV-Serie)
- 1983: Lovesick - Der liebeskranke Psychiater
- 1983: Star Wars - Episode VI - Die Rückkehr der Jedi Ritter
- 1984: Edwin (TV)
- 1984: Reise nach Indien
- 1987: Great Performances (TV-Serie)
- 1988: Klein Dorrit
- 1988: Eine Handvoll Staub
- 1991: Kafka
- 1992: Tales from Hollywood (TV)
- 1993: A Foreign Field
- 1994: Stumme Zeugin
- 1996: Cambridge Fieber (TV)
Filmpreise
Golden Globe Nominierungen:
1977: Bester Nebendarsteller: Star Wars - Episode IV - Eine neue Hoffnung
1988: Bester Nebendarsteller: Klein Dorrit
Gewonnene Golden Globes:
1957: Bester Schauspieler - Drama: Die Brücke am Kwai
OSCAR Nominierungen:
1951: Bester Schauspieler: Das Glück kam über Nacht
1958: Bestes Drehbuch (Adaption): Des Pudels Kern
1977: Bester Nebendarsteller: Star Wars - Episode IV - Eine neue Hoffnung
1988: Bester Nebendarsteller: Klein Dorrit
Gewonnene OSCARs:
1957: Bester Schauspieler: Die Brücke am Kwai