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Nikolai Kinski
Nanhoï Nikolai Kinski
Biographie
©
| Geboren am | 30.7.1976 | in | Paris, Frankreich | Autor | Stefanie Rufle |
|---|
“Ich vergleiche mich nicht mit ihm. Ich respektiere seine Unvergleichlichkeit.“
Nikolai Kinski, Sohn des 1991 verstorbenen Klaus Kinski, der sich stets zwischen Genie und Wahnsinn bewegt hatte und das Enfant terrible des deutschen Films war. Es ist kein leichtes Erbe, das Nikolai angetreten hat, und er selbst sieht seine Herkunft als zweischneidiges Schwert. Wen wundert es, wenn der junge Schauspieler betont, dass er es leid sei, ständig mit dem berühmten Vater verglichen zu werden? Wohl auch aus diesem Grund weigert er sich, öffentlich über Privates oder gar über den Vater zu sprechen. Steht Nikolai auf der Bühne, sucht man vergebens nach der Exaltiertheit eines Klaus Kinski, er tobt und provoziert nicht, kurz, er ist weit davon entfernt, den Vater zu imitieren.
Am 30. Juli 1976 wurde Nikolai Nanhoi Kinski als Sohn des vietnamesisch/französischen Models Minhoi Geneviève Loanic und des Schauspielers Klaus Kinski in Paris geboren. Er war das dritte Kind von Klaus, aus anderen Verbindungen hatte er schon die beiden Töchter Pola und Nastassja. Nikolais Eltern lernten einander 1969 in Rom kennen und zogen später nach Paris, wo sie 1971 heirateten. Bereits 1979 wurde die Ehe wieder geschieden, woraufhin Nikolai mit seiner Mutter auf der ganzen Welt umherreiste. Schließlich ließen sie sich in Kalifornien, beim neuen Partner Minhois, dem Niederländer Frank Wiggers nieder. Kurz darauf zog auch Klaus dorthin, er wollte unbedingt in der Nähe seines vergötterten „Babyboys“ sein. Bis zur späteren Einbürgerung in die USA trug Nikolai den polnischen Geburtsnamen seines Vaters Naksynski. Bereits mit elf Jahren stand Nikolai an der Seite von Klaus vor der Kamera – er spielte dessen Sohn in seinem letzten Film „Paganini“ (1989). Nikolai war fünfzehn, als sein Vater an einem Herzinfarkt starb – er war der einzige, der dabei war, als dessen Asche über dem Pazifik verstreut wurde.
Seit „Paganini“ beschäftigte sich Nikolai mit dem Gedanken, Schauspieler zu werden, weshalb es nur logisch erschien, dass er 1994 nach Los Angeles zog, um an der University of Southern L.A. Schauspiel zu studieren. 1998 schloss er sein Studium mit dem Bachelor in Acting ab. Ab 2000 stand der junge Mime auf Theaterbühnen und hatte sein Debüt mit der Rolle des Nosferatu, eine Rolle, in der auch sein Vater 1979 in der gleichnamigen Werner Herzog-Verfilmung zu sehen gewesen war. 2001 unternahm Kinski erstmals eine ausgedehnte Reise nach Deutschland und war von der deutschen Kultur fasziniert. Zwei Jahre später zog er, der englischsprachig aufgewachsen war, nach Berlin und lernte innerhalb von zwei Jahren akzentfrei deutsch zu sprechen. Er sagt über seine Motive: „Ich wollte meine Wurzeln kennen lernen. Und die Chance nutzen, genau dahin zu gehen, wo es weh tut, wo ich mich konfrontieren muss.“ Kaum in Deutschland angekommen, nahm er Peter Handkes Text „Selbstbezichtigung“ als Hörspiel auf – ein Crashkurs in Deutsch, wie er selber sagt. In der Folgezeit war er sowohl in deutschen Fernsehproduktionen, wie auch in internationalen Kinofilmen zu sehen. Er stand neben Charlize Theron für den Sci-Fi-Thriller „Aeon Flux“ (2006) vor der Kamera und hatte im zeitweise verbotenen Kannibalenfilm „Rohtenburg“ (2006) eine Rolle. In der Künstlerbiographie „Klimt“ (2006) spielte er an der Seite von John Malkovich den jungen Maler Egon Schiele – und das derart überzeugend, dass er dafür den österreichischen Fernsehpreis „Romy“ als beliebtester Shootingstar erhielt.
Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2006 trug Nikolai erstmals öffentlich Gedichte seines Vaters Klaus vor. Im Jahr 2007 tourte er mit seiner Lesung „Kinski spricht Kinski: Fieber – Tagebuch eines Aussätzigen“ durch Deutschland. Er rezitierte Gedichte Klaus Kinskis, die in den Fünfzigerjahren entstanden waren und tauchte so in die Fieberwelten seines Vaters ein – um ihn, wie er sagt, zu finden und zu überwinden. Nikolai debütierte am deutschen Stadttheater, sagt aber, dass er nicht vorhabe, deutscher Theaterschauspieler zu werden. Er fühle sich damit zu gebunden und sehe seine Berufung vielmehr im Film. Im Fernsehdreiteiler „Krupp – Eine deutsche Familie“ (2009) spielte er den Arndt von Bohlen und Halbach und in July Delpys Historiendrama „Die Gräfin“ (2009) war er als Tutor zu sehen. Im Kinofilm „Die zwei Leben des Daniel Shore“ (2010) ist Kinski in der Hauptrolle zu sehen. Nikolai Kinski besitzt die amerikanische und die französische Staatsbürgerschaft, spielt Piano und Gitarre, singt und treibt Leistungssport. Es ist ihm nur zu wünschen, dass es ihm gelingen möge, den Vergleichen mit einem schier übermächtigen Vater zu entkommen.
Filmographie Nikolai Kinski
- 1989: Kinski Paganini
- 1994: Jamila
- 2000: West Coast
- 2001: Tortilla Soup - Die Würze des Lebens
- 2002: The Devil Who Called Himself God
- 2003: Dirty Sky
- 2003: Connecting Dots
- 2004: Untreu (TV)
- 2005: Kein Himmel über Afrika (TV)
- 2005: Tatort - Rache-Engel (TV)
- 2005: Aeon Flux
- 2006: Klimt
- 2006: Nichts geht mehr
- 2006: Rohtenburg
- 2006: Fay Grim
- 2007: Giganten (TV-Serie)
- 2008: The Secret Adventures of the Projectionist
- 2009: Krupp - Eine deutsche Familie (TV-Serie)
- 2009: Die Gräfin
- 2009: SOKO Wien (TV-Serie)
- 2010: The Absinthe Drinkers
- 2010: Planet
- 2010: Die zwei Leben des Daniel Shore
- 2010: The Apologies
- 2010: Kalter Hund