Frank Sinatra †

Francis Albert Sinatra

Biographie

Frank Sinatra © Warner Music

Geboren am
Gestorben am:
12.12.1915
14.05.1998
in Hoboken, New Jersey, USA
Los Angeles, Kalifornien, USA
Autor Stefanie Rufle

“Ich bedauere Leute, die nicht trinken. Wenn sie morgens aufwachen, ist das für den Rest des Tages ihr bestes Gefühl.“
Frank Sinatra - bekannt für seine Alkoholexzesse, für seinen ausschweifenden Lebenswandel und seinen unglaublichen Frauenverschleiß. Gleichzeitig gilt er aber bis heute als der größte Entertainer, den die Welt je gesehen hat. Zwischen 1958 und 1995 gewann der Sänger mit der unverwechselbaren melancholischen und charaktervollen Stimme 18mal den Grammy und war 25mal dafür nominiert. Von 1955 bis 1995 war in jeder Woche mindestens ein Sinatra-Song in den US-Charts vertreten. Viermal bekam er den Emmy für seine musikalischen Fernsehshows, war einmal für den OSCAR nominiert und durfte ihn dann als Bester Nebendarsteller tatsächlich in Händen halten, erhielt einen Sonder-OSCAR für den von ihm konzipierten und realisierten Kurzfilm „The House I Live In“ (1945) und wurde 1971 mit dem Jean Hersholt Humanitarian Award geehrt. Frank Sinatra gab dem Begriff des Entertainers seinerzeit eine ganz neue Form. Außerdem drehte er legendäre Filme und stand u. a. neben Judy Garland, Fred Astaire, Grace Kelly, Donna Reed, Steve McQueen, Gina Lollobrigida, Maurice Chevalier, Marlene Dietrich und Raquel Welch vor der Kamera und auf der Bühne.

“In Hoboken, als ich ein Kind war, lebte ich in einer ziemlich rauen Gegend. Wenn mich jemand ‚dreckiges kleines Schwein’ nannte, gab es nur eine Antwort: ihm den Schädel einzuschlagen. Als ich älter wurde erkannte ich, dass das nicht der richtige Weg war. Mir wurde klar, dass man es nur mit einer gewissen Bildung und vielleicht mit einiger Erfahrung schaffen konnte.“
Francis Albert Sinatra wurde am 12. Dezember 1915 in Hoboken, New Jersey geboren. Er war das einzige Kind italienischer Auswanderer und fühlte sich schon sehr früh zur Musik hingezogen. Bereits als Teenager tingelte er mit seiner Ukulele durch die Bars seiner Heimatstadt und hatte ab 1932 erste kleine Radioauftritte. 1933 begegnete er seinem großen Idol Bing Crosby auf einem Konzert in Jersey City – von diesem Moment an wollte Frank Sänger werden. Er verließ die Highschool ohne Abschluss und arbeitete während der Rezession der Dreißigerjahre u. a. als Sportjournalist für eine Lokalzeitung. Mit dem Vokalquartett „The Hobbing Four“ gewann er 1935 den Talentwettbewerb einer bekannten Radioshow und begab sich daraufhin für die folgenden Monate auf seine erste nationale Tournee. 1937 erhielt er ein erstes festes Engagement als Entertainer in einem Musiklokal in New Jersey – der Grundstein für seine professionelle Karriere war gelegt. Zwei Jahre später heiratete Sinatra seine Jugendliebe Nancy Barbato – mit ihr sollte er drei Kinder haben: Nancy Sinatra (*1940), die heute selbst erfolgreiche Sängerin ist, Frank Sinatra Jr. (*1944), der von 1988 bis 1995 der Orchesterleiter seines Vaters war und Tina Sinatra (*1948), die heute Filmproduzentin ist. 1939 wurde er vom bekannten Bandleader Harry James entdeckt, der ihn als Leadsänger für seine Big Band verpflichtete. Zusammen nahmen die beiden Frank Sinatras erste Schallplatte auf. 1940 wechselte er als Sänger zum Orchester von Tommy Dorsey und landete seinen ersten Nummer-1-Hit mit „I´ll Never Smile Again“. Da Frank aber eine Solokarriere anstrebte, wurde er 1942 auf eigenen Wunsch von Dorsey gegen eine Beteiligung an künftigen Einnahmen aus seinem längerfristigen Vertrag entlassen und schloss 1943 einen festen Plattenvertrag bei Columbia ab.

Frank Sinatra war nun der erfolgreichste Sänger der USA, er war in vielen Radioshows vertreten und hatte auch mehrere eigene. Er wurde zum musikalischen Idol der Weltkriegsgeneration, begann sich aber auch mehr und mehr für das Filmgeschäft zu interessieren. In seinem Kurzfilm „The House I Live In“ (1945) hielt er als Hauptdarsteller ein Plädoyer für die Gleichberechtigung aller Rassen und Religionen. Für dieses Engagement wurden er, Produzent Frank Ross und Regisseur Mervyn LeRoy 1946 mit einem eigens geschaffenen Sonder-OSCAR ausgezeichnet. Große Erfolge wurden seine Musikfilme „Das ist New York“ (1949) und „Spiel zu dritt“ (1949), in denen Gene Kelly sein Partner war. Doch zu Beginn der Fünfzigerjahre sank „Franky-Boys“ Stern zusehends. Durch zahlreiche Affären, die schließlich zur Scheidung von Nancy führten, verblasste sein Ruf als Saubermann. 1951 heiratete er Schauspielkollegin Ava Gardner, doch die beiden trennten sich bereits 1953 offiziell, die Scheidung war dann 1957. Hinzu kam, dass die Stimme von „The Voice“ durch Blutungen an den Stimmbändern so litt, dass er eine Zwangspause einlegen musste. Da einige Ärzte prognostizierten, er könne seine Stimme ganz verlieren, verlor Sinatra 1952 seinen Plattenvertrag mit Columbia und auch seine erste eigene Fernsehserie „The Frank Sinatra Show“ wurde ein kommerzieller Flop. Doch er war nicht bereit, sich unterkriegen zu lassen. 1952 bemühte er sich verzweifelt um die Rolle des Angelo Maggio in „Verdammt in alle Ewigkeit“ (1953). Regisseur Fred Zinnemann lehnte Sinatra zuerst ab, Gerüchten zufolge gab er dann aber nach, weil er massiv von der Mafia bedroht wurde. Immer wieder wurden dem Entertainer Verbindungen zum organisierten Verbrechen nachgesagt, die aber nie bewiesen werden konnten. Die Rolle des Angelo Maggio bedeutete den lang ersehnten Karriereaufschwung für Frank Sinatra – er bekam den OSCAR als Bester Nebendarsteller.

1953 schloss Frankie-Boy einen neuen Plattenvertrag mit Capitol Records ab und in den folgenden Jahren entstanden mehrere großartige Alben. Nun verfestigte sich auch sein Ruf als Leinwandstar zusehends. Ein Kassenhit jagte den nächsten, Sinatra war in „Die zarte Falle“ (1955) zu sehen und erhielt eine OSCAR Nominierung für seine Rolle in „Der Mann mit dem goldenen Arm“ (1955) neben Marlon Brando, über den er sagte: „Er ist der am meisten überschätzte Schauspieler der Welt.“ Ihm wurde ein eher instinktives Spielen in Rollen nachgesagt, die seine eigene Persönlichkeit widerspiegelten. Trotzdem oder gerade deshalb war Frank Sinatra auch als Schauspieler unglaublich erfolgreich. Neben Grace Kelly hatte er in „Die oberen Zehntausend“ (1956) eine wahre Glanzrolle. Daneben hatte „Ol´Blue Eyes“, wie Sinatra wegen seiner ungewöhnlich blauen Augen genannt wurde, permanente Bühnenshows in Las Vegas und war im Fernsehen mit „The Frank Sinatra Show“ und weiteren Specials und Gastauftritten zu sehen. Ihm war ein eindrucksvolles Comeback gelungen und vor allem ab den Sechzigerjahren galt er als DER Entertainer schlechthin. 1960 bereitete er Elvis Presley, der vom Militärdienst in Deutschland in die USA zurückkehrte, mit der Fernsehshow „Welcome Home, Elvis“ einen spektakulären Empfang. Im selben Jahr gründete er seine eigene Plattenfirma Reprise Records, die er 1963 mit voller Entscheidungsgewalt für seine Aufnahmen und Projekte an die Warner Music Group verkaufte. Mit dem heute legendären „Strangers In The Night“ landete er 1966 den bis dahin größten Erfolg seiner musikalischen Karriere. 1968 folgte dann seine Interpretation des Paul Anka-Songs „My Way“, der in seiner Version zum Welthit und zu seiner ganz persönlichen Erkennungsmelodie wurde. Über diesen Song sagte Frank einmal:
“Ich hasse diesen Song – würden Sie ihn seit acht Jahren singen, würden Sie ihn auch hassen.“

1963 musste Frank Sinatra einen herben Schicksalsschlag verkraften. Sein Sohn Frank Sinatra Jr. wurde entführt und Sinatra musste 250.000 Dollar Lösegeld bezahlen. Daraufhin bekam er seinen Sohn wieder und die Entführer wurden schließlich gefasst. 1966 hatte Ol´Blue Eyes die blutjunge Schauspielerin Mia Farrow geheiratet, die Ehe wurde aber bereits 1968 wieder geschieden. 1971 verkündete Sinatra seinen Abschied von der Bühne und dem Showbusiness, trat aber ab 1973 wieder regelmäßig auf. 1976 heiratete er seine vierte Frau Barbara, mit der er bis zu seinem Tod zusammenbleiben sollte. Mit zahlreichen Konzertreisen in alle fünf Kontinente waren die Achtzigerjahre seine kommerziell erfolgreichsten Bühnenjahre. Immer wieder wurden Frankie-Boy Alkoholprobleme nachgesagt und vor allem im legendären „Rat Pack“, zu dem neben ihm auch Sammy Davis Jr., Dean Martin, Joey Bishop und Peter Lawford zählten, kam es wohl zu regelrechten Gelagen. 1994, da war Sinatra 79 Jahre alt, ließ er seinen endgültigen Rücktritt mitteilen. Seinen letzten Gesangsauftritt hatte er in Palm Springs und bei der offiziellen Gala zu seinem achtzigsten Geburtstag am 19. November 1995 stand er zum letzten Mal auf der Bühne. Seine letzten Lebensjahre verbrachte der Entertainer, der zum Schluss an Demenz litt, in Beverly Hills. Nach einem Herzinfarkt im Jahr 1997 erlag er am 14. Mai 1998 den Folgen eines zweiten Infarkts. Zu Ehren von Ol´Blue Eyes wurden in Las Vegas für drei Minuten sämtliche Lichter der Stadt ausgeschaltet und das Empire State Building in New York wurde für drei Tage in blaues Licht getaucht. Frank Sinatra wurde in Cathedral City in Kalifornien beigesetzt. Nachdem Sammy Davis Jr., Ava Gardner, Jilly Rizzo und Dean Martin gestorben waren, hatte er gesagt:
“Ich bin der Nächste. Aber ich habe keine Angst – jeder, den ich je gekannt habe, ist schon dort.“

Frank Sinatra war der Inbegriff einer ganzen Epoche. Er drehte in fast siebzig Jahren künstlerischen Schaffens sechzig Filme und nahm mehr als 1.800 Songs auf. 1971 erhielt er den Jean Hersholt Humanitarian Award für sein soziales Engagement, außerdem wurde er im Verlauf seiner Karriere mit zahlreichen hohen staatlichen Auszeichnungen wie der Freiheitsmedaille des Präsidenten und der Goldmedaille des Kongresses geehrt. Er sprach sich gegen die damals noch vorherrschende Rassentrennung in den USA aus, unterstütze die Präsidentschaft von Franklin D. Roosevelt und die Bürgerrechtsbewegung von Martin Luther King. Außerdem engagierte er sich für verschiedene Kinderhilfsprojekte und die Jugendarbeit in Israel und im Westjordanland. Auf der anderen Seite hatte der zentrale Sänger des legendären „Rat Pack“ seit den Vierzigerjahren Kontakte zu verschiedenen Mafia-Familien. 1960 führte er mit seinen Kontakten zur Mafia von Chicago ein positives Ergebnis für John F. Kennedy bei den Präsidentschaftswahlen im Bundesstaat West Virginia herbei. In den Fünfzigerjahren investierte er sein Vermögen in Hotels, Spielkasinos und Rennbahnen. Frank Sinatra war ohne Zweifel ein streitbarer Geist, er war Ol´Blue Eyes, Frankie-Boy, The Voice – und der größte Entertainer aller Zeiten.
“Es gibt Augenblicke, in denen es zu ruhig ist. Besonders spätnachts oder ganz früh am Morgen. Da weißt du dann, dass etwas fehlt in deinem Leben. Du weißt es einfach.“


Filmographie Frank Sinatra

  • 1941: Las Vegas Nights (auch Sänger)
  • 1942: Schiff ahoi! (auch Sänger)
  • 1943: Reveille with Beverly (auch Sänger)
  • 1943: Higher and Higher (auch Sänger)
  • 1944: Step Lively (auch Sänger)
  • 1945: The All-Star Bond Rally (nur Sänger)
  • 1945: Urlaub in Hollywood (auch Sänger)
  • 1945: The House I Live In (nur Sänger)
  • 1946: Till the Clouds Roll By (nur Sänger)
  • 1947: It Happened in Brooklyn (auch Sänger)
  • 1948: Die Glocken von Coaltown (auch Sänger)
  • 1948: Ein Bandit zum Küssen (auch Sänger)
  • 1949: Spiel zu dritt (auch Sänger)
  • 1949: Curtain Razor (nur Sänger)
  • 1949: Ehekrieg (nur Sänger)
  • 1949: Das ist New York (auch Sänger)
  • 1951: The Jack Benny Program (TV-Serie) (nur Sänger)
  • 1951: Doppeltes Dynamit (auch Sänger)
  • 1951: Zu allem entschlossen (auch Sänger)
  • 1953: Verdammt in alle Ewigkeit
  • (auch Sänger)
  • 1954: The Colgate Comedy Hour (TV-Serie) (auch Sänger)
  • 1954: Drei Münzen im Brunnen (nur Sänger)
  • 1954: Der Attentäter
  • 1954: Man soll nicht mit der Liebe spielen (auch Sänger)
  • 1955: ...und nicht als ein Fremder
  • 1955: Producer's Showcase (TV-Serie)
  • 1955: Schwere Jungs - leichte Mädchen (auch Sänger)
  • 1955: Die zarte Falle (auch Sänger)
  • 1955: Der Mann mit dem goldenen Arm
  • 1956: Meet Me in Las Vegas
  • 1956: Die oberen Zehntausend (auch Sänger)
  • 1956: Johnny Concho (auch Produzent)
  • 1956: In 80 Tagen um die Welt (1956)
  • (auch Sänger)
  • 1957: Stolz und Leidenschaft
  • 1957: Schicksalsmelodie (auch Sänger)
  • 1957: The Edsel Show (TV) (nur Sänger)
  • 1957: Pal Joey (auch Sänger)
  • 1957: The Frank Sinatra Show (TV-Serie) (auch Sänger)
  • 1958: Bandstand (TV-Serie) (nur Sänger)
  • 1958: Rivalen
  • 1958: Verdammt sind sie alle
  • 1959: Eine Nummer zu groß (auch Sänger und Ex.Produzent)
  • 1959: Barfuß in die Ewigkeit
  • 1960: Ganz Paris träumt von der Liebe (auch Sänger)
  • 1960: Frank Sinatra's Welcome Home Party for Elvis Presley (TV) (nur Sänger)
  • 1960: Frankie und seine Spießgesellen
  • 1961: Der Teufel kommt um vier
  • 1961: Die X-15 startklar (nur Produzent)
  • 1962: Marilyn - Ihr letzter Film (nur Sänger)
  • 1962: The Judy Garland Show (TV) (nur Sänger)
  • 1962: Die siegreichen Drei (auch Produzent)
  • 1962: Der Weg nach Hongkong
  • 1962: Botschafter der Angst
  • 1963: Wenn mein Schlafzimmer sprechen könnte (auch Sänger)
  • 1963: Eine neue Art von Liebe (auch Sänger)
  • 1963: Vier für Texas
  • 1964: Zusammen in Paris (nur Stimme, auch Sänger)
  • 1964: Sieben gegen Chicago (auch Sänger und Produzent)
  • 1965: Der Lohn der Mutigen (auch Produzent und Regie)
  • 1965: Colonel von Ryans Expreß
  • 1965: Dreimal nach Mexiko
  • 1966: Der Schatten des Giganten
  • 1966: Überfall auf die Queen Mary
  • 1967: Der Mann am Draht
  • 1967: Der Schnüffler
  • 1967: Movin' with Nancy (TV) (nur Sänger)
  • 1968: Der Detektiv
  • 1968: Die Lady in Zement
  • 1969: Frank Sinatra: Sinatra (TV) (nur Produzent)
  • 1970: Dirty Dingus, der scharfe Bandit
  • 1973: Frank Sinatra: Ol' Blue Eyes Is Back (TV) (nur Stimme)
  • 1977: Das Cherry-Street-Fiasko (TV)
  • 1980: Die erste Todsünde (auch Ex.Produzent)
  • 1981: All-Star Inaugural Gala (TV) (nur Produzent)
  • 1987: Magnum (TV-Serie)
  • 1996: Hey Arnold! (TV-Serie)

Filmpreise

Golden Globe Nominierungen:
1963: Bester Schauspieler - Musical/Comedy: Wenn mein Schlafzimmer sprechen könnte

Gewonnene Golden Globes:
1953: Bester Nebendarsteller: Verdammt in alle Ewigkeit
1957: Bester Schauspieler - Musical/Comedy: Pal Joey

OSCAR Nominierungen:
1955: Bester Schauspieler: Der Mann mit dem goldenen Arm

Gewonnene OSCARs:
1953: Bester Nebendarsteller: Verdammt in alle Ewigkeit