Armin Mueller-Stahl

Biographie

Armin Mueller-Stahl © Tobis

Geboren am 17.12.1930 in Tilsit, Ostpreußen, Deutschland Autor Stefanie Rufle

„Am besten vergleicht man einen Schauspieler mit einer Geige. Wie sie hat auch er vier Saiten, er muss nur in der Lage sein, sie zu spielen.“ (Armin Mueller-Stahl)
Der deutsche Schauspieler Armin Mueller-Stahl kann heute schon auf eine beinahe unvergleichliche Karriere zurückblicken. Er ist der einzige Schauspieler, der in beiden deutschen Staaten und in Hollywood größte Anerkennung fand. Seine Talente scheinen beinahe unerschöpflich zu sein, neben seinem großen Können als Charakterdarsteller ist Mueller-Stahl auch noch Musiker, Maler und Schriftsteller. Er schrieb mehrere Romane und Erzählungen und hatte schon diverse Ausstellungen seiner Aquarelle und Zeichnungen. Zu seinen Ambitionen als Zeichner sagte der Mime einmal:
„Beim Zeichnen ist man selbst der Regisseur. Es gibt keine Verbote, und man hat alle Freiheiten. (…) Das Zeichnen fiel mir so leicht, ich dachte, alles, was einem leicht fällt, ist nicht so bedeutend. Zeichnen ist für mich viel leichter als schauspielern.“

Armin Mueller-Stahl wurde am 17. Dezember 1930 in Tilsit, im damaligen Ostpreußen geboren. Er war das dritte von fünf Kindern eines ostpreußischen Bankbeamten. Armins Familie war künstlerisch veranlagt, es wurde gemalt und gemeinsam musiziert, und der Vater führte an Familienfeiern oft eigene Sketche auf. Mueller-Stahl sagt heute, dass seine Kindheit bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs eine sehr unbeschwerte war. Doch dann wurde der Vater eingezogen und am 01. Mai 1945, kurz vor Kriegsende, vermutlich von deutschen Soldaten ermordet. Armin wurde am selben Tag beinahe von russischen Soldaten erschossen und in letzter Sekunde von einem polnischen Landarbeiter gerettet. Vertreibung und Heimatlosigkeit bestimmten von nun an seine Kindheit und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Teilung Deutschlands musste Mueller-Stahl in der DDR bleiben. Zunächst wollte der junge Mann Geiger werden und studierte am Städtischen Konservatorium in Berlin Violine und Musikwissenschaften. 1949 machte er sein Examen als Musiklehrer und Konzertgeiger und wollte anschließend zur Schauspielerei wechseln, wurde aber zunächst wegen mangelnder Begabung an der Schauspielschule abgelehnt. Trotz dieser rüden Ablehnung erhielt er 1952 ein festes Engagement am Berliner Theater am Schiffbauerdamm, in dessen Ensemble er 25 Jahre lang Mitglied blieb. Nach zahlreichen Theatererfolgen hatte er seine erste Kinorolle in „Heimliche Ehen“ (1956). Bereits mit seinem ersten Fernsehauftritt im Vierteiler „Flucht aus der Hölle“ (1960) erregte der junge Mime große Aufmerksamkeit beim Publikum. Im Drama „Fünf Patronenhülsen“ (1960) stand Mueller-Stahl mit seinem Freund und Kollegen Manfred Krug vor der Kamera – das sollte nicht der einzige gemeinsame Auftritt der beiden bleiben.

In den folgenden Jahren avancierte Armin Mueller-Stahl zum gefeierten Charakterdarsteller der DDR. Er wirkte in rund sechzig DDR-Produktionen mit und war bald schon der erklärte Publikumsliebling – fünfmal in Folge wurde er zum beliebtesten Schauspieler der DDR gewählt. Im Laufe seiner DEFA-Karriere war er wiederholt in Filmen des renommierten Regisseurs Frank Beyer zu sehen, so etwa in „Fünf Patronenhülsen“, „Königskinder“ (1962) und „Jakob der Lügner“ (1975). Von 1973 bis 1975 verkörperte er in der TV-Serie „Das unsichtbare Visier“ einen MfS-Agenten, damals ein klarer Gegenpol zur James Bond-Reihe. Als die Serie allerdings politisch konzipiert werden sollte, stieg Mueller-Stahl aus, was seinen endgültigen Bruch mit dem DDR-Regime ankündigte. Seine Unterschrift unter den offenen Brief gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann aus der DDR besiegelte das Ende von Mueller-Stahls Karriere in der DDR. Zwei Jahre lang bekam er kaum noch Rollenangebote – eine Zeit, die er nutzte, um sein Buch „Verordneter Sonntag“ zu schreiben, das autobiographische Züge trägt. Zu diesem Buch sagt der Mime heute:
„Ich habe es geschrieben, nachdem ich 25 Jahre lang beschäftigt war wie kein zweiter. Nach 25 Jahren schwiegen die Drähte plötzlich wie verrückt. Ein deprimierender Vorgang. Ich habe geschrieben als Therapie. Das Schreiben gelang mir in der Zeit besser als das Leben.“

1980 dann wurde Armin Mueller-Stahls Ausreiseantrag nach West-Berlin genehmigt. In der BRD konnte der Charakterdarsteller nahtlos an seine Erfolge anknüpfen. Er übernahm die männliche Hauptrolle in Rainer Werner Fassbinder „Lola“ (1981), für die er 1982 den Deutschen Filmpreis erhielt. Im Jahr darauf war er erneut in einer Fassbinder-Produktion – „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ (1982) – zu sehen und im selben Jahr bekam er eine Rolle in „Der Westen leuchtet“ (1982). Mueller-Stahl war in den Autorenfilmen der deutschen Filmemacher Achternbusch, Kluge und Blumenberg zu sehen, wurde aber auch von international bekannten Regisseuren wie Andrzej Wajda oder Patrice Chéreau engagiert. Seine Darstellung in „Oberst Redl“ (1985) brachte Mueller-Stahl den Darstellerpreis beim Filmfestival von Montreux ein. Natürlich gab es auch diverse Angebote für TV-Serien wie „Die Schwarzwaldklinik“ oder „Der Alte“ – die interessierten den Schauspieler allerdings weniger. Trotz seiner mangelnden englischen Sprachkenntnisse wagte er Ende der Achtzigerjahre nochmals einen Neuanfang in den USA. Bei seiner ersten Rolle in „Music Box – Die ganze Wahrheit“ (1989) arbeitete er nach eigener Aussage mit diversen Tricks, um seine fehlenden Sprachkenntnisse zu vertuschen. Dieses Hollywood-Debüt brachte dem deutschen Mimen internationalen Erfolg ein und für seine tragisch-komische Darstellung in „Avalon“ (1990) erntete er große Anerkennung. Zusammen mit Hollywoodgrößen wie Meryl Streep, Glenn Close, Jeremy Irons, Winona Ryder und Vanessa Redgrave stand Mueller-Stahl für die Verfilmung des Allende-Romans „Das Geisterhaus“ (1993) vor der Kamera. Für die Rolle des Vaters des Pianisten David Helfgott in „Shine – Der Weg ins Licht“ (1997) wurde er für den OSCAR nominiert. In „Der Unhold“ (1996) war Mueller-Stahl neben John Malkovich zu sehen, in „The Game – Das Geschenk seines Lebens“ (1997) war Michael Douglas sein Partner und mit George Clooney stand er für „Projekt: Peacemaker“ (1997) vor der Kamera.

„Ich spiele gerne Figuren, die uns im Rückblick ein ganzes Leben zu erzählen haben. Die sind mir näher.“
Trotz seines überwältigenden Erfolgs in Hollywood kehrte Armin Mueller-Stahl immer wieder vor die deutschen Kameras zurück. So übernahm er etwa die Hauptrolle im TV-Dreiteiler „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ (2001), der das Leben des deutschen Schriftstellers Thomas Mann erzählt. Für diese darstellerische Leistung wurde er 2002 mit dem Grimme-Preis geehrt. Er übernahm einen Part in „Ich bin die Andere“ (2006) und zwei Jahre später in „Buddenbrooks“ (2008), der Verfilmung eines Romans von Thomas Mann. Seine erste und bisher einzige Regiearbeit, zu der er auch das Drehbuch schrieb, lieferte Mueller-Stahl mit „Gespräch mit dem Biest“ (1996). 2006 kündigte der Mime seinen Abschied aus dem Filmgeschäft an, betonte aber, er wolle bis zu seinem Lebensende gute Rollen spielen, jedoch mit abnehmender Häufigkeit. 1998 erhielt Armin Mueller-Stahl die Ehrendoktorwürde des Spertus Institute for Jewish Studies in Chicago und im selben Jahr veröffentlichte er sein Buch „In Gedanken an Marie Louise“. Der Schauspieler, der beim Blick in seine Stasi-Akten erfahren musste, unter anderem von seinem besten Freund bespitzelt worden zu sein, ist seit 1973 in zweiter Ehe mit Gabriele Scholz verheiratet. Der gemeinsame Sohn Christian, der 1974 geboren wurde, arbeitet ebenfalls in der Filmbranche. Über seine Ehe sagt Mueller-Stahl:
„Ich gehöre zu den ganz seltenen, die eine glückliche Ehe führen. Ich bin vierzig Jahre mit einer Frau zusammen, für Hollywood-Verhältnisse bin ich ein Außerirdischer. Da gilt ja eine Ehe schon als stabil, wenn sie länger als zwei Monate dauert.“

Zu Armins Mueller-Stahls aktuelleren Leinwandprojekten zählen Ron Howards „Illuminati“ (2009), wo er neben Tom Hanks und Ewan McGregor zu sehen war und Tom Twykers „International“ (2009) mit Clive Owen und Naomi Watts. Der Schauspieler lebt abwechselnd in Pacific Palisades, Kalifornien, ganz in der Nähe von Thomas Manns ehemaliger Wohnung und in Sierksdorf an der Lübecker Bucht.
„Hätte ich keine Feinde und keine Neider, dann wäre ich eigentlich schlecht.“ (Armin Mueller-Stahl)


Filmographie Armin Mueller-Stahl

  • 1956: Das Stacheltier - Der Querkopf
  • 1956: Heimliche Ehen
  • 1960: Flucht aus der Hölle (TV-Serie)
  • 1960: Fünf Patronenhülsen
  • 1962: Die letzte Chance (TV)
  • 1962: Königskinder
  • 1962: ...und Deine Liebe auch
  • 1963: Rauhreif (TV)
  • 1963: Christine
  • 1963: Nackt unter Wölfen
  • 1963: Der Andere neben dir (TV)
  • 1964: Preludio 11
  • 1964: Alaskafüchse
  • 1966: Guten Tag, Sonne, ich heiße Moritz (TV)
  • 1967: Ein Lord am Alexanderplatz
  • 1967: Emilia Galotti (TV)
  • 1968: Wolf unter Wölfen (TV-Serie)
  • 1968: Wege übers Land (TV-Serie)
  • 1969: Die Dame aus Genua (TV)
  • 1970: Tödlicher Irrtum
  • 1970: Kein Mann für Camp Detrick (TV)
  • 1971: Der Arzt wider Willen (TV)
  • 1971: Die Verschworenen (TV-Serie)
  • 1972: Weil es mir Spaß macht (TV)
  • 1972: Der Dritte
  • 1972: Januskopf
  • 1973: Der Hammer
  • 1973: Das unsichtbare Visier (TV-Serie)
  • 1973: Die sieben Affären der Dona Juanita (TV-Serie)
  • 1973: Stülpner-Legende (TV-Serie)
  • 1974: Die eigene Haut (TV)
  • 1974: Kit & Co
  • 1975: Jakob der Lügner (1975)
  • 1976: Nelken in Aspik
  • 1977: Die Flucht
  • 1978: Geschlossene Gesellschaft (TV)
  • 1980: Die längste Sekunde (TV)
  • 1981: Ja und Nein (TV)
  • 1981: Lola
  • 1981: Sonderdezernat K1 (TV-Serie)
  • 1981: Collin (TV)
  • 1982: Ich werde warten (TV)
  • 1982: Ausgestoßen (TV)
  • 1982: Die Flügel der Nacht
  • 1982: Die Gartenlaube (TV)
  • 1982: Flucht aus Pommern (TV)
  • 1982: Die Sehnsucht der Veronika Voss
  • 1982: An uns glaubt Gott nicht mehr (TV)
  • 1982: Der Westen leuchtet
  • 1983: Trauma
  • 1983: Der Fall Sylvester Matuska
  • 1983: Zwei Profis steigen aus
  • 1983: Ruhe sanft, Bruno (TV)
  • 1983: Der verführte Mann
  • 1983: Eine Liebe in Deutschland
  • 1984: Tatort - Freiwild (TV)
  • 1984: Rita Ritter
  • 1984: Tausend Augen
  • 1984: Glut
  • 1984: Ein Fall für zwei (TV-Serie)
  • 1984: Derrick - Stellen Sie sich vor, man hat Dr. Prestel erschossen (TV)
  • 1985: Hautnah (TV)
  • 1985: Oberst Redl
  • 1985: Die Mitläufer
  • 1985: Vergeßt Mozart
  • 1985: Bittere Ernte
  • 1986: Der Fall Franza (TV)
  • 1986: Gauner im Paradies (TV)
  • 1986: Auf den Tag genau (TV)
  • 1986: Momo
  • 1987: Jokehnen oder Wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland? (TV-Serie)
  • 1987: Franza (TV)
  • 1987: Amerika (TV-Serie)
  • 1987: Unser Mann im Dschungel (TV)
  • 1987: Der Joker
  • 1988: Tagebuch für einen Mörder (TV)
  • 1988: L'heure Simenon (TV-Serie)
  • 1988: Killing Blue
  • 1989: Das Spinnennetz
  • 1989: Schweinegeld
  • 1989: A hecc
  • 1989: Music Box - Die ganze Wahrheit
  • 1990: Avalon
  • 1990: Codename: Gorilla (TV-Serie)
  • 1991: Night on Earth
  • 1991: Kafka
  • 1991: Bronsteins Kinder
  • 1992: Utz
  • 1992: Im Glanz der Sonne
  • 1992: Far from Berlin
  • 1993: Red Hot
  • 1993: Der Kinoerzähler
  • 1993: Das Geisterhaus
  • 1994: Taxandria
  • 1994: The Last Good Time
  • 1994: Holy Days - Ich heirate eine Nervensäge
  • 1995: Brennende Liebe
  • 1995: T.Rex
  • 1996: Shine - Der Weg ins Licht
  • 1996: Gespräch mit dem Biest (auch Regie und Drehbuch)
  • 1996: Der Unhold
  • 1997: Im Angesicht meiner Feinde (TV)
  • 1997: Die 12 Geschworenen (1997)
  • 1997: The Assistant
  • 1997: The Game
  • 1997: Projekt: Peacemaker
  • 1998: The Commissioner - Im Zentrum der Macht
  • 1998: Akte X - Der Film
  • 1999: The 13th Floor
  • 1999: Das dritte Wunder
  • 1999: Jakob der Lügner
  • 1999: Die Bibel - Jesus (TV)
  • 2000: The Long Run
  • 2000: Mission to Mars
  • 2000: Jagd auf einen Namenlosen
  • 2001: Die Kreuzritter (TV-Serie)
  • 2001: Die Manns - Ein Jahrhundertroman (TV-Serie)
  • 2004: The Story of an African Farm
  • 2004: The Dust Factory
  • 2004: The West Wing - Im Zentrum der Macht (TV-Serie)
  • 2005: Bustin' Bonaparte
  • 2005: The Power of Knowledge (TV-Serie)
  • 2006: Local Color
  • 2006: Ich bin die Andere
  • 2007: Tödliche Versprechen
  • (auch Sänger)
  • 2008: Buddenbrooks
  • 2009: The International
  • 2009: Illuminati
  • 2009: Leningrad
  • 2009: Die Treuhänderin (TV) (nur Stimme)

Filmpreise

OSCAR Nominierungen:
1996: Bester Nebendarsteller: Shine - Der Weg ins Licht