Burt Lancaster †

Burton Stephen Lancaster

Biographie

Burt Lancaster © unbekannt

Geboren am
Gestorben am:
2.11.1913
20. 10. 1994
in New York City, New York, USA
Century City, Kalifornien, USA
Autor Stefanie Rufle

„Früher oder später werden wir alle vergessen sein. Aber nicht die Filme, sie sind das einzige Denkmal, das wir erhoffen können.“ (Burt Lancaster)
Burt Lancaster, einer der unvergessenen Stars des alten Hollywood, der sich durch seine zahllosen Filme, seine eindringliche Mimik und nicht zuletzt durch seinen athletischen Körper ein Denkmal in der Filmgeschichte setzte.

Am 02. November 1913 wurde Burton Stephen Lancaster als eines von fünf Kindern eines Postangestellten in New York City geboren. Der eher schmächtige Junge entwickelte in der Pubertät eine große Begeisterung für Sport und ließ sich zusammen mit seinem Freund Nick Cravat zum Akrobaten ausbilden. Ab 1932 führten sie unter dem Namen „Lang & Cravat“ unter anderem als Trapezkünstler und Hochseilartisten Zirkusnummern auf. 1935 heiratete Burt seine Zirkuskollegin June Ernst, von der er sich 1946 wieder scheiden ließ. In diesem Jahr musste er wegen einer Verletzung seine Tätigkeit als Akrobat aufgeben. Danach hielt er sich mit unterschiedlichen Jobs über Wasser, er arbeitete als Verkäufer von Damenunterwäsche, in einer Kühlschrankfabrik und für ein Konzertbüro. 1942 wurde Lancaster zum Kriegsdienst eingezogen, wo er an der Aufführung der Shows beteiligt war, die die Soldaten unterhalten sollten. Nach seiner Entlassung aus der Armee begegnete er 1945 in einem Aufzug einem Theaterproduzenten, der ihn, obwohl er keine Schauspielausbildung besaß, für sein Bühnenstück „A Sound of Hunting“ engagierte. Durch seinen Auftritt wurden Talentsucher aus Hollywood auf den athletischen jungen Mann aufmerksam, was ihm zu Angeboten von gleich sieben unterschiedlichen Produktionsfirmen verhalf. Er lernte seinen zukünftigen Agenten und Produktionspartner Harold Hecht kennen und unterschrieb 1946 einen Vertrag mit dem Produzenten Hal B. Wallis.

„Eines Tages wachte ich auf und war ein Star. Das war fürchterlich. Dann musste ich hart daraufhin arbeiten, ein guter Schauspieler zu werden.“ (Burt Lancaster)
1946 heiratete Burt Norma Anderson, mit der er fünf gemeinsame Kinder haben sollte. Der Produzent Mark Hellinger engagierte ihn für „Rächer der Unterwelt“ (1946), der zu einem Klassiker des Film Noir wurde. Buchstäblich von einem Tag auf den anderen war Burt Lancaster ein gefeierter Star in Hollywood. 1947 wurde ihm die Hauptrolle im Theaterstück „Endstation Sehnsucht“ angeboten, die aber wegen seiner hohen Gagenforderungen an Marlon Brando ging, der damit seine Karriere begründete. Nach „Desert Fury“ (1947) und „Zelle R 17“ (1947) war er mit „Vierzehn Jahre Sing-Sing“ (1948) in einem weiteren Film Noir zu sehen. Hier stand er zum ersten Mal mit Kirk Douglas vor der Kamera, mit dem er noch eine ganze Reihe von Filmen drehen sollte. Es folgten die sehr erfolgreichen Streifen „Du lebst noch 105 Minuten“ (1948) mit Barbara Stanwyck und „Alle meine Söhne“ (1948), und 1948 gründete der Mime zusammen mit Harold Hecht und James Hill die Produktionsfirma „Hecht-Hill-Lancaster“, die einen Vertrag mit United Artists aushandelte. „Hecht-Hill-Lancaster“ sollte bis in die Sechzigerjahre viele Filme von Burt Lancaster produzieren. Ein enormer Kassenhit war „Der Rebell“ (1950), in dem Burts ehemaliger Zirkuspartner Nick Cravat eine stumme Nebenrolle hatte. „Tal der Rache“ (1951) war Lancasters erster Western und im Jahr darauf spielte er die Hauptrolle in „Der rote Korsar“ (1952), der bis heute zu seinen populärsten Filmen zählt. Nach „Flucht aus Shanghai“ (1953) stand er zusammen mit Deborah Kerr für die Romanadaption „Verdammt in alle Ewigkeit“ (1953) unter der Regie von Fred Zinnemann vor der Kamera. Die ziemlich gewagten Liebesszenen am Strand sorgten damals für großes Aufsehen, was aber nicht verhinderte, dass Burt Lancaster für den OSCAR nominiert wurde. Der Western „Vera Cruz“ (1954), in dem Gary Cooper sein Partner war, wurde ein großer Publikumserfolg.

„Das ist der beste Job im Filmgeschäft, denn wenn man Regisseur ist, ist man Gott. Und das ist eindeutig der beste Job in der Stadt.“ (Burt Lancaster)
Sein Debüt als Regisseur gab Lancaster mit dem Western „Der Mann aus Kentucky“ (1955), in dem er auch die Hauptrolle spielte. Im selben Jahr landete er einen großen Erfolg mit „Marty“ (1955), den er mit „Hecht-Hill-Lancaster“ produzierte. Der Streifen gewann drei OSCARs – als bester Film, für das Drehbuch und für den besten Hauptdarsteller Ernest Borgnine. In „Trapez“ (1956) spielte Lancaster an der Seite von Tony Curtis einen verbitterten Trapezkünstler und nach „Der Regenmacher“ (1956) mit Katharine Hepburn, für den er für den Golden Globe nominiert wurde, stand er für „Zwei rechnen ab“ (1957) erneut mit Kirk Douglas vor der Kamera. Mit diesem Film endete Burts elfjährige Zusammenarbeit mit Hal B. Wallis. Es folgten die Streifen „Dein Schicksal in meiner Hand“ (1957) mit Tony Curtis, „U23 – Tödliche Tiefen“ (1958) mit Clark Gable und „Der Teufelsschüler“ (1959) mit Kirk Douglas. 1959 lehnte der Schauspieler die Hauptrolle in „Ben Hur“ (1969) ab, die daraufhin Charlton Heston bekam. An der Seite von Audrey Hepburn war er in John Hustons Westerndrama „Denen man nicht vergibt“ (1960) zu sehen, und für seine Darstellung eines zwielichtigen Wanderpredigers in „Elmer Gantry“ (1960) gewann er schließlich einen OSCAR und einen Golden Globe. Eine beeindruckende Leistung lieferte Lancaster als deutscher Jurist Janning in „Das Urteil von Nürnberg“ (1961) ab, und seine Darstellung des Langzeitgefangenen Robert Stroud in „Der Gefangenen von Alcatraz“ (1962) ist bis heute unvergessen – sie brachte ihm eine OSCAR und eine Golden Globe Nominierung ein. Mit Viscontis Historienepos „Der Leopard“ (1963) machte sich der allmähliche Wechsel des Mimen ins Charakterfach bemerkbar. Nach John Frankenheimers „Der Zug“ (1964) und „Sieben Tage im Mai“ (1964) mit Kirk Douglas, beendete United Artist 1965 die Zusammenarbeit mit „Hecht-Hill-Lancaster“, die schon seit längerem in finanziellen Schwierigkeiten waren.

„Genialität kann ziemlich gefährlich sein, sie ist zu unberechenbar. Es ist besser, einfach talentiert zu sein.“ (Burt Lancaster)
Lancaster war nun wieder öfter in Western wie „Vierzig Wagen westwärts“ (1965), „Die gefürchteten Vier“ (1966) oder „Mit eisernen Fäusten“ (1968) zu sehen, doch seine Filme aus den späten Sechzigerjahren fanden kaum noch positive Resonanz. 1969 ließ Burt sich von seiner Frau Norma scheiden und mit „Airport“ (1970), wo er neben einem großen Staraufgebot zu sehen war, konnte der Schauspieler nochmals einen großen Erfolg auf seinem Konto verbuchen. Doch ab den Siebzigerjahren konnte er immer seltener an seine großen Zeiten anknüpfen. Mit „Der Mitternachtsmann“ (1974) inszenierte Lancaster seinen zweiten Film, der aber kaum Beachtung fand. Enormen Beifall fand der Mime noch einmal durch seine Darstellung eines alternden Kleinganoven in „Atlantic City“ (1980) – für sie wurde er für den OSCAR und den Golden Globe nominiert. Nach Bill Forsyths Komödie „Local Hero“ (1983) musste sich Lancaster einer Herzoperation unterziehen, von der er sich nur langsam erholte. Aus diesem Grund musste er die Rolle eines homosexuellen Friseurs in „Der Kuss der Spinnenfrau“ (1985) an William Hurt abtreten, der dafür den OSCAR gewann. Für die Komödie „Archie und Harry – Sie können’s nicht lassen“ (1986) stand er ein letztes Mal mit Kirk Douglas vor der Kamera, und seinen letzten großen Kinoauftritt hatte er neben Kevin Costner in „Feld der Träume“ (1989). Als seine Hauptrolle in „Old Gringo“ (1989) wegen seines angeschlagenen Gesundheitszustands an Gregory Peck ging, verklagte er Columbia Pictures, doch schon ein Jahr später erlitt er einen Schlaganfall, der sein Sprachzentrum beeinträchtigte und somit eine weitere Tätigkeit als Schauspieler unmöglich machte. 1991 heiratete Burt seine dritte Frau Susan Martin und am 20. Oktober 1994 starb er in Century City an einem Herzinfarkt.

Burt Lancaster war einer der legendären Stars Hollywoods und des italienischen Films, der nie eine Schauspielschule besucht hatte. Seine Filme spiegelten oftmals seine liberalen politischen Überzeugungen wider, er war stets an Filmen interessiert, die gesellschaftliche und soziale Fragen ansprachen. 1963 nahm er gemeinsam mit Marlon Brando, Charlton Heston, Sidney Poitier und Paul Newman am „Martin Luther King-March“ teil, und nach seiner Unterstützung des demokratischen Präsidentschaftskandidaten George McGovern im Jahr 1972 stand er mit Kollegen wie Gene Hackman und Paul Newman auf der „Feindesliste“ von Präsident Nixon. Der Mime, der bis zu seiner Herzoperation 1983 seine fantastische körperliche Fitness, die er sich als Akrobat erworben hatte, behielt, drehte zwischen zwei und vier Filmen pro Jahr. Sein Sohn Bill Lancaster ist ebenfalls Schauspieler und Drehbuchautor.


Filmographie Burt Lancaster

  • 1946: Die Killer
  • 1947: Zelle R 17
  • 1947: Desert Fury
  • 1948: Die toten Jahre
  • 1948: Alle meine Söhne
  • 1948: Du lebst noch 105 Minuten
  • 1948: Bis zur letzten Stunde
  • 1949: Gewagtes Alibi
  • 1949: Blutige Diamanten
  • 1950: Der Rebell
  • 1950: Mister 880
  • 1951: Tal der Rache
  • 1951: Jim Thorpe - All-American
  • 1951: Frauenraub in Marokko
  • 1952: Der rote Korsar
  • (auch Produzent)
  • 1952: Kehr zurück, kleine Sheba
  • 1953: Flucht aus Shanghai
  • 1953: Verdammt in alle Ewigkeit
  • 1953: Three Sailors and a Girl
  • 1954: Weißer Herrscher über Tonga
  • 1954: Der große Apache (auch Produzent)
  • 1954: Red Skelton Revue (TV-Serie)
  • 1954: Vera Cruz
  • (auch Co-Produzent)
  • 1955: Der Mann aus Kentucky (auch Regie)
  • 1955: Die tätowierte Rose
  • 1955: Marty (nur Produzent)
  • 1956: Trapez
  • (auch Produzent)
  • 1956: Der Regenmacher (1956)
  • 1957: Zwei rechnen ab
  • 1957: Dein Schicksal in meiner Hand (auch Ex.Produzent)
  • 1958: U 23 - Haie im Pazifik
  • 1958: Getrennt von Tisch und Bett
  • 1959: Der Teufelsschüler
  • 1959: Spring über deinen Schatten (nur Ex.Produzent)
  • 1960: Denen man nicht vergibt (auch Co-Produzent)
  • 1960: Elmer Gantry
  • 1961: Die jungen Wilden
  • 1961: Das Urteil von Nürnberg
  • 1962: Der Gefangene von Alcatraz
  • 1963: Ein Kind wartet
  • 1963: Der Leopard
  • 1963: Die Totenliste
  • 1964: Sieben Tage im Mai
  • 1964: Der Zug
  • 1965: Vierzig Wagen westwärts
  • 1966: Die gefürchteten Vier
  • 1967: All About People
  • 1968: Mit eisernen Fäusten (auch Produzent)
  • 1968: Der Schwimmer
  • 1969: Das Schloß in den Ardennen
  • 1969: Die den Hals riskieren
  • 1970: Airport
  • 1971: Lawman
  • 1971: Valdez
  • 1972: Keine Gnade für Ulzana (auch Produzent)
  • 1973: Scorpio, der Killer
  • 1974: Der Mitternachtsmann (auch Produzent, Regie, Drehbuch)
  • 1974: Gewalt und Leidenschaft
  • 1974: Moses (TV-Serie)
  • 1976: Buffallo Bill und die Indianer
  • 1976: Nevecento
  • 1976: Unternehmen Entebbe (TV)
  • 1976: Cassandra Crossing
  • 1977: Das Ultimatum
  • 1977: Die Insel des Dr. Moreau
  • 1978: Die letzte Schlacht
  • 1979: Zulu Dawn
  • 1980: Atlantic City, USA (auch Soundtrack)
  • 1981: Zwei Mädchen und die Doolin-Bande
  • 1981: Die Haut
  • 1982: Verdi (TV-Serie) (nur Stimme)
  • 1982: Marco Polo (TV-Serie)
  • 1983: Local Hero
  • 1983: Das Osterman-Weekend
  • 1985: Tödliche Schlagzeilen (TV)
  • 1985: Staubige Dollars
  • 1986: Auf den Schwingen des Adlers (TV-Serie)
  • 1986: Barnum (TV)
  • 1986: Archie und Harry - Sie können's nicht lassen
  • 1986: Väter und Söhne - Eine deutsche Tragödie (TV-Serie)
  • 1987: Control (1987)
  • 1988: Rocket Gibraltar
  • 1989: Feld der Träume
  • 1989: Der Laden des Goldschmieds
  • 1989: Die Verlobten (TV-Serie)
  • 1990: Phantom der Oper (TV)
  • 1990: Die Entführung der Achille Lauro (TV)
  • 1991: Gleichheit kennt keine Farbe (TV)

Filmpreise

Golden Globe Nominierungen:
1956: Bester Schauspieler - Drama: Der Regenmacher
1962: Bester Schauspieler - Drama: Der Gefangene von Alcatraz
1980: Bester Schauspieler - Drama: Atlantic City, USA

Gewonnene Golden Globes:
1960: Bester Schauspieler - Drama: Elmer Gantry

OSCAR Nominierungen:
1953: Bester Schauspieler: Verdammt in alle Ewigkeit
1962: Bester Schauspieler: Der Gefangene von Alcatraz
1980: Bester Hauptdarsteller: Atlantic City, USA

Gewonnene OSCARs:
1960: Bester Schauspieler: Elmer Gantry