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Susanne Lothar †
Biographie
© unbekannt
|
Geboren am Gestorben am: |
15.11.1960 21.07.2012 |
in |
Hamburg, Deutschland Berlin, Deutschland |
Autor | Stefanie Rufle |
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„Ich kannte sonst kaum jemanden, der so eine mutige Schauspielerin war, die sich alles getraut hat. Sie war eine Rarität und unersetzbar. Für den Film und das Theater ist das ein großer Verlust, eine Katastrophe.“ (Regisseur Michael Haneke zum plötzlichen Tod von Susanne Lothar am 21. Juli 2012)
Susanne Lothar war eine Ausnahmeschauspielerin im deutschen Film, ihre Kompromisslosigkeit, ihre darstellerische Wucht und die absolute Bedingungslosigkeit, mit der sie sich in ihre Rollen ergab, lassen diese zarte und zugleich gewaltige Schauspielerin unvergessen werden.
Die am 15. November 1960 in Hamburg geborene Susanne Lothar wuchs in einer Schauspielerfamilie auf. Ihre Eltern waren die zu ihrer Zeit sehr bekannten Schauspieler Ingrid Andree und der früh verstorbene Hanns Lothar. Susannes Halbbruder Marcel Werner, aus einer früheren Ehe des Vaters, war ebenfalls Schauspieler – er nahm sich im Alter von 34 Jahren das Leben. Noch vor dem Abitur begann die hoch talentierte Susanne Anfang der achtziger Jahre ihr Studium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Hamburg. Sie hatte ihr Debüt am Hamburger Thalia-Theater, an dem auch schon ihre Mutter gespielt hatte. Ihre schicksalhafte Zusammenarbeit mit Theaterregisseur Peter Zadek nahm mit dessen Inszenierung der „Lulu“ aus dem Jahr 1988 am Hamburger Schauspielhaus ihren Anfang. Lothar wurde für die Titelrolle engagiert – und beeindruckte mit ihrer schamlosen Darstellung Publikum und Kritik gleichermaßen. Die „Lulu“ bedeutete den Anfang ihrer kometenhaften Karriere, sowohl auf der Bühne als auch beim Film. Über die Proben zu „Lulu“ sagte die Mimin einmal:
„Ich bin mitgeflogen über alle Konventionen hinweg.“
Ihr Filmdebüt hatte die junge Schauspielerin bereits 1983 gehabt: Für ihre Darstellung in „Eisenhans“ (1983) erhielt sie, gerade mal 23 Jahre alt, den Bundesfilmpreis als „Beste Hauptdarstellerin“. Doch trotz dieses Kinoerfolgs wandte sie sich verstärkt dem Theater zu und hatte in den folgenden Jahren zentrale Bühnenrollen in Hamburg, Köln, Wien, Zürich, Stuttgart, Salzburg und Berlin. 1988 wurde sie von „Theater Heute“ zur „Schauspielerin des Jahres“ gekürt. Ab Beginn der neunziger Jahre mehrten sich Lothars Rollen in Film und Fernsehen, und bei den Dreharbeiten zu „Die Jüdin von Toledo“ (1991) lernte sie ihren zukünftigen Mann, den Schauspieler Ulrich Mühe kennen. Die beiden heirateten 1994 und bekamen zwei gemeinsame Kinder, Sophie Marie und Jakob. Bis zu Mühes Tod im Jahr 2007 lebte sie mit ihm und den Kindern in Berlin. 1997 übernahmen Ulrich Mühe und sie die Hauptrollen in Michael Hanekes „Funny Games“ (1997) – noch in drei Filmen des Regisseurs sollte Susanne Lothar später mitwirken: „Das Schloss“ (1997), „Die Klavierspielerin“ (2001) und im vielfach ausgezeichneten „Das weiße Band“ (2009). Für ihre Hauptrolle in „Engelchen“ wurde die Mimin 1997 für den Deutschen Filmpreis nominiert. Es folgten weitere herausragende Rollen in Filmen wie „Der Stellvertreter“ (2002), Hans W. Geißendörfers „Schneeland“ (2005) und „Nemesis“ (2007), wo sie ein letztes Mal mit ihrem Mann vor der Kamera stand. Im Fernsehfilm „Und ewig schweigen die Männer“ (2007) durfte die Lothar ihre komische Ader unter Beweis stellen. Es folgten die Kinofilme „Die kommenden Tage“ (2009) und „Die verlorene Zeit“ (2009), und im Psychothriller „Morgen musst Du sterben“ (2010) war sie neben Uwe Kockisch zu sehen. Im Kinofilm „Wer, wenn nicht wir“ (2010) spielte Susanne Lothar die Mutter von Gudrun Ensslin – der Film erhielt den Alfred Bauer Preis der Berlinale. Für die britische Kinoproduktion „Anna Karenina“ (2012) stand die Mimin in London neben Keira Knightley und Jude Law vor der Kamera. Zuletzt war die herausragende Charakterdarstellerin Susanne Lothar in der „Polizeiruf 110“-Folge „Die Gurkenkönigin“ bei uns im Fernsehen zu sehen, und im Januar 2013 kam das Drama "Staub auf unseren Herzen" (2013) in die deutschen Kinos, in dem Lothar die weibliche Hauptrolle spielte - die Premiere dieses Films durfte die Schauspielerin leider nicht mehr erleben.
Ulrich Tukur sagte über seine unvergessene Schauspielkollegin:
„Es war immer sehr viel Verzweiflung in dem, was sie gemacht hat. Auf der Bühne war sie toll, aber im Leben hat das nicht funktioniert.“
Filmographie Susanne Lothar
- 1983: Eisenhans
- 1990: Das Geheimnis des gelben Geparden (TV)
- 1990: Der Fahnder - Romeo (TV)
- 1990: Winckelmanns Reisen
- 1991: Lulu (TV)
- 1991: Die Jüdin von Toledo (TV)
- 1992: Der Berg
- 1992: Der demokratische Terrorist
- 1993: Il giovane Mussolini (TV-Mini-Serie)
- 1993: L'ispettore Sarti (TV)
- 1993: Tatort - Himmel und Erde (TV)
- 1993: Die zweite Heimat - Chronik einer Jugend (TV-Serie)
- 1993: Dr. Schwarz und Dr. Martin (TV-Serie)
- 1995: Geschäfte (TV)
- 1995: Schnellschuß
- 1996: Das tödliche Auge (TV)
- 1996: Der Sohn des Babymachers (TV)
- 1996: Engelchen
- 1997: Frauen morden leichter (TV-Serie)
- 1997: Hollister (TV)
- 1997: Das Schloß
- 1997: Die Stunden vor dem Morgengrauen (TV)
- 1997: Funny Games
- 1997: Blutige Scheidung (TV)
- 1999: Einfach raus (TV)
- 1999: Tatort - Traumhaus (TV)
- 1999: Der Mörder meiner Mutter (TV)
- 2000: Die blauen und die grauen Tage (TV)
- 2000: Bonhoeffer - Die letzte Stufe
- 2000: Vom Küssen und vom Fliegen (TV)
- 2001: Dreimal Leben (TV)
- 2001: Anwalt Abel - Salut, Abel! (TV)
- 2001: Die Klavierspielerin
- 2001: Abschied in den Tod (TV)
- 2001: To Have and to Hold
- 2001: Turnverein
- 2002: Der Stellvertreter
- 2002: Der letzte Zeuge (TV-Serie)
- 2002: Die 8. Todsünde: Das Toskana-Karussell
- 2003: Hamlet X
- 2003: Mutter Courage und ihre Kinder (TV)
- 2005: Schneeland
- 2005: Unter dem Eis
- 2005: Tatort - Der Teufel vom Berg (TV)
- 2006: Die Österreichische Methode
- 2007: Madonnen
- 2007: Verwehte
- 2007: Tatort - Das Ende des Schweigens (TV)
- 2008: Fleisch ist mein Gemüse
- 2008: Morgen räum' ich auf (TV)
- 2008: Tatort - Der glückliche Tod (TV)
- 2008: Der Vorleser
- 2008: Und ewig schweigen die Männer (TV)
- 2009: Der Tiger oder Was Frauen lieben (TV)
- 2009: Das weiße Band
- 2009: Ein Fall für zwei - Kalte Wut (TV)
- 2009: SOKO 5113 - Zwei Frauen und ein Mord (TV)
- 2009: Kommissar Stolberg - Am Tag danach (TV)
- 2010: Der Kriminalist - Getauschtes Leben (TV)
- 2010: Das Duo - Bestien (TV)
- 2010: Die Auflehnung (TV)
- 2010: Agatha Christie's Poirot (TV-Serie)
- 2010: Der Alte - Oder du stirbst (TV)
- 2010: Nemesis
- 2010: Rausch
- 2010: Die kommenden Tage
- 2010: Morgen musst Du sterben (TV)
- 2011: Wer wenn nicht wir
- 2011: Die verlorene Zeit
- 2011: Bloch - Inschallah (TV)
- 2012: Blutsbrüder teilen alles
- 2012: Polizeiruf 110 - Die Gurkenkönigin (TV)
- 2012: Die letzte Spur - Terrorist (TV)
- 2012: Anna Karenina
- 2013: Staub auf unseren Herzen
- 2013: Mein blindes Herz



