Marlon Brando †

Marlon Brando Jr.

Biographie

Marlon Brando © Columbia TriStar

Geboren am
Gestorben am:
3.4.1924
01.07.2004
in Omaha, Nebraska, USA
Los Angeles, Kalifornien, USA
Autor Stefanie Rufle

"Ich bewundere Marlons Talent, aber ich beneide ihn nicht um den Schmerz, aus dem es hervorgegangen ist." sagte einst Schauspielerkollege Anthony Quinn zu Brandos erster Frau Anna Kashfi. Marlon Brando galt und gilt bis heute als größter Schauspieler aller Zeiten und dieser Rang wird ihm neidlos von vielen seiner Kollegen und Kolleginnen überlassen. Kein anderer hatte einen derart großen Einfluss auf Generationen von Schauspielern und eröffnete mit seinem für damalige Zeiten völlig neuartigen Stil zu spielen ganz neue Dimensionen. Die frühen fünfziger Jahre brachten im amerikanischen Kino Legenden wie James Dean, Paul Newman und Steve McQueen hervor, die allesamt den Rebellen Brando nachahmten. Nach dieser Zeit wurde jeder Newcomer mit wirklichem Talent als der "neue Brando" bezeichnet. Jack Nicholson sagte 1972 über den großen Star:
"Wir sind alle Brandos Kinder. Er gab uns unsere Freiheit."

Marlon Brando wurde am 03. April 1924 in eine mehr als problematische Familie hineingeboren. Seine Eltern waren beide Alkoholiker und der kleine Brando floh schon früh in seine eigene Fanatasiewelt. Um seine Mutter aus ihrem Alkoholdunst herauszuholen, spielte er für sie und mehr als einmal war er gezwungen, sie aus der Ausnüchterungszelle abzuholen. Obwohl die Mutter eine örtliche Laientheatergruppe leitete und dort auch Henry Fonda unter ihren Fittichen hatte, kann man sich vorstellen, dass Brandos Kindheitserinnerungen alles andere als berauschend waren. Mit nur neunzehn Jahren floh er vor dem kalten, distanzierten Vater nach New York, wohin es auch schon seine ältere Schwester Jocelyn verschlagen hatte. Dort wurde er in Erwin Piscators "Dramatic Workshop" an der New York´s New School of Social Research aufgenommen. Schauspiel war das Einzige, worin er seiner Meinung nach gut war, hier bekam er die Anerkennung, die ihm sonst immer versagt geblieben war. Sein Debut am Broadway hatte er dann schon 1944 in "I Remember Mama" - das Stück wurde ein großer Erfolg. Jetzt begannen die Talentsucher aller möglichen Filmstudios, dem jungen Schauspieler die Tür einzurennen. Da Marlon sich aber nicht in die damals noch üblichen Siebenjahresverträge einbinden lassen wollte, lehnte er alle Angebote ab und hatte sein Film-Debut deshalb erst 1950 in "Die Männer". Der eigentliche Beginn seiner Karriere war aber ein Broadway-Stück: Tennessee Williams "Endstation Sehnsucht", in dem er 1947 zu sehen war. Mehr als drei Jahre später drehte Elia Kazan mit ihm den gleichnamigen Film, in dem Vivien Leigh seine Filmpartnerin war - dieser Streifen begründete den Weltruhm des Mimen und für seine Rolle wurde er auch zum ersten Mal für den OSCAR nominiert. Kazan sagte, er habe neben Orson Welles nur einen Schauspieler gekannt, den man als Genie bezeichnen könne: Brando.

Es folgte nun ein Film nach dem anderen, in denen der Mime zunächst vor allem junge, unverstandene Rebellen gab. Zwei weitere OSCAR Nominierungen - für "Viva Zapata" (1952) und "Julius Caesar" (1953) - folgten, bis der talentierte Brando dann für "Die Faust im Nacken" (1954) endlich die begehrte Trophäe mit nach Hause nehmen durfte. Dieser OSCAR wurde ihm übrigens Jahre später gestohlen. Nach "Sayonara" (1957), für den er seine vierte Nominierung erhielt, begann sein Stern ganz leicht zu verblassen. Er lehnte die Hauptrolle in "Lawrence von Arabien" (1962) mit der Begründung ab, dass er nicht ein ganzes Jahr lang auf einem Kamel in der Wüste umherreiten wolle. Stattdessen unterschrieb er einen Vertrag für "Meuterei auf der Bounty" (1962). Einen ganz großen Erfolg landete er mit dem Mammutsprojekt "Cleopatra" (1963), aber danach bewies er dann ein sicheres Händchen für Filmflops. So lehnte er etwa "Butch Cassidy and the Sundance Kid" (1969) wegen politischer Überzeugungen ab und drehte stattdessen den mäßig erfolgreichen "Queeinada" (1969). Als er einmal Anfang der 60er Jahre ein Rollenangebot ablehnte, fragte er lapidar: "Wie kann ich spielen, wenn Leute in Indien hungern?" Andererseits hatte Brando für die Hauptrolle in "Der große Gatsby" (1974) so horrende Honorarvorstellungen, dass Paramount dankend ablehnte. Seinen zweiten OSCAR erhielt Marlon für die Hauptrolle in "Der Pate" (1972) - beinahe zwei Jahrzehnte nachdem er zum ersten Mal die Trophäe in Händen halten durfte. Diesmal allerdings brachte er dem begehrten Preis nicht den nötigen Respekt entgegen: er schickte eine Schauspielerin in Indianerkostüm auf die Bühne, die den OSCAR in seinem Namen dankend ablehnte. Mit dieser Geste protestierte der Mime gegen die Unterdrückung der amerikanischen Ureinwohner und man kann sich vorstellen, welchen Eklat er damit heraufbeschwörte. Diese Aktion sagte aber unglaublich viel über die Person Marlon Brando aus. Galt er doch als äußerst schwieriger Zeitgenosse, der es mit niemandem lange aushielt, der aber andererseits für seine Überzeugungen einstand. Seine Rolle des Vito Corleone aus "Der Pate" steht übrigens auf Platz eins von "Premiere´s" "100 Greatest Movie Characters of all time".

Einen letzten herausragenden Erfolg erzielte die Schauspieler-Ikone mit dem Film "Der letzte Tango in Paris" (1972), wo er schon ziemlich übergewichtig nocheinmal eine glänzende Vorstellung gab. Viel wird erzählt über diesen wandlungsfähigen Mimen, beispielsweise, dass er sich keine Texte merken konnte, sehr unzuverlässig war, und dass er wirklich verheerende Eßgewohnheiten hatte, die ihn immer wieder zu Crash-Diäten zwangen, die er aber in späteren Jahren nicht mehr durchhalten konnte. Auch seine Filme waren allmählich spärlicher gesät und er drehte hauptsächlich, um das Geld für ein Filmprojekt über Indianer zusammenzubekommen - dieser Film kam aber nie zustande. Stattdessen war er in Streifen wie "Duell am Missouri" (1975), "Superman" (1978) oder "Die Formel" (1980) zu sehen. Für seinen kurzen Auftritt in "Superman" verdiente er mehr, als Hauptdarsteller Christopher Reeve. Dann wurde es ruhiger um den Mimen. Er bekam Rollenangebote für die Fortsetzungen zu "Der Pate" und "Superman", die er ablehnte, ganz seinem Credo folgend, einen Film zu beenden und ihn dann zu vergessen. Der Schauspieler, der sich in seinen letzten Jahren viel mit der Presse anlegte, nahm jetzt immer öfter kleine Rollen für hohe Gagen an, wie etwa in "Don Juan De Marco" (1995), wo er neben Johnny Depp zu sehen war, den er als talentiertesten Schauspieler seiner Generation bezeichnete.

Ansonsten lebte Brando ein eher zurückgezogenes Leben auf seiner eigenen Südseeinsel. Schon zu Lebzeiten war er eine Legende, fand in Dutzenden Songs Erwähnung und wurde auf Platz 13 der "The Top 100 Movie Stars of All Time"-Liste des "Empire"-Magazins gewählt. Er, der Vater von elf Kindern war, starb am 01. Juli 2004 in einem Krankenhaus in Los Angeles. Brando, der sich oft eher abfällig und geringschätzig über den Schauspielerberuf geäußert hatte sagte einmal:
"Das einzige, was ein Schauspieler seinem Publikum schuldet ist, es nicht zu langweilen."


Filmographie Marlon Brando

  • 1949: Actor´s Studio (TV-Serie)
  • 1950: Die Männer
  • 1951: Endstation Sehnsucht
  • 1952: Viva Zapata!
  • 1953: Julius Caesar
  • 1954: Der Wilde
  • 1954: Die Faust im Nacken
  • 1954: Desirée
  • 1955: Omnibus (TV-Serie)
  • 1955: Schwere Jungs und leichte Mädchen (auch Sänger)
  • 1956: Das kleine Teehaus
  • 1957: Sayonara
  • 1958: Die jungen Löwen
  • 1959: Der Mann in der Schlangenhaut
  • 1961: Der Besessene (auch Regie)
  • 1962: Meuterei auf der Bounty (1962)
  • 1963: Der hässliche Amerikaner
  • 1965: Zwei erfolgreiche Verführer
  • 1966: Kennwort: Morituri
  • 1966: Ein Mann wird gejagt
  • 1966: Südwest nach Sonora
  • 1967: Spiegelbild im goldenen Auge
  • 1967: Die Gräfin von Hongkong
  • 1967: Siebenmal lockt das Weib
  • 1968: Candy (1968)
  • 1968: Am Abend des folgenden Tages
  • 1969: Queimada - Insel des Schreckens
  • 1972: Der Pate
  • 1972: Der letzte Tango in Paris
  • 1972: Das Loch in der Tür
  • 1976: Duell am Missouri
  • 1977: The Godfather: A Novel for Television (TV-Serie)
  • 1978: Superman
  • 1979: Roots - Die nächsten Generationen (TV-Serie)
  • 1979: Apocalypse Now
  • 1980: Die Formel
  • 1989: Weiße Zeit der Dürre
  • 1990: Freshman
  • 1992: Christopher Columbus - Der Entdecker
  • 1995: Don Juan DeMarco
  • 1996: DNA - Die Insel des Dr. Moreau
  • 1997: The Brave
  • 1998: Free Money
  • 2001: The Score

Filmpreise

Golden Globe Nominierungen:
1954: Bester Schauspieler - Drama: Die Faust im Nacken
1956: Bester Schauspieler - Musical / Comedy: Das kleine Teehaus
1957: Bester Schauspieler - Drama: Sayonara
1963: Bester Schauspieler - Drama: Der hässliche Amerikaner
1989: Bester Nebendarsteller: Weiße Zeit der Dürre

Gewonnene Golden Globes:
1972: Bester Schauspieler - Drama: Der Pate

OSCAR Nominierungen:
1951: Bester Schauspieler: Endstation Sehnsucht
1952: Bester Schauspieler: Viva Zapata!
1953: Bester Schauspieler: Julius Caesar
1957: Bester Schauspieler: Sayonara
1973: Bester Schauspieler: Der letzte Tango in Paris
1989: Bester Nebendarsteller: Weiße Zeit der Dürre

Gewonnene OSCARs
1954: Bester Schauspieler: Die Faust im Nacken
1972: Bester Schauspieler: Der Pate