Charles Chaplin †

Charles Spencer Chaplin

Biographie

Charles Chaplin © Piffl

Geboren am
Gestorben am:
16.4.1889
25.12.1977
in Lambeth, London, Großbritannien
Vevey, Schweiz
Autor Stefanie Rufle

George Bernd Shaw bezeichnete Charles Chaplin als "das einzige Genie, das der Film bisher hervorgebracht hat." Jedenfalls war Chaplin der erste Weltstar des Films, eine Ikone der Stummfilm-Ära, dem es als einem der wenigen gelungen war, den Übergang in die Welt des Tonfilms unbeschadet zu überstehen. Noch heute wird Chaplin von vielen gleichgesetzt mit seiner "Tramp"-Rolle: der Mann mit Schnurbart, Melone, Spazierstock und dem unvergleichlich komischen Gang.

Charles´Eltern – Charles und Hannah Chaplin – traten als Unterhalter auf vielen Bühnen auf, der kleine Charlie war immer mit dabei. Als er fünf Jahre alt war, hatte er seinen ersten Bühnenauftritt – er sprang für seine erkrankte Mutter ein. Von da an war der Junge ständig auf irgendeiner Bühne zu sehen. Charlie wurde sehr früh Waise, seine Jugend wird deshalb sehr oft mit der aus einer der Romane von Dickens verglichen. Im Gegensatz zu den oft düsteren Schicksalen in Dickens´Büchern, fand Chaplin aber den Weg in die Filmstudios Amerikas. 1908 wurde er, zusammen mit seinem Halbbruder Sydney Mitglied von Fred Karno´s Bühnentruppe, mit der er 1910 nach New York kam. Auch Stan Laurel, der später zusammen mit Oliver Hardy als die unvergleichlichen "Dick und Doof" Weltruhm erlangte, war mit dabei. Die beiden teilten sich dort ein Zimmer in einer Pension, in der es verboten war, zu kochen. Um die Geräusche zu übertönen, die Stan verbotenerweise beim Kochen auf einer Kochplatte machte, soll Charlie lauthals auf der Violine gespielt haben. Chaplin war Tänzer, Sänger und Pantomime, als Mack Sennet, Boss der "Keystone"-Filmgesellschaft 1913 während einer Bühnenshow auf ihn aufmerksam wurde. Sennet engagierte Charles vom Fleck weg und dieser bat seinen Bruder Syd, sein Manager zu werden.

In seinem Jahr bei "Keystone" drehte Chaplin 35 Slapstick-Filme für 175 Dollar die Woche – am Ende dieses Jahres war er ein populärer Mann. 1914 entstand sein erster "richtiger" Film "Making a Living". 1915 wechselte er zu "Essenay", wo er 15 Filme drehte, einer davon war "Tramp", sein erstes großes Meisterwerk. Von dieser Zeit an schrieb er die Drehbücher selbst, führte Regie, produzierte die Filme und spielte die Hauptrollen. 1916 ging er zu "Mutual", wo er zwölf Filme machte, 1917 dann zu "First National Studios". Im Jahr 1918 gründete Chaplin mit Douglas Fairbanks, Mary Pickford und D. W. Griffith die "United Artist Corporation" (UA). Der erste Film, den er für UA produzierte war "A Woman of Paris" (1923).

Schon 1921 erhielt Chaplin eine Auszeichnung der französischen Regierung für seine Arbeit als Filmemacher – das Jahr übrigens, in dem "The Kid" in die Kinos kam. "Goldrausch" (1924) galt als bis dahin bester Film aller Zeiten. Am 06. Juli 1925 erschien Charles Chaplin als erster Schauspieler auf der Titelseite des "Time"- Magazins. Nur widerwillig gewährte ihm Hollywood 1928 einen Ehren-OSCAR für "Vielseitigkeit und Genie". Im Jahr 1937 beendete Charles Chaplin für sich die Stummfilm-Ära mit "Moderne Zeiten", der einer seiner größten Erfolge wurde. 1940 dann erschien sein erster Tonfilm "Der große Diktator", der eine Anklage an das Nazi-Regime war. Chaplin spielte eine Doppelrolle: als jüdischen Barbier, der im Ersten Weltkrieg gekämpft hatte und als der böse Adenoid Hynkel, Diktator von Tomania – er eindeutig eine Karrikatur Adolf Hitler´s. Dieser war übrigens in der Realität kein Fan Chaplin´s (er hielt ihn fälschlicherweise für einen Juden), war aber doch sehr beeindruckt von der Beliebtheit, die der Schauspieler auf der ganzen Welt genoss. Aus diesem Grund ließ sich Hitler angeblich den "Chaplin – Schnurbart" wachsen. "Der große Diktator" brachte Chaplin fünf OSCAR-Nominierungen ein. "Rampenlicht" (1952) ist wohl sein bekanntester Tonfilm, in dem sein langjähriger Freund Buster Keaton eine Hauptrolle spielte.

Nach dem Krieg eröffnete Senator McCarthy eine Hetzjagd auf "unamerikanische Umtriebe". In sein Visier geriet auch Charlie, dessen Leben – vor allem sein Ehe- und Sexualleben – entschieden zu liberal für die "Kommunistenjäger" war. Chaplin hatte eindeutig eine Vorliebe für sehr junge Frauen. 1918 heiratete er Mildred Harris, sie war damals 16 Jahre alt, 1924 dann Lita Grey, mit der er zwei Söhne hatte, auch sie war zum Zeitpunkt der Hochzeit 16. Angeblich wurde Vladimir Nabokov´s "Lolita" von Charles´Beziehung zu Lita Grey inspiriert. Seine dritte Ehe (1936) mit der 19jährigen Paulette Goddard hielt er sogar drei Jahre lang geheim. 1943 heiratete Chaplin dann seine große Liebe Oona O´Neill, Tochter des amerikanischen Dramatikers Eugene O´Neill. Einmal vermeintlicher kommunistischer Verbindungen angeklagt – die er aber zeitlebens bestritt – wurde der Schauspieler aus Amerika ausgewiesen. Er ließ sich mit Oona und den gemeinsamen Kindern am Genfer See nieder. Als Chaplin 1975 von Königin Elizabeth zum Ritter geschlagen wurde sagte er: "Ich würde nicht in die USA zurückkehren, selbst wenn Jesus dort Präsident geworden wäre." Er wurde in all seinen Jahren in Amerika übrigens nie US-Bürger. Chaplin´s Tochter Geraldine, die später mit führenden Regisseuren in großen Filmen arbeitete, sagte einmal in einem Interview, dass die Liebe ihrer Eltern zueinander so groß gewesen sei, dass daneben nur wenig Platz für ihre acht Kinder war. Anscheinend hatten die beiden nur Augen füreinander, weswegen sich die Kinder oft vernachlässigt gefühlt hätten.

Charlie Chaplin veröffentlichte 1964 seine Memoiren und nahm 1972 in Hollywood den OSCAR für sein Lebenswerk entgegen. Nach seiner Zeit in den USA drehte er noch zwei Filme "Ein König in New York" (1957), der in den USA erst zwanzig Jahre später uraufgeführt wurde und seinen letzten Film und einzigen Flop "Die Gräfin von Honkong" (1967) mit Marlon Brando und Sophia Loren in den Hauptrollen.

Charles Chaplin starb im hohen Alter von 88 Jahren in seinem Haus in Vevey friedlich im Schlaf. Makabererweise wurde sein Leichnam 1978 aus seinem Grab gestohlen und erst drei Monate später wiedergefunden. Charlie Chaplin hinterlässt ein großartiges Lebenswerk und wird wohl als einer der ganz Großen in die Geschichte des Films eingehen.


Filmographie Charles Chaplin

  • 1914: Making a Living
  • 1914: Kid Auto Races at Venice
  • 1914: Mabel's Strange Predicament
  • 1914: Between Showers
  • 1914: A Film Johnnie
  • 1914: Tango Tangles
  • 1914: His Favorite Pastime
  • 1914: Cruel, Cruel Love
  • 1914: The Star Boarder
  • 1914: Mabel at the Wheel
  • 1914: Twenty Minutes of Love (auch Regie)
  • 1914: Caught in a Cabaret
  • 1914: Caught in the Rain (auch Regie, Schnitt)
  • 1914: A Busy Day (auch Regie, Schnitt)
  • 1914: The Fatal Mallet
  • 1914: Her Friend the Bandit (auch Regie)
  • 1914: The Knockout
  • 1914: Mabel's Busy Day
  • 1914: Mabel's Married Life (auch Regie, Drehbuch, Schnitt)
  • 1914: Laughing Gas (auch Regie, Schnitt)
  • 1914: The Property Man (auch Regie, Schnitt)
  • 1914: The Face on the Bar Room Floor (auch Regie, Schnitt)
  • 1914: Recreation (auch Regie, Schnitt)
  • 1914: Die Maskerade (auch Regie, Drehbuch, Schnitt)
  • 1914: His New Profession (auch Regie, Schnitt)
  • 1914: The Rounders (auch Regie, Drehbuch, Schnitt)
  • 1914: The New Janitor (auch Regie, Schnitt)
  • 1914: Those Love Pangs (auch Regie, Schnitt)
  • 1914: Dough and Dynamite (auch Regie, Drehbuch, Schnitt)
  • 1914: Gentlemen of Nerve (auch Regie, Schnitt)
  • 1914: His Musical Career (auch Regie, Schnitt)
  • 1914: His Trysting Place (auch Regie, Drehbuch, Schnitt)
  • 1914: Tillie's Punctured Romance
  • 1914: Getting Acquainted (auch Regie, Drehbuch, Schnitt)
  • 1914: His Prehistoric Past (auch Regie, Drehbuch, Schnitt)
  • 1915: Charlie gegen alle (auch Regie, Drehbuch, Schnitt)
  • 1915: Eine verbummelte Nacht (auch Regie, Drehbuch, Schnitt)
  • 1915: Der Champion (auch Regie, Drehbuch, Schnitt)
  • 1915: Im Park (auch Regie, Drehbuch, Schnitt)
  • 1915: Entführung (auch Regie, Drehbuch, Schnitt)
  • 1915: Der Tramp (auch Regie, Drehbuch, Schnitt)
  • 1915: An der See (auch Regie, Drehbuch, Schnitt)
  • 1915: His Regeneration (ungenannt)
  • 1915: Arbeit (auch Regie, Drehbuch, Schnitt)
  • 1915: Eine Frau (auch Regie, Drehbuch, Schnitt)
  • 1915: Die Bank (auch Regie, Drehbuch, Schnitt)
  • 1915: Gekidnappt (auch Regie, Drehbuch, Schnitt)
  • 1915: Eine Nacht im Variété (auch Regie, Drehbuch, Schnitt)
  • 1915: Charlie Chaplins Carmen-Parodie (auch Regie)
  • 1916: Polizei (auch Regie, Drehbuch)
  • 1916: Burlesque on Carmen (auch Regie, Drehbuch)
  • 1916: Der Ladenaufseher (auch Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent)
  • 1916: Der Feuerwehrmann (auch Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent)
  • 1916: Der Vagabund (auch Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent)
  • 1916: Ein Uhr nachts (auch Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent)
  • 1916: Der Graf (auch Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent)
  • 1916: Das Pfandhaus (auch Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent)
  • 1916: Hinter der Leinwand (auch Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent)
  • 1916: Die Rollschuhbahn (auch Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent)
  • 1916: Leichte Straße (auch Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent)
  • 1917: Die Heilquelle (auch Regie, Drehbuch, Story, Schnitt, Produzent)
  • 1917: Der Einwanderer (auch Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent)
  • 1917: Der Abenteurer (auch Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent)
  • 1918: Wie man Filme macht (nur Regie, Drehbuch, Produzent)
  • 1918: Chase Me Charlie (nur Regie, Drehbuch)
  • 1918: Ein Hundeleben (auch Regie, Drehbuch, Story, Schnitt, Produzent, Musik)
  • 1918: Triple Trouble (auch Regie, Drehbuch, Story)
  • 1918: Die Anleihe (auch Regie, Drehbuch, Produzent)
  • 1918: Gewehr über! (auch Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent, Musik)
  • 1919: The Professor (auch Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent)
  • 1919: Auf der Sonnenseite (auch Regie, Drehbuch, Schnitt, Musik)
  • 1919: Vergnügte Stunden (auch Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent, Musik)
  • 1921: The Kid
  • (auch Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent, Musik)
  • 1921: The Nut (ungenannt)
  • 1921: Die müßige Klasse (auch Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent, Musik)
  • 1922: Nice and Friendly (auch Regie, Drehbuch)
  • 1922: Zahltag (auch Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent, Musik)
  • 1923: Charlie Chaplin - Gehetzte Unschuld (auch Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent)
  • 1923: Die Nächte einer schönen Frau (auch Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent, Musik)
  • 1925: Goldrausch (auch Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent, Musik)
  • 1926: Camille
  • 1926: A Woman of the Sea (nur Produzent)
  • 1928: Der Zirkus (auch Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent, Musik)
  • 1931: Lichter der Großstadt - Eine Komödien-Romance als Pantomime (auch Regie, Drehbuch, Schnitt, Produzent, Musik)
  • 1936: Moderne Zeiten (auch Regie, Drehbuch, Produzent, Musik)
  • 1938: Lachen verboten (nur Regie, Drehbuch)
  • 1938: Charlie Chaplin Cavalcade (nur Regie, Drehbuch, Produzent)
  • 1938: Charlie Chaplin Carnival (nur Regie, Produzent)
  • 1940: Der große Diktator
  • (auch Regie, Drehbuch, Produzent, Musik)
  • 1947: Monsieur Verdoux - Der Frauenmörder von Paris (auch Regie, Drehbuch, Produzent, Musik)
  • 1952: Rampenlicht (auch Regie, Drehbuch, Story, Produzent, Musik)
  • 1957: Ein König in New York (auch Regie, Drehbuch, Produzent, Musik)
  • 1959: The Chaplin Revue (nur Regie, Drehbuch, Produzent, Musik)
  • 1967: Die Gräfin von Hongkong (auch Regie, Drehbuch, Produzent, Musik)
  • 1969: The Adding Machine (nur Drehbuch)
  • 1975: The Gentleman Tramp (nur Musik)
  • 1975: Lauter nette Mädchen (nur Musik)

Filmpreise

OSCAR Nominierungen:
1940: Bester Schauspieler: Der große Diktator
1940: Bester Film: Der große Diktator
1940: Bestes Drehbuch: Der große Diktator
1947: Bestes Drehbuch: Monsieur Verdoux - Der Frauenmörder von Paris

Gewonnene OSCARs
1972: Beste Musik: Rampenlicht