Klaus Kinski †

Nikolaus Günther Nakszynski

Biographie

Klaus Kinski © Universum Film

Geboren am
Gestorben am:
18.10.1926
23.11.1991
in Zoppot, Ostpreußen
Lagunitas, Kalifornien, USA
Autor Stefanie Rufle

Klaus Kinski kann sicherlich ganz getrost als das Enfant terrible des internationalen Films bezeichnet werden, als ein Schauspieler, der schon zu Lebzeiten eine Legende war. Der Exzentriker, der oft krank, ausgemergelt und dem Wahnsinn nahe wirkte, gab sich gerne lasziv und ungepflegt. Nie wusste man so recht, ob er in seinen Filmen eine Rolle spielte oder aber eigentlich nur er selber war. Im internationalen Film galt er als einzigartiges Phänomen, er war ein Darsteller von faszinierender Intensität, der ständig zwischen Genie und Besessenheit schwankte. Gleichzeitig war er der Schrecken seiner Kollegen und Produzenten, alle hatten sie unter seinen Launen zu leiden. Kinski hielt nichts von Proben und sagte einmal: "Hin- und Herlatschen, damit die Regisseure auch mal sehen, warum sie keine Phantasie haben, das mache ich nicht." Eines ist sicher: langweilig wurde es mit einem solchen Schauspielerkollegen nie...

Geboren wurde er am 18. Oktober 1926 als Nikolaus Günther Nakszynski in Zoppot, im heutigen Polen. Er war das jüngste Kind eines unbedeutenden polnischen Opernsängers und wurde schon in die Armut hineingeboren. Im Alter von fünf Jahren wurde Nikolaus von seinen Eltern in ein Heim gebracht und musste sich sein Schuldgeld selber verdienen. Der Junge jobbte als Laufbursche, Schuhputzer, Straßenfeger und sogar als Leichenwäscher - das Kind, das davon keinen psychischen Schaden bekommt, muss erst noch geboren werden! 1944, kurz vor Kriegsende, wurde er als Soldat eingezogen und desertierte kurz darauf. Er kam in britische Gefangenschaft, wo er sein schauspielerisches Talent entdeckte - für die Wärter und Mitgefangenen spielte er immer wieder den Geistesgestörten. Hier nahm er den Namen Klaus Kinski an, den er bis zu seinem Tod behielt. Nach seiner Entlassung ging Klaus nach Berlin und musste dort erfahren, dass seine Mutter tot und sein Vater seit Kriegsende verschollen war. Kinski hatte seine Leidenschaft für das Theater entdeckt und spielte zunächst auf der Bühne in Tübingen. Doch das Provinztheater wurde dem jungen Schauspieler bald zu eng und so ging er zurück nach Berlin, um dort Kabarett zu spielen. Ab 1953 wurde er von Borislaw Barlog, der ihn nach Berlin geholt hatte, gefördert. Doch Klaus Kinski hatte schnell seine Rolle gefunden, er warf die Fensterscheiben in Barlogs Wohnung ein und brach mit seinem Förderer. Laut FAZ begann der Mime seine Laufbahn schon "als Exzentriker der Bühne und des Lebens". Seinen ersten triumphalen Erfolg hatte Kinski als Frau verkleidet in Jean Cocteaus Einakter "La voix humaine" - ein Aufschrei ging durch das prüde Berlin der 50er Jahre! Nebenher machte sich der Schauspieler mit seiner "Ein-Mann-Wanderbühne" einen Namen. Er rezitierte Werke Baudelaires, Nietzsches, Villons und Dostojewskis und füllte Säle mit seiner Vorstellung. Wenn das Publikum allerdings seine Konzentration störte, konnte er sehr ausfallend und jähzornig reagieren - was ihm den Spitznamen "Adolf" einbrachte. So verschrieb sich Kinski, bis auf einige frühe Filme wie "Entscheidung vor Morgengrauen" (1951), "Kinder, Mütter und ein General" (1954) und "Ludwig II. - Glanz und Ende eines Königs" (1954), ganz der Theaterarbeit. Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre nahm er einige Schallplatten mit Texten alter Dichter auf. Bis in die 60er Jahre hinein tourte der Mime von Bühne zu Bühne, bis er merkte, dass im Kino mehr Geld zu machen war.

Er spielte in einigen Edgar Wallace-Filmen mit, wo er oft den Bösewicht gab - seine Ausstrahlung war einfach prädestiniert für die Rolle des Schurken und Psychopathen, weshalb er auch dem Publikum als solcher immer im Gedächtnis blieb. Ein Blick in seine furchterregenden Augen und man nahm ihm jede Greueltat ab. Dieses Image des dämonischen Bösewichtes, das er sich in jener Zeit zugelegt hatte, sollte er nie mehr ganz loswerden. 1960 heiratete der Schauspieler seine zweite Frau, Ruth Brigitte Toecki, mit der er die gemeinsame Tochter Nastassja hatte, die später auch Schauspielerin werden sollte. Aus seiner ersten Ehe mit Gislint Kühlbeck ging auch eine künftige Schauspielerin, Paola Kinski, hervor. 1964 zog Klaus mit seiner Familie nach Rom. Nachdem er in "Dr. Schiwago" (1965) unter der Regie von David Lean eine Nebenrolle gespielt hatte, schaffte er den Sprung in die Besetzungslisten anderer großer Filme unter prominenter Regie und war für kurze Zeit sogar in Hollywood. In bekannten Italo-Western wie Sergio Corbuccis "Leichen pflastern seinen Weg" (1968) und "Für ein paar Dollar mehr" (1965) von Sergio Leone spielte er in einem ganz neuen Bereich. In einem Interview ließ er einmal verlauten, er sei bereit, jeden noch so schlechten Film zu drehen, Hauptsache die Kohle stimme. Sicherlich stand die Qualität der Filme, die er machte, sehr oft in krassem Gegensatz zu seiner schauspielerischen Brillanz, doch war er durchaus auch zu phantastischen Leistungen fähig.

1972 begann mit "Aguirre, der Zorn Gottes" (1972) eine völlig neue Phase in der Laufbahn des Klaus Kinski. Er und der Regisseur Werner Herzog trafen aufeinander und das war der Anfang einer Reihe wirklich guter und anspruchsvoller Filme wie "Nosferatu - Phantom der Nacht" (1978), "Woyzeck" (1979), "Fitzcarraldo" (1981) und "Cobra Verde" (1987). Vor allem "Woyzeck" und "Nosferatu" fanden internationalen Beifall. Kinski gab einmal öffentlich zu, gut damit beraten zu sein, nur noch mit Herzog zu drehen. Gleichzeitig hatte er aber nur Spott und Verachtung für ihn übrig, bezeichnete gar das Drehbuch zu "Aguirre" als "analphabetisch primitiv". Über den Regisseur sagte er: "Herzog ist ein miserabler, gehässiger, missgünstiger, vor Geiz und Geldgier stinkender, bösartiger, sadistischer, verräterischer, erpresserischer, feiger und durch und durch verlogener Mensch." Noch Fragen? Auch dass Kinski seine Rollen aus dem Stehgreif spielte und Drehbüchern und Anweisungen von Regisseuren keine Beachtung schenkte, wird sicherlich wenig zur entspannten Zusammenarbeit des Duos beigetragen haben. 1999 erschien Werner Herzogs Porträt des Schauspielers Klaus Kinski mit dem Titel "Mein liebster Feind". Darin reflektiert der Regisseur das Verhältnis der beiden zueinander - eine späte Rache? Inzwischen hatte der Schauspieler zum dritten Mal geheiratet, Geneviève Minoi, mit der er Sohn Nikolai hatte. Die beiden ließen sich 1981 scheiden. In den 80er Jahren siedelte Kinski nach Kalifornien über und heiratete 1987 Deborah Caprioglio, von der er sich 1989 trennte. Auch privat scheint der Mime sich wohl im Umgang mit anderen Menschen nicht unbedingt leichtgetan zu haben.

Für seinen letzten Film "Paganini" (1988) war er zum einzigen Mal gleichzeitig Regisseur, Hauptdarsteller und Drehbuchautor. In der Nacht vom 22. auf den 23. November 1991 starb Klaus Kinski in seinem Haus in Kalifornien an einem Herzinfarkt. Seine Asche wurde mit einem Boot zur Golden Gate Bridge gefahren und dort in den Pazifik gestreut. Der Schauspieler, der einst ein Angebot von Fellini, dessen Gage ihm zu niedrig war, mit den unflätigsten Worten abschmetterte und dessen Autobiographie "Ich brauche Liebe" als eine der bösartigsten Attacken auf das Filmgeschäft gilt, wird als einer der größten deutschen Charakterdarsteller unvergessen bleiben. Kinski, der insgesamt über 200 Rollen verkörperte, konnte die Zuschauer mit seinem intensiven Spiel in den Bann ziehen. Über ihn wurde einmal gesagt:
"Seine tiefen Augen, die sinnlichen Lippen und ein Blick, in dem Verspieltheit und Irrsinn funkelten, machten ihn zum idealen Darsteller krimineller Außenseiter."


Filmographie Klaus Kinski

  • 1948: Morituri
  • 1951: Entscheidung vor Morgengrauen
  • 1954: Angst
  • 1955: Um Thron und Liebe
  • 1955: Ludwig II. - Glanz und Ende eines Königs
  • 1955: Kinder, Mütter und ein General
  • 1955: Hanussen
  • 1956: Geliebte Corinna
  • 1956: Waldwinter
  • 1958: Zeit zu lieben und Zeit zu sterben
  • 1960: Edgar Wallace: Der Rächer
  • 1961: Edgar Wallace: Die toten Augen von London
  • 1961: Edgar Wallace: Das Geheimnis der gelben Narzissen
  • 1961: Bankraub in der Rue Latour
  • 1961: Die Kurve (TV)
  • 1961: Edgar Wallace: Die seltsame Gräfin
  • 1962: Edgar Wallace: Das Rätsel der roten Orchidee
  • 1962: Verrat auf Befehl
  • 1962: Der rote Rausch
  • 1962: Edgar Wallace: Die Tür mit den 7 Schlössern
  • 1962: Edgar Wallace: Das Gasthaus an der Themse
  • 1963: Die Mondvögel (TV)
  • 1963: Edgar Wallace: Der Zinker
  • 1963: Die schwarze Kobra
  • 1963: Edgar Wallace: Der schwarze Abt
  • 1963: Edgar Wallace: Das indische Tuch
  • 1963: Scotland Yard jagt Dr. Mabuse
  • 1963: Kali Yug - Die Göttin der Rache
  • 1963: Das Geheimnis der schwarzen Witwe
  • 1963: Piccadilly null Uhr zwölf
  • 1964: Der letzte Ritt nach Santa Cruz
  • 1964: Wartezimmer zum Jenseits
  • 1964: Edgar Wallace: Die Gruft mit dem Rätselschloß
  • 1964: Winnetou - 2. Teil
  • 1964: Das Geheimnis der chinesischen Nelke
  • 1964: Edgar Wallace: Das Verrätertor
  • 1965: Edgar Wallace: Neues vom Hexer
  • 1965: Spione unter sich
  • 1965: Unser Mann aus Istanbul
  • 1965: Die Goldpuppen
  • 1965: Für ein paar Dollar mehr
  • 1965: Doktor Schiwago
  • 1966: Edgar Wallace: Das Rätsel des silbernen Dreiecks
  • 1966: Karneval der Killer
  • 1966: Marrakesh
  • 1966: Das Geheimnis der gelben Mönche
  • 1967: Töte Amigo
  • 1967: Edgar Wallace: Die blaue Hand
  • 1967: Sumuru die Tochter des Satans
  • 1967: Die Pagode zum fünften Schrecken
  • 1967: Um jeden Preis
  • 1968: Sartana - Bete um Deinen Tod
  • 1968: Mister zehn Prozent - Miezen und Moneten
  • 1968: Der Teufelsgarten
  • 1968: Das Gold von Sam Cooper
  • 1968: Mit Django kam der Tod
  • 1968: Vatican Story
  • 1968: Der Bastard
  • 1969: Sartana - Töten war sein täglich Brot
  • 1969: Todeskommando Panthersprung
  • 1969: Leichen pflastern seinen Weg
  • 1969: Marquis de Sade - Justine
  • 1969: Kugeln tragen keine Unterschrift
  • 1969: Edgar Wallace: Das Gesicht im Dunkeln
  • 1969: Quintero - Das As der Unterwelt
  • 1969: Im Vorfeld der Hölle
  • 1969: Paroxismus
  • 1970: Mir hat es immer Spaß gemacht
  • 1970: Satan der Rache
  • 1970: Nachts, wenn Dracula erwacht
  • 1970: Der Mann mit der Torpedohaut
  • 1970: Spezialkommando Wildgänse
  • 1970: Churchills Leoparden
  • 1970: Die Bestie
  • 1971: Ich will deinen Kopf
  • 1971: Das Auge der Spinne
  • 1971: Für einen Sarg voller Dollars - Adios Companeros
  • 1971: Abendschau (TV-Serie)
  • 1971: Lo chiamavano King
  • 1971: Das Schloß der blauen Vögel
  • 1971: Drei Amen für den Satan
  • 1971: Der Mörder des Klans
  • 1971: Dracula im Schloß des Schreckens
  • 1971: 1000 $ Kopfgeld
  • 1971: Black Killer
  • 1972: Der Mann mit der Kugelpeitsche
  • 1972: Ein Einsamer kehrt zurück
  • 1972: Aguirre, der Zorn Gottes
  • 1973: Occupation (TV-Serie)
  • 1973: Kategorischer Imperativ gegen ein Verbrechen im Zorn
  • 1973: Eroi all´inferno
  • 1973: Die Mörderbestien
  • 1974: Chi ha rubato il tesoro dello scia?
  • 1974: La mano che nutre la morte
  • 1974: Le amanti des mostro
  • 1975: Spuren auf dem Mond
  • 1975: Nachtblende
  • 1975: Zwei durch dick und dünn
  • 1975: Nobody ist der Größte
  • 1975: Das Netz (1975)
  • 1976: Jack the Ripper
  • 1976: Lifespan
  • 1976: Die Nacht aus Gold
  • 1977: Operation Thunderbolt
  • 1977: Madame Claude und ihre Gazellen
  • 1977: Der Fall Serrano
  • 1978: Roland
  • 1979: Nosferatu - Phantom der Nacht
  • 1979: Zoo zéro
  • 1979: Woyzeck
  • 1980: Haine
  • 1980: Die Kindfrau - Stumme Liebe
  • 1980: Schizoid
  • 1981: Die Früchte der Leidenschaft
  • 1981: Buddy, Buddy
  • 1982: Die schwarze Mamba
  • 1982: Love and Money
  • 1982: Fitzcarraldo
  • 1982: Der Söldner
  • 1982: Der Android
  • 1984: The Secret Diary of Sigmund Freud
  • 1984: Faerie Tale Theatre (TV-Serie)
  • 1984: Die Libelle
  • 1984: The Hitchhiker (TV-Serie)
  • 1984: Geheimcode: Wildgänse
  • 1985: Diamant des Grauens
  • 1985: Die dunkle Macht der Finsternis
  • 1985: Kommando Leopard
  • 1985: Star Knight - Der Herr der Sterne
  • 1986: Killerhaus
  • 1987: Die Zeitfalle (TV)
  • 1987: Cobra Verde
  • 1988: Grandi cacciatori
  • 1988: Nosferatu in Venedig (auch Regie)
  • 1989: Paganini (auch Regie, Drehbuch und Schnitt)