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Gert Fröbe †
Karl-Gerhart Froeber
Biographie
© Constantin Film
|
Geboren am Gestorben am: |
25.2.1912 05.09.1988 |
in |
Planitz, Zwickau, Deutschland München, Bayern, Deutschland |
Autor | Stefanie Rufle |
|---|
"Ich habe mehr als zwanzig Jahre Theater gespielt. Habe in der Provinz angefangen - was viele Kollegen heute als unwürdig bezeichnen. Es muss eben nicht gleich München oder Berlin sein. Als Schauspieler muss man sowas wie eine Persönlichkeit werden. Wenn man auf die Bühne kommt, müssen die Leute sagen - Ah, da kommt jemand! - Dazu muss aber in einem etwas gewachsen sein. Und dazu trägt alles bei: die Liebe, die Trauer, der Schmerz, die Hoffnung und auch das Unglücklichsein. Das alles trägt dazu bei, die Persönlichkeit zu formen, von der man eines Tages sagen kann: das war ein vernünftiger Schauspieler."
Große Worte eines großen Mannes, aus denen aber auch seine ganze Bescheidenheit und Zurückhaltung sprechen. Gert Fröbe, der durch seine Leibesfülle sehr massiv wirkte und dessen Auftreten oft als dröhnend, polternd und raumbeherrschend geschildert wird, war aber entgegen seinem Filmimage als brutaler Bösewicht ein heiterer, gemütlicher Mann und ein wundervoller Komödiant. In jedem Fall war er einer der wenigen typisch deutschen Schauspieler, die es zu internationalem Ansehen gebracht haben.
Geboren wurde Karl Gerhart Froeber in Zwickau als Sohn einer Arbeiterfamilie. Er besuchte das Realgymnasium in seinem Heimatort und bewies schon als Schüler sein Talent als Unterhalter - er trat als begabter Soloviolinist im Rundfunk auf. Seine Karriere begann Fröbe als Bühnenbildner am Theater. Er durchlief am Dresdner Stadttheater eine Ausbildung zum Bühnenmaler und entdeckte seine Leidenschaft für das Theater. Er begann eine Schauspielausbildung bei Erich Ponto in Dresden und später bei Paul Günther in Berlin. 1937 erhielt Gert sein erstes Engagement als Schauspieler und Operettenbuffo an den Städtischen Bühnen Wuppertal. Im gleichen Jahr spielte der Jungschauspieler am Frankfurter Schauspielhaus und erhielt 1939 ein festes Engagement am Frankfurter Opern- und Schauspielhaus. 1940 wechselte er ans Wiener Volkstheater und hätte 1944 ein Engagement am Burgtheater bekommen, wenn ihm der Krieg nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Aber auch jetzt wusste der Mime sich zu helfen: Er deklamierte Morgenstern und Schiller in Lazaretten, Wirtshäusern und auf provisorischen Bühnen. Nach dem Krieg trat er 1947 mit Karl Valentin als Jongleur, Pantomimiker und mit Rezitationen im Münchner "Simpl" auf. Es folgten weitere Auftritte im Frankfurter Großkabarett Skala, in diversen Münchner Nachtclubs und der Hamburger Bonbonniere.
Mit "Berliner Ballade" (1948) von R. A. Stemmle wurde er in der Rolle des spindeldürren Otto Normalverbraucher zum Synonym des typisch Deutschen. Mit zunehmendem Körperumfang wurde der gemütliche Sachse dann zum Symbol für das Wirtschaftswunder. Anfangs hatte Fröbe kleine Rollen im Kino, oft bei Viktor Tourjanski und Paul Hoeven, dann folgten immer öfter auch internationale Produktionen, wie etwa Orson Welles "Herr Satan persönlich" (1955). Dieser Film bedeutete den Durchbruch für den Mimen. Es folgten "Die Helden sind müde" (1955), Ladislav Vojdas "Es geschah am hellichten Tag" (1958) und "Das Mädchen Rosemarie" (1958). Die beiden letzten galten als beste deutsche Filme des Jahres 1958 und zählten mit Sicherheit zu Fröbes interessantesten Filmrollen. Im selben Jahr entstand auch der Erfolgsfilm "Der Pauker" (1958), in dem er bereits zum zweiten Mal an der Seite von Heinz Rühmann spielte. Es folgten das Mabuse-Remake "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" (1960) - der Schauspieler spielte den Kommisar Kras in insgesamt drei "Dr. Mabuse"-Krimis. Dagegen war er in nur einem der fast schon legendären Edgar-Wallace-Filme - "Der grüne Bogenschütze" (1961) - zu sehen. Besonders erwähnenswert ist Fröbes großartiges Spiel in "Via Mala" (1961) als jähzorniger Sägewerkbesitzer Jonas Lauretz. In der "Dreigroschenoper" (1962) stand er mit Curd Jürgens, der den Mackie Messer gab, vor der Kamera. Diese Rolle zählt zu Gert Fröbes besten schauspielerischen Leistungen. 1960 erhielt Fröbe den Ernst-Lubitsch-Preis und den Schauspielerpreis für seine Ganovenrolle in "Der Gauner und der liebe Gott" (1960). Überhaupt konnte dieser beispielslose Charaktertyp auch durchaus in herzerfrischend komischen Rollen überzeugen. "Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten" (1965) und "Tschitti Tschitti Bäng Bäng" (1968) sind nur zwei Beispiele dafür.
Der internationale Durchbruch kam für den Schauspieler mit der Rolle des Auric Goldfinger im James Bond-Film "Goldfinger" (1964), in dem er übrigens von Michael Collins synchronisiert wurde. Kurioserweise wurde Fröbe von da an immer mit diesem Auric Goldfinger verglichen, mit dem er in Wirklichkeit so gar nichts gemein hatte. Dazu sagte er einmal selber: "Ich bin ein stattlicher Mann mit einem Lachen, das meiner Körpergröße entspricht. Das Lächerliche ist, dass seitdem ich den Goldfinger im James Bond-Film gespielt habe, einige Leute darauf bestehen, mich als einen kalten, skrupellosen Schurken, als Mann ohne Lachen zu sehen." Man sagt, auch Sean Connery, der damalige James Bond, sei von Fröbes Spiel sehr beeindruckt gewesen. Fröbe hat insgesamt in über 125 Filmen gespielt, davon 22 in englisch, 17 in französisch und einen sogar in japanisch. Dafür musste er 52 Sätze in der Originalsprache lernen, die er zeitlebens nicht mehr vergaß. Trotzdem blieb Fröbe in jeder Rolle der unverwechselbare Deutsche, alles andere als ein Weltbürger also. Das, obwohl er im eigenen Land stark in die Kritik geraten war wegen seiner Mitgliedschaft bei den Nazis im Zweiten Weltkrieg. Später stellte sich heraus, dass er diese Mitgliedschaft nur dazu genutzt hatte, Juden vor der Gestapo zu verstecken und sie außer Landes zu bringen. Erst in den 70er Jahren kehrte Gert Fröbe zum deutschen Film zurück, u. a. in Filmen wie "Der Räuber Hotzenplotz" (1974). Günther Groll, einer der prominentesten Filmkritiker der 50er und 60er Jahre sagte über den Mimen: "Seine Skala reicht vom Pantomimiker bis zum schweren Helden, er hat verspielte, gewichtige, vitale und morbide, komödiantisch temperamentvolle und gehalten dezente Rollen mit reicher Bravour und Intensität gestaltet." 1978 erhielt Fröbe das Filmband in Gold für sein langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film. Im selben Jahr wurde er mit dem Deutschen Filmpreis Honorary Award ausgezeichnet.
Aber auch das Theater war zeitlebens ein Anliegen des Schauspielers. 1950 beispielsweise war er Stargast in Günter Neumanns Programm "Schwarzer Markt" im Frankfurter Komödienhaus und ging damit anschließend auf Deutschlandtour. Auch für Auftritte bei Betriebsfesten war er sich nicht zu schade - er beglückte sein Publikum mit Gedichten und Rezitationen. 1973 glänzte er im "Raub der Sabinerinnen" am Deutschen Theater in München und hatte von 1974 bis 1979 regelmäßige Auftritte bei der Münchner Lach- und Schiedgesellschaft unter dem Motto "Durch Zufall frei". Immer wieder veranstaltete der Schauspieler Rezitationen mit Morgenstern-Gedichten und Kleinkunstabende. In den letzten Jahren seines Lebens war Gert Fröbe, der Bösewicht, Charakterdarsteller, schwergewichtigen Komiker, Ungeheuer und liebenswerten Großvater in sich vereinte, auch häufig im Fernsehen zu sehen. Die letzten beiden Filme, für die er vor der Kamera stand waren "Alte Sünden rosten nicht" (1985) und die TV-Serie "Der kleine Vampir" (1986). 1988 erschienen die Memoiren ("Auf ein Neues, sagte er...") des Mannes, der insgesamt fünfmal verheiratet gewesen und Vater von Utz und Andreas war. Im Februar 1988 feierte Fröbe nach schwerer Krankheit in Hamburg seinen 75. Geburtstag. Im Herbst desselben Jahres, am 05. September, starb er an einem Herzinfarkt. Ein großer Schauspieler verließ die Bühne des Lebens, der über sich selbst einmal sagte:
"Ich bin glücklich, wenn man mich für einen vernünftigen Schauspieler hält - aber ein Star bin ich nicht."
Filmographie Gert Fröbe
- 1948: Berliner Ballade (auch Sänger)
- 1949: Nach Regen scheint Sonne
- 1950: Die Kreuzlschreiber
- 1951: Entscheidung vor Morgengrauen
- 1952: Der Tag vor der Hochzeit
- 1953: Salto Mortale
- 1953: Der Mann auf dem Drahtseil
- 1953: Die vertagte Hochzeitsnacht
- 1953: Ein Herz spielt falsch
- 1953: Arlette erobert Paris
- 1953: Hochzeit auf Reisen
- 1954: Morgengrauen
- 1954: Die kleine Stadt will schlafen gehen
- 1954: Das Kreuz am Jägersteig
- 1954: Mannequins für Rio
- 1954: Das zweite Leben
- 1954: Ewiger Walzer
- 1955: Die Helden sind müde
- 1955: Herr Satan persönlich
- 1955: Vom Himmel gefallen
- 1955: Der dunkle Stern
- 1955: Ich weiß, wofür ich lebe
- 1955: Das Forsthaus in Tirol
- 1955: Dunja
- 1956: Ein Mädchen aus Flandern
- 1956: Ein Herz schlägt für Erika
- 1956: Waldwinter
- 1957: Kavaliere
- 1957: Typhon sur Nagasaki
- 1957: Robinson soll nicht sterben
- 1957: Der tolle Bomberg
- 1957: Der Mann, der sterben muss
- 1957: Das Herz von St. Pauli
- 1958: Grabenplatz 17
- 1958: Polizeiaktion Dynamit
- 1958: Nasser Asphalt
- 1958: Es geschah am hellichten Tag
- 1958: Das Mädchen Rosemarie
- 1958: Der Pauker
- 1958: Das Mädchen mit den Katzenaugen
- 1958: Nick Knattertons Abenteuer - Der Raub der Gloria Nylon
- 1959: Wolgaschiffer
- 1959: Ihr Verbrechen war Liebe
- 1959: Jons und Erdme - Die Frau des Anderen
- 1959: Und ewig singen die Wälder
- 1959: Menschen im Hotel
- 1959: Am Tag, als der Regen kam
- 1959: Der Schatz vom Toplitzsee
- 1959: Alt Heidelberg
- 1960: Der Gauner und der liebe Gott
- 1960: Das kunstseidene Mädchen
- 1960: Die Nacht der Liebenden
- 1960: Soldatensender Calais
- 1960: Die 1000 Augen des Dr. Mabuse
- 1960: Bis dass das Geld euch scheidet
- 1961: Edgar Wallace: Der grüne Bogenschütze
- 1961: Via Mala
- 1961: Im Stahlnetz des Dr. Mabuse
- 1961: Auf Wiedersehen
- 1962: Die Dreigroschenoper
- 1962: Die Rote
- 1962: Das Testament des Dr. Mabuse
- 1962: Der längste Tag
- 1963: Der Mörder
- 1963: Heute kündigt mir mein Mann
- 1963: Heißes Pflaster
- 1964: 100.000 Dollar in der Sonne
- 1964: Tonio Kröger
- 1964: Der Boß hat sich was ausgedacht
- 1964: James Bond 007 - Goldfinger
- 1965: Sturm über Jamaika
- 1965: Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten
- 1965: Das Liebeskarussell
- 1965: Sturm über Jamaika
- 1966: Der Boß von Paris
- 1966: Ganovenehre
- 1966: Brennt Paris?
- 1966: Spion zwischen zwei Fronten
- 1967: Ich tötete Rasputin
- 1967: Tolldreiste Kerle in rasselnden Raketen
- 1968: Caroline chérie
- 1968: Tschitti Tschitti Bäng Bäng (auch Sänger)
- 1969: Montecarlo Rally
- 1971: Der Millionenraub
- 1972: Ludwig II
- 1974: Der Räuber Hotzenplotz (1974)
- 1974: Ein Unbekannter rechnet ab
- 1974: Der Mann ohne Gesicht (1974)
- 1974: Histoires insolites (TV-Serie)
- 1975: L´ homme sans visage (TV-Serie)
- 1975: Die Öl-Piraten
- 1975: Mein Onkel Theodor
- 1976: Sonntagsgeschichten (TV)
- 1976: Die Schuldigen mit den sauberen Händen
- 1977: Das Gesetz des Clans
- 1977: Das Schlangenei
- 1977: Tod oder Freiheit
- 1978: Der Schimmelreiter
- 1978: Der Tiefstapler
- 1979: Noch ´ne Oper (TV)
- 1979: Blutspur
- 1980: Der Regenschirmmörder
- 1981: Ein sturer Bock (TV)
- 1982: Der Garten (TV)
- 1983: Der Raub der Sabinerinnen (TV)
- 1983: Der Falke
- 1985: Alte Sünden rosten nicht (TV)
- 1986: Der kleine Vampir (TV-Serie)
- 1989: Die Schwarzwaldklinik (TV-Serie)