Karin Dor

Kätherose Derr

Biographie

Karin Dor © Universum Film

Geboren am 22.2.1936 in Wiesbaden, Hessen, Deutschland Autor Stefanie Rufle

Karin Dor zählte in den 60er Jahren zu den populärsten Darstellerinnen des deutschen Unterhaltungskinos. Sie wurde bekannt durch ihre Darstellung der sanften, naiven jungen Frau, des unschuldigen Opfers in deutschen Krimis. Später gelang es ihr aber, diese eindimensionale Typisierung abzulegen, ja, sie entwickelte sich gar zur gefragten Charakterdarstellerin, vor allem durch ihre Rollen in internationalen Filmen.

Geboren wurde Kätherose Derr am 22. Februar 1936 in Wiesbaden. Schon als Gymnasiastin nahm das junge Mädchen Schauspiel- und Ballettunterricht und arbeitete später zunächst als Filmkomparsin. Durch die Regisseure Rabenalt und Reinl wurde die dunkelhaarige Schönheit für den Film entdeckt. Arthur Maria Rabenalt drehte Szenen zu seinem Film "Der letzte Walzer" (1953), als ihm die kleine Filmkomparsin Rose Dor auffiel. Da er wusste, dass sein Freund Harald Reinl, der zeitgleich in derselben Stadt zwei Filme mit Kinderstar Christine Kaufmann drehte, eine junge Schauspielerin suchte, empfahl er diesem seine Entdeckung. Reinl war begeistert und so bekam die Dor ihre ersten beiden kleinen Rollen in den Filmen "Der schweigende Engel" (1953) und "Rosen-Resli" (1953). Der 46jährige promovierte Rechtsanwalt und Regisseur war so angetan von seinem neugeborenen Star, dass er das 18jährige Mädchen heiratete, noch bevor der zweite Film abgedreht war. Diese Ehe brachte Karin Dor ganz schnell weiter auf ihrem Weg zum Ruhm. Nicht nur bei Reinl hatte die junge Schauspielerin große Chancen, sie wurde von Rudolf Jugert als Schülerin in "Ihre große Prüfung" (1954) besetzt, von Hans Grimm in "Kleiner Mann ganz groß" (1957) und von Wolfgang Glück in "Worüber man nicht spricht" (1958). Wirklich bekannt wurde die Dor durch die Edgar Wallace-Verfilmungen, wie etwa "Die Bande des Schreckens" (1960), "Der grüne Bogenschütze" (1961) oder "Der Fälscher von London" (1961). Aber auch in den Dr. Mabuse- und Fu Man Chu-Verfilmungen wirkte die Mimin sehr erfolgreich mit und gab meist die verfolgte Unschuld, die tapfer dem Schurken trotzt, bis sie endlich von ihrem Held errettet wird. So spielte sie 1965 an der Seite von Christopher Lee und Joachim Fuchsberger im Horrorfilm "Ich, Dr. Fu Man Chu" (1965). In Karl Mays "Winnetou II" (1964) spielte Karin Dor Ribanna, Winnetous große Liebe, die um des lieben Friedens willen auf den Apachen-Häuptling verzichtete und stattdessen den weißen Leutnantssohn heiratete. Dieser wurde übrigens von Mario Girotti dargestellt, der sich später Terence Hill nennen sollte.

1964 kündigte sich zum ersten Mal ein Ausbruch aus dem Rollenklischee an. Die Dor spielte in Reinls "Zimmer 13" (1964) eine pathologische Mörderin. 1966 folgte dann die Rolle der dämonischen Brunhilde in den "Nibelungen" (1966 und 1967) - diese Darstellung wird gemeinhin als der Höhepunkt ihrer Karriere bezeichnet. 1967 kam dann mit dem James Bond-Film "Man lebt nur zweimal" (1967) unter der Regie von Lewis Gilbert der internationale Durchbruch für Karin Dor. Als schöne Verführerin sollte sie James Bond (Sean Connery) mit ihrem erotischem Charme zu Tode bringen. In Hitchcocks "Topas" (1969) spielte sie eine heißblütige Kubanerin. Während der Dreharbeiten zu diesem Film kam die Scheidung von Ehemann Harald Reinl im Jahr 1968. Eigentlich hätte nun einer internationalen Filmkarriere nichts mehr im Wege stehen sollen. Doch ihre eigenen psychischen Probleme - vielleicht mit verursacht durch die Scheidung - und die damalige allgemeine Filmflaute verhinderten den endgültigen Durchbruch der Karin Dor. Sie hatte bis in die frühen 70er Jahre hinein immer wieder Gastrollen in internationalen Film- und Fernsehproduktionen wie "Ihr Auftritt Al Mundy" oder "Der Chef" (1970), doch in den 70er Jahren zog sich die Schauspielerin vom Film zurück und orientierte sich neu. Sie übernahm nur noch Rollen für das Fernsehen oder Bühnenengagements, u. a. in Hamburg, Köln, München und Bad Godesberg.

Seither spielt Karin Dor viel Theater, sowohl in Klassikern wie "Tartuffe", wie auch in verschiedenen Boulevard-Komödien wie "Der Neurosenkavalier". Sie lebt heute überwiegend in Los Angeles und wirkt noch gelegentlich in Fernseh- und Kinoproduktionen wie "Ich bin die Andere" (2006) mit. Die Schauspielerin, die taktierende Verführerinnen, politisch Engagierte, hilflose Opfer und pathologische Mörderinnen bravourös darstellen kann, erhielt 1994 den Scharlih-Preis, die bekannteste Auszeichnung, die mit dem Namen Karl May verbunden ist.


Filmographie Karin Dor

  • 1953: Der letzte Walzer
  • 1954: Der schweigende Engel (als Rose Dor)
  • 1954: Rosen-Resli (als Rose Dor)
  • 1954: Rosen aus dem Süden (als Kätherose Derr)
  • 1954: Ihre große Prüfung
  • 1955: Solange du lebst
  • 1956: Santa Lucia
  • 1957: Kleiner Mann - ganz groß
  • 1957: Die Zwillinge vom Zillertal
  • 1957: Almenrausch und Edelweiß
  • 1958: Skandal um Dodo
  • 1958: Mit Eva fing die Sünde an
  • 1958: Worüber man nicht spricht - Frauenarzt Dr. Brand greift ein
  • 1958: 13 kleine Esel und der Sonnenhof
  • 1959: So angelt man keinen Mann
  • 1959: Das blaue Meer und Du
  • 1959: Ein Sommer, den man nie vergißt
  • 1960: Edgar Wallace: Die Bande des Schreckens
  • 1960: Im weißen Rößl
  • 1961: Edgar Wallace: Der grüne Bogenschütze
  • 1961: Bei Pichler stimmt die Kasse nicht
  • 1961: Ein Leben wie im Paradies
  • 1961: Edgar Wallace: Der Fälscher von London
  • 1961: Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn
  • 1961: Im schwarzen Rössel am Wolfgangsee
  • 1962: Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse
  • 1962: Der Teppich des Grauens
  • 1962: Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett
  • 1962: Der Schatz im Silbersee
  • 1963: Die weiße Spinne
  • 1963: Edgar Wallace: Der Würger von Schloß Blackmoor
  • 1963: Das Geheimnis der schwarzen Witwe
  • 1964: Edgar Wallace: Zimmer 13
  • 1964: Winnetou - 2. Teil
  • 1965: Hotel der toten Gäste
  • 1965: Der letzte Mohikaner (1965)
  • 1965: Ich, Dr. Fu Man Chu
  • 1965: Winnetou - 3. Teil
  • 1965: Ich habe sie gut gekannt
  • 1965: Edgar Wallace: Der unheimliche Mönch
  • 1966: Die tollen Nichten des Grafen Bobby
  • 1966: Der Mann mit den 1000 Masken
  • 1966: Karneval der Killer
  • 1966: Das Geheimnis der gelben Mönche
  • 1966: Die Nibelungen, Teil 1: Siegfried
  • 1967: Die Nibelungen, Teil 2: Kriemhilds Rache
  • 1967: James Bond 007 - Man lebt nur zweimal
  • 1967: Die Schlangengrube und das Pendel
  • 1968: Caroline Chérie: Schön wie die Sünde
  • 1968: Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten
  • 1969: Ihr Auftritt, Al Mundy (TV-Serie)
  • 1969: Topas
  • 1970: Dracula jagt Frankenstein
  • 1970: Der Chef (TV-Serie)
  • 1970: FBI (TV-Serie)
  • 1971: Haie an Bord
  • 1974: Die Antwort kennt nur der Wind
  • 1974: Hochzeitsnacht im Paradies (TV)
  • 1975: Four Against the Desert (TV)
  • 1977: Dark Echo
  • 1977: Mission Overkill
  • 1977: Frauenstation
  • 1987: Johann Strauss - Der König ohne Krone
  • 1990: Die große Freiheit (TV-Serie)
  • 1993: Mein Freund, der Lipizzaner (TV)
  • 1998: Rosamunde Pilcher - Der Preis der Liebe (TV)
  • 2000: Rosamunde Pilcher - Ruf der Vergangenheit (TV)
  • 2001: SOKO 5113 (TV-Serie)
  • 2004: Inga Lindström - Sehnsucht nach Marielund (TV)
  • 2006: Ich bin die Andere
  • 2010: Das Traumschiff (TV-Serie)