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Maximilian Schell
Biographie
© Arthaus
| Geboren am | 8.12.1930 | in | Wien, Österreich | Autor | Stefanie Rufle |
|---|
Den Schauspieler Maximilian Schell kann man sicherlich mit Fug und Recht als eine der ungewöhnlichsten Erscheinungen im internationalen Kino und Theater ansehen. Er ist das, was man gemeinhin als Multitalent bezeichnet, er spielt, inszeniert, produziert und richtet Opern ein. Gleichzeitig ist er bekannt dafür, ein Außenseiter und Einzelgänger zu sein und ist heute kaum noch bereit, Kompromisse einzugehen. Über seine Arbeit sagt er selber:
"Man sollte eigentlich im Film nur das machen, was in einem anderen Medium unmöglich wäre."
Maximilian wurde am 08. Dezember 1930 als Sohn der österreichischen Schauspielerin Margarethe Noe von Nordberg und des Schweizer Schriftstellers Hermann Ferdinand Schell in Wien geboren. 1938 zog die Familie in die Schweiz um, Maximilian wuchs dort mit seinen Geschwistern Maria, Immy und Carl auf. Schon mit elf Jahren hatte der Junge sein Schauspieldebut - er spielte am Zürcher Schauspielhaus den Walter Tell. Nach dem Abitur studierte Maximilian an den Universitäten in Zürich, München und Basel Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie. 1953 begann er dann seine künstlerische Laufbahn an der Basler Komödie als Dramaturg, Regisseur und Schauspieler. In den Jahren 1954 bis 1957 sammelte er schauspielerische Erfahrung in Essen, Bonn, Lübeck, München, Berlin, bei den Salzburger Festspielen und schließlich in London. Auf der Bühne des Londoner Royal Court Theatre spielte er zum ersten Mal in englischer Sprache in dem Stück "A Patriot for me", das er dann auch ins Deutsche übertrug. 1958 ging der junge Schauspieler dann nach New York. Er erhielt seine erste Rolle in einem amerikanischen Film durch einen kleinen "Unfall". Die Produzenten hatten eigentlich eher an Schells Schwester Maria gedacht, die auch eine bekannte Schauspielerin war, doch da gab es wohl einen kleinen Kommunikationsfehler. So wurde statt Maria Schell deren Bruder Maximilian verpflichtet und er spielte an der Seite von Marlon Brando, Montgomery Clift und Dean Martin im Kriegsfilm "Die jungen Löwen" (1958). Schell beeindruckte die Produzenten mit seiner Darstellung derart, dass er daraufhin eine Rolle in einer Fernsehserie bekam ("Playhouse 90"), die die Nürnberger Prozesse behandelte. Aus dieser Serie entstand der Kinofilm "Das Urteil von Nürnberg" (1961), in dem Maximilian die Rolle des deutschen Verteidigers spielte. Für diese Rolle erhielt der Mime als erster deutschsprachiger Schauspieler nach dem Krieg den OSCAR und stach damit seinen Co-Star Spencer Tracy aus. Mit dieser Auszeichnung war Schell auch erster Schauspieler überhaupt, der für eine Rolle den OSCAR bekam, die er zuvor schon im Fernsehen gespielt hatte. Für "Das Urteil von Nürnberg" wurde der deutsche Schauspieler außerdem mit dem Golden Globe geehrt. Damit begann die beispiellose Karriere des erfolgreichsten deutschsprachigen Schauspielers in englischsprachigen Filmen seit Emil Jannings. Im Gegensatz zu Jannings war Maximilian Schell allerdings immer ein erklärter Nazi-Gegner.
Weitere internationale wie deutsche Produktionen folgten: "Ein Fremder kommt an" (1962), "Topkapi" (1964), "Anruf für einen Toten" (1966), "Der Befehl" (1968) oder auch "Heidi kehrt heim" (1968). 1971 führte Schell zum ersten Mal Regie bei dem Film "Erste Liebe" (1971), bei dem er auch selber mitspielte und für den er wieder eine OSCAR Nominierung erhielt. Diesen Film hatte der Schauspieler auch produziert und zudem das Drehbuch geschrieben. Immer öfter gab es nun Filme mit Maximilian Schell, wo er auch Regie führte, Drehbuch schrieb und/oder Produzent war. Schon 1974 folgte wieder eine OSCAR Nominierung für "Der Fußgänger" (1974) - auch hier war er mehrfach beteiligt und gewann den Golden Globe als bester Schauspieler. Noch für zwei weitere OSCAR Nominierungen hat es dem Schauspieler bisher gereicht: 1975 für "The Man in the Glass Booth" (1975) und 1977 für "Julia" (1977). Zusammen mit dem Schweizer Autor Friedrich Dürrenmatt verfilmte er dessen Buch "Der Richter und sein Henker" (1975) - Schell schrieb das Drehbuch, führte Regie und produzierte den Film. Eine seiner ganz großen Arbeiten war der Dokumentarfilm "Marlene Dietrich - Porträt eines Mythos"(1984), den Schell 1983 noch mit der großen Diva erarbeitete. Die Dietrich verweigerte sich zwar vor der Kamera, stand Schell aber für Tonbandaufnahmen zur Verfügung. Es entstand ein eigenwilliges und sehr persönliches Porträt, zu dem Maximilian Schell das Drehbuch geschrieben hatte und gleichzeitig Regisseur war. "Marlene" wurde weithin als Meisterstück gepriesen und war 1985 als bester Dokumentarfilm für den OSCAR nominiert. Im Jahr 1985 heiratete der Mime Natalya Andrejchenko, mit der er eine Tochter hat. Immer häufiger spielte Schell jetzt auch in Fernsehproduktionen, wie etwa "Peter der Große"(1986) oder "Kampf gegen die Mafia" (1990) mit. Für seine Darstellung in "Stalin" (1992) erhielt er den Golden Globe. 1993 war Schell noch einmal in einer Dürrenmatt-Verfilmung zu sehen: in "Justiz" (1993) von Hans W. Geissendörfer gab er den mörderischen Regierungsrat. Zu seinen aufsehenerregendsten Filmarbeiten zählt ganz sicher auch das amerikanische Gangsterdrama "Little Odessa" (1994). Allein im Jahr 1997 hat der eigenwillige Mime innerhalb eines halben Jahres mehr als zwanzig Drehbücher abgelehnt, weil ihm Buch oder Regie missfielen. Die Rolle des Geigers Carl Stern im Drama "Zwischen Rosen" (1997), für die eigentlich Klaus Maria Brandauer vorgesehen gewesen war, nahm er aber gerne an. Seine bisher letzte Regiearbeit war das Porträt seiner Schwester Maria Schell - "Meine Schwester Maria" (2002), eine Dokumentation über die Karriere seiner Schwester und sein Verhältnis zu ihr.
Seit den 90er Jahren ist Schell in vielen deutschen Fersehfilmen zu sehen, so zum Beispiel in der Henning Mankell-Verfilmung "Die Rückkehr des Tanzlehrers" (2004). In der Produktion "The Brothers Bloom" (2009) ist er neben Rachel Weisz, Adrien Brody, Mark Ruffalo und Robbie Coltrane zu bewundern. Maximilian Schell, der übrigens der Patenonkel von Schauspielerin Angelina Jolie ist, zählt neben Maurice Chevalier und Marcello Mastroianni zu den erfolgreichsten nicht englischsprachigen ausländischen Schauspielern in der Geschichte des amerikanischen Kinos. Im Jahr 2000 erhielt er den Preis "Actor of the Millenium" am "The Baltic Pearl Film"-Festival in Lativa. Er ist immer wieder auf der Bühne zu sehen, wie etwa 2000 im Broadway-Stück "Judgement at Nuremberg", der Bühnenversion der Nürnberger Prozesse. Er führt weiterhin Regie bei Opernproduktionen, zum Beispiel bei einer Schweizer Produktion von Verdis "La Traviata". 2009 erhielt Maximilian Schell den deutschen Bambi für sein Lebenswerk.
Filmographie Maximilian Schell
- 1955: Kinder, Mütter und ein General
- 1955: Der 20. Juli
- 1955: Reifende Jugend
- 1956: Ein Mädchen aus Flandern
- 1956: Die Ehe des Dr. med. Danwitz
- 1956: Ein Herz kehrt heim
- 1957: Taxichauffeur Bänz
- 1957: Die Letzten werden die Ersten sein
- 1958: Die jungen Löwen
- 1958: Kinder der Berge
- 1958: Die Bernauerin (TV)
- 1959: Playhouse 90 (TV-Serie)
- 1959: Westinghouse Desilu Playhouse (TV-Serie)
- 1959: Eine Dummheit macht auch der Gescheiteste (TV)
- 1960: The Fifth Column (TV)
- 1960: Sunday Showcase (TV-Serie)
- 1960: Alcoa Theatre (TV-Serie)
- 1960: The Three Musketeers (TV)
- 1961: Hamlet, Prinz von Dänemark (TV)
- 1961: Das Urteil von Nürnberg
- 1962: Ein Fremder kam an
- 1962: Die Eingeschlossenen von Altona
- 1962: Ein sonderbarer Heiliger
- 1964: Letters of Mozart - Briefe Mozarts
- 1964: Topkapi
- 1965: Der seidene Schuh (TV-Serie)
- 1966: Eine Tür fällt zu
- 1966: Anruf für einen Toten
- 1967: Bob Hope Presents the Chrysler Theatre (TV-Serie)
- 1967: Alles zum Guten (TV) (nur Regie)
- 1968: Der Befehl
- 1968: Flucht aus der Taiga
- 1968: Heidi kehrt heim (TV)
- 1968: Das Schloß (auch Co-Produzent und Drehbuch)
- 1969: Krakatoa - Das größte Abenteuer des letzten Jahrhunderts
- 1969: Simón Bolívar
- 1970: Erste Liebe (auch Drehbuch, Regie und Produzent)
- 1971: Trotta - Die Kapuzinergruft (nur Drehbuch)
- 1972: Papst Johanna
- 1972: Paulina 1880
- 1973: Der Fußgänger (auch Drehbuch, Regie und Produzent)
- 1974: The Rehearsal
- 1974: Die Akte Odessa
- 1975: Der Tag, der die Welt veränderte
- 1975: The Man in the Glass Booth
- 1975: Der Richter und sein Henker (nur Stimme) (auch Drehbuch, Regie und Produzent)
- 1976: Der Tag der Abrechnung
- 1976: Ansichten eines Clowns (nur Produzent)
- 1977: Steiner - Das Eiserne Kreuz
- 1977: Die Brücke von Arnheim
- 1977: Julia (1977)
- 1979: Spiel mit der Liebe
- 1979: Lawinenexpress
- 1979: Amo non amo
- 1979: Das schwarze Loch
- 1979: Geschichten aus dem Wienerwald (nur Drehbuch, Regie und Produzent)
- 1980: Das Tagebuch der Anne Frank (TV)
- 1981: Die Erwählten
- 1983: Phantom der Oper (TV)
- 1983: Les îles
- 1984: Morgen in Alabama
- 1984: Marlene Dietrich - Porträt eines Mythos (nur Drehbuch und Regie)
- 1985: Die Verschwörung von Assisi
- 1986: Peter der Große (TV-Serie)
- 1989: Der Rosengarten
- 1990: Freshman
- 1990: Kampf gegen die Mafia (TV-Serie)
- 1991: Die junge Katharina (TV)
- 1992: Miss Rose White (TV)
- 1992: Stalin (TV)
- 1993: Die Spur des Windes - Das letzte große Abenteuer
- 1993: Justiz
- 1993: Candles in the Dark (TV) (auch Regie)
- 1994: Die Bibel - Abraham (TV)
- 1994: Little Odessa - Eiskalt wie der Tod
- 1996: The Vampyre Wars
- 1996: Die Dornenvögel - Die verlorenen Jahre (TV)
- 1997: Zwischen Rosen
- 1997: American Dreamer - Charmante Lügner
- 1997: Biography (TV-Serie)
- 1998: Der achtzehnte Engel
- 1998: Kalmans Geheimnis
- 1998: John Carpenter´s Vampire
- 1998: Deep Impact
- 1999: Wer liebt, dem wachsen Flügel...
- 1999: Jeanne d´Arc - Die Frau des Jahrtausends (TV)
- 2000: I Love You, Baby
- 2000: Fisimatenten
- 2001: The Song of the Lark (TV)
- 2001: Festival in Cannes
- 2002: Liebe, Lügen, Leidenschaften (TV-Serie)
- 2002: Der Bestseller - Mord auf italienisch (TV)
- 2002: Meine Schwester Maria (nur Drehbuch, Regie und Ex.Produzent)
- 2003: Alles Glück dieser Erde (TV)
- 2003: Der Fürst und das Mädchen (TV-Serie)
- 2003: Coast to Coast (TV)
- 2004: Die Rückkehr des Tanzlehrers (TV)
- 2005: Die Liebe eines Priesters (TV)
- 2006: Giganten: Albert Einstein (TV)
- 2006: Die Alpenklinik (TV)
- 2006: Das Haus der schlafenden Schönen
- 2006: Rosamunde Pilcher - Die Muschelsucher (TV)
- 2007: Die Rosenkönigin (TV)
- 2009: Brothers Bloom
- 2009: Schwarze Blumen
- 2009: T.M.A.
Filmpreise
Golden Globe Nominierungen:
1975: Bester Schauspieler - Drama: The Man in the Glass Booth
1977: Bester Nebendarsteller: Julia
Gewonnene Golden Globes:
1961: Bester Schauspieler - Drama: Das Urteil von Nürnberg
OSCAR Nominierungen:
1975: Bester Schauspieler: The Man in the Glass Booth
1977: Bester Nebendarsteller: Julia
Gewonnene OSCARS:
1961: Bester Schauspieler: Das Urteil von Nürnberg