Richard Burton †

Richard Walter Jenkins

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Biographie

Richard Burton © Warner Bros.

Geboren am
Gestorben am:
10.11.1925
05.08.1984
in Pontrhydyfen, Wales, UK
Céligny, Genf, Schweiz
Autor Stefanie Rufle

Richard Burton war einer der großen britischen Schauspieler der Nachkriegszeit, die es in Hollywood zu etwas gebracht haben. Sein ausschweifendes Privatleben, seine Alkoholabhängigkeit und seine zwei, gelinde ausgedrückt, doch sehr turbulenten Ehen mit Hollywood-Diva Elizabeth Taylor, verhalfen ihm zu einem etwas zweifelhaften Ruf. Gleichzeitig war er bekannt für seine außergewöhnliche Intelligenz und Belesenheit - Gedichte und Lesen zählten zu den ganz großen Leidenschaften des Shakespeare-Kenners. Ein berühmter Ausspruch von ihm ist:
"Home is where the books are."

Als zwölftes von dreizehn Kindern einer walisischen Bergarbeiterfamilie wurde Richard Walter Jenkins am 10. November 1925 in Pontrhydyfen in Wales geboren. Seine Mutter starb, als Richard zwei Jahre alt war. Der kleine Junge wurde von seiner älteren Schwester Cis und deren Ehemann großgezogen. Sein Lehrer Philip Burton half ihm in der Schule, sein sprachliches Talent zu entfalten und den walisischen Akzent loszuwerden. Philip wurde zu Richards Tutor, und seinen späteren Künstlernamen Burton lieh Rich sich von Philip aus, den er als seinen Adoptivvater bezeichnete. Später einmal sagte der Schauspieler, dass der Ausweg aus seinem armen Elternhaus nicht etwa die Schauspielerei, sondern vielmehr die Bücher gewesen seien - angeblich las er eines pro Tag. Richard erhielt ein Stipendium für die Oxford Universität für ein Schauspielstudium. In den frühen 40er Jahren hatte er seine ersten Bühnenauftritte und bald kamen die ersten Filmrollen hinzu. So spielte er etwa in "The Last Days of Dolwyn" (1949), "Schicksal zwischen Ebbe und Flut" (1950) und "Green Grow the Rushes" (1951). Sein Hollywood-Debut hatte der Mime mit der Hauptrolle in "Meine Cousine Rachel" (1952), für die er auch seine erste OSCAR-Nominierung erhielt. Mit diesem Film, wie auch mit "Das Gewand" (1953) und "Alexander der Große" (1956) weckte Burton das Interesse von Publikum und Produzenten. Die späten 50er Jahre waren überhaupt eine aufregende Zeit im britischen Kino, sie wurden als "British New Wave" bezeichnet. Richard war mittendrin, er gab eine grandiose Vorstellung in "Blick zurück im Zorn" (1958) und spielte in "Der längste Tag" (1962) in einer wahren Riege internationaler Stars. Dann kam die legendäre Rolle des Marc Antony in "Cleopatra" (1963), wo er zum ersten Mal auf Liz Taylor traf. Dieser Film war gleichzeitig der Beginn einer leidenschaftlichen und zerstörerischen Romanze, die in gleich zwei Ehen und zwei Scheidungen gipfeln sollte. Rich behauptete später, das wirkliche Spielen für den Film erst durch diesen Film an der Seite von Liz gelernt zu haben. Nach 14 Jahren Ehe ließ Burton sich kurz nach "Cleopatra" von seiner Frau scheiden, um Elizabeth heiraten zu können - das war der Beginn eines unvorstellbaren Medienrummels um das skandalträchtige Paar. Taylor und Burton standen gemeinsam in mehreren Produktionen vor der Kamera, so etwa in "Hotel International" (1963), "...die alles begehren" (1965), "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" (1966), das ein fast schon beängstigendes Spiegelbild der Beziehung der beiden zueinander bot und "Der Widerspenstigen Zähmung" (1967). Allerdings wird behauptet, dass Burton ohne die Taylor besser spielte.

Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre verblasste der Stern des Richard Burton allmählich beim Publikum. Seine Fans wandten sich mehr und mehr jüngeren Stars zu und ab 1975 gingen die guten Rollen an andere. Burton fand sich plötzlich in eher dubiosen Produktionen wieder und drehte, um seine Rechnungen bezahlen zu können, Filme wie "Verflucht sind sie Alle" (1974), "Exorzist II - Der Ketzer" (1977) und "Der Schrecken der Medusa" (1978). Mit "Die Wildgänse kommen" (1978), einem Film über Söldner in Südafrika, sollte dem Mimen neben Richard Harris und Roger Moore nocheinmal ein großer Wurf gelingen. Die letzten beiden großen Auftritte von Richard Burton waren in "1984" (1984) und der TV-Serie "Ellis Island" (1984). Weniger als eine Woche vor Drehbeginn zu "The Wild Geese II", der Fortsetzung zu "Die Wildgänse", starb Richard Burton am 05. August 1984 in Céligny in der Schweiz an einem Blutsturz im Gehirn. Nach einigen Problemen, in so kurzer Zeit einen Nachfolger für Burton zu finden, konnte der Film dann aber doch noch abgedreht werden und wurde dem Andenken von Richard gewidmet. Angeblich hat Burton den jungen Kevin Costner ermutigt, sich ganz und gar der Schauspielerei zu widmen. Auf einem Flug von Mexiko nach Kalifornien traf Richard den jungen Mann, der sich sehr für das Schauspiel interessierte. Nach seinem Gespräch mit Rich gab Kevin seinen Job auf - wir alle wissen ja, was daraus geworden ist...

Richard Burton, der Zeit seines Lebens Raubbau mit seiner Gesundheit betrieben hatte, der als Alkoholiker berüchtigt und deshalb der Schreck der Produzenten gewesen war, wurde nicht einmal sechzig Jahre alt. Wegen seines jahrelangen Alkoholmissbrauchs und des starken Rauchens, war er oft in einem derart katastrophalen gesundheitlichen Zustand, dass die Dreharbeiten und Bühneninszenierungen darunter litten. So musste er die Aufführung von "Camelot" in Los Angeles unterbrechen, weil seine Wirbelsäule durch die Trinkerei derart geschädigt war, dass er sich einer Wirbelsäulenoperation unterziehen musste. Wäre dort etwas schiefgegangen, wäre er für den Rest seines Lebens gelähmt gewesen. Und doch entschuldigte er seinen Lebenswandel immer wieder vor sich selber und der Öffentlichkeit, sagte einmal gar: "Mir fällt so spontan kein interessanter Mann ein, der nicht trinkt." Richard Burton war beides: besonders zu Anfang seiner Karriere ein vielversprechendes Talent, ein Schauspieler, der durch seine Vielseitigkeit, Spontaneität und durch seinen Ausdrucksreichtum bestach. Und andererseits ein Mann, der am Leben zerbrach und dem es nicht gelingen wollte, sich von seiner Vergangenheit zu befreien.


Filmographie Richard Burton

  • 1949: The Last Days of Dolwyn
  • 1949: Now Barabbas
  • 1950: The Woman with No Name
  • 1950: Schicksal zwischen Ebbe und Flut
  • 1951: Green Grow the Rushes
  • 1952: Celanese Theatre (TV-Serie)
  • 1952: Meine Cousine Rachel
  • 1953: Die Wüstenratten
  • 1953: Das Gewand
  • 1955: König der Schauspieler
  • 1955: Der große Regen
  • 1956: Alexander der Große
  • 1956: The James Mason Show (TV-Serie)
  • 1957: Bitter war der Sieg
  • 1957: Treibgut der Leidenschaft
  • 1958: Blick zurück im Zorn
  • 1958: The DuPont Show of the Month (TV-Serie)
  • 1959: Sen noci svatojanske
  • 1960: A Subject of Scandal and Concern (TV)
  • 1960: Titanen
  • 1960: Hallmark Hall of Fame (TV-Serie)
  • 1960: Jeder zahlt für seine Schuld
  • 1960: The Fifth Column (TV)
  • 1962: Der längste Tag
  • 1963: Cleopatra
  • 1963: Hotel International
  • 1963: Der Hausmeister (nur Produktions-Assistent)
  • 1964: Zulu (nur Stimme)
  • 1964: Becket
  • 1964: Die Nacht des Leguan
  • 1964: Hamlet
  • 1965: Was gibt´s Neues, Pussy?
  • 1965: Die alles begehren
  • 1965: Der Spion, der aus der Kälte kam
  • 1966: Wer hat Angst vor Virginia Woolf?
  • 1967: Der Widerspenstigen Zähmung
  • (auch Produzent)
  • 1967: Doctor Faustus (auch Produzent und Regie)
  • 1967: Die Stunde der Komödianten
  • 1968: Brandung
  • 1968: Agenten sterben einsam
  • 1968: Candy (1968)
  • 1969: Unter der Treppe
  • 1969: Königin für tausend Tage
  • 1971: Mooch Goes to Hollywood
  • 1971: Im Morgengrauen brach die Hölle los
  • 1971: Die alles zur Sau machen
  • 1972: Under Milk Wood
  • 1972: Blaubart
  • 1972: Hammersmith ist raus
  • 1972: Die Ermordung Trotzkis
  • 1973: Divorce His - Divorce Hers (TV)
  • 1973: Die fünfte Offensive
  • 1973: Das Massaker - Der Fall Kappler
  • 1974: Die Reise nach Palermo
  • 1974: Verflucht sind sie alle
  • 1974: Brief Encounter (TV)
  • 1974: The Gathering Storm (TV)
  • 1977: Der Exorzist II - Der Ketzer
  • 1977: Fliehende Pferde
  • 1978: Der Schrecken der Medusa
  • 1978: Die Wildgänse kommen
  • 1978: Absolution
  • 1979: Steiner - Das eiserne Kreuz, 2. Teil
  • 1980: 2 Herzen voller Liebe
  • 1981: Lovespell
  • 1983: Alice in Wonderland (TV)
  • 1983: Wagner (TV-Serie)
  • 1984: 1984
  • 1984: Ellis Island (TV-Serie)
  • 1992: Under Milk Wood (TV) (nur Stimme)
  • 2000: Jeff Wayne´s Musical Version of The War of The Worlds

Filmpreise

Golden Globe Nominierungen:
1958: Bester Schauspieler - Drama: Blick zurück im Zorn
1964: Bester Schauspieler - Drama: Becket
1966: Bester Schauspieler - Drama: Wer hat Angst vor Virginia Woolf?
1967: Bester Schauspieler - Musical/Comedy: Der Widerspenstigen Zähmung
1969: Bester Schauspieler - Drama: Königin für tausend Tage

Gewonnene Golden Globes:
1977: Bester Schauspieler - Drama: Fliehende Pferde

OSCAR Nominierungen:
1952: Bester Newcomer: Meine Cousine Rachel
1952: Bester Nebendarsteller: Meine Cousine Rachel
1953: Bester Hauptdarsteller: Das Gewand
1964: Bester Hauptdarsteller: Becket
1965: Bester Hauptdarsteller: Der Spion, der aus der Kälte kam
1966: Bester Hauptdarsteller: Wer hat Angst vor Virginia Woolf?
1969: Bester Hauptdarsteller: Königin für tausend Tage
1977: Bester Hauptdarsteller: Fliehende Pferde